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Liebe Mitglieder und Freunde des AKN,

Erfolg und Misserfolg, manches Mal kann man auch von Sieg und Niederlage sprechen, liegen häufig dicht beisammen. Dies gilt nicht nur für das „normalen" Leben, sondern es trifft ebenso auf die Naturschutzarbeit zu.
Wir konnten uns bereits über viele Erfolge freuen und auch das letzte Halbjahr hat uns weitere positive Erlebnisse gebracht. Ich denke da an die erfolgreichen Arbeitseinsätze des Winters, an denen sich wieder viele freiwillige Helfer beteiligt haben und die sich äußerst positiv auf die gepflegten Biotope ausgewirkt haben (s. Bericht). Ein weiterer Erfolg ist die Meldung zusätzlicher FFH-Flächen aus der SG Tostedt, die vom Land Niedersachsen bei der EU eingereicht wurden. Reinhard Kempe hat diese Flächen und ihre Bedeutung beschrieben. Leider wurden die von uns vorgeschlagenen Flächen nicht in ihrer vollen Größe übernommen, ein kleiner Wermutstropfen.
Ganz aktuell ist ein weiterer Erfolg, den wir vermelden können: Die Edmund-Siemers-Stiftung und die Hanseatische Immobilien Treuhand GmbH & Co haben uns für einen symbolischen Preis von 1Euro eine wunderschöne Fläche an der Wümme nördlich von Königsmoor, die sogenannte Apothekerwiese, „verkauft". Wir bedanken uns hierfür sehr herzlich. In unserem nächsten Mitteilungsheft werden wir zu diesem Geschenk weitere Informationen geben.
Auch die Tatsache, dass wir mehrere Sponsoren gewonnen haben, die unsere Arbeit und die Herstellung dieses Mitteilungblattes finanziell unterstützen, ist sicherlich als besonders erfreuliche zu verzeichnen.

Der AKN wird zunehmend von verschiedenen Seiten als fachkundiger Berater bzw. Gutachter angefragt. Wir haben eine Stellungnahme für den BUND zum geplanten Windpark Heidenau abgegeben (s. AKN-Splitter), sind beteiligt an der Entwicklung des Estewanderweges und nehmen Teil an der Erfassung verschiedener Vogelarten bzw. an einem ornithologischen Monitoring, worüber in Kürze auch noch zu berichten sein wird.

Auf der anderen Seiten stehen jedoch auch einige Misserfolge. An erster Stelle ist hier unsere „Niederlage" - ja ich denke hier kann man von Niederlage sprechen - in Sachen B-Plan 34 „Heidweg-Rosenstraße" zu nennen. Wir konnten die Umsetzung des B-Plans nicht verhindern. Näheres hierzu unter „AKN-Splitter" und im offenen Brief.
Inwieweit wir erreichen können, dass weitere geplante Windkraftanlagen in Übereinstimmung mit den Zielen des Natur- und Landschaftsschutzes an akzeptablen Standorten errichtet werden, wird sich in nächster Zeit erweisen.

Ich wünsche viel Freude beim Lesen,
Ihr
U.Quante

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AKN-Splitter
Wichtiges - kurz berichtet

Am 25.03.2204 fand die jährliche Mitgliederversammlung statt. Auf der Tagesordnung stand unter anderem die Neuwahl des Vorstandes. Hans-Eckhard Miersch hatte seinen Posten als 1. stellvertretender Vorsitzender zur Verfügung gestellt, damit jemand neues in den Vorstand nachrücken könnte. Karsten Müller, der bereits in den ersten Jahren des AKN Mitstreiter bei uns war und auch an der Biotopkartierung 1989 beteiligt war, hatte sich nach längerer Pause wieder aktiv an der Arbeit des AKN engagiert. Er stand als Nachfolger für Hans-Eckhard Miersch zur Verfügung und wurde einstimmig in den Vorstand gewählt. Die anderen Mitglieder des Vorstandes wurden bei der Neuwahl für weitere 3 Jahre in ihren Ämtern bestätigt: 1. Vorsitzender: Reinhard Kempe, 2. stellvertretender Vorsitzender: Claus Bohling, Kassenwart: Torsten Peters, Schriftführer: Uwe Quante.
Wir danken Hans-Eckhard Miersch sehr herzlich für seinen Einsatz für den Naturschutz! Wir wissen aber auch, dass er uns weiterhin mit seinen Kenntnissen und seiner Energie erhalten bleibt und er wie bisher wichtige Aufgaben für den Vorstand übernehmen wird.

