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Erhaltung von Trockenbiotopen

Ein aufgelassener Acker - ein Brachacker - was nun ?

............ und dann noch dazu im Besitz des Naturschutzes ! Dauerhaft !! eine pflanzen- und tierfreundliche Insel mit Zukunft also, ein ökologisch ausbaubarer Trittstein im (fast) zerrissenen Netz kleiner und kleinster naturnaher Feldbiotope eines Landschaftsteils ! Da kommt zunächst nur Freude auf - mindestens bei den "Naturschützern" und Jägern.
Aber da tauchen schnell Fragen auf, Probleme stellen sich ein. Die Hauptfrage wird immer wieder gestellt: - Was soll aus der Fläche werden ? - Ja, was denn eigentlich ?

Versuch einer Antwort:
Der Boden ist karg auf unserer Fläche, mager, ein Grenzertragsboden aus der Sicht der Landwirtschaft oder gar noch schlechter. Die Landschaft ist stark ausgeräumt, die wenigen verbliebenen Strukturen wie ein Heckenstreifen und schmaler Wegrandbewuchs schreien förmlich nach ergänzender, strukturschaffender Heckenpflanzung.

Die Kargheit des Bodens und die Sonnenexponiertheit drängen die Überlegungen in die Richtung Magerrasen, denn ein Trockenbiotop ist die Fläche sowieso.

Also alles klar: wir legen und pflanzen einige Benjes-Heckenzüge und .........., ja, was denn nun ? Nicht mehr alles klar ? - Doch, doch, wir reißen die alte verfilzte Grasdecke (aus ehemaliger landwirtschaftliche Aussaat ) auf und - warten ab! Wo alle Bedingungen für einen Magerrasen sprechen - da wird sich schon ein Magerrasen entwickeln!

Denkste! - Oder doch ?

Erster Sommer des Geschehens:

- über 60 Pflanzenarten stellen sich ein
- davon fast 40 Arten der Ackerfluren
- darunter drei Arten, die in Niedersachsen und anderswo als stark gefährdet gelten (RL 2 u. 3)
- darunter auch 2-3 Arten (Ackerkratzdistel, Kanadisches Berufkraut ) mit kräftigem Wuchs und starker Dominanz ( wenn die sich weiter so vermehren!)
- auch erste Eichenkeimlinge tauchen auf !
- 6 Heuschrecken - Arten finden wir in kleinen und großen Stückzahlen, darunter eine Art, die - hier im westlichen Landkreis bisher nicht bekannt ist
- mehr als 10 Arten von Tagschmetterlingen suchen Nektar an den zahlreichen Blüten der Ackerflora.
- für Neuntöter, Goldammer, Gartengrasmücke, Dorngrasmücke, Feld- und Hauspatz, sowie für das Rebhuhn und die Feldlerche ist die Fläche bereits im ersten Jahr Brut-, Nahrungs- oder sogar Dauerlebensraum geworden.

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Sandmagerrasen mit Zwergfilzkraut und Silbergras

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Feldlerche

Insgesamt also ein vielversprechender Anfang ! - Ist das aber der erste Schritt hin zum Magerrasen ?

Ein zweites Problem: kann sich der Mensch hier schrittweise überflüssig machen? Ist gesichert, daß die in Frage stehende Fläche dauerhaft der Entwicklung von Lebensgemeinschaften dienen kann, dann besteht grundsätzlich die Möglichkeit, diese Fläche unbeeinflußt der Sukzession zu überlassen. Ob Acker oder Grünland, die Fläche wird im Anfang zunächst zur Hochstaudenflur. Es sind einfach noch zu viele Nährstoffe im Boden ! Bald wandern erste Sträucher ein und über eine Verbuschung entwickelt sich über 1-2 oder 3 Jahrzehnte ein Mischwald.

Es ist also gar nicht so schwer, sich überflüssig zu machen - und doch........

