Liebe Mitglieder und Freunde des AKN,

In eigener Sache

Liebe Mitglieder und Freunde des AKN,

in diesem Jahr haben wir das Heft 2/97 leider nicht mehr rechtzeitig bis zum Christ-Kindl-Markt fertig stellen können, hoffen aber, daß es noch vor Weihnachten verteilt werden kann. Der Grund für die Verspätung liegt in den vielen Aktivitäten, die in den letzten Wochen und Monaten gelaufen sind bzw. auch jetzt noch unsere Zeit beanspruchen.

Im Rahmen der verschiedenen Projekte des AKN müssen die Beobachtun­gen und Begehungen des Sommers aufgearbeitet, Daten gesammelt und im Hinblick auf das weitere Vorgehen ausgewertet werden. Dann sind da die Vorbereitungen für die Ausstellung beim Christ-Kindl-Markt (Thema: Stillgewässer) und deren Durchführung, eine ganze Reihe von Stellung­nahmen (z.B. zu den FNP-Änderungen in Handeloh, Heidenau und Welle, zum Regionalen Raumordnungsprogramm des LKr, zu Vorrangstandorten für Windkraftanlagen, zu Bauvorhaben in der SG Tostedt u.a.) sowie die entsprechenden Sitzungen der politischen Gremien. Auch haben in den Gemeinden Handeloh, Kakenstorf, Wistedt und Heidenau bereits die Sit­zungen der örtlichen Arbeitsgruppen zur Planung der Arbeitseinsätze im Winterhalbjahr 97/98 stattgefunden und nicht zuletzt sind bereits einige Arbeitseinsätze gelaufen.

Im November hatten wir im Zusammenhang mit den Ausgleichsmaßnah­men für die Firma e-Plus einen Moorpflegeeinsatz im Everstorfer Moor bei Heidenau, bei dem wieder 18 Personen ihre Arbeitskraft einsetzten. Nach­dem wir mit zwei Aktionen im Winter 96/97 einen guten Grundstock gelegt hatten, konnten wir mit diesem dritten die Maßnahme abschließen: 4,5 Hektar Moorfläche wurden vom AKN entkusselt und als Lebensraum z.B. für die Sumpfohreule und den Kranich hergerichtet.

Auch der neue Balkenmäher kam schon zum Einsatz. Auf Pachtflächen des AKN in Todtglüsingen (Schaafheide) und an der Wümme bei Tostedt Land wurden brachliegende Wiesen zur Stärkung typischer Pflanzen (z.B. Orchideen) in Teilen gemäht.

Der erste Teil unseres Tümpel-Programms wurde im Spätsommer durch das Entschlammen eines Wiesentümpels in der Aue-Niederung beendet (s.Bericht). Wir freuen uns, daß Herr Gerken von der Allianz-Versicherung inzwischen auch eine finanzielle Förderung der zweiten Hälfte der Maßnah­men zugesagt hat und bedanken uns sehr herzlich bei ihm.

Zur Pflege von Grünlandflächen bei Wistedt sollen vom AKN künftig auch Rinder extensiv eingesetzt werden, die von einem Landwirt "geliehen" wer­den. Als Kosten wird lediglich die Anschaffung von Materialien für einen Zaun zu Buche schlagen. Inwieweit dieses Verfahren verstärkt angewendet werden kann, müssen Beobachtungen zeigen.

Zum Abschluß noch ein Blick auf unsere sehr positive Vereinsentwicklung: Dem Verein gehören inzwischen 60 eingetragene Mitglieder an!

Ich wünsche Ihnen eine geruhsame Weihnachtszeit und viel Spaß beim Lesen,
Ihr U.Quante

[Inhalt]

 

Kopfweiden - wozu ?  

Eine von vielen Aktivitäten des Arbeitskreises Naturschutz e.V. in der Samt­gemeinde Tostedt in den kalten Monaten besteht darin, Weiden zu köpfen oder zu scheiteln. Mancher Betrachter wird sich fragen, ob dieses Tun mit dem Naturschutz vereinbar sei, wenn knatterndes Kreischen von Motorsägen die kalte Luft erfüllt und große Äste krachend zu Boden  stürzen. Was sich optisch und akustisch wie eine Naturfreveltat darstellt, ist aber praktischer  Naturschutz. In früheren Jahrzehnten haben Landwirte für die Herstellung von Stielen für Schaufeln und Besen sowie für die Anfertigung von Kartoffelkörben und Kiepen (Flechtmaterial) diese Arbeiten durchgeführt. In harten Winterzeiten soll sogar das Vieh mit den dünnen Zweigen gefüttert worden sein.

Von den ca. 300 Arten in der gemäßigten und kühleren nördlichen Zone sind beson­ders die Bruch- oder Knackweide (Salix fragilis) und die Silberweide (Salix alba) als Kopfweide anzutreffen. Sie lieben frische und feuchte Lagen in Auen und Tälern und geben als Kopfweiden an Feld- und Wiesenwegen, an Gräben und Viehweiden der Landschaft ein besonderes Gepräge. Erinnert sei an das Gedicht “Erlkönig” von Wolfgang von Goethe.

Wenn alte Kopfweiden, die jahrzehntelang gescheitelt wurden, nicht weiterhin  “verstümmelt” werden, besteht die Gefahr, daß sie kopflastig werden und bei kräfti­geren Stürmen auseinanderbrechen. Dabei sind Kopfweiden für verschiedene Tierarten Rückzugs-, Brut- und Heimatraum. Da das Holz zwischen den neuen Trie­ben fault, bilden sich im Laufe der Zeit  Hohlräume und Spalten. Wenn größere Äste aus dem faulenden Holz brechen, entstehen weitere Löcher und Höhlen, die gerne von den sogenannten  Höhlenbrütern wie Steinkauz, Gartenrotschwanz, Feldsper­lingen, Hohltauben, Meisen und anderen angenommen werden. Als Kind erlebte ich über mehrere Jahre, wie ein Steinkauzpärchen in einer alten Weide seine Jungen großzog.