Im letzten Heft berichteten wir davon, dass der AKN juristische Schritte gegen den vom Gemeinderat Tostedt beschlossenen B-Plan 34 „Heidweg-Rosenstraße" prüfen wollte. Es sollte überlegt werden, ob eine Verbandsklage im Namen des BUND möglich wäre und Erfolgsaussichten hätte. Die Fakten wurden mit dem Rechtsanwalt, der die Bürgerinitiative vertritt, und einer Juristin des BUND LV Niedersachsen erörtert, sowie bereits vorliegende Urteile des OVG Lüneburg in ähnlich gelagerten Fällen herangezogen. Leider war das Ergebnis dieser Prüfung nicht sehr ermutigend, so dass wir in Absprache mit den beteiligten Juristen zu dem Ergebnis kamen, von einer Klage Abstand nehmen zu müssen.
Wir möchten allerdings unser Unverständnis für die Entscheidung des Gemeinderats noch einmal betonen und haben daher einen offenen Brief an die Mitglieder des Gemeinderats und die Verwaltung verfasst, in dem wir unsere Sicht der Dinge sowie die Widersprüche in der Abwägung noch einmal zusammengestellt haben. Dieser Brief findet sich in diesem Heft. Wir hoffen, er trägt dazu bei, dass zukünftig in Tostedt die Belange der Natur ausgewogener vertreten werden und vor allem Planungen zum Wohle der Allgemeinheit betrieben werden. Einen zweiten B-Plan, der wie der kritisierte zustande kommt, darf es in Tostedt nicht geben.


Durch die Verlegung des Baches am Heidweg wurde das gesamte Feuchtgebiet zerstör

Der Windpark Heidenau, der zwischen Heidenau und Dohren-Gehege in der Planung ist, hat bereits in Vorfelde hohe Wellen geschlagen. Bürger aus Heidenau und Dohren haben sich vehement gegen den Bau ausgesprochen und die schreibende Presse hat mehrfach darüber berichtet. Aus den Antragsunterlagen des Betreibers zur Durchführung eines Raumordnungsverfahrens geht hervor, dass 6 große Windkraftanlagen geplant sind, die jeweils eine Masthöhe von 100 Metern und einen Rotordurchmesser von 77 Metern haben sollen. Hauptkritik der Bürger gegen die Anlage ist die Belästigung der Anwohner durch den Betrieb der Rotoren.
Die Gemeinden Heidenau und Dohren haben zu dem Vorhaben bereits Stellungnahmen abgegeben. Während die Gemeinde Heidenau den Windpark unter der Voraussetzung befürwortet hat, dass ein Abstand von 1000m zu den nächsten Wohnhäusern eingehalten wird, lehnt die Gemeinde Dohren die Anlage ab.
Der AKN hatte bereits zur anstehenden FNP-Änderung dahingehend Stellung genommen, dass er gegen WKA südlich des Geheger Weges keine Einwände habe, jedoch die WKA nördlich des Weges ablehne (dort sollen 5 WKA errichtet werden). Im Namen des BUND LV Niedersachsen hat der AKN jetzt auch Stellung zum beantragten ROV genommen. Das Ergebnis der Prüfung durch den AKN ist folgendes: der AKN lehnt den geplanten Windpark in der beantragten Form am beantragten Standort ab. Die Ablehnung wird im Wesentlichen folgendermaßen begründet:

Ein Windpark an der geplanten Stelle wird die Erholungsnutzung nicht unerheblich, das Landschaftsbild stark und die Avifauna sehr erheblich beeinträchtigen; die Planung steht im Widerspruch zu den Zielen der Raumordnung, da sie sowohl mit dem Regionalen Raumordnungsprogramm als auch mit dem Landschaftsrahmenplan unvereinbar ist.

