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Liebe Mitglieder und Freunde des AKN,

Sechs Jahre sind nun seit der Vereinsgründung des AKN im Jahre 1995 vergangen, die zweite „Legislaturperiode" des Vorstandes ist beendet und es stehen Neuwahlen auf dem Programm der Mitgliederversammlung. Die meisten Mitglieder des Vorstandes stehen dabei wieder zur Verfügung.
Sechs Jahre AKN bedeuten sechs Winter voller Arbeitseinsätze im Naturschutz und in der Landschaftspflege, acht Exkursionen mit vielen Interessierten in die schöne Natur, 13 Mitteilungsblätter „Naturschutz in der Samtgemeinde Tostedt" mit vielen Informationen, eine Vielzahl von Sitzungen, Begehungen, Gesprächen, Stellungnahmen, Ausstellungen usw.
Viel ist erreicht worden in dieser Zeit: die Mitgliederzahl ist von 25 auf 94 gestiegen, der Verein ist Eigentümer zweier Flächen (über eine dritte wird in Kürze ein Vertrag gemacht), er ist Pächter von 11 Grundstücken und betreut darüber hinaus noch mindestens 30 weitere Flächen. Die finanziellen Möglichkeiten des Vereins haben sich nicht nur aufgrund der Mitgliederzahlen sehr positiv entwickelt, sondern es konnten auch Sponsoren und andere Einnahmequellen gefunden werden und die Zahl der Spender ist gestiegen.
Sechs Jahre AKN bedeuten viel Arbeit und viel Erfolg, viel Freude und viel Befriedigung, manchen Misserfolg und manchen Ärger und gelegentlich auch Zorn.
Es gibt viele aktive Mitglieder im Verein, die regelmäßig bei den Arbeitseinsätzen mithelfen und durch ihren Einsatz zum Gelingen unserer Aktionen beigetragen haben. Ihnen gilt unser besonderer Dank. Die organisatorischen, kontrollierenden und fachlichen Arbeiten lasten hingegen weitgehend auf den Schultern weniger. Hier wünschen wir uns eine Erweiterung des hierfür zuständigen Personenkreises und eine Entlastung der Vorstandsmitglieder, die an der Grenze ihrer Belastbarkeit und Arbeitskapazität angelangt sind.
Ein erster Schritt hierhin ist die Tatsache, dass neue Autoren für das Mitteilungsblatt gewonnen werden konnten. Auch ihnen danken wir. Es ist zu hoffen, dass andere sich ermuntert fühlen, ebenfalls einen etwas aktiveren Part im Verein zu spielen. Wir freuen uns über jede Hilfe. Es geht schließlich um unsere gemeinsame Sache.

Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen, Ihr
Ihr U.Quante

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AKN-Splitter - Wichtiges, kurz berichtet

Spenden an den AKN
- wir sagen danke !

Finanzielle Hilfe tut (uns) wahrlich gut ! Viele, viele Projekte können wir zwar mit unserem Willen und gut gepaarter, vielarmiger Muskelkraft verwirklichen, aber viele – für unsere Möglichkeiten leider immer noch zu viele – sind nur mit dem Einsatz finanzieller Mittel zu bewerkstelligen. Die beste Sicherung von wertvollen Lebensräumen für Pflanzen und Tiere ist nun einmal der Kauf solcher Flächen, die nächstbeste die langfristige Pacht. Für so manches Projekt auf gesicherten Flächen braucht es zudem Maschineneinsatz, wie etwa bei der Entschlammung von Tümpeln, Weihern und Teichen. Auch das kostet Geld.
Mit großer Freude können wir hier und heute vermelden, dass in den letzten Monaten und z.Zt. gleich drei Spender unser Spendenkonto schwerer gemacht haben bzw. schwerer machen werden:
Unsere neuen Mitglieder, das Ehepaar Heilwig und Rolf Neb aus Buchholz, Herr Günter Zimmermann und Frau aus Wörme sowie unser Mitglied seit der ersten Stunde, Hermann Aldag aus Heidenau.
Das Ehepaar Neb hat den AKN mit einer großzügigen Spende bedacht, die für die Sicherung und Verbesserung einiger Biotope gedacht ist. Die Planungen für das Entschlammen eines Weihers und den Ankauf einer Grünfläche laufen bereits und sollen in diesem Sommer in die Tat umgesetzt werden.
Dem Ehepaar Neb sagen wir unseren herzlichen Dank.
Herr Zimmermann hatte die großartige Idee, anstelle der zu seinem Berufsjubiläum zu erwartenden Geschenke Geldspenden für den AKN zu erbitten und Hermann Aldag hat – wie schon an seinem 60. Geburtstag – gleiches von seinen Geburtstagsgästen am 65. Ehrentag erbeten.
Auch den beiden Jubilaren an dieser Stelle herzlichen Glückwunsch und herzlichen Dank !
Nicht unerwähnt bleiben soll das langjährige Engagement der Sparkasse Harburg-Buxtehude, das uns die Herausgabe des Mitteilungsblatts ermöglicht. - Danke!

Hochsaison für Lurche !!

Am Krötenzaun in Holm tobt – im wahrsten Sinne des Wortes – das Leben! Innerhalb von nur drei Nächten (9.-11. März) konnten etwa 4000 (in Worten: viertausend !!) Molche, Kröten und Frösche am Zaun in Empfang genommen und über die Straße befördert werden – ein absoluter Kreis-, wenn nicht Weltrekord ... Allein in der Nacht von Samstag auf Sonntag hatten sich 1700 Tiere auf den Weg zu ihren Laichgewässern begeben – ein faszinierendes Erlebnis und ein schöner Erfolg für die Amphibienschützer. Am Samstagabend war zudem noch ein Reporter der Harburger Anzeigen und Nachrichten vor Ort, der z.T. fast halbvolle Fangeimer bestaunen konnte und der ausführlich darüber berichtet hat.
Ein ganz besonders dickes Lob muß an dieser Stelle Frau Michels aus Jesteburg ausgesprochen werden: nicht nur, dass sie jeden Sonntagmorgen mit dem Fahrrad nach Holm fährt, um die Eimer zu kontrollieren, an jenem 11. März warteten über 800 Lurche darauf, im Laufe von fast vier Stunden Schwerstarbeit auf der ‚sicheren‘ Straßenseite abgesetzt zu werden, um dort ihre Wanderung unversehrt fortsetzen zu können. Herzlichen Dank nach Jesteburg !!

Corrigenda

Auch wenn es vielleicht nicht jedem/r sofort aufgefallen sein mag: das Foto in dem Artikel über den Ameisenlöwen im letzten Mitteilungsheft (Nr. 12, 2/2000) zeigt wohl eine ausgewachsene Ameisenjungfer, aber eine Mittelmeerart.
Die häufigste heimische Art, die Gefleckte Ameisenjungfer, hat zwar ähnlich, vielleicht nicht ganz so stark gefleckte Flügel wie das abgebildete Tier, die Flügel selbst sind aber deutlich schlanker. Außerdem ist der (Vorder-)Körper kaum sichtbar behaart – das Tier wirkt dadurch insgesamt dunkler. Eine Abbildung der heimischen Art ist in der Internet-Version der Mitteilungen Nr. 12 zu finden: www.info-tostedt.de/aknaturschutz!

Hamstermarkt - Helfer gesucht!
Am Sonntag, den 20.05.2001 findet in Tostedt voraussichtlich wieder der traditionelle Hamstermarkt statt. Der AKN möchte sich dort wie in den Vorjahren mit einem Informationsstand präsentieren. Wer möchte mithelfen? Interessenten melden sich bitte bei Herrn Miersch (5731) oder bei Herrn Quante (8768)!

Exkursionen 2001
Es darf wieder gewandert werden! Der Vorstand des AKN bietet auch in diesem Jahr zwei Exkursionen in die Natur Tostedts und seiner Umgebung an. Unter fachlicher Führung wollen wir uns Tiere und Pflanzen unserer Heimat ansehen, Aspekte des Naturschutzes vor Ort betrachten und die Aktivitäten des AKN erläutert bekommen. Die Ausflüge im einzelnen:
Am Sonntag, 10.06.01, treffen wir uns um 9.30 Uhr am Schafstall bei Riepshof und werden den Bereich westlich und nördlich des Otterberges bis hin zu den Oste-Quellen bei Schillingsbostel erkunden. Dort an den vom AKN gepachteten Teichen findet im Anschluss noch ein gemütliches Beisammensein statt.
Am Sonntag, 02.09.01, treffen wir uns dann ebenfalls um 9.30 Uhr in Groß Todtshorn am Kriegerdenkmal. Ziel der Exkursion ist das NSG „Ottermoor/Otterheide" mit seinen interessanten Biotopen.
Alle Mitglieder und Freunde des AKN sind herzlich eingeladen!


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Der Kuckuck und seine Wirtsvögel in der SG Tostedt

Sein Leben vollzieht sich bei aller hörbaren Präsenz im Verborgenen

Frühestens um den 27.4., kann man bei normalem Witterungsverlauf in unseren Breiten die ersten Kuckucke rufen hören. Und wer lässt sich davon nicht einfangen, berühren ! ! Der Kuckuck ist ein volkstümlicher Vogel. Seine Rufe waren früher das Signal, die Schinken aus dem Rauch zu holen, um sie anzuschneiden. Jedermann "kennt" ihn, lauscht erfreut seinem Ruf, der den Frühling irgendwie glaubhafter, verlässlicher und fröhlicher macht. Doch dieser Bote des Wonnemonats sorgt bei vielen auch für zwiespältige Gefühle und manch einer verweist auch schnell missbilligend auf seine "Unart", seine Eier in fremden Nestern ausbrüten zu lassen und darauf, dass er als Jungvogel dann gar die Eier bzw. die hilflosen Jungen seiner Wirtsvögel aus dem Neste schmeißt - "brutal" ist dann oft das betonte Wort.
Wie gesagt, eigentlich kennt ihn jede(r); und doch haben viele diesen faszinierenden Vogel noch nie bewusst gesehen, weder im Flug, noch auf der Warte und schon gar nicht als Jungvogel in einem Wirtsnest. Sein Leben vollzieht sich bei aller hörbaren Präsenz eher im Verborgenen, in für das ungeübte menschliche Auge schwer zu erreichenden Teilräumen unserer Landschaft, die dieser scheue Vogel meisterhaft zu nutzen versteht.

Als klassischer Zugvogel, als echter Weitstreckenzieher, der den Winter im mittleren und südlichen Afrika verbringt, gehört der Kuckuck zu den Vögeln, die bei uns nur sehr kurz verweilen: Mai, Juni, Juli, schon ab Mitte August geht die Reise wieder südwärts. Eine alte Regel zeigt sich hier: Zugvögel, die früh im Jahr kommen (wie Star und Feldlerche z.B.), bleiben auch lange in den Herbst hinein bei uns, solche, die sehr spät im Frühjahr bei uns eintreffen, später noch als der Kuckuck (wie z.B. Neuntöter und Pirol), verlassen uns noch zeitiger als dieser unstete Geselle. Ein angeborener Rhythmus im Verein mit relativ stabilen Zeitgebern wie Tageslänge und natürlich auch aktuelle Schlechtwetterphasen bestimmen das komplexe Zugverhalten der Vögel. Kuckucke ziehen einzeln. Die sich erstmals auf die lange Reise machenden Jungvögel finden (ohne je Kontakt zu ihren Eltern gehabt zu haben!) Zugroute und Winterquartier.
Großartig ist auch die Flugleistung dieses nur scheinbar flugschwachen Vogels. Er quert das Mittelmeer in voller Breite und gilt auch als Wüstenquerer mit Nonstop-Flügen von 1000 - 3000 km !
Generell hat ja das Zugverhalten unserer Wanderer eine große Dynamik erfasst (wohl ausgelöst durch die anhaltend milden Winter der letzten Jahrzehnte), so dass die Meldungen von winterlichen Verweilern in unseren Breiten, vor allem natürlich unter den Allesfressern, den weniger nahrungsspezialisierten Ziehern und Teilziehern, von Jahr zu Jahr umfangreicher und auch erstaunlicher werden.