In den ausgehöhlten und mulmreichen Bäumen sind aber auch verschieden  Insek­tenarten zu Hause wie Käfer und Schmetterlinge (siehe die Abbildung). Auf einzelnen Bäumen wurden mehr als 100 Käferarten gezählt.

Eine Besonderheit bei Kopfweiden können “aufsitzende” Pflanzen sein, wie Holun­der, Weidenröschen, Taubnessel, Brombeere, die wiederum als Nahrungsgrundlage für andere Lebewesen dienen. Neben diesen Gastpflanzen finden wir auf Kopfweiden echte Epiphyten ("Aufsitzerpflanzen") wie Flechten, Moose und Algen, die direkt die Rinde besie­deln. Sie leben vom Wasser, das vom Regen am Baumstamm herabläuft, und von Staubpartikeln, die Winde heranwehen.

Relativ leicht ist  die Anlage einer Weidenreihe, da die abgesägten Äste durch ein­faches “In-den-feuchten-Boden-stecken” ausschlagen und weiterwachsen. Auf diese Weise können wir eine flatternde, krabbelnde und brummende Vielfalt schützen und ein überkommendes Landschaftsbild - zumindest in Resten - erhalten.

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Kopfweiden bei Heidenau:
links: frisch geköpft
rechts: mit neuem Austrieb

 

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Die Kopfweide als Lebensraum
(nach Dörfler)

 

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Tümpelregeneration

Da Tümpel* im Arbeitsbereich des AKN (und nicht nur dort) äußerst selten gewor­den und zudem in ihrem Bestand bedroht sind, bemühen wir uns um die Erhaltung der wenigen verbliebenen. Nach Vorbesprechungen und Begehungen haben wir mit der Regeneration zweier verlandender Tümpel begonnen.  

1. Tümpel südlich des Düvelshöpens

Dieser in den letzten Jahren stark verlandete Tümpel mit stark schwankendem Was­serstand war immer Amphibien- und Libellenlaichgewässer.Er befindet sich in den Wiesen am Wanderweg südlich des Düvelshöpens. Es wachsen (wuchsen) dort verschiedene Pflanzenarten der Roten Liste, u.a. Zungenhahnenfuß (Ranunculus lingua), Sumpf-Calla (Calla palustris), Teichsimse (Scirpus lacustris), Pfeilkraut (Sagittaria sagittifolia). In den letzten Jahren sind besonders die ursprünglich großen Bestände der Sumpf-Calla durch die fortschreitende Verlandung stark zurückgegan­gen, die anderen Rote-Liste-Arten waren wohl ganz verschwunden. Bis zum Jahr 1995 hatte sich besonders die Flatterbinse (Juncus effusus) stark ausgebreitet, die Wasserfläche hatte sich deutlich verringert und verschwand relativ früh im Jahr.

Im Jahr 1996 zeigten sich nur noch artenarme Gesellschaften schlammiger Stand­orte: außen herum dominierte der Zweizahn, während das Zentrum fast ausschließ­lich vom Ästigen Igelkolben und Flutenden Schwaden bewachsen wurde.

Als Regenerationsmaßnahme hatte der AKN den Tümpel im November 1996 im Zentrum der östlichen Hälfte räumen d.h. entschlammen lassen. Ziel des Eingriffes war die Wiederansiedlung der oben beschriebenen artenreicheren Röhrichte und insbesondere die Stärkung der Schlangenwurz-Gesellschaft.

Nach dem massiven Eingriff im letzten Jahr ist inzwischen eine Vegetationsperiode vergangen und erste, wenn auch vorläufige Auswirkungen lassen sich erkennen. Im Frühjahr und Sommer führte der Tümpel sehr viel Wasser und die Wunden sind schon weitgehend wieder geschlossen. Erster offensichtlicher Erfolg als Auswirkung der Vergrößerung des Wasserkörpers war eine rege Laichaktivität verschiedener Amphibien (Grasfrosch, Erdkröte, Teichmolch) sowie ein reger Flugverkehr und eine eifrige Eiablage von diverser Libellenarten den ganzen Sommer über. Auch die Pflanzenzusammensetzung hat sich, zumindest im nassen Bereich, im be­absichtigten Sinne positiv entwickelt: Die Sumpf-Calla-Bestände haben sich wieder ebenso ausgebreitet wie der Zungenhahnenfuß, das Pfeilkraut und die Teichsimse, sogar einige Exemplare der Schwanenblume haben sich angesiedelt. Etwas Sorge machen noch die dichten, sehr robusten Bestände des Zweizahns, die im äußeren trockeneren Bereich weiter dominieren, sich durch den verteilten Aushub vielleicht sogar noch verstärkt haben. Wir hoffen, daß sie aufgrund der veränderten Standort­bedingungen in den nächsten Jahren von allein zurückgedrängt werden. Ob ein Mähen dieser Einjährigen Kräuter vor dem Aussamen dabei von Vorteil sein kann, wird zukünftig zu beobachten sein; denn Teilflächen wurden entsprechend behandelt. Auf alle Fälle muß die weitere Entwicklung des Tümpels sorgfältig verfolgt werden.

Ein zweiter Eingriff zur Entschlammung der westlichen Hälfte soll nach einem Jahr ungestörter Entwicklung 1998 erfolgen.

2. Wiesentümpel nordöstlich des NSG "Großes Moor bei Wistedt"

Hier handelt sich um eine Senke in einer Feuchtwiese, die zur Zeit extensiv genutzt wird und sich durch Binsen, Seggen und weitere Pflanzen der Feuchtwiesen aus­zeichnet. Die Senke ist im Frühjahr wassergefüllt, ist Amphibienlaichgewässer und dient als Lebensraum verschiedener Wiesenvögel, u.a. der Bekassine, die regelmä­ßig hier anzutreffen ist. Die Wasserfläche ist allerdings in den letzten Jahren durch Verlandung aufgrund von Nährstoffeintrag kleiner geworden.

Zur Sicherung dieses Lebensraums hat der AKN einen Morgen der Wiese inklusive des Tümpels gepachtet und mit einem Elektrozaun von der beweideten Fläche abge­trennt, so daß die Rinder die Randbereiche nicht weiter zertreten und ihren Dung eintragen können.