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Erfreuliche Nachrichten
Weitere FFH-Gebiete in der SG Tostedt

Das NSG Kauers Wittmoor, der große Eichen-Hainbuchen-Erlen-Eschen-Waldkomplex Glüsinger- und Osterbruch, sowie der gesamte Seevelauf, sind im Zuge der 3. Tranche von der niedersächsischen Landesregierung offiziell als FFH-Gebiete nach Brüssel gemeldet worden. Es galt den gesetzlichen Vorschriften und Notwendigkeiten nachzukommen, formal wie inhaltlich. Tägliche Strafzahlungen in Millionenhöhe drohten bereits und drohen gewissermaßen noch.

Es handelt sich dabei um Nachmeldungen des Landes Niedersachsen, die schon mit der 2. Tranche (Teilmeldung) vor mehr als zwei Jahren dringlichst notwendig wurden. Schon bei den Meldungen der 1. Tranche hatten die Naturschutzverbände mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass das Land Niedersachsen, sowie insgesamt die Bundesrepublik, weit im Verzug waren mit ihren Flächendarstellungen zur FFH-Richtlinie (Fauna-, Flora-, Habitat-R). Damals besorgten die Naturschutzverbände eine eigene (zusätzliche) sogn. „Schattenliste" von repräsentativen Lebensraumtypen für Flora und Fauna der jeweiligen Region und legten sie nicht nur dem Land Niedersachsen, sondern auch der EU vor.
Auch der AKN beteiligte sich mit eigenen Flächenvorschlägen für unseren Tostedter Raum daran. Die beiden ersten oben genannten und nunmehr anerkannten Flächen gehörten zu unserer lokalen Meldeliste.

Kauers Wittmoor ist ohnehin seit 1984 Naturschutzgebiet; ein kleines zwar, aber als Hangquell- und Durchströmungsmoor zur Oste hin durchaus von überregionaler Bedeutung, zumal seine unmittelbar grundwasserabhängige Flora (und auch Fauna !) ausgesprochen intakt sind.

Der Bereich Glüsinger Bruch/Osterbruch stellt dagegen einen landschaftsprägenden Großraum dar, der für Tostedt auch einen hohen Wert für die Naherholung, für ein enges Naturerleben der Bevölkerung hat. In den auf humosem Lehm stockenden und daher durch Staunässe geprägten Laubwaldformen mit ihren integrierten, nur extensiv bewirtschaftbaren Grünlandflächen haben sich zahlreiche wertvolle Biotoptypen erhalten. Eine für unsere Region hohe Artenzahl an gefährdeten Pflanzen- und Tierarten findet in diesem Großraum dauerhafte Lebens- bzw. Teillebensstätten.

Leider wurde entgegen unserem Antrag der ökologisch ebenso wertvolle Knickwald nicht mit einbezogen. Auch sind zahlreiche am Rande des Osterbruchs und des Glüsinger Bruchs liegende Grünlandflächen ausgegrenzt worden, obwohl sie mit ihren Übergangszonen in den Waldrand hinein von großer Wertigkeit sind für eine Reihe von Pflanzengesellschaften zwischen dem Waldesinnern und den offenen Wiesen/Weiden. Der AKN wird im Namen des BUND gegen diese beiden Ausgrenzungen noch seinen gut begründeten Einspruch einlegen.

Dass nun auch der gesamte Seevelauf mit wichtigen Teilen seiner im Oberlauf schmalen Aue als FFH-Gebiet gemeldet wird, ist grundsätzlich ein wirklich wichtiges Ereignis. Wie schon Este und Wümme (FFH-Gebiete der 1.Tranche) mit den wichtigsten ihrer kleinen Seitenbäche ist auch die Seeve unverzichtbares Bindeglied im Netzwerk der Flusssysteme Elbe und Weser.
Für die SG Tostedt ist dabei von besonderer Bedeutung, dass auch der der Seeve zufließende kleine Hollenbeck mit einbezogen ist. Er durchfließt in seiner ganzen Länge die Gemeinde Handeloh und erhält durch den FFH-Status endlich die ihm gebührende Aufwertung und Anerkennung.
Wir sind daher sehr glücklich über die jetzigen Entscheidungen, bedeutet der FFH-Status eines Areals doch, dass sich die „Verhältnisse für Pflanzen und Tiere" in Zukunft nicht mehr verschlechtern dürfen. Auch müssen über diese Gebiete in 6-jährigen Abständen Zustandsberichte an die EU geliefert werden. Der AKN wird mit vielen sehr kritischen Augen nicht nur diese beiden, sondern alle FFH-, Naturschutz- und Vogelschutzgebiete in unserer Region im Blick haben, nicht wahr, Freunde !