Zurück zum Kuckuck. Einmal angekommen bei uns Ende April, Anfang Mai, geht er sofort "zur Sache". Unser Kuckuck, den wir hier einmal in seinem Verhalten und Lebensweg verfolgen wollen, stammt aus dem Nest eines Teichrohrsängers, der ihn im Frühjahr 1999 an den Holmer Teichen in seinem Nest im schwankenden Schilf aufgezogen hat.
Geprägt auf diese Wirtseltern, denen er als Jungvogel zuerst begegnete, deren Gesang und Stimme er hörte, und geprägt auf die Biotopstrukturen an Teichen und Seen (z.B. Schilfgürtel), wird unser Jungkuckuck nach seiner Rückkehr im Frühjahr 2000 und auch 2001 usw. wieder primär solche Lebensräume aufsuchen, die dem "Muster der Holmer Teiche" entsprechen und dort zwangsweise wieder auf Teichrohrsänger stoßen (vielleicht auch Sumpfrohrsänger) und nun wiederum in dieser Art zwangsweise seine Wirtsvögel finden. In solchen Lebensräumen finden sich Kuckucksmännchen und –weibchen, beide gleichermaßen "angezogen" von Lebensraummustern ihrer eigenen Jugendphase. So entstehen sogn. "Teichrohrsänger-Kuckuckslinien", auch "Bachstelzenlinien, Grasmückenlinien" u.a.
Zwischen 8 und ca. 20 Eier produziert ein Kuckucksweibchen im Frühjahr, die es alle "unterbringen" muss. Es wird dabei u.a. stimuliert von der Revierdichte seiner Wirtsvögel. Eine hohe Revierdichte führt dabei zu höheren Eizahlen. Aber die Verluste sind naturgemäß auch groß, die Störungen vielfältig. So geschieht es häufig, dass die Wirtsvögel, in unserem Fall ein Teichrohrsängerpaar, das Kuckucksweibchen bei seiner nur wenige Sekunden dauernden Eiablage an ihrem Nest "ertappen". Sie verlassen es und bauen in der Nähe ein neues. In einem anderen Fall gelingt zwar die Eiablage in Abwesenheit der Wirtsvögel, aber die Wirtsvögel sind gestört durch das farblich zwar ähnliche, aber doch deutlich größere Ei und verlassen ihr Gelege.
In einem dritten Fall nehmen die Wirtsvögel das Ei zwar an, d.h. sie setzen die eigene Eiablage fort und bebrüten das Mischgelege. Doch entdeckt vielleicht der Eichelhäher (oder ein Wiesel) das Nest und frißt das Gelege. Oder ein Gewittersturm bringt das Meer aus Halmen so ins Wanken, dass Nest und Gelege herunterfallen. Es gibt viele ähnliche und noch andere Einwirkungen von außen, die es offenbar nötig gemacht haben, dass ein Kuckucksweibchen bis zu 20 Eier legen muss, um die Art bei uns zu erhalten.

Ich deutete schon an: es muss dem Kuckucksweibchen (durch Beobachtung des Wirtsnestes aus sicherer Entfernung) gelingen, sein Ei unbemerkt von den Wirtsvögeln in ihrem Nest unterzubringen, bevor das Teichrohrsängerpaar fest auf den eigenen Eiern brütet. Das ge-schieht in der Regel mit dem vorletzten eigenen gelegten Ei. Nur wenige Sekunden dauert die Ablage des Eies, direkt aus der Kloake in das Wirtsnest, wobei das Kuckucksweibchen beim Verlassen des Nestes meistens ein Wirtsei im Schnabel mitnimmt und kurz danach ganz verschlingt.

Die Bebrütungsdauer des Kuckuckseies beträgt ca. 12 Tage, also 1-2 Tage weniger als die der Wirtsvögel. So schlüpft der Jungkuckuck fast stets vor den Wirtsvogeljungen, erstaunlich, ist das Kuckucksei doch deutlich größer und dickschaliger als die Eier der Wirtsvögel.
Dieser Vorsprung des Jungkuckucks ist aber sehr wichtig für das nachfolgende Geschehen, sichert er doch dem kleinen Fremdling schnell und konkurrenzlos erste Fütterungen durch seine Wirtseltern schon gleich nach dem Schlüpfen. Ein erster Wachstumsvorsprung ist damit gegeben, zugleich erste "Vernachlässigungen" für die Wirtsvogeleier, Unterbrechungen der Bebrütungskontinuität.
Schon wenige Stunden nach dem Schlüpfen zeigt der Jungkuckuck (noch blind, aber bereits eifrig um Futter bettelnd) fest angeborene komplexe Verhaltensweisen auf Berührungsreize im Nest. Er beginnt mit den bekannten "berühmt-berüchtigten" Hinauswerfreaktionen: Er schiebt sich mit den bereits auffällig kräftig entwickelten Beinen gegen den Nestrand und berührt dabei fast zwangsweise auch ein Wirtsvogelei mit seiner sehr empfindlichen Rückenpartie. Das Ei wird dann - gehalten in dem trichterförmigen Raum zwischen seinem Rücken, den leicht seitlich aufgestellten Flügelstummeln und der Nestwand - zum Nestrand emporstemmt. Dort angekommen, richtet der Jungkuckuck Kopf und Hals, die als "drittes Bein" bisher kräftige Schiebefunktion hatten, auf und drückt so das Ei über den Nestrand hinaus, so dass es (meistens) zur Erde oder ins Wasser fällt und damit natürlich für die weitere Entwicklung verloren ist. Dies recht komplexe angeborene Verhalten des Jungkuckucks wiederholt sich in den nächsten 24 Stunden so lange, bis in der Regel alle Wirtsvogeleier bzw. die inzwischen geschlüpften Jungvögel aus dem Nest befördert sind. Nach 3-4 Tagen, mit dem Sprießen des Körpergefieders, erlischt die Reizbarkeit der Rückenpartie und die angeborene Hinauswerfreaktion unterbleibt.

Nicht "Brutalität", bewusstes grausames Verhalten, kennzeichnet also den (Jung-)Kuckuck, sondern ein im Laufe von Jahrtausenden entwickeltes Muster hochgradig erfolgreicher angeborener Verhaltensweisen. Sie haben sich in Auseinandersetzung mit den Wirtsvögeln durchgesetzt, die ja auch" ihre Chance haben zu verweigern". Ihr Bestand ist durch den Brutschmarotzer Kuckuck nicht gefährdet. Maximal 1-3% einer lokalen Wirtsvogelpopulation erhalten das "Gastgeschenk" eines Kuckuckseies, meistens liegt die Quote sogar deutlich unter 1% !

Kommen die Altvögel unseres Teichrohrsänges darüber her, dass gerade eines ihrer Eier oder gar eben geschlüpften Jungen über den Nestrand geschoben wird, so nehmen sie ersichtlich nicht von diesem dramatischen Geschehen Notiz; sie schleppen Futter herbei, angetrieben durch den eigenen nach der Brutphase starken Fütterungstrieb und pausenlos stimuliert durch den aufgesperrten rotgefärbten Rachen des noch nackten und blinden Jungkuckucks. So wächst sein Vorsprung im wahrsten Sinne des Wortes zusehends. Schon bald kommt zu dem auffälligen Sperrrachen noch ein ständiger schwirrender Bettellaut des Jungkuckucks hinzu, der sogar andere fütterungsaktive Singvögel der Umgebung gelegentlich an das Teichrohrsängernest lockt, wie ich es einmal von einer Goldammer, ein andermal von einem Baumpieper bei einer Dorngrasmücke mit Jungkuckuck erlebt habe.

Noch einiges zu den verschiedenen Wirtsvögeln. Ich habe Jungkuckucke bisher gefunden in Nestern von Teichrohrsänger (6x), Sumpfrohrsänger (1x), Gartengrasmücke (1x), Dorngrasmücke (1x), Gartenrotschwanz (2x), Bachstelze (3x) und Bluthänfling (1x). Die Liste der Wirtsvögel hier bei uns ist aber natürlich viel länger. So gehören mit Sicherheit noch dazu Neuntöter, Rotkehlchen, Zaunkönig, auch unsere Laubsängerarten Fitis, Zilzalp, Waldlaubsänger u.a.

1966 haben Freunde und ich in einem Wiesenschuppen bei Ottermoor zeitgleich 2 Bachstelzennester gefunden, das eine bereits mit geschlüpftem Jungkuckuck, das andere (am entgegengesetzten Giebel), mit einem Kuckucksei, das neben 3 Bachstelzeiern noch bebrütet wurde. Beide Jungkuckucke wurden flügge und wurden noch drei Wochen nach dem Ausfliegen in der weiteren Umgebung durch die Bachstelzen anhaltend gefüttert. Der hohe, sirrende Lockruf war immer zu hören, man brauchte ihm nur vorsichtig zu folgen.

Der Kuckucksfund im Bluthänflingnest war ein Fast-Totfund, denn dieser Jungkuckuck hatte die falschen Eltern, fast ausnahmslose Körnerfresser, auch bei der Jungenaufzucht, so dass der Insektenfresser Kuckuck mit dieser (wenn auch kropfgeweichten) Nahrung nichts anfangen konnte. Speiseröhre und Schlund waren voll gestopft mit aufgeweichter Körnernahrung, der vielleicht 2 Tage alte Jungkuckuck nur noch zu schwachen Bewegungen in der Lage, das traurige Ende war abzusehen.

Solche "Fehlablagen" von Eiern durch ein Kuckucksweibchen kommen sicherlich häufiger vor als es durch Beobachtungen belegbar ist. In der Fachliteratur finden sich zahlreiche Angaben über Eifunde bei ungewöhnlichen und zugleich untauglichen Wirtsvögeln, so beim Grünspecht, Turmfalken, Zwergtaucher, bei Tauben u.a. Die Tatsache aber, dass eine ziemlich sicher funktionierende Wirtselternprägung das spätere legefähige Kuckuckusweibchen auf eben solche Wirtsvögel steuert, denen es selbst seine erfolgreiche Aufzucht verdankt, macht Fehlablagen wohl doch eher zu wirklichen Ausnahmen.

Bekannt geworden sind auch Fälle ganz anderer Art von Fehlablage: Bei Gartenrotschwänzchen z.B., die ja als Höhlen- und Halbhöhlenbrüter auch an unseren Gebäuden bekannt sind, aber auch gelegentlich in Spechthöhlen brüten, hat man in wenigen Einzelfällen skelettierte ausgewachsene Jungkuckucke in Höhlen gefunden, deren Einflugloch zwar ausreichte, das Ei (mit dem Schnabel ?) hinein zu praktizieren, dem mächtig heranwachsenden Jungkuckuck aber dann später das Ausfliegen verwehrte.