In diesem Jahr im September wurde dann eine Hälfte des Tümpels entschlammt, damit im kommenden Frühjahr mehr und länger Wasser für die auf solche Gegeben­heiten angewiesenen Tiere zur Verfügung stehen wird. Nach einer angemessenen Pause soll nächstes oder übernächstes Jahr auch die zweite Hälfte der Senke entschlammt werden.
 

*  Als Tümpel werden solche Stillgewässer bezeichnet, die nicht das ganze Jahr über Wasser führen, d.h. die im Verlauf des Sommers teilweise oder ganz trocken fallen. Trotz dieser Tatsache besitzen sie als Laichgewässer für viele an diese Gegebenheiten angepaßten Tiere, z.B. Amphibien eine große Bedeutung.

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Die Wunden des Ausbaggerns sind schon fast verschwunden

 


 


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Der Krötenzaun bei den Holmer Teichen

Unsere Frösche, Kröten und Molche haben ein Problem: sie halten sich zu verschiedenen Jahreszeiten an unterschiedlichen Orten auf. Den Winter verbringen sie - in einem Mauseloch versteckt - in einem Knick oder einem kleinen Wäldchen, das Frühjahr wird zur Fortpflanzung in einem Gewässer genutzt, und im Sommer und Herbst sind feuchte Wiesen und brachbelassene Felder angesagt.

Das Problem entsteht nun dadurch, daß der Mensch zwischen diesen Teillebens­räumen Verkehrswege ge­baut hat und immer noch baut - und diese auch be­nutzt. Als sog. Traditions­laicher suchen aber z.B. Erdkröte sowie Gras- und Moorfrosch als unsere häu­figsten Lurche immer genau den Weiher auf, in dem sie selbst geboren wurden, und wenn auf dem Weg dorthin eine Straße überquert werden muß, kommt es zu ausgeprägten Interessens­konflikten. Dies um so mehr, weil die Anwanderung zum Gewässer bei den einzelnen Arten mehr oder weniger zeitgleich geschieht. So können bei entsprechenden Witterungsbedingungen in einer Nacht durchaus 50% einer Population unterwegs sein. Wenn dann nach Einbruch der Dunkelheit auch der Feierabendverkehr rollt, läßt sicht leicht vorstellen, was passiert.

Regelmäßig beobachten läßt sich solch ein Drama z.B. zwischen Inzmühlen und Holm im Bereich der Holmer Fischteiche. Nun sind die Holmer Teiche mit ins­gesamt zehn Lurcharten eines der artenreichsten Gebiete in unserer Gegend überhaupt. So konnten hier neben Erdkröte, Gras- und Moorfrosch auch bereits Knoblauchkröte, Wasser- und Seefrosch, Laubfrosch sowie Teich-, Kamm- und Fadenmolch nachgewiesen werden.

Seit über 15 Jahren versuchen nun freiwillige Helfer - unter ihnen viele Mitglie­der des AKN - in Zusammenarbeit mit Bauhof und Grünamt der Stadt Buchholz mit dem Bau eines Krötenzaunes und seiner regelmäßigen morgend- und abend­lichen Kontrolle den Bestand zu erhalten. In der Regel gelingt es ihnen, jährlich zumeist über 1000 - zeitweise sogar bis 5000 (!) - in den Fangeimern vorgefun­dene Tiere über die Straße zu retten.

Es kann aber passieren, daß der Zaun zu spät aufgebaut wurde und daß im spä­ten Winter oder zeitigen Frühjahr eine erste Wanderungswelle bereits die Straße zu queren versucht hat, um an die Laichgewässer zu gelangen. Oder später im Jahr, z.T. bis in den Herbst hinein, sind z.B. bei einem ergiebigen Regen nach langer Trockenheit viele Frösche, Kröten und Molche unterwegs, jetzt auch zahl­reiche Jungtiere, die sich im vorausgegangenen Frühjahr und Sommer aus Quappen zu kleinen Fröschen oder Kröten entwickelt haben. Und auch dann sieht die Straße am späten Abend wie ein Schlachtfeld aus, weil viele Autofahrer den Fuß nicht vom Gas kriegen und entsprechend angepaßt fahren.

Es wird in Anbetracht der geschilderten Umstände zu überlegen sein, inwieweit hier eine konstruktive Veränderung der Straße etwa durch Einbau eines stationä­ren Krötentunnels im Bereich der größten Wanderungsaktivitäten sinnvoll und anzuregen wäre.

Die hohe Zahl an Individuen, die trotz zahlreicher Verluste jedes Jahr nachge­wiesen wurden, die lt. Roter Liste z.T. stark gefährdeten Arten, die betroffen sind und - nicht zuletzt - die vielen Stunden zumeist ehrenamtlicher Arbeit, die immer wieder geleistet wurden und werden, um den Zaun zu betreuen, lassen eine sol­che dauerhafte Lösung unbedingt gerechtfertigt erscheinen. Der AKN wird in dieser Richtung demnächst Initiativen ergreifen.

PS: Für die kommende Wanderungssaison - witterungsabhängig in den Monaten März und April - werden wieder freiwillige Helfer für die morgend- und abend­liche Zaunkontrolle gesucht, die ggf. auch einen festen Wochentag übernehmen können. Wir werden an den ersten Abenden mit Wanderaktivitäten ausführliche Bestimmungshilfen vor Ort geben.

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Erdkrötenpaar bei der Wanderung


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Ein scheuer Gast - die Waldohreule  

Vor einiger Zeit fragte mich ein guter Bekannter, ob es möglich sei, daß in seinem Garten sich ein Uhu aufgehalten hätte. Meine erstaunte Frage:” Ein U-h-u ?”  zeigte wohl sehr deutlich die vorhandenen Zweifel. Einige Nachfragen ergaben, daß es sich bei dem scheuen Gast im Garten um eine Waldohreule (Asio otus) handelte.