Präzisieren wir die Frage :

Warum überhaupt eingreifen ? - Es gibt hier manigfaltige Gründe, eine Fläche nicht nur beobachtend zu begleiten :
- bei einer gepachteten Fläche verlangt der Verpächter u.U. die Verhinderung der Verbuschung
- es gibt auch Gründe des Naturschutzes, eine Fläche nicht völlig verbuschen oder sich zum Wald entwickeln zu lassen:
*Die Fläche beherbergt Restbestände seltenerer Pflanzenarten bzw. Pflanzengesellschaften, sowie Insekten und Vögel offener Lebensräume.
* Die Fläche hat das Potential (z.B. unser trockener Sandacker ) zur Entwicklung eines Magerrasens. Dieser Biotoptyp ist heute seltener als Feuchtgebiete; seine Lebensgemeinschaften sind extrem bedroht. Hier zählt heute schon jeder Hektar.
* Die Fläche zeigt sehr unterschiedliche Standortbedingungen ( z.B. von extrem trocken hin zu feucht bis naß). Solche Übergangsbiotope sind von ganz besonderem Wert, da es sie kaum noch gibt (es herrscht in unserer Landschaft das Prinzip der harten, übergangslosen Grenzen durch die allgemeine Inkulturnahme!).


Jede Fläche hat - bei allen Kenntnissen, die inzwischen über die Brachenentwicklung, über die verschiedensten Entwicklungsmaßnahmen bei formuliertem Ziel gesammelt worden sind - ihre ganz individuellen Bedingungen. Nur in Ausnahmefällen wird das formulierte Ziel erreicht, oft dann auch nur kurz, oder es kann nur durch Maßnahmen gehalten werden, deren Umfang in keinem Verhältnis zu dem angestrebten natürlichen Zielzustand stehen.

Es gibt also immer wieder Entscheidungsphasen bei der Betreuung von Flächen! Alle Lebensgemeinschaften sind in ständiger dynamischer Veränderung. Das gilt besonders für die durch den Menschen seit vielen Jahrzehnten, oft Jahrhunderten beeinflußten und nun brachfallenden Wirtschaftsflächen. Der uns oft als erhaltenswert erscheinende augenblickliche Zustand einer Fläche erfährt seine Veränderungen dadurch, daß die in ihm lebenden Pflanzen und Tiere anderen Pflanzen durch ihre Humusanreicherung, durch Schattenwirkung und insgesamt durch ihre Wuchseigenschaften entweder den Lebensraum "verderben" oder aber auch fördernd auf sie wirken. So ändern sich die Artenzusammensetzung und auch die Individuenanzahlen einzelner Arten ständig in einem Biotop. Diesen Prozeß nennt der Fachmann Sukzession.

Durch den allgemein herrschenden Nährstoffüberfluß in unseren Böden verlaufen diese Sukzessionen heute meistens sehr schnell zunächst in Richtung Hochstaudenflur, so daß alle konkurrenzschwachen Arten keine dauerhafte Chance haben !

In unserer Kulturlandschaft kommen wir daher nicht darum herum, wenn wir Vielfalt wollen und auch im Groben unsere gewachsene Kultur-Naturlandschaft erhalten möchten, viele unserer aus Brachland sich entwickelnden Biotope mit ihren Lebensgemeinschaften immer wieder durch vorsichtige Eingriffe lenkend zu begleiten.

Die Maxime sollte allerdings sein: so sparsam wie möglich, immer mit dem Ziel, die Frequenz und Stärke des Eingriffs zu minimieren. Sukzessionen lassen sich aber dadurch letzlich nicht aufhalten, sondern nur verlangsamen !

Daher ist ja die e x t e n s i v e Bewirtschaftung mit möglichst rotierenden Brachezuständen von Flächen der b e s t e Naturschutz, gepaart mit der Schaffung eines möglichst dichten Netzes von dauerhaft naturbelassenen Flächen möglichst aller Biotoptypen, aber da sind wir wieder beim Anfang unserers Themas.

Zum Schluß sei die Gesamtproblematik in einigen Grundregeln zusammengefaßt:

1. Betrachtung/Bewertung der in Frage stehenden Fläche im Zusammenhang mit den Landschaftselementen und Biotoptypen der näheren Umgebung.
2. Abwartende, intensive Beobachtung der Fläche mit einer möglichst viele Pflanzen- und Tiergruppen berücksichtigenden Artenerfassung über Jahre hinweg.
3. Verbannung aller aus der Garten- und Parkpflege abgeleiteten Schönheitsvorstellungen bei der möglichen Festlegung von Eingriffen.
4. Alle Eingriffe gezielt begründen, vorsichtig ( z.B. zunächst kleinflächig ) vornehmen und die Folgen kritisch beobachten.
5. Die Eingriffe so gering wie möglich halten, denn es gilt, der Fläche Hilfe zu leisten zur Selbsthilfe ( = Selbstregulierung ).

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Zwergfilzkraut, ein Spezialist trockener magerer Böden

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