Die größte Populationsdichte des Kuckucks finden wir bei uns in offenen bis halboffenen Wiesen- und Moorlandschaften mit vielen Gehölzinseln und Gebüschen. In weitgehend ausgeräumten Feldfluren und im Inneren großer zusammenhängender Wälder ist der Kuckuck eher selten oder fehlt sogar ganz. Hier fehlen eben auch ausreichend große Besiedlungszahlen seiner Hauptwirtsvögel.

Neben seinem bekannten "Namensruf" kann der Kenner durchaus noch weitere auffallende Rufe des Kuckucks unterscheiden. So lässt das Weibchen in höchster Erregung zur Balz in der Nähe des Männchens oft ein lautes, gelegentlich glucksendes Trillern hören und das Männchen überrascht den stillen Beobachter in ähnlicher Situation mit einem "lachend-fauchenden hachachach–Laut".

Es ist in der Zeit der heftigsten Balz Mitte Mai, dass sich der Kuckuck am häufigsten über freiem Gelände zeigt. In tiefem, fast ein wenig schwerfälligem Flug mit schnellen Flügelschlägen, in der Silhouette einem kleinen Greifvogel nicht unähnlich mit dem langen Schwanz, verfolgen sich die Vögel von Gebüsch- oder Baumgruppe zu Baumgruppe und überqueren dann auch schon mal größere freie Flächen. Dann kann man mit etwas Glück auch einmal in aller Ruhe diesen eichelhähergroßen Vogel frei auf einem Zaunpfahl sitzen sehen, mit fast waagerechtem Rücken, auf kurzen, schwachen Beinen und mit leicht herabhängenden Flügeln.

Der Insektenfresser Kuckuck, der nicht zu den Singvögeln gehört, sondern eine eigene Gruppe bildet, spielt eine wichtige Rolle in seiner Lebensgemeinschaft. Er ist als ausgewachsener Vogel gleichsam ein Nahrungsspezialist mit einer Vorliebe für stark behaarte Schmetterlingsraupen, die sonst von allen anderen Insektenfressern gemieden werden. Durch heftiges Hin- und Herschleudern der Raupen mit dem Schnabel befördert er den meist bitter schmeckenden Darminhalt dieser Pflanzenfresser aus dem Körper seiner Beute, ehe er sie unzerkleinert hinunterschlingt.

Er ist - wie schon angedeutet - nicht "verantwortlich" für den Rückgang einiger seiner zahlreichen Wirtsvögel wie Neuntöter, Gartenrotschwanz und Teichrohrsänger. Wir sind es, die Feldgehölze beseitigen, Grabenränder von ihrem Gehölzaufwuchs befreien und jahrzehntelang lockere, verbuschte Wald- und Moorränder sowie Flurstücksgrenzen zu messerscharfen aufwuchsarmen Trennlinien zwischen den intensiven Acker- und Grünlandflächen gemacht haben. Neuntöter, Grasmücken, Sumpfrohrsänger und viele andere haben das Nachsehen - und mit ihnen natürlich auch der Kuckuck.

Aber noch ruft er ja bei uns ! In den Mooren unserer näheren und weiteren Umgebung geht es ihm gut, viele Grünlandareale und kleinräumige Landschaftsteile zwischen Seeve und Oste, Este und Wümme sind gut besetzt mit diesem einzelgängerischen Frühlingskünder. Und an und in unseren inzwischen gut entwickelten Benjes-Hecken in fast allen Bereichen der Samtgemeinde habe ich ihn auch oft schon beobachten können.

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Altkuckuck in typischer Haltung

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Not macht erfinderisch: schwierige Fütterung eines flüggen Jungkuckucks durch eine Bachstelze

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Dorngrasmücke füttert fast flüggen Jungkuckuck

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Kuckucksei im Teichrohrsängernest

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Jungkuckuck (ca. 2 Tage alt) im Teichrohrsängernest

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Jungkuckuck befördert Bachstelzenei über den Nestrand






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Ein Badepark für Tostedt

Der gewählte Standort ist nicht unproblematisch

Seit geraumer Zeit finden in Tostedt Diskussionen über die Errichtung eines Badeparks statt. Im Rahmen der Kommunalen Agenda 21 hatten sich in Tostedt verschiedene Arbeitsgruppen gebildet, u.a. eine Gruppe "Badepark für Tostedt". Die Gruppe hat inzwischen umfangreiche Vorarbeiten geleistet: bestehende Badeparks besichtigt, einen Standort gesucht und zusammen mit der Verwaltung ein Grundstück gefunden. Es existieren bereits Teilplanungen über die Größe der Anlage, die Gestaltung des Geländes und die Verwirklichung verschiedener Einrichtungen für Sport und Freizeit. Hierzu wurden auch die Schulen und Vereine mit einbezogen. Das fertige Grundkonzept wurde der Verwaltung und dem Fachausschuss der Samtgemeinde vorgestellt.
Auf der Umwelt-, Bau- und Planungsausschuss-Sitzung der SG Tostedt am 6.3.2001 wurde das Thema Badepark – zum wiederholten Male – ausführlich erörtert. Die Empfehlung des UBPA, den Badepark am Bosteler Berg "anzuschieben", wurde inzwischen durch einen einstimmigen Grundsatz-Beschluss des Samtgemeinderats bestätigt: Es wurde beschlossen, einen Bade- und Freizeitpark zu errichten, den gültige F-Plan entsprechend zu ändern und die ersten Planungsphasen zu beginnen (Beauftragung eines Planungsbüros, Kostenschätzung und Bereitstellung von Mitteln für die Planung).

Der AKN, der auf den letzten Sitzungen der Badepark-Gruppe sowie den Sitzungen in den Fachausschüssen anwesend war, möchte aus der Sicht des Naturschutzes zu der beabsichtigten Badepark-Anlage folgendes feststellen.

1. Grundsätzlich hält der AKN einen Badepark für eine interessante, weil ökologisch sinnvolle Alternative zu einem Freibad. Idee eines Badeparks ist die Verknüpfung von Freizeitaktivitäten mit einer ökologisch vernünftigen Gestaltung der Anlage. Im einzelnen bedeutet dies, dass anstelle eines "Betonbeckens" ein Folienteich angelegt wird mit Flachwasserzonen, tieferen Bereichen, Schwimmbahnen usw., d.h. es wird - einem natürlichen Weiher nachempfunden - eine künstliche Teichanlage erstellt.
Ökologisch bedeutsam ist außerdem der Verzicht auf Chemikalien zur Reinigung und der Verzicht auf eine Beheizung des Wassers. "Wie ist dies möglich?", wird mancher fragen. Die Lösung des Problems ist wiederum von der Natur abgeschaut: Man nutzt die Selbstreinigungskraft eines Gewässers und die wärmende Wirkung der Sonne zum Heizen.
Im einzelnen geht man folgendermaßen vor: Das Wasser fließt aus dem Badeteich über Kaskaden, kleine Wasserläufe und kleine Teiche in ein ausreichend großes Regenerationsbecken, das gut mit Sumpfpflanzen bewachsen ist und dort durch die Tätigkeit von Mikroorganismen und durch die Pflanzenwurzeln gereinigt wird. Das gereinigte – und in den Flachwasserzonen aufgewärmte - Wasser wird dann zurück in den Badeteich gepumpt. Dieses Konzept funktioniert bereits in verschiedenen Anlagen und besticht durch einen im Vergleich zu einem Freibad niedrigen Energieverbrauch und den Verzicht auf Chemikalien, d.h. durch seine Umweltfreundlichkeit und durch geringe Folgekosten.

2. Ein weiterer Vorteil kann die Bereicherung der Natur durch naturähnliche Feuchtbiotope, wie sie im Regenerationsbecken angelegt sind, sein. Dieser Vorteil muss allerdings mit den Eingriffen in die Natur, die Versiegelung von Flächen, Störung der natürlichen Wasserverhältnisse und Belastungen durch den Betrieb abgewogen werden, d.h. hierbei ist der konkrete Standort von Bedeutung.

3. Als möglicher Standort, der inzwischen auch beplant wird, wurde eine Fläche am Bosteler Berg (s. Karte) ausgewählt. Diesen von der Verwaltung und der Agenda-Gruppe gewählten Standort hält der AKN allerdings für nicht unproblematisch, und dies aus verschiedenen Gründen:
Die Fläche befindet sich in dem "Landschaftareal Oste-Quellgebiet", das im Flächennutzungsplan als "Fläche für Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von Natur und Landschaft" ausgewiesen ist. Die Problemsituation zwischen der Funktion des Areals zum Schutze der Natur und einer Nutzung für eine Freizeitanlage, auch wenn diese eine sinnvolle, ökologisch orientierte Badepark-Anlage ist, stellt für den AKN einen Gewissenskonflikt dar.

4. Das angesprochene „Landschaftsareal Oste-Quellgebiet" wurde seinerzeit auf der Grundlage der Biotopkartierung des AKN in den F-Plan aufgenommen. Die Darstellung dort ist sicher nicht parzellenscharf gemeint, umschließt aber insgesamt den sensiblen Quellbereich der Oste inklusive einiger Randbereiche. Jeder Einschnitt in diese Bereiche führt zu einer Verminderung der Qualität des Areals und damit auch seiner Schutzfunktion. Dies muss man insbesondere vor dem Hintergrund der Seltenheit und Gefährdung naturnaher Quellbereiche sehen, die deswegen in Niedersachsen höchste Schutzpriorität besitzen.

5. Der gewählte Standort ist für den AKN daher nur unter zwei Bedingungen akzeptabel:
Zum einen muss durch ein entsprechendes hydrogeologisches Gutachten zweifelsfrei nachgewiesen sein, dass der geplante Badepark keine negativen Auswirkungen auf die Oste-Quellen haben wird, u.z. weder im Hinblick auf die Zuflussmenge des Wassers zum Quellbereich noch im Hinblick auf die Wasserqualität. Ein solches Gutachten liegt bisher noch nicht vor, ist aber inzwischen in Auftrag gegeben worden.
Zum anderen muss bei der Detail-Planung unbedingt darauf geachtet werden, dass sämtliche Freizeiteinrichtungen, die mit der Aktivität von Menschen zusammenhängen (Schwimm-, Plansch- und Sprungteich, Spiel- und Sportzonen, Liegewiesen, Gebäude usw.) im oberen, der Weller Straße nahen Bereich, d.h. möglichst weit vom Quellbereich entfernt, angelegt werden. Das Regenerationsbecken müsste als beruhigter, für die Öffentlickeit nicht zugänglicher Übergangsbereich gestaltet werden, während das untere Drittel des zur Verfügung stehenden Grundstücks naturbelassen und vom Badepark unbeeinträchtigt verbleiben muss (Pufferzone). Nur so kann die Beeinträchtigung des sensiblen Quellareals in Grenzen gehalten werden. Unter diesen Voraussetzungen könnte der AKN, wenn auch schweren Herzens, einen Badepark an diesem Standort akzeptieren.
Diese dargestellte Einschätzung wird mit Sicherheit auch von der Fachbehörde des Landkreises vertreten, der die Badepark-Anlage an diesem Standort ohne Erfüllung der vorgetragenen Bedingungen niemals genehmigen wird.

6. Es ist unseres Erachtens noch ein weiterer wichtiger, bisher kaum ernsthaft erörterter Aspekt zu diskutieren. Das landschaftlich und ökologisch besonders wertvolle Gebiet beidseitig des reizvollen Weges vom Bosteler Berg hinunter Richtung Ostequellgebiet gehört schon unmittelbar zu den Natur- und Ruheräumen mit hoher Funktion für die stille Naherholung in unmittelbarer Ortsrandlage. Der Betrieb des Badeparkes und die mögliche Ansiedlung weiterer Einrichtungen hier würden nicht nur die Einstiegszone in diesen Naturraum erheblich beunruhigen und verlärmen, sondern wohl auch weit in die Landschaft ausstrahlen durch intensive Frequentierung der Wege.