Die Waldohreule wird etwa 33 bis 36cm groß und wiegt ca. 250 g (Männchen) bzw. ca. 300 g (Weibchen). Dieser Vogel ist schlanker und langflügeliger als der Wald­kauz, das Federkleid erinnert an den Uhu. Die Oberseite ist gelbbraun, dunkel­graubraun gefleckt; dagegen ist die Unterseite heller gelbbraun versetzt mit kräftigen, grob querverzweigten Längsflecken. Der Schwanz und die Schwingen zeigen eine dunkle Querbänderung. Typisch und auffällig sind die langen Federohren, die eigentlich nur längere Federn sind. Die richtigen Ohren befinden sich verborgen unter dem Gefieder an den Kopfseiten. Der Gesichtsschleier ist markant umrandet und die Iris der Augen ist gelb-orangefarben. Zwischen den Augen befinden sich weiße Halbmonde, die das Gesicht betonen.

Meist sitzt diese Eule tagsüber dicht am Stamm, so daß sie erst bei genauerem Hinsehen ausgemacht werden kann. Bei Gefahr streckt sie den Körper und drückt die Federn an den Leib.

Diese in Niedersachsen häufigste Eulenart mit z.T. mehr als 20 Brutpaaren pro 100 km² bevorzugt offene Landschaften, welche von Nadel- und Mischwaldinseln durchsetzt sind. Sie ist weniger in Parkanlagen und Gärten als der Waldkauz anzutreffen. Ihren Ruheplatz verraten zahlreiche am Boden herumliegende Gewölle (4-7,5 cm lang und 2-3 cm dick) sowie Kotflecken. Ihre Nahrung besteht überwiegend aus Kleinsäugern, seltener aus Kleinvögel, die in erster Linie im Winterhalbjahr gejagt werden. Kurz nach Sonnenuntergang wird dieser Greifer aktiv und geht auf Nahrungssuche. Hat die Eule eine Beute entdeckt, stößt sie im flachen Gleitflug darauf und greift sie mit den Fängen. Bei einem Verzehr bis zu sechs Kleinsäugern pro Tag, bringt es dieser Nachtgreifer auf ca. 2000 Mäuse, Wühlmäuse und andere Besutetiere im Jahr. Gewöllanalysen ergaben, daß 90 - 95 % der Nahrung Wühlmäuse und Mäuse sind.

Zur Balzzeit ist die Stimme zu hören: ein wiederholtes “huh” oder ein dröhnendes “wumb-wumb”. Als Horst benutzt das Pärchen gerne verlassene Krähen- und Elsternnester, zuweilen auch die Kobel der Eichhörnchen. Die ersten Eier werden im März gelegt, insgesamt 4 bis 6, und sogleich beginnt das Weibchen mit der Brut, die 27 bis 28 Tage dauert. In dieser Zeit und auch danach schafft das Männchen die Nahrung herbei. Die Jungen verlassen nach ca. 3 bis 4 Wochen das Nest und wer­den in der ersten Zeit noch von den Eltern versorgt. In mäusereichen Jahren kann es auch zur Zweitbrut kommen.

Die Waldohreulen leben monogam in der Saisonehe. Sie bleiben meist ganzjährig ihrem Revier treu. Nur bei Nahrungsmangel verlassen sie ihr angestammtes Gebiet und begeben sich in Siedlungsnähe. Die skandinavischen Waldohreulen ziehen im September zu uns nach Mitteleuropa, um im März/April wieder nach Norden zu fliegen.

Falls wir diesen zurückgezogen lebenden Vogel an seinem Schlafplatz oder am Horst entdeckt haben, sollten wir ihn vor Störungen durch Fotografen und Schau­lustige bewahren, denn durch die Vertilgung vieler Nager leistet er uns Menschen gute Dienste.  

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Junge Waldohreulen

 

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Beutespektrum der Walsohreule
aus Zang&Heckenroth: Die Vögel Niedersachsens - Tauben bis Spechtvögel, Natursch. Landschaftspfl. Niedersachsen B Heft 2.7

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Erlebnisreiche Exkursionen

Auf Wunsch vieler Mitglieder bot der Arbeitskreis Naturschutz e.V. erstmalig in diesem Sommerhalbjahr zwei naturkundliche Exkursionen an, die die Möglichkeit zum Kennenlernen der Flora und Fauna ausgewählter Lebensräume eröffnen sollten. Die unter Leitung von Mitgliedern des erweiterten Vorstandes durchgeführten Ausflüge gaben einen Einblick in die Vogelwelt und zeigten charakteristische Pflanzen. Daneben wurden aber auch insbesondere Insekten und "alles was da kreucht und fleucht" berücksichtigt sowie ökologische Aspekte und Fragen des Naturschutzes erörtert.  

Die erste Exkursion fand an einem herrlichen Sonntagmorgen Ende Mai statt. Sie war durch Handzettel und in der örtlichen Presse angekündigt und fand eine überraschend gute Resonanz. Um 9 Uhr hatten sich gut 25 Personen, Mitglieder und Freunde des AKN, am Bahnübergang des Moorwegs in Wüstenhöfen ("Wüstenhöfener Aue") eingefunden, die Stimmung war ob des sonnigen Frühjahrstages und der Erwartung auf das, was kommen sollte, prima.
Ausgestattet mit zünftiger Kleidung und bewaffnet mit Fotoapparaten, Ferngläsern, einem Spektiv, Luft- und Wasserkeschern, Sieben und Sammeldosen zog die Schar Naturfreunde dann los in Richtung Aueniederung und NSG "Großes Moor". Schwerpunkte der Beobachtungen sollten die Wiesenvögel, Pflanzen und Insekten der Feuchtwiesen und die Bewohner der Aue sein.

Und tatsächlich, wie auf Bestellung, zeigten sich in der abwechslungsreichen Landschaft mit ihren Wiesen, den anfänglich noch vorhandenen Äckern, eingestreuten Feldgehölzen, Hecken, Einzelbäumen und kleinen Bächen, die dort heimischen Greifvögel und großen Wiesenvögel ebenso wie viele Singvögel, Schmetterlinge und Libellen (s. Artenliste). Besonders zu erwähnen sind die Rotmilane, die über ihrem Horst kreisten, die Brachvögel mit ihren markanten Rufen, Braunkehlchen, auf Stacheldrähten ihr Revier bewachend und ein Paar Neuntöter in aufrechter Haltung auf Zaunpfählen sitzend. Am Wegesrand fand sich zudem eine ganze Reihe von Frühjahrsblühern.