7. Der AKN lehnt daher eine von einigen Ratsmitgliedern im UBPA vorgebrachte Option zur Vergrößerung der Anlage zu einer Badeanstalt mit Hallen- und/oder Freibad oder gar zu einem Schulzentrum ab. Die mit einer solchen Einrichtung verbundenen Emissionen und anderen Belastungen ständen völlig im Widerspruch zu dem „Landschaftsareal Oste-Quellgebiet", d.h. zu einer "Fläche für Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von Natur und Landschaft".

8. Der AKN kritisiert die unprofessionelle Vorgehensweise der Verwaltung bei der Suche nach einem geeigneten Standort. Bei einem Projekt dieser Größe hätte die Auswahl mehrerer Alternativstandorte und deren Prüfung auf eine mögliche Eignung unter stadtplanerischen, bau- und verkehrstechnischen, ökologischen, natur- und emissionschützerischen Gesichtspunkten vor der Festlegung auf einen Standort erfolgen müssen. So wäre auch zu vermeiden, dass Arbeit, Zeit und Geld für die Planung am u.U. ungeeigneten Standort verschwendet wird, denn bisher ist die Unbedenklichkeit und damit die Verwirklichung der Anlage am Bosteler Berg wegen des Fehlens des hydro-geolo-gischen Gutachtens keineswegs sicher.

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So könnte ein neu angelegter Badeteich aussehen

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Kartenausschnitt südlich der Weller Straße (zum Vergrößern anklicken!)



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In den Regenerationsbecken wird das Wasser biologisch gereinigt



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§ 29-Verbände beim Landkreis

Zum Erhalt, zur Verbesserung der ökologischen Infrastruktur geschieht wenig

Gleich dreimal waren Vertreter der § 29-Verbände in den letzten Monaten beim Landkreis. Bei den ersten Treffen im Dezember 2000 und Januar 2001 ging es in Gesprächen mit Herrn Hesemann und einigen seiner Abteilungsleiter um den Wirkungskreis und –grad des Kreisnaturschutzbeauftragten, um den Naturschutz in den Gemeinden und um den Fließgewässerschutz

Die Größe des Landkreises und die Fülle der Probleme und Themen können von einem Naturschutzbeauftragten nicht abgedeckt werden. So kommt es zu Unzufriedenheiten auf allen Seiten, auch auf Seiten des derzeitigen Naturschutzbeauftragten, Herrn Friedrichs, der allen Beteiligten sehr präzise Klagen über Arbeitsfülle, mangelnde Kooperation in den Gemeinden und über die geringen Erfolge seiner Bemühungen vorlegte.

Ein zweites Thema war dem Naturschutz in den Gemeinden gewidmet. Hier wurde deutlich gemacht, daß aktive, initiativ von den politischen und Verwaltungsgremien der Gemeinden ausgehende Natur- und Landschaftsschutzprojekte die wirkliche Ausnahme darstellen. Generell sind die Gemeinden mit Problemen der verkehrlichen und baulichen Infrastruktur beschäftigt, zum Erhalt, zur Verbesserung der ökologischen Infrastruktur geschieht wenig – in vielen Bereichen gar nichts. Dabei haben die Gemeinden hier durchaus einen gesetzlichen Auftrag für ihr Hoheitsgebiet.

Drei wichtige Ergebnisse wurden dann mit Herrn Hesemann beim zweiten Treffen verabredet:

1. Unsere Forderung nach zwei weiteren Kreisnaturschutzbeauftragten wird Ende des Jahres 2001 den politischen Gremien des Kreistages vorgelegt, die darüber entscheiden müssen. Im Frühjahr 2002 würde der alte oder die neuen Kreisnaturschutzbeauftragten bestellt.

2. Zweimal im Jahr bietet uns die Kreisverwaltung ein Treffen mit den für den Naturschutz zuständigen Abteilungsleitern an, um (vorher eingereichte) konkrete Problemfälle aus den Gemeinden zu besprechen.

3. Die § 29-Verbände erhielten das Angebot, ihre Sorgen und Ideen über die Naturschutzarbeit der Gemeinden den Samtgemeindedirektoren auf einem Treffen am 13.03.01 vorzutragen.

Dieses Treffen hat inzwischen stattgefunden. 4 Vertreter der Verbände (Herr O. Hammermeister, Landessportfischerverband, Herr B. Wenzel, Naturfreunde Nordheide, Herr R. Carstens, Nabu Buchholz und R. Kempe, BUND und AKN) und der Kreisnaturschutzbeauftragte des Landkreises, Herr Friedrichs, erhielten in sehr strikt bemessener Zeit Gelegenheit, zu den Samtgemeinde- und Stadtdirektoren des Landkreises zu sprechen.

Die anschließende Diskussion war nur sehr kurz. (Die turnusmäßige Sitzung der Gemeindedirektoren mit der Kreisverwaltung hatte nachfolgend noch eine umfangreiche Tagesordnung abzuhandeln). Dennoch konnten wir dem Echo auf unsere Ausführungen entnehmen, dass die von uns und dem Kreisnaturschutzbeauftragten formulierten Problemfelder von den Anwesenden durchaus ähnlich gesehen werden, oft natürlich eingebettet in ein etwas anderes Korsett von Sachzwängen, Vorgaben, Zuständigkeiten.

Fazit: Wir – die Verbände – sollten durchaus auf die jeweiligen Verwaltungen in unserem Wirkungsbereich zugehen, uns bei der anstehenden Novellierung des Raumordnungsprogramms nachdrücklich einbringen und – als Adressaten unserer Vorstellung über die Naturschutzarbeit in den Gemeinden – natürlich die politischen Gremien mit einbeziehen, die schließlich auf wesentlichen Feldern die Entscheidungen treffen.

Unsere Anliegen hatten wir in einem Merkblatt (als "Erinnerungspapier") für die Gemeindedirektoren zusammengefasst (s.u.).

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Gesprächsthemen: Landnahme durch die Landwirtschaft sowie Ablagerungen von landwirtschaftlichen Abfällen

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Gesprächsthema: Fließgewässerunterhaltung, hier die zu einem Kanal verkommene Oste




[Inhalt]

 

Natur- und Landschaftsschutz in den Gemeinden
(außerhalb der bestehenden Landschafts- und Naturschutzgebiete)

Die anerkannten Naturschutzverbände und die örtlich aktiven Naturschutzgruppen und –vereine des Landkreises sehen großen Gesprächs- und Handlungsbedarf hinsichtlich der aktiven Rolle der Gemeinden bei der Sicherung, Pflege und Entwicklung der landschaftlichen und im weitesten Sinne ökologisch wichtigen Ressourcen vor Ort.

Sie sehen sich in ihrer Auffassung vom derzeitigen Kreisnaturschutzbeauftragten des Landkreises, Herrn W. Friedrichs, intensiv bestätigt.

Themen für zukünftige Gespräche und Felder für zukunftsweisendes Handeln im Sinne einer aktiven naturerhaltenden und –schonenden Konzeption und Praxis in den Gemeinden sind aus unserer Sicht u.a. folgende:

· Die Zersiedelung des Außenbereiches und seine Belastung durch ungenehmigte Bauten und andere Aktivitäten. Der Außenbereich, die freie Landschaft, ist ein hohes Gut und nicht vermehrbar. Hierher gehört auch die zunehmende Aufweichung der Privili-gierungskriterien für Bauen im Außenbereich.

· Die Erstellung eines Ausgleichskatasters und Zielvereinbarungen für Naturschutz und Landschaftspflege.
Die Erstellung von Satzungen zum Schutz und zur Entwicklung von wertvollen Landschaftsstrukturen und Lebensräumen von lokaler und regionaler Bedeutung.
Dies ist ein wichtiger Teilbereich der Agenda 21 und damit auch ein Handlungsfeld der Gemeinden.

· Die "Landnahme" öffentlicher Wegränder durch Unterpflügen.

· Gewässerschutz (Stillgewässer und Fließgewässer, soweit Gemeinden hier Einfluß nehmen können): Uferschutz, Gewässerrandstreifen etc.
Naturnahe Gewässerunterhaltung (soweit die Gemeinden beteiligt sind)
Teilnahme von Gemeindemitarbeitern an qualifizierenden Maßnahmen auf diesem Gebiet.

· Unsachgemäße und wilde Entsorgung von Wohlstandsmüll, Bauschutt und landwirtschaftlichen Abfällen/Gartenabfällen in der freien Landschaft.

· Zuwahl von Beratern für den Naturschutz (unabhängige Fachleute) aus den örtlichen Vereinen/Verbänden in die Umwelt-, Bau- und Planungsausschüsse der Gemeinden.

Ihre Ansprechpartner bzw. Vermittler für zukünftige Gespräche

Wolfgang Friedrichs
Kreisnaturschutz-
beauftragter
Hanstedter Landstr.16
21376 Garlstorf
Tel. 04172-7160
Fax04188-891095
Otto Hammermeister
Landessportfischer-
Verband Nds.
Im Bahneck 30
21423 Winsen/Luhe
Tel. 04171-73767
Bernd Wenzel
Naturfreunde Nordheide
Hochkamp 23
21244 Buchholz
Telfax 04181-33769
Reimer Carstens
NABU
Drögenhorst 23
21244 Buchholz
Telfax 04181-38862
Reinhard Kempe
BUND/AKN
Wörmer Weg 3
21256 Handeloh
Tel. 04188-381
Fax 04172-962949



[Inhalt]

 

Wahlgeschenk für Jäger raben.jpg (17548 Byte)
Fachwissen als Grundlage für Entscheidungen ist zur Zeit nicht gefragt

Als ich Mitte März die Berichte über die Novellierung des Nds. Jagdgesetzes im Wochenblatt und in den HAN las, war ich erschüttert. Ich musste zur Kenntnis nehmen, dass der Niedersächsische Landtag mit den Stimmen von CDU und SPD den Abschuss von Rabenvögeln wieder zulässt; mit anderen Worten: In Niedersachsen dürfen Jäger künftig wieder Eichelhäher, Elstern und Krähen „bejagen". Während diese Entscheidung von der Jägerschaft allgemein begrüßt wird, kritisieren die Naturschutzverbände das neue Gesetz.

Die Landtagswahl steht vor der Tür und es zeigt sich wieder einmal, dass Lobbyisten und Stammtische an Einfluss gewinnen. Fachwissen als Grundlage für Entscheidungen ist zur Zeit nicht gefragt. Kennen die Landtagsabgeordneten eigentlich die Informationen des Niedersächsischen Landesamtes für Ökologie nicht? Es gibt da noch gar nicht alte, ausgezeichnete Schriften, die den Sachstand darstellen. In der Ökologie ist mit Abschießen noch nie etwas zu regeln gewesen, schon gar nicht, wenn die Ursachen für ein vermeintliches Problem ganz woanders liegen.

Aber zur Zeit zählt nur die Frage: „Wie komme ich als Vertreter einer Partei an Wählerstimmen?", und dabei sind die ca. 60000 niedersächsischen Jäger ein wichtiger Faktor.

In den Gemeinden für Heckenpflanzungen, für die Erhaltung bzw. Schaffung von Wegerandstreifen zu sorgen, in Landkreisen geltendes Bau-, Wasser- und Naturschutzrecht umzusetzen, in Bezirksregierungen leitende Personen dazu zu bringen, geltendes Recht anzuwenden und nicht „Freundschaftsdienste" zu leisten gegen das Gemeinwohl, das sind offenbar zu hohe Forderungen an Politik und Verwaltungen.

P.S.: Der AKN wird sich in einer der nächsten Ausgaben seiner Mitteilungen ausführlich, sachlich und fundiert mit der „Rabenvogel-Problematik" auseinandersetzen!

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Junge Rabenkrähen - zukünftig ohne große Überlebenschancen


[Inhalt]

 

Buchbesprechung

In einem Bächlein helle . . .

Madsen, B. L. & L. Tent: Lebendige Bäche und Flüsse
Praxistipps zur Gewässerunterhaltung und Revitalisierung von Tieflandgewässern
155 Seiten, 52 Schwarz-Weiß-Fotos, 70 Zeichnungen, 7 Tabellen, 21 Graphiken,
Herausgeber: Edmund Siemers-Stiftung, Hamburg 2000,
24,84 DM (ISBN 3-89811-546-1)

Ludwig Tent genießt nicht nur in seinem Wohnort Tostedt einen hervorragenden Ruf als Kenner der heimischen Fließgewässer, als Fachmann für Fragen der schonenden Gewässerunterhaltung und als Naturschützer, der sich aktiv für die Regenerierung und Renaturierung der norddeutschen Bäche einsetzt. Durch seine vielfältigen Tätigkeiten ist der gelernte Hydrobiologe weit über die Grenzen Norddeutschlands hinaus bekannt: Er ist Leiter der Abteilung für Umweltschutz im Bezirksamt Hamburg-Wandsbek, Lehrbeauftragter an der TU Harburg im Arbeitsbereich Bauingenieurwesen und Umwelttechnik und seit einigen Jahren auch Projektleiter der Edmund Siemers-Stiftung im Projekt Este-Wümme.
Gerade die Samtgemeinde Tostedt hat im Verlauf vieler Jahre vom unermüdlichen Einsatz Ludwig Tents für die bedrohten Heidebäche profitiert. Der Weg zu einer Verbesserung der Gewässerstrukturen unserer Bäche Este, Oste, Wümme und Seeve war mühsam und dornenreich, häufig auch frustrierend und erfolglos. Gerade in der ersten Zeit war es ein Kampf gegen alte Strukturen, gegen Gleichgültigkeit und gegen Betonköpfe, es musste zuerst der Boden für Veränderungen und Verbesserungen bereitet werden.

Seine langjährige Erfahrung mit den Tieflandgewässern, aber auch mit den Nutzern der Bäche, den Grundbesitzern, Landwirten, Anglern, den Unterhaltungsverbänden sowie mit den Behörden hat der Gewässerbiologe jetzt verarbeitet in dem neuen Buch "Lebendige Bäche und Flüsse", das aus dem Dänischen übersetzt, überarbeitet und auf die deutschen Verhältnisse angepasst wurde.
Das Buch besticht durch einen auch für den Laien gut verständlichen Text, mit dem die komplexen und komplizierten Sachverhalte dargestellt werden, sowie durch eine Fülle von klaren, informativen, den Text erläuternden Zeichnungen und Graphiken.
Ziel des Buches ist die Vermittlung der Zusammenhänge und Wechselwirkungen in einem natürlichen, reich strukturierten Fließgewässer und das Aufzeigen der Folgen menschlicher Eingriffe in das Gewässergefüge, wie sie in den letzten Jahrzehnten in massiver Weise erfolgt sind. Auf der Basis dieser Kenntnisse gibt Ludwig Tent eine Vielzahl von Tipps, wie Eingriffe, Störungen und Schäden gemindert, vermieden oder rückgängig gemacht werden können.
Die Darstellung konkreter Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerstruktur z.B. durch schonende Gewässerunterhaltung, zur Erreichung einer Durchgängigkeit für die im Bachverlauf wandernden Tiere – z.B. zum Aufsuchen der Laichplätze – und zum Rückbau der Sünden vergangener Jahrzehnte nimmt den größten Raum in diesem Buch ein und stellt somit den Schwerpunkt dar.
Auf die biologischen Verhältnisse der Gewässer wird mit einem Kapitel über die Bachforelle als Leitorganismus der Bachoberläufe eingegangen, auf die chemischen dagegen nicht, und das durchaus mit Absicht. Wer Anleitungen zu biologischen Untersuchungen und Kriterien zur biologischen und chemischen Beurteilung der Gewässergüte sucht, muss andere Bücher zu Rate ziehen (siehe die folgende Buchbesprechung).
Hier wird dafür deutlich gemacht, dass die Wassergüte, gekennzeichnet durch chemische Parameter, allein keine Aussagen über den Lebensraum Fließgewässer zulässt. Die Bewohner eines Baches benötigen neben sauberem Wasser einen stark strukturierten Gewässerverlauf mit tiefen und flachen Zonen (Kolke und Rauschen), mit schnell- und langsam strömendem Wasser, mit vielfältigem Substrat (von Sand über Kies bis zu Geröll), mit Totholz, Steinen, Baumwurzeln und Höhlungen.

Gerade die für die Fließgewässer Verantwortlichen sowie deren Nutzer finden hier viele Hinweise und Handlungsanweisungen. Das Buch gehört daher unbedingt in die Hand der Unterhaltungsverbände, der Wasserbehörden, Grundbesitzer und Landwirte, und es bleibt zu hoffen, dass diese Kenntnis von dessen wertvollem Inhalt nehmen. Für Naturschützer stellt es eine wahre Fundgrube für Argumentationshilfen und Anregungen für die praktische Arbeit dar (allerdings vermisse ich ein Stichwortverzeichnis, das das Nachschlagen einzelner Sachverhalte erleichtern würde) und auch Lehrer, die Kindern einen Zugang zur Natur vermitteln wollen, werden davon profitieren.

Für gemeinnützige Vereine und Verbände ist ein Direktbezug ab 20 Exemplare zum Herstellungspreis von ca. 10 DM/Stück möglich, im Internet gibt es Informationen unter www.bod.de/autoren/tent_ludwig.html.
Über den engagierten Einsatz von Bürgerinnen und Bürgern für Forellenbäche in der Stadt Hamburg kann man etwas unter www.globe-germany.de/schulen/gyra/forelle2010 erfahren.

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[Inhalt]

 

Buchbesprechung

Die Viecher der norddeutschen Bäche

Brock,V., E. Kiel & W. Piper:
Gewässerfauna des norddeutschen Tieflandes
Bestimmungschlüssel für aquatische Makroinvertebraten
225 Seiten, über 500 Abb., Blackwell Wissenschafts-Verlag Berlin-Wien 1995,
19,80 DM, (ISBN 3-8263-3044-7)

Während das vorher besprochene Buch schwerpunktmäßig die Gewässerstrukturen zum Inhalt hat, haben wir hier eine Veröffentlichung vorliegen, die in hervorragender Weise die biologische Untersuchung eines Baches durch die Bestimmung der größeren wirbellosen Bewohner ermöglicht.

Wenn man am Ufer stehend in einen Bach schaut, so ist man versucht zu meinen, dass dort kaum etwas lebt, denn außer vielleicht einer Forelle, die vorbei huscht, wird man nichts entdecken. Wer aber jemals in einem Bach nach den dort lebenden Kleintieren gesucht hat, ist fasziniert von der überraschenden Vielfalt und dem Reichtum an versteckt im Bach lebenden Bewohnern. In einem einigermaßen intakten Gewässer finden sich Bachflohkrebse und Wasserasseln, Strudelwürmer und Egel, Muscheln und Schnecken, Wasserwanzen und Käfer sowie eine ganze Reihe von Insektenlarven (Larven von Steinfliegen, Eintagsfliegen, Köcherfliegen, Libellen, Mücken und Fliegen). Interessant und bedeutsam ist zudem die Tatsache, dass das Auftreten bestimmter Tiere und die Zusammensetzung der Lebensgemeinschaft in einem Bach Rückschlüsse auf den Zustand und die Qualität des Gewässers ermöglichen. Viele Kleintiere eignen sich aufgrund ihrer Lebensraumansprüche als Indikatoren für die Gewässergüte. Daher ist es in vielerlei Hinsicht bedeutsam, die Wasserbewohner bestimmen zu können.

Das Buch "Gewässerfauna des norddeutschen Tieflandes" ist ein Bestimmungbuch für aquatische Wirbellose ab einer Größe von ca. 1 mm. Es wendet sich nicht nur an Fachleute, sondern auch an interessierte Laien, die aufgrund beruflicher Tätigkeiten (z.B. in Behörden, die sich mit Gewässern und deren Schutz beschäftigen) oder privaten Engagements (ehrenamtlicher Naturschutz, Naturfreunde, Bachpaten, Angler usw.) die Natur beobachten, nutzen und bewerten. Darüber hinaus stellt es eine Bereicherung des Biologie-Unterrichts an Schulen und des Studiums diverser Fachrichtungen in den ersten Semestern dar.
Die Autoren überraschen mit einem interessanten Konzept: Sie gliedern ihr Bestimmungsbuch in drei Teile. Der erste Teil ermöglicht die Bestimmung der Großgruppen und führt über zum zweiten Teil, mit dem sich Anfänger unter Verwendung einfacher Hilfsmittel (10fach-Lupe) bis zu den Familen und z.T. auch Gattungen vorarbeiten können. Fortgeschrittene können im dritten Teil unter Zuhilfenahme stärkerer optischer Hilfen (Binokular 40x) in der Regel bis zu den Gattungen, z.T. auch zu den Arten gelangen. Da in vielen Fällen die Artbestimmung nur Spezialisten und dann an ausgewachsenen Insekten möglich ist, wurden sinnvollerweise nicht überall Artnamen angegeben.
Die Idee der Unterteilung in die Bestimmungsbereiche für Anfänger und Fortgeschrittene bringt sicher viele Vorteile mit sich, wird aber auch mit einem großen Platzverbrauch erkauft, da es verschiedentlich zu Wiederholungen im Text- sowie im Bildteil kommt. Vielleicht wäre es eine Überlegung wert, ob nicht ein wenig Platz für ökologische Aspekte sowie die Zuordnung einzelner Organismen als Indikatoren bestimmter Gewässergüte-Klassen bereitgestellt werden könnte.

Das Autorenteam um den Handeloher Biologen Vilmut Brock hat bei der Erstellung dieses Bestimmungsbuches auf einen großen und fundierten Erfahrungsschatz im wissenschaftlichen Umgang mit Gewässern zurückgreifen können. Die drei Biologen arbeiten bereits seit über 20 Jahren über Fließgewässer und deren Bewohner, besitzen fundierte Kenntnisse insbesondere über Insekten und haben gutachterlich für die verschiedensten Institutionen und Behörden gearbeitet. Im Jahre 1987 haben sie die "Biologisch-landschaftsökologische Arbeitsgemeinschaft - biola" begründet und sind Gründungsmitglied im Verband selbständiger Ökologen e.V. (VSÖ). Ihre gutachterliche Tätigkeit erstreckt sich u.a. auf Biotopkartierungen, Pflege- und Entwicklungspläne sowie Umweltverträglichkeitsuntersuchungen, aber auch auf Grundlagenerhebungen und wissenschaftliche Begleituntersuchungen. Der AKN kann sich darüber freuen, mit Vilmut Brock einen dieser Experten in seinen Reihen zu haben.
Was mir an dem Buch nicht nur aus ästhetischen Gründen ganz besonders gut gefällt, sind die fantastischen Zeichnungen, die nicht nur eine sichere Bestimmung möglich, sondern auch zur Freude machen. Bei der Verwendung des Buches in Schülergruppen wird deutlich, dass auch nicht vorgebildete Jugendliche zu vernünftigen Bestimmungsergebnissen gelangen. Allerdings ist dies z.T. mit etwas Mühe verbunden, da die Autoren ihren wissenschaftlichen Anspruch mit der Verwendung der Fachterminologie deutlich machen. So muss am Anfang häufig das Glossar zur Hilfe genommen werden.
Für Benutzer, die tiefer in die Bestimmung einzelner Gruppen eindringen möchten, ist erfreulicherweise weiterführende spezielle Literatur zu den einzelnen Tiergruppen angegeben. Mit wieviel Liebe zum Detail das Buch erstellt wurde, zeigen u.a. eine ästhetische Seitengestaltung, eine sehr konsequente Struktur und einige Kleinigkeiten wie z.B. Logos der einzelnen Tiergruppen auf jeder Seite.