Am Rande des "Großen Moores" wurde ein Abstecher zur Aue gemacht. Dort stand, verbunden mit einer kleinen Rast, die Untersuchung der Bewohner des kleinen Baches, d.h. in erster Linie der dort vorkommenden Wirbellosen, auf dem Programm. Mit Hilfe von Sieben und Keschern wurden sie dem Bach entnommen, in zwei Schalen gegeben, mit Lupen untersucht und bestimmt. Für viele Teilnehmer war es überraschend zu sehen, wie viele kleine Wasserorganismen in einem solchen Bach vorkommen, obwohl man auf dem ersten Blick nichts entdecken kann: Neben den Larven von Stein-, Eintags- und Köcherfliegen wurden Bachflohkrebse und eine Menge weiterer Organismen gefunden. Da die im Bach lebenden Tiere Aussagen über die Gewässergüte zulassen, konnte festgestellt werden, daß die Aue in diesem Abschnitt die Gewässergüteklasse I-II (gering belastet) aufweist und damit relativ "sauber" ist.

Der Rückweg verging schnell bei der Betrachtung so verschiedener Lebensräume wie Moorwald, Feuchtwiesen und Trockenrasen. Es wurden Aspekte des Naturschutzes und der Landschaftspflege diskutiert und in kleinen Gruppen Erfahrungen und Meinungen ausgetauscht. Am Schluß der dreistündigen Wanderung war der einstimmige Tenor, daß man einen interessanten Ausflug erlebt hatte und beim nächsten Mal wieder dabei sein wollte.  

Die zweite Exkursion fand Ende August statt und führte in das NSG "Großes Moor" bei Wistedt. Auf dem Programm standen die Tiere und Pflanzen des Moores mit einem Schwerpunkt bei den Libellen und typische Moorpflanzen. Daneben sollten Maßnahmen der Moorpflege und Moorentwicklung an Beispielen vor Ort vorgestellt und erläutert werden.

Der AKN-Vorstand hatte sich entschieden, keine Pressemitteilung herauszugeben, da die Teilnehmerzahl auf keinen Fall größer als bei der ersten Exkursion werden sollte und die Mitglieder bereits durch einen Handzettel informiert waren. Eine zu große Gruppe würde eine unvertretbar massive Störung im Naturschutzgebiet darstellen und zudem die Kommunikation innerhalb der Gruppe und damit auch die Informations- und Beobachtungsmöglichkeiten erheblich eingeschränken.

Am Sonntagmorgen um 9 Uhr fanden sich dann trotzdem noch 23 Interessierte auf dem Parkplatz Bade ein. Als man mit wenigen PKW in Richtung Moor aufbrach, kündigte sich ein heißer Sommertag an. Das Naturschutzgebiet wurde von Süden, d.h. von der Sittensener Straße aus, begangen. Bei strahlendem Sonnenschein zeigte sich das Moor von seiner schönsten Seite. Obwohl schon bald wegen der Hitze und des beschwerlichen Weges der Schweiß floß, waren alle Teilnehmer von der Schönheit und Faszination dieses Lebensraums gefangen und begeistert. Es wurden typische Moorpflanzen wie die moorbildenden Torfmoose, der insektenfangende Sonnentau, die seltene Rosmarienheide, die zarte Moosbeere und das bizarre Weiße Schnabelried gesucht und gefunden, Informationen über die Entstehung und Entwicklung des Moores aufgenommen, sehr seltene Libellen wie die Hochmoor-Mosaikjungfer beobachtet, gefangen und von Nahem betrachtet und das prächtige Landschaftsbild genossen. An mehreren Stellen konnten die Moorpflegemaßnahmen wie das Entkusseln und der Dammbau gezeigt und erklärt werden, die von Mitgliedern des AKN mit verschiedenen Gruppen seit 15 Jahren durchgeführt werden.

Die Nässe und Unheimlichkeit eines Hochmoores wurde hautnah erlebt als die gesamte Gruppe im Entenmarsch quer durch einen Teil des vernäßten naturnahen Moores geführt wurde. Jeder einzelne konnte den schwankenden Boden und die Unergründlichkeit der Moorschlenken eindrucksvoll erfahren. Hier gab es für einige Teilnehmer ohne und z.T. auch trotz Gummistiefeln nasse Füße, was aber angesichts der Hitze nicht als Unglück empfunden wurde.

Auf einem altem Damm ging es durch den Moorwald zu einigen sich regenerierenden Handtorfstichen. Dort wurde eine Rast eingelegt und mit Wasserkeschern dem geheimen Leben in einem Moorgewässer nachgespürt. Es war schon erstaunlich. was sich in dem nicht gerade einladenden braunen, modrig riechenden Wasser zwischen den flutenden Torfmoosen verbarg. Wir förderten verschiedene Larven von Moorlibellen und Köcherfliegen zutage, fanden Wasserzikaden und Wasserspinnen, die sich eine Taucherglocke aus Luft unter Wasser bauen, und entdeckten gebänderte Jagdspinnen auf der Wasseroberfläche.

Der Rückweg gestaltete sich trotz großen Durstes und mühsamen Weges wohl wegen des Erlebten erstaunlich kurzweilig.

Die Stimmung am Ende läßt sich auf den kurzen Nenner "müde und glücklich" bringen. Als kleinen Unkostenbeitrag erbrachte eine spontane Sammlung unter den Teilnehmern eine Betrag von 30,50 DM für die Vereinskasse, zusätzlich wurden 60 DM aus dem Verkauf von Wanderführern eingenommen.

Als Fazit der beiden erfolgreichen Exkursionen läßt sich festhalten, daß diese Veranstaltungen einen wichtigen Beitrag für die Vereins- und Öffentlichkeitsarbeit des AKN geliefert haben und im nächsten Sommerhalbjahr, sicherlich in einer anderen Region der Samtgemeinde Tostedt und in anderen Biotopen, wiederholt werden sollen.

Artenlisten Exkursion "Aueniederung" 25.5.97

Vögel:
Brachvogel; Buntspecht; Feldlerche; Kiebitz; Pirol; Bachstelze; Rotmilan; Star; Neuntöter; Mäusebussard; Klappergrasmücke; Braunkehlchen; Rohrweihe; Dorngrasmücke; Rotkehlchen; Turmfalke; Gartengrasmücke; Zaunkönig; Mauersegler; Zilpzalp; Misteldrossel; Rauchschwalbe; Fitis; Goldammer; Kuckuck; Baumpieper; 

Schmetterlinge:
Landkärtchen, Kl. Kohlweißling, Tagpfauenauge, Kl. Feuerfalter, Raupe des Bärenspinners, Spannerraupe,

Libellen:
Vierfleck, Kleine Moosjungfer, Nördliche Moosjungfer, Becher-Azurjungfer, Gemeine Binsenjungfer,

Sonstige Insekten:
Dornschrecke, Blattkäfer, Rüsselkäfer,

Wirbellose der Aue und Gewässergütebestimmung nach Xylander

1 Art           Steinfliegenlarven: Nemoura sp.                        Leitart => Kennbuchstabe B
2 Arten       Eintagsfliegenlarven: Baetis sp., Ephemera danica
5 Arten       Köcherfliegenlarven: Anabolia nervosa, Hydropsyche sp., Lasiocephala basalis,       Limnephilidae, Sílo sp.
1 Art           Bachflohkrebs: Gammarus pulex
1 Art           Schlammfliegen: Sialis sp.
1 Art           Wasserassel: Asellus aquaticus
2 Arten       Egel: Rollegel (Erpobdella octoculata), Großer Schneckenegel (Glossiphonia           complanata)
1 Art           Muscheln: Erbsenmuschel (Pisidium sp.)
2 Arten       Schnecken: Potamopyrgus jenkinsii, Bernsteinschnecke (Succinea sp.)
2 Arten       Mückenlarven: Kriebelmücken (Simuliidae), Zuckmücken(Chironomidae)
1 Art           Wassermilben (Hydracarina)
3 Arten       Käfer: Anacaena sp., Helodidae, Helophorus sp.

22 Arten    insgesamt            und     Kennbuchstabe B                            => Gewässergüte I-II

dazu (ohne Bedeutung für die Wassergüte): 
3 Arten       Wasserwanzen: 'Schlittschuhläufer' (Gems sp.), Wasserskorpion (Nepa cinerea), Stoßwasserläufer (Velia caprai)
 

Artenlisten Exkursion "Großes Moor" 24.8.97  

Libellen:
Hochmoor-Mosaikjungfer, Schwarze Heidelibelle, Gebänderte Heidelibelle, Blutrote Heidelibelle, Gemeine Binsenjungfer, Larven von Moosjungfern,

Sonstige Wirbellose:
Schmetterlinge: Weißlinge, Admiral, Brombeerspinner (Raupe), 
Käfer: Sandlaufkäfer, Schwimmkäfer, 
Heuschrecken: Große Goldschrecke, Kurzflügelige Beißschrecke, Gemeiner Grashüpfer, 
Wasserwanzen: Wasserzikaden, Schlittschuhläufer
Köcherfliegenlarven, Stelzmückenlarven
Spinnen: Wasserspinne (Argyroneta aquatica), Gebänderte Jagdspinne (Dolomedes sp.), versch. Kreuzspinnen,

Pflanzen (sehr unvollständig, nur Moorarten):
Torfmoose, Rundblättriger Sonnentau, Moosbeere, Rauschbeere, Kronsbeere, Rosmarienheide, Erikaheide, Besenheide, Gagelstrauch, Weißes Schnabelried, Schmalblättriges Wollgras, Scheidiges Wollgras.

[Inhalt]

 

Ein kluger Text,
sehr aktuell und gegenwärtig,
und doch schon vor mehr als einem Menschenalter geschrieben.

Welcher Autor war seiner Zeit so weit voraus und hat die Probleme des Naturschutzes unserer Zeit in ihren Anfängen schon messerscharf erkannt? (Lösung siehe unten!)

Pritzelkram ist der Naturschutz, so wie wir ihn
haben. Der Naturverhunzung dagegen kann man eine
geniale Großzügigkeit nicht absprechen. Die
Naturverhunzung arbeitet "en gros", der Naturschutz
"en detail". Unsere Arbeit kann nicht in der stillen,
langsamen, vornehmen Art getan werden, wie es bisher
der Fall war. Unsere Arbeit kann nicht mit
Glacehandschuhen geleistet werden. Wir brauchen die
blanke Faust. Wir haben das unverhohlene Wort nötig
und die rücksichtslose Tat, wollen wir etwas
erreichen. Jedes strafgesetzlich erlaubte Mittel
muß uns recht sein, um unserer Natur und damit
uns selber vor dem Verderb zu bewahren...

Herrmann Löns, 1866-1914

 

 

 


[Inhalt]

Ein aufgelassener Acker  -  ein Brachacker  -  was nun?  

............  und dann noch dazu im Besitz des Naturschutzes ! Dauerhaft !! eine pflanzen- und tierfreundliche Insel mit Zukunft also, ein ökologisch ausbaubarer Trittstein im (fast) zerrissenen Netz kleiner und kleinster naturnaher Feldbiotope eines Landschaftsteils ! Da kommt zunächst nur Freude auf  -  mindestens bei den “Naturschützern” und Jägern.

Aber da tauchen schnell Fragen auf, Probleme stellen sich ein. Die Hauptfrage wird immer wieder gestellt:  -  Was soll aus der Fläche werden ?  -  Ja, was denn eigentlich ?

Versuch einer Antwort:

Der Boden ist karg auf unserer Fläche, mager, ein Grenzertragsboden aus der Sicht der Landwirtschaft oder gar noch schlechter. Die Landschaft ist stark aus­geräumt, die wenigen verbliebenen Strukturen wie ein Heckenstreifen und schmaler Wegrandbewuchs schreien förmlich nach ergänzender, strukturschaf­fender Heckenpflanzung.