Fazit: Dieses Buch ist eine Bereicherung der Bestimmungsliteratur über Gewässer, indem es die Lücke zwischen der schwierigen Spezialliteratur und der häufig sehr oberflächlichen Literatur für Laien schließt. Es gehört unbedingt in die Hand der Vertreter der Naturschutz- und Wasserbehörden, der Naturschützer, von Anglern, Lehrern und anderen interessierten Laien.

Informationen über die Arbeit der Autoren gibt es im Internet unter: www.biola.de.

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Bildtafel über Eintagsfliegenlarven
Abb. aus dem vorgestellten Buch

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Das Logo von biola mit der Köcherfliege Limnephilus lunatus







[Inhalt]

 

Entlastung des Vorstandes – ein Konzept muss her und dann langsam wachsen

– vielleicht so etwas wie eine kleine "Patenschaft"

Stellen Sie sich vor: da liegen – verstreut in unserer Samtgemeinde, zwischen Seeve und Wümme, Este und Oste, zwischen Töste und Aue (bei Heidenau) - rund 40 Flächen, z.T. auch größere schutzwürdige Areale. Einige gehören dem AKN, andere sind von uns gepachtet, um sie zu einer naturverträglichen Entwicklung zu bringen, für wieder andere haben wir Betreuungsaufgaben übernommen, vom Landkreis, von einer unserer Gliedgemeinden, vom Verein Naturschutzpark.

3-4x im Jahr müssen wir diese Flächen in Augenschein nehmen, kontrollieren, "nach dem Rechten" sehen. Was da jeweils kontrolliert werden muss, unterscheidet sich oft von Fläche zu Fläche. Bei einer gepachteten Wiese, die nicht gemäht werden soll, geht es z.B. um die Beobachtung aufkommender Gehölze, die dann rechtzeitig beseitigt werden müssen. Bei einer anderen Fläche (einer Pachtweide) geht es z.B. um die Standfestigkeit des Zaunes, um die Höhe des Grases unter dem Elektrozaun. Bei einer dritten Fläche sind mehrere Grabenverschlüsse von uns gebaut worden, um das Wasser zurückzuhalten. Ihr Zustand, dazu der Wasserstand in den Gräben, muss mehrmals im Jahr kontrolliert werden.

Darüber hinaus freuen wir uns über jeden und jede, die, ganz nach dem eigenen Vermögen und zum eigenen Vergnügen, zusätzliche Beobachtungen über Pflanzen und Tiere auf und in der Nähe der Fläche machen kann und diese auch aufschreibt.
Natürlich gilt es auch darüber zu wachen, dass von Seiten Dritter keine Schäden, Belastungen auf den von uns betreuten Flächen erfolgen.
Jede(r) an diesen wichtigen Aufgaben Interessierte wird von uns direkt vor Ort in die Bedeutung und Probleme, Entwicklungsziele, Beobachtungs-/Kontrollschwerpunkte eingewiesen.

Also noch einmal: Helft uns, diese wichtigen Aufgaben – auf viele Schultern verteilt – dauerhaft leisten zu können. Ein wichtiger Teil unserer Arbeit hängt in seinem Erfolg von Eurer/Ihrer Mitarbeit ab. Wir 5 vom Vorstand können das – neben all‘ den anderen Arbeiten – nicht leisten.

Es geht um 3-4malige Kontrollen der einzelnen Fläche im Jahr. Das ist die Arbeit – nicht die Reparatur eines Zaunes oder das Mähen des Grases unter dem Elektrozaun oder gar die Verstärkung eines Dammes zur Wasserrückhaltung. Das machen dann andere, kleine Arbeitsgruppen, bei denen man sich natürlich einbringen kann, aber nicht einbringen muss !

Wie gesagt, es geht um 30-40 Flächen im Raume Handeloh, Kakenstorf, Welle, Tostedt, Todtglüsingen, Otter, Dreihausen, Wistedt, Königsmoor, Heidenau, Dohren. Wer will, findet mit Sicherheit ein Betätigungsfeld vor oder nahe der eigenen Haustür – vielleicht so etwas wie eine kleine "Patenschaft".

Schön wär’s und absolut notwendig für die Arbeit unseres Vereins !






[Inhalt]

 

Betrachtungen über den Stechginster (Ulex europaeus)
Als Viehzaun dürfte er sich wegen der Dornigkeit vortrefflich geeignet haben

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Was da am Fahrbahnrand der Weller Strasse ausgangs Tostedts in den Wintermonaten an Sträuchern schön goldgelb blüht, ist Ulex europaeus, der Stechginster, ein selten gewordenes Gewächs. In der Roten Liste der Gefäßpflanzen Niedersachsens ist er eingestuft in Kategorie 2 (Sippe stark gefährdet).

Dieser ausdauernde, sehr dornig-stachelige bis zu 2m hohe Strauch bildet hier einen beachtenswerten Bestand. Er ist im westlichen Europa, besonders in England, Schottland und auf den Kanalinseln heimisch.

In seiner Flora des Landkreises Harburg beschreibt R. MÜLLER 4 Wuchsorte, von denen zwei erloschen sind, davon einer durch Strassenbau, womit der ehemalige Fund an der Weller Strasse gemeint ist. Am und im Zaun an einer Weide (dort, wo jetzt neue Häuser gebaut werden) war ein uns bekanntes Vorkommen. Der Tostedter Landwirt W. Meyer berichtet darüber, dass er und schon sein Vater dies stachelige Zeug gern weg haben wollten – vergeblich ! Vorkommen auf der anderen Strassenseite (jetziger Standort) gab es nicht. Auch soll im Huthschen Gehölz kein Ulex gestanden haben, nach Aussage von Herrn Rose, Tostedt. Sollten durch Erdbewegungen während des Strassenbaus Samen oder Wurzelteile zur anderen Strassenseite verbracht worden sein, wo jetzt eine natürliche Ausbreitung stattgefunden hat ?

Es ergibt sich folgendes Bestandsbild: Auf dem 4 m breiten, 200m langen Grünstreifen zwischen Fahrbahn und Fuss-/Radweg zählten wir 14 Exemplare mit einigen Ausläufern. Am Grabenrand der Strasse "Borsteler Weg" stehen 3 Exemplare. Am Fussweg zwischen dieser Strasse und dem "Lerchenweg" fanden wir weitere 5 Exemplare am Zaun, der die bebauten Grundstücke begrenzt. Zu unserem Erstaunen entdeckten wir, dass sich dort in den Gärten noch etwa 20 Exemplare in verschiedenen Wuchsstadien befinden. Der Gesamtbestand in diesem Bereich ist mit etwa 40 Exemplaren festzustellen.

Eine Gefährdung dieser unter Naturschutz stehenden Pflanzen sehen wir auf den öffentlichen Flächen z.Zt. nicht, da dieses Vorkommen der örtlichen Verwaltung wie auch den übergeordneten Behörden bekannt ist und bei Pflegemaßnahmen der Strassenbauämter geschont bleibt. Es wäre wünschenswert, wenn die privaten Grundstücksbesitzer sich dem anschliessen würden.

Zur Historie dieser interessanten Pflanze ist noch zu sagen, dass sie schon von altersher als Heckeneinzäunung verwendet worden ist (STURM 1901, F. BUCHENAU 1894 und 1936) und auch zur Bindung von Wehsänden gepflanzt wurde. Als Viehzaun dürfte sie sich wegen der Dornigkeit und Undurchdringlichkeit vortrefflich geeignet haben.

Zu erwähnen ist noch, dass der Stechginster, wie auch der Besenginster, bei starkem Frost erfrieren kann, wie es vor ein paar Jahren beobachtet werden konnte. Er wird braun, treibt aber innerhalb eines Jahres neu aus.

Der ginstergrüne Strauch - auch Gaspeldorn oder Heckensame genannt – ist, wenn mit seinen gelben Schmetterlingsblüten übersät, ein pflegeleichtes schönes Gewächs. Er blüht fast das ganze Jahr über und ist wahrlich ein kostbares Stück Natur in Tostedt, um dessen Erhalt wir uns sorgen sollten.

Ergänzung: auf dem Gelände eines Bauernhofes in Welle haben sich einige Exemplare des Ulex europaeus angesiedelt und trotz Bodenveränderung erhalten.

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Blühender Zweig

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Junger Strauch an der Weller Straße





[Inhalt]

 

Freude, die (s)ich mitteilen muss

Und einige sind überall mit dabei

Vielleicht langweile ich inzwischen viele unserer Leser, unserer Mitglieder, wenn ich einmal mehr von einigen herrlichen Erlebnissen bei den vielen Arbeitseinsätzen des vergangenen Winterhalbjahres hier berichten muss. Ja, ich muss einfach dazu etwas sagen, und was heißt da schon sagen, ich muss und möchte gern etwas von der Freude und Begeisterung mitteilen, nein kundtun, besser noch "rüberbringen" (wie man heute zu sagen pflegt), von der Freude und Begeisterung, die ich empfinde und die ich auch auf den vielen (oft schweißverklebten) Gesichtern bei der (ja auch nicht immer ganz leichten und einfachen) Arbeit erlebe !

Ich fange einfach mal in meiner Heimatgemeinde Handeloh an. Seit 12 Jahren leistet diese Arbeitsgruppe Winterhalbjahr für Winterhalbjahr 5-7 Arbeitseinsätze. Zwischen 7 und 12 Personen sind jedesmal dabei. Heidepflege, Moorentkusselung, Heckenpflanzungen und ihre Pflege, Mahd von Brachflächen, Fledermaus- und Vogelkastenbau und Anbringung, schonende Gewässerunterhaltung von Hand, Fischteichbetreuung usw. usw. Und immer wieder kommt der eine oder die andere Neue hinzu, wie z.B. Stefan (aus Otter) oder Handelohs Neubürger Brockmann/Knuth. Und immer herrscht gute Laune beim Arbeiten, blühen Spaß und Flachs und immer werden auch alle satt bei Erbsensuppe oder Brötchen, nicht wahr Ralf und Ralf, Edith Birger und Annette ! ? Und vielen Dank auch an dieser Stelle für die köstliche Erbsensuppe, Liesa !