Die Kargheit des Bodens und die Sonnenexponiertheit drängen die Überlegungen in die Richtung Magerrasen, denn ein Trockenbiotop ist die Fläche sowieso.

Also alles klar:  wir legen und pflanzen einige Benjes-Heckenzüge und .........., ja, was denn nun ? Nicht mehr alles klar ?  -  Doch, doch, wir reißen die alte ver­filzte Grasdecke ( aus ehemaliger landwirtschaftliche Aussaat ) auf und  -  warten ab ! Wo alle Bedingungen für einen Magerrasen sprechen  -  da wird sich schon ein Magerrasen entwickeln !
Denkste !   -   Oder doch ?  

Erster Sommer des Geschehens: 
  über 60 Pflanzenarten stellen sich ein
  davon fast 40 Arten der Ackerfluren
  darunter drei Arten, die in Niedersachsen und anderswo als stark gefährdet gelten ( RL 2 u. 3 )
  darunter auch 2-3 Arten ( Ackerkratzdistel, Kanadisches Berufkraut ) mit kräftigem Wuchs und starker Dominanz ( wenn die sich weiter so ver­mehren!)
  auch erste Eichenkeimlinge tauchen auf !
  6 Heuschrecken - Arten finden wir in kleinen und großen Stückzahlen, darun­ter eine Art, die - hier im westlichen Landkreis bisher nicht bekannt ist
  mehr als 10 Arten von Tagschmetterlingen suchen Nektar an den zahlreichen Blüten der Ackerflora.
  für Neuntöter, Goldammer, Gartengrasmücke, Dorngrasmücke, Feld- und Hauspatz, sowie für das Rebhuhn und die Feldlerche ist die Fläche bereits im ersten Jahr Brut-, Nahrungs- oder sogar Dauerlebensraum geworden.  

Insgesamt also ein vielversprechender Anfang !  -  Ist das aber der erste Schritt hin zum Magerrasen  ?

Ein zweites Problem: kann sich der Mensch hier schrittweise überflüssig machen? Ist gesichert, daß die in Frage stehende Fläche dauerhaft der Entwicklung von Lebensgemeinschaften dienen kann, dann besteht grundsätzlich die Möglichkeit, diese Fläche unbeeinflußt der Sukzession zu überlassen. Ob Acker oder Grün­land, die Fläche wird im Anfang zunächst zur Hochstaudenflur. Es sind einfach noch zu viele Nährstoffe im Boden ! Bald wandern erste Sträucher ein und über eine Verbuschung entwickelt sich über 1-2 oder 3 Jahrzehnte ein Mischwald.

Es ist also gar nicht so schwer, sich überflüssig zu machen  -  und doch........

Präzisieren wir die Frage :
Warum überhaupt eingreifen ?  -  Es gibt hier manigfaltige Gründe, eine Fläche nicht nur beobachtend zu begleiten :
- bei einer gepachteten Fläche verlangt der Verpächter u.U. die Verhinderung der Verbuschung
- es gibt auch Gründe des Naturschutzes, eine Fläche nicht völlig verbuschen oder sich zum Wald entwickeln zu lassen:

*Die Fläche beherbergt Restbestände seltenerer Pflanzenarten bzw. Pflanzen­gesellschaften, sowie Insekten und Vögel offener Lebensräume. 
* Die Fläche hat das Potential (z.B. unser trockener Sandacker ) zur Entwick­lung eines Magerrasens. Dieser Biotoptyp ist heute seltener als Feuchtgebiete; seine Lebensgemeinschaften sind extrem bedroht. Hier zählt heute schon jeder Hektar.
* Die Fläche zeigt sehr unterschiedliche Standortbedingungen ( z.B. von extrem trocken hin zu feucht bis naß ). Solche Übergangsbiotope sind von ganz besonderem Wert, da es sie kaum noch gibt (es herrscht in unserer Landschaft das Prinzip der harten, übergangslosen Grenzen durch die allge­meine Inkulturnahme!).

 

Jede Fläche hat  -  bei allen Kenntnissen, die inzwischen über die Brachenent­wicklung, über die verschiedensten Entwicklungsmaßnahmen bei formuliertem Ziel gesammelt worden sind  -  ihre ganz individuellen Bedingungen. Nur in Aus­nahmefällen wird das formulierte Ziel erreicht, oft dann auch nur kurz, oder es kann nur durch Maßnahmen gehalten werden, deren Umfang in keinem Verhält­nis zu dem angestrebten natürlichen Zielzustand stehen.

Es gibt also immer wieder Entscheidungsphasen bei der Betreuung von Flächen! Alle Lebensgemeinschaften sind in ständiger dynamischer Veränderung. Das gilt besonders für die durch den Menschen seit vielen Jahrzehnten, oft Jahrhunderten beeinflußten und nun brachfallenden Wirtschaftsflächen. Der uns oft als erhal­tenswert erscheinende augenblickliche Zustand einer Fläche erfährt seine Verän­derungen dadurch, daß die in ihm lebenden Pflanzen und Tiere anderen Pflanzen durch ihre Humusanreicherung, durch Schattenwirkung und insgesamt durch ihre Wuchseigenschaften entweder den Lebensraum “verderben” oder aber auch fördernd auf sie wirken. So ändern sich die Artenzusammensetzung und auch die Individuenanzahlen einzelner Arten ständig in einem Biotop. Diesen Prozeß nennt der Fachmann Sukzession.

Durch den allgemein herrschenden Nährstoffüberfluß in unseren Böden verlaufen diese Sukzessionen heute meistens sehr schnell zunächst in Richtung Hochstau­denflur, so daß alle konkurrenzschwachen Arten keine dauerhafte Chance haben !

In unserer Kulturlandschaft kommen wir daher nicht darum herum, wenn wir Vielfalt wollen und auch im Groben unsere gewachsene Kultur-Naturlandschaft erhalten möchten, viele unserer aus Brachland sich entwickelnden Biotope mit ihren Lebensgemeinschaften immer wieder durch vorsichtige Eingriffe lenkend zu begleiten.

Die Maxime sollte allerdings sein: so sparsam wie möglich, immer mit dem Ziel, die Frequenz und Stärke des Eingriffs zu minimieren. Sukzessionen lassen sich aber dadurch letzlich nicht aufhalten, sondern nur verlangsamen !

Daher ist ja die  e x t e n s i v e  Bewirtschaftung mit möglichst rotierenden Brachezuständen von Flächen der  b e s t e  Naturschutz, gepaart mit der Schaf­fung eines möglichst dichten Netzes von dauerhaft naturbelassenen Flächen mög­lichst aller Biotoptypen, aber da sind wir wieder beim Anfang unserers Themas.

Zum Schluß sei die Gesamtproblematik in einigen Grundregeln zusammengefaßt:

1.   Betrachtung/Bewertung der in Frage stehenden Fläche im Zusammenhang mit den Landschaftselementen und Biotoptypen der näheren Umgebung.

2.   Abwartende, intensive Beobachtung der Fläche mit einer möglichst viele Pflanzen- und Tiergruppen berücksichtigenden Artenerfassung über Jahre hinweg.

3.   Verbannung aller aus der Garten- und Parkpflege abgeleiteten Schönheits­vorstellungen bei der möglichen Festlegung von Eingriffen.

4.   Alle Eingriffe gezielt begründen, vorsichtig ( z.B. zunächst kleinflächig ) vor­nehmen und die Folgen kritisch beobachten.

5.   Die Eingriffe so gering wie möglich halten, denn es gilt, der Fläche Hilfe zu leisten zur Selbsthilfe ( = Selbstregulierung ).

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Acker-Filzkraut

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Feldlerche


[Inhalt]

 

 

Aktivitäten des AKN im Sommerhalbjahr 1997

1. Arbeits- und Pflegeeinsätze

20.03.     Vorstand            Erreichten eines Elektrozauns um Wiesentümpel in der Aueniederung nördlich Großes Moor,
18.06.     Vorstand            Mähen entlang des Elektrozauns ebenda,
28.06.     Welle/Schröder  Teil-Mahd eines Brachackers im NSG Ottermoor
20.09.     AKN-Mitglieder Mähen von Grünland (Pachtflächen des AKN) in Kakenstorf,
22.09.     Vorstand/Pankop    Entschlammen des Tümpels nördlich des Großen Moores (1. Teil)
07.10.     Schülergruppe   Mähen einer Orchideen-Wiese in NSG "Obere Wümme"
08.11.     Heidenau            Entkusseln von großen Flächen im NSG "Everstorfer Moor",
11.11.     Schülergruppe   Entkusselungsarbeiten im Großen Moor,
22.11.     Kakenstorf         Pflanzen von 1000 Heckensträuchern auf der NABU-Fläche am Schießstand,
22.11.     Handeloh           Entkusseln auf der Drögen Heide,
22.11.     Schüler/Eltern    Leitung der Pflanzaktion an der GS Heidenau


 

2. Begehungen, Bereisungen, Treffen und Sitzungen

* 18.04.: Hauptversammlung AKN in Kakenstorf,
*  25.04.: Begehung einer Teichanlage in Dohren,
*  15.05.: Vorexkursion zur Planung der AKN-Exkursion in der Aueniederung,
*  22.05.: UA - Bereisung und Sitzung in Tostedt
*  25.05.: Exkursion mit 25 Personen in der Aueniederung,
*  28.05.: Pressetermin mit den HAN wegen 10 Jahre AKN,
*  14.06.: Einweisung in den neuen Balkenmäher,
*  17.06.: Begehung verschiedener Flächen in Tostedt wegen Landschaftsplan mit Planer Geffers,
*  16.08.: Vorexkursion zur Planung der AKN-Exkursion in Großen Moor,
*  25.08.: Exkursion mit 23 Personen im NSG "Großes Moor",
*  03.09.: Ausschußsitzung in der Gem. Tostedt,
*  17.09: Pressetermin mit Nordheidewochenblatt wegen Zusammenarbeit zwischen Allianz und AKN,
* 23.09.: Sitzung der Arbeitsgruppe Heidenau zur Festlegung weiterer Aktivitäten,
*  04.10.: Bereisung mit dem UA der Gemeinde Handeloh (Straßenbegleitgrün)
*  05.10.: Begehung einer Orchideenwiese an der Wümme zwecks Abstimmung von Pflegemaßnahmen,
*  16.10.: Bereisung der Moor-NSGs in der SG mit Vertretern der Unteren Naturschutzbehörde zur Absprache von Pflegemaßnahmen
*  20.10.: Herbstsitzung der Arbeitsgruppe Handeloh
*  31.10.: Begehung und Besprechung weiterer praktischer und planerischer Vorhaben der Siemersstiftung
*  03.11.: Sitzung der Arbeitsgruppe Kakenstorf zur Festlegung weiterer Aktivitäten
*  06.11.: Begehung Hindenburgplatz wegen Umgestaltung,
*  07.11.: Besprechung mit Grundschule Heidenau wegen Gestaltung des Schulgeländes (Heckenpflanzung),
* 07.11.: Sitzung der Arbeitsgruppe Wistedt zur Festlegung weiterer Aktivitäten,
*  12.11.: Umwelt-Ausschußsitzung SG. Tostedt,
*  19.11.: Treffen einer Weller Planungs- und Arbeitsgruppe zum Anschub neuer Aktivitäten in dieser Gemeinde.
*  Teilnahme an diversen Sitzungen der Ausschüsse in den Gemeinden Handeloh, Heidenau und Tostedt.

 

Sonstige Aktivitäten:

*  Antrag an BINGO-Lotto zwecks Förderung des AKN,

*  Juni bis Okt.: Verfassen von 5 Stellungnahmen zu folgenden Bauvorhaben (bzw. Ausgleichsmaßnahmen dazu) und zu Planungen: Volierenbau in Dohren, Bau einer Reithalle in Riepshof, Reaktivierung eines Feuerlöschteichs in Hollinde, Bau eines Schweinestalls bei Gr. Todtshorn,

[Inhalt]

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