Dann ist da die Heidenauer Gruppe - fast schon eine "powergang" im positivsten Sinn, manchmal 8-10 Mann/Frau stark, manchmal sogar zwanzigköpfig, vierzigarmig zupackend. (Hermann sei Dank !) - dann "geht die Post ab" im Moor oder auf der Avenser Wiehe. Da "wächst" geradezu unter den staunenden Augen des Betrachters in wenigen Stunden ein Quellbächlein in seinem geschwungenen Lauf aus finsterster Fichtenbeschattung ans Licht und man reibt sich die Augen über das, was so viele fröhliche Menschen (vom Kind über den Jugendlichen bis hin zum graumelierten Ruheständler, männlich und weiblich, in guter Mischung), was also so viele fröhliche Menschen da nach guter Planung und Vorarbeit (Hermann und Heiner und Ralf sei Dank !) auf den Weg bringen.

Im Großen Moor das gleiche. Und immer diese gute Stimmung ! Jeder nach Maßgabe seiner /ihrer Kräfte; das Ziel stimmt und das Miteinander setzt Energien frei - im Kopf und in Armen und Beinen !

Daneben geschehen an so vielen anderen Stellen (fast unzählige) kleinere Dinge mit Langzeitwirkung für die Natur vor unserer Tür, die Arbeit auf wenige Teilnehmer beschränkt. "Ruf einfach an, das kriegen wir hin", wie oft höre ich das und wie gut klappt dann alles hier im Kleinen wie eben im Großen geschildert mit den gleichen "Gütesiegeln" wie oben beschrieben.

· Da haben wir einen Damm gebaut im NSG Ottermoor - 3 Mann, 2 Stunden. (Torsten und Ralf sei Dank) und der Schmerz am Schienbein ist vergessen !

· Am Westrand des Everstorfer Moores haben wir unter fachkundiger Leitung unseres Mitglieds Alexander Gröngröft mit Hermann, Heiner und Torsten 4 Rammpegel gesetzt zur Kontrolle der Wasserstände am Moor. Heiner Busch führt die Kontrollen durch. Danke, Heiner. Ich wünsche Dir und uns gute Wasserstände !

· Auch an der Trelder Moorkoppel haben wir solche Rammpegel gesetzt, auch hier geht es um Beseitigung von Konfliktstoff durch zu hohe bzw. niedrige Wasserstände zwischen Anliegern und dem Naturschutz.

Daneben haben wir mit Alexander Gröngröft vorbereitende Bodenuntersuchungen gemacht an Weiher und Tümpel im Raume Kakenstorf. Hier sollen u.U. Entschlammungen vorgenommen werden. Trotzt knappster Zeit hat Alex das möglich gemacht. Danke.

· Auch in Wistedt wurde gearbeitet. Hier werden u.a. zahlreiche Weiden und Brachen betreut, sei es, dass sie gemäht, zur gewünschten Zeit beweidet bzw. nicht beweidet werden oder brachliegen sollen. Hier führt Claus Bohling gekonnt Regie im Sinne natur-schonender Konzepte (Claus sei Dank).

· Und dann in Welle (Gerd sei Dank) wieder so ein lockerer und doch effektiver Arbeitseinsatz an den im letzten Jahr dort bei Kampen begründeten Benjes-Hecken-Inseln. Auch hier - wie in Handeloh und Heidenau - wieder einige "neue Gesichter", junge Gesichter mit der "formulierten Lust" nach weiterem Mitmachen.

Auch ein junges und doch schon lange bekanntes Gesicht ist plötzlich wieder mit dabei, Melanie, besser "Mille", schon vor 12/13 Jahren in unserer Anfangszeit als AKN dabei, damals noch Schülerin in Tostedt (in der Quante-Naturschutz-AG), steht plötzlich neben mir und packt wieder mit an.

Und einige sind (fast) überall mit dabei, wann immer ihre Zeit es möglich macht, so wie Kai, Torsten und auch Werner. Und selbst aus dem fernen Elstorf mischt Harald immer wieder mit in Handeloh und Heidenau.

Wie steht es doch auf unseren Rundbriefen für diese beiden Dörfer: Mitmachen macht Spaß - und schafft Gutes für die Natur.

So soll es dann ab September/Oktober wieder sein. Natürlich möchte ein solcher Artikel werben, zur Mitarbeit, zum Mitmachen anregen, aufrufen. Wir freuen uns auf die alten und auf viele neue Gesichter!

Im Herbst. Anruf erwünscht ! Durchaus auch schon jetzt !

Quellbachtälchen Avenser Wiehe

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vor der Räumung

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nach der Räumung


Dammbau im NSG Ottermoor

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nach Fertigstellung

damm2.jpg (15925 Byte)
6 Wochen später


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Setzen von Rammpegeln am Westrand des Everstorfer Moors

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Pause beim Großeinsatz im NSG „Großes Moor"

[Inhalt]

 

MITARBEITER GESUCHT

Um gesicherte Erkenntnisse zu erlangen, werden die Kraniche wöchentlich gezählt

"Wo bleiben nur die vielen rastenden Kraniche unserer Region in der Nacht?" wird sich manch einer schon gefragt haben, der die vielen tagsüber auf den Maisstoppeln äsenden Kraniche gesehen hat.

Im geplanten Naturschutzgebiet Tister Bauernmoor bei Burgsittensen hat sich in den letzten vier Jahren ein Rastplatz etabliert, mit einem Maximum von 3.850 Individuen im Jahr 2000. "Diesem Kranichrastplatz kommt insofern eine besondere Bedeutung zu, als er am äußeren westlichen Rand des Eurasischen Verbreitungsgebietes des Grauen Kranichs liegt" (Prof. Prange/Kranichschutz Deutschland).

Betreut wird dieser Rastplatz durch den Kranichschutz Deutschland (WWF-Nabu) mit Albert Dörp (AKN) als verantwortlichem Rastplatzbetreuer. Seit über zwei Jahrzehnten arbeiten in der Arbeitsgemeinschaft Kranichschutz Deutschland (früher separate Arbeitsgruppen in Ost und West) die Betreuer aller Rastplätze zusammen, um die alljährlichen Rastbestände etwa im Wochenabstand zu erfassen. Hierdurch ist ein Monitoring-system entwickelt worden, das eine recht zuverlässige Aussage zum aktuellen Rastbestand und zur Entwicklung der Rastpopulation ermöglicht, da in Deutschland etwa 80-90 % aller auf der europäischen Westroute ziehenden Grauen Kraniche ihre Wanderung zu einer mehrwöchigen Rast unterbrechen. Wie sich anlässlich der letzten internationalen Kranichtagung in Verdun/Frankreich heraustellte, ist dieses von meist freiwilligen Mitarbeitern getragene Monitoringverfahren weltweit einmalig!

Um gesicherte Erkenntnisse und Vergleichsunterlagen für die langzeitige Bewertung des Rastgeschehens und seiner Veränderungen zu erlangen, werden die Kraniche ein- bis zweimal wöchentlich gezählt, die Anteile der Jungvögel erfasst und eventuelle Ringablesungen durchgeführt. Die Arbeit beginnt jeweils ca. Mitte Juli und kann sich wie im Jahr 2000 bis in den Dezember erstrecken. Gezählt wird entweder beim Abendeinfall oder beim Morgenaufbruch.

Für diese interessante und sinnvolle Aufgabe werden noch zuverlässige Mithelfer gesucht, denn es gilt nach wie vor durch eine gezielte Erfassung und Überwachung, Störungen und negative Einflüsse vom Rastplatz Tister Bauernmoor abzuwenden. Ein Beobachtungsturm soll installiert werden, die Erfasser benötigen lichtstarke Ferngläser und Spektive. Eine Einweisung erfolgt noch vor der Saison – Teilnahme an Fachtagungen und Exkursionen sind möglich.

Bitte melden bei Albert Dörp
Tel.: 04181-97951 Fax: 04181-97953
email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

oder auf der Jahrshauptversammlung des AKN einschreiben.

Wie sagt Reinhard Kempe immer so schön: "Die Natur dankt es Ihnen/Euch".



[Inhalt]

 

Gift – nein danke!

Auf Wegen, Terrassen und Randflächen ist der Einsatz tabu

Wollen wir Gift in unserem Lebensumfeld?

Unser tägliches Leben ist in den letzten Jahrzehnten immer stärker vom Einzug der Chemie bestimmt worden. Dabei sind Skandale, deren Verursacher nicht jeder Einzelne von uns ist, wie Schadstoffe in Lebensmitteln, Nitrat und Pestizide im Trinkwasser oder Arzneimittel im Schweinefleisch ("Schweine-Doping"), nur die eine Seite der Medaille. – Wir alle nutzen eine Vielzahl von Stoffen, ohne sie genauer zu kennen und profitieren z.B. von der Entwicklung neuer und besserer Wasch-, Spül- und Reinigungsmittel. Zunehmend stellt sich aber vielen von uns angesichts Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut oder zunehmender Allergien die Frage, ob die Verwendung anderer Mittel oder mindestens die weitgehende Verringerung des Einsatzes synthetischer Produkte nicht ein notwendiger Weg ist.

Was sehen wir in der Nachbarschaft?

Neben den Gebrauchsgegenständen des täglichen Bedarfs bietet der Handel eine Vielzahl von Stoffen, deren Nutzung speziellen Zwecken dient. Der Einsatz von Kochsalz beispielsweise beim Beseitigen von Glätte im Winter ist sehr bequem – die offenbar allzu menschliche "Tugend", dass viel viel hilft und mancher sogar das Schnee-Fegen durch Salzstreuen ersetzte, hat angesichts der Versalzung des Bodens und des Wassers folgerichtig mit dazu geführt, dass nahezu alle Gemeinden ein Streusalz-Verbot erlassen haben. Zum Schutz des Umfeldes sind abstumpfende Streumittel Pflicht und Salz in Maßen nur bei extremer Eisglätte akzeptabel.

Ein besonderes Kapitel ist die Nutzung (begrenzt) frei käuflicher sogenannter Pflanzenschutzmittel. Dies sind Gifte (Pestizide) gegen Pflanzen und Tiere, die wir für störend halten. Waren sie vor Ende der 1980-er Jahre auch dem Laien fast unbegrenzt zugänglich, hat die unkritische Nutzung angesichts hoher Schäden für Mensch und Umwelt seitdem für immer stärkere gesetzliche Einschränkungen gesorgt. Klare Vorgaben der Mittel, die Verpflichtung des Handels auf notwendige Beratung der Kunden und weitgehende Beschränkung des erlaubten Einsatzes bestimmen den Rahmen: Eine gewerbliche Anwendung darf nur durch Sachkundige mit entsprechender Zulassung erfolgen. Eindeutig verboten ist z.B. die Anwendung auch der zugelassenen Mittel auf nicht gärtnerisch oder landwirtschaftlich genutzten Flächen. Wege, Bürgersteige, Terrassen und Randflächen wie Feldraine sind für den Pestizid-Einsatz tabu. Verständlich dürfte dies allen sein, denn durch Abschwemmen und Versickern ohne die Möglichkeit des biologischen Abbaus gelangen die Mittel in Oberflächengewässer und Grundwasser: Angesichts der starken Fisch- und Algengiftigkeit bereits in kleinsten Mengen haben diese Stoffe unkontrolliert in der Umwelt nichts verloren.

Was sehen wir "auf dem Lande"?

Mancher beim Gift-Spritzen angesprochene Bürger verweist gern auf den Pestizid-Einsatz der Landwirtschaft. "Die machen doch viel mehr und das auf allen Flächen!" – Wie immer man dazu steht, der Einsatz dieser Gifte legt zugrunde, dass nur der Sachkundige mit entsprechender Bildung und Fortbildung mit diesen Mitteln umgeht und dass er sich dabei seiner Verantwortung bewusst ist. Ein ordnungsgemäß arbeitender Landwirt wäscht sein Spritzgerät selbstverständlich so aus, dass keine Restbrühe über den Hofablauf in die Regenkanalisation und so in den Dorfbach gelangt. Wer sich näher informieren möchte, kann z.B. von den Landwirtschaftsministerien oder der Landwirtschaftskammer beeindruckende Angebote erhalten (Adresse s.u., auch im Internet gut vertreten).

Ganz klar ist auch hier: Die oben geschilderten Verbote betreffen auch die Landwirtschaft: Schon in der Gebrauchsanweisung sind zwingend einzuhaltende Abstände/Entfernungen zu Gewässern und anderen Nutzungen angegeben. Niemand kann sich auf Nicht-Wissen berufen. Gespritzte Feldraine, Hecken, Knicks oder gar Gewässerränder (hier ist ein Abstand von mindestens 10 m einzuhalten!) sind Anlass genug, zum Telefon oder zur Postkarte zu greifen.

Gesetze werden gelegentlich geändert.

Die letzte Änderung des Pflanzenschutzgesetzes, dessen fachliche Inhalte bereits Mensch und Umwelt weitgehend schützen, betraf "nur" die Höhe der Bußgelder. Der Höchstrahmen wurde von 50.000 auf 100.000 DM erhöht. Hieraus wird hinreichend deutlich, dass wir nicht von Lappalien sprechen ...

Damit keine falschen Zuweisungen folgen, sei hier angemerkt: Die letzte Gesetzesänderung wurde von der vorigen, nicht von der jetzigen Bundesregierung vorgenommen. Auch dies zeigt, mit Giften spaßt man nicht.

Vergiftung gesehen?

Nehmen Sie also keine Gifte in die Hand, wenden Sie keine Pestizide an. Wenn Sie einen vermutlich verbotenen Einsatz in der Nachbarschaft sehen und der Verursacher unbekannt oder uneinsichtig ist, ärgern Sie sich nicht zu sehr, sondern informieren Sie die zuständigen Stellen.

Abhilfe von Missbrauch erfolgt am besten durch schnelle Meldung an das Pflanzenschutzamt Hannover
Tel. 0511 / 4005 – 207, Fax – 120
e-mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Dort wird auch kompetent auf Fragen im Zusammenhang mit Pestiziden geantwortet.

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Schön oder störend? - Keinesfalls darf hier Gift verwendet werden!

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Organischer Abfall in der Landschaft

Der ehemals nährstoffarme Standort wird allmählich nährstoffreich

Besonders im Orts- bzw. Ortsrandbereich findet sie statt: die wilde Entsorgung von Gartenabfällen. Entlang der Wege zeigen sich – in der Regel über die Zeit kontinuierlich anwachsend – erst Hügel, später ganze Berge von Gras- und Grünschnitt, Laub, Gehölzresten, Sägespänen usw.

Was spricht dagegen ?

* Zuerst einmal der Anblick: sollte es wirklich jemandem gefallen, auf dem Weg zu Bahn- oder Bushaltestelle an solch häufig leise müffelnden Kompostbergen vorbeigehen zu müssen??

* Mit den Abfällen werden häufig auch Samen oder Pflanzenteile ausgebracht, die dort auflaufen oder wieder anwachsen – nur eben an einer Stelle, wo sie eigentlich nichts zu suchen haben und wo sie vielmehr sogar stellenweise die natürliche Vegetation verdrängen können; im Garten, in entsprechender Umgebung, sehen sie doch viel schöner aus !

* Wo bereits (Garten-)Abfälle liegen, wächst merkwürdigerweise sofort der Anreiz zur Nachahmung - warum sollte ich nicht meine eine Schubkarre voll dazutun – merkt ja keiner ?

* Und wo es eh unordentlich aussieht, kann man da nicht auch unverrottbaren Müll dazulegen, anfangs etwas versteckt, wegen des schlechten Gewissens ? Und so landen dann schließlich auch Plastiktüten mit Haushaltsmüll oder Bau- und Farbreste im Wald.

Nur: auch in der Natur gibt es eine Ordnung, die sich uns vielleicht nicht immer unmittelbar erschließt; und hier greifen wir massiv ein. Würden wir bei uns Zuhause etwa eine Bananenschale auf die Treppe legen und dort vergammeln lassen ?

* Aber baut sich das alles - natürlich mit Ausnahme von Plastik, Bau- und Farbresten - nicht von ganz allein wieder ab und verschwindet so, ist also gar nicht schädlich ?

* Was nicht unterschätzt werden darf: auch wenn sich organischer Abfall mit der Zeit durch natürlichen Abbau selbst reduziert, bleiben doch die darin enthaltenen Nährstoffe vor Ort – es käme zu einer lokalen Anreicherung. Und wenn solche Standorte von Haus aus nährstoffarm sind, gleicht auch die natürliche Zersetzung großer Mengen praktisch einer Düngung. Der ehemals nährstoffarme Standort wird allmählich nährstoffreich.

* Das ist aber gerade das Problem, nämlich – neben den eher unschönen optischen Aspekten – der allgemeine und großflächige Rückgang nährstoffarmer Flächen, die immer eine an diese speziellen Bedingungen angepasste Pflanzen- und Tierwelt beherbergen und die damit bei uns schon fast etwas besonderes darstellen.

* Weil durch den Nährstoffeintrag aus der Luft (mehr als 40 kg Stickstoff pro Jahr und Hektar) in unserer Landschaft der Trend sowieso bereits Richtung nährstoffreiche Flächen geht, sollten wir gerade auch in unserer unmittelbaren Umgebung vor unserer Haustür versuchen, solche zusätzlichen Belastungen zu vermeiden.

Was haben wir für Alternativen ?

* Kompostierung von organischem Abfall im eigenen Garten,

* Laub- und Grünschnittsammlung z.B. durch die (Jugend der) Freiwillige(n) Feuerwehr – ggf. gegen eine Spende,

* Ablieferung von Grünabfällen bei der Kompostsammelstelle der Samtgemeinde.

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Aktivitäten des AKN im Winterhalbjahr 2000/2001

1. Arbeits- und Pflegeeinsätze

Sa. 16.12.00: Arbeitseinsatz Gruppe Handeloh im Kehmoor/Inzmühlen, Freistellen von Moorlilienbeständen in einem Sumpfheide-Areal,


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Pause bei der Heckenpflege am Wörmer Weg

Sa. 06.01.01: Setzen von 4 Rammpegeln am Westrand des NSG Everstorfer Moor zur Langzeitbeobachtung der Wasserstände durch den AKN (unter Anleitung unseres Mitglieds Alexander Gröngrört,
Sa. 13.01.01: Arbeitseinsatz der Gruppe Handeloh: Fortsetzung der Arbeiten im Kehmoor bei Inzmühlen,
Sa. 20.01.01: Großeinsatz im NSG „Großes Moor bei Wistedt" mit 27 Personen:
Entkusseln einer größeren Moorheidefläche,
Sa. 27.01.01: Grabenschließung im NSG Ottermoor nach vertraglicher Absprache mit der Oberen Naturschutzbehörde und einem angrenzenden Landwirt,
Sa. 03.02.01: Arbeitseinsatz der Gruppe Handeloh: Heckenschnitt am Wörmer Weg,
Fr. 09.02.01: Beginn der Krötensaison an den Holmer Teichen: Zaunaufbau, Eimereinbau und -Kontrollen,
Sa. 10.02.01: Arbeitseinsatz der Gruppe Heidenau auf dem AKN-Grundstück "Avenser Wiehe": Freistellen eines wertvollen Quellbächleins von Fichten,
Sa. 17.02.01: Arbeitseinsatz der Gruppe Handeloh auf der Drögen Heide: Verminderung der Anzahl samenstreuender Sandbirken am Heiderand,
Sa. 18.02.01: Setzen von 2 Rammpegeln an der Trelder Moorkoppel zur Langzeitmessung von Wasserständen dort und Prüfung des Untergrundes des Waldweihers bei Kakenstrof (unter Anleitung von Alexander Gröngröft),
Sa. 03.03.01: Arbeitseinsatz der Gruppe Welle: Nachlegen der Benjes-Heckenabschnitte bei Kampen,
Sa. 10.03.01: Arbeitseinsatz an unseren Pachtteichen im Oste-Quellgebiet,
Mo. 12.03.01: Aufstellen des Krötenzauns am Knick mit einer Schülergruppe.

2. Begehungen, Bereisungen, Treffen und Sitzungen

Di. 05.12.00: Erstes Treffen der §29-Verbände mit Herrn OKD Hesemann (Thema: Der Naturschutzbeauftragte des Landkreises, Natur- schutz in den Gemeinden),



Do. 04.01.01: Begehung des Großen Moores, des Gr. Torfmoores und des Ottermoores mit Herrn Hirt von der Oberen Naturschutzbehörde zwecks Abstimmung von neuen Pflegemaßnahmen und Abnahme der im Nov./Dez. 2000 geleisteten Arbeiten,
Di. 09.01.01: Abnahme der Pflegemaßnahmen durch die Untere Naturschutzbehörde (Herrn Gumz) im Ottermoor, Gr. Torfmoor und Großen Moor und Abstimmung über die noch im Jan./Feb. 01 zu leistenden Arbeiten im Großen Moor,
Mi. 10.01.01: Zweites Gesprächstreffen mit Herrn Hesemann und mehreren Amtsleitern in Winsen (Themen: Fortsetzung Naturschutz i.d. Gemeinden und Fließgewässer-Schutz),
Sa. 20.01.01: Teilnahme a.d. Bereisung des Umwelt-, Bau- u. Planungsausschusses der Gem. Handeloh ,
Mi. 24.01.01: Treffen mit Herrn Jobmann sen. in der Todtglüsinger/Dohrener Feldmark, Absprachen zur Entschlammung eines wertvollen Wiesenweihers dort,
Fr. 09.02.01: Vorbereitendes Treffen der § 29-Verbände auf Einladung des BUND in Buchholz für einen Gesprächstermin beim Landkreis mit den Verwaltungs-Chefs der Samtgemeinden des Landkreises zum Thema Naturschutz i.d. Gemeinden,
Mi. 21.02.01: Begehung und Abnahme der Pflegemaßnahmen im Großen Moor mit Herrn Gumz von der Unteren Naturschutzbehörde und Langzeitplanung weiterer Maßnahmen,
06.12.00 - 15.03.01: 4 Treffen der Arbeitsgruppe Dorfentwicklung Handeloh - Landschaft, Grünflächen, Naturschutz,
Do. 01.03.01: Teilnahme an der Sitzung der Agenda-21-Gruppe „Badepark für Tostedt", [Inhalt]
So. 04.03.01: Begehung des Tister Bauernmoores mit Albert Dörp und Peter Blume (AKN-Mitglieder und Kranichschutz Deutschland) als Vorbereitung auf Gesprächsrunde mit ONB, UNB Rotenburg und den dortigen Verbänden über dieses Moor,
Mi. 07.03.01: Gespräch in Tiste mit ONB, UNB, NLÖ und den Rotenburger Verbänden über Probleme im zukünftigen NSG und Vogelschutzgebiet Tister Bauernmoor,
Fr. 09.03.01: Vorbereitende Gesprächsrunde der § 29-Verbände des Landkreises für deren Vorstellung am 13.03.01 in Winsen vor den Samt-gemeindedirektoren zum Thema Naturschutz i.d. Gemeinden,
Di. 13.03.01: Gespräch der § 29-Verbände in Winsen mit den Samtgemeindedirektoren,
Fr. 16.03.01: Diavortrag bei den Naturschutzfreunden Estetal.
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