 


Glüsinger Bruch: Reich strukturierte Waldbereiche sind für das Gesamt-Areal charakteristisch


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Eindrucksvolle Erlebnisse II
Die Greifvögel des Tister Bauernmoores

Nachdem ich im letzten Mitteilungsheft über die Kraniche im Tister Bauernmoor berichtet habe, möchte ich hier von anderen Vogelarten erzählen, die zeitweise oder auch das ganze Jahr hindurch in diesem wertvollen Lebensraum zu beobachten sind.
Ich hatte schon mehrfach von einem besonderen ornithologischen Leckebissen gehört, der mehr oder weniger regelmäßig seine Nahrung im Tister Moor suchen sollte. Aber es war wie verhext; jedes Mal, wenn ich dem Moor einen Besuch abstattete, war er nicht zu entdecken. Wie zum Hohn hörte ich dann meist noch von anderen Besuchern auf dem Turm, dass er gerade gestern oder vorgestern da gewesen sei. Aber ich ließ mich nicht entmutigen, gab es doch jedes Mal viele andere Vögel zu beobachten. Und meine Ausdauer wurde dann auch schließlich belohnt. Eines Tages im Juni 2003 sah ich ihn tatsächlich: er saß auf einer kleinen abgestorbenen Kiefer, dunkel und majestätisch. Die Entfernung vom Turm war nicht allzu groß, so dass man sehr schön den großen, kräftigen Schnabel erkennen konnte. Mit seiner Körpergröße überragte er alle anderen Greifvögel deutlich – der Seeadler, unser größter Greifvogel, saß mir gegenüber.
Es war ein junges Tier, vielleicht 3 Jahre alt, das noch recht dunkel gefärbt war, mit einer dunklen Iris und einem dunklen Schnabel; und auch der Stoß war noch recht dunkel. Mit zunehmendem Alter werden sowohl die Iris als auch der Schnabel gelb, Kopf und Hals färben sich hell und der keilförmige Schwanz eines ausgewachsenen ca. 6-jährigen Seeadlers ist schließlich weiß.
Als er sich erhob und in niedrigem Gleitflug, nur unterbrochen von gelegentlichen Flügelschlägen, über die Wasserflächen segelte, wurde seine enorme Größe erkennbar: seine Flügelspannweite von über 2 Metern ist in etwa doppelt so groß wie die eines Mäusebussards. Bei dem Wassergeflügel, das auf den Lagunen rastete, verursachte der Adler große Aufregung: Enten, Gänse und Watvögel erhoben sich mit Geschrei und drehten ihre Runden, bevor sie sich in angemessener Entfernung vom Seeadler wieder niederließen. Der Seeadler selbst landete nach einem kurzen Flugintermezzo auf einer Schlammfläche am Wasser und wartete geduldig, bis sich die Aufregung wieder legte. Dort stand er minutenlang regungslos und war kaum zu erkennen. Bei späteren Besuchen im Tister Moor wurde ich in der Regel durch die auffliegenden Wasservögel auf den Seeadler aufmerksam, die ihren Feind viel eher bemerkten als ich.
Der Seeadler frisst nämlich nicht nur Fische, sondern er jagt gerne Wasservögel, die er in niedrigem Segelflug „anschleicht", bevor er auf sie herabstößt. Auf dem Beobachtungsturm in Tiste wird man Zeuge davon, wie wenig der große dunkle Vogel auffällt, wenn er nur wenige Meter über dem dunklen Moorwasser lautlos dahin gleitet. Neben Fischen und Wasservögeln, die im Winter seine Hauptnahrung darstellen, zählen auch Säugetiere bis zur Größe eines Rehs und Aas zu seiner Nahrung.
Im Jahr 2003 waren nachweislich mindestens zwei, höchstwahrscheinlich aber drei, Seeadler regelmäßig im NSG Tister Bauernmoor auf Beutejagd. Das ist daher besonders erfreulich, weil das Jahr 2002 ein für die Seeadler verlustreiches Jahr war. Die ersten Seeadler tauchten bereits vor mehreren Jahren im Tister Bauernmoor auf. In 2002 waren regelmäßig zwei Exemplare dort anzutreffen. Im Herbst/Winter 2002 wurden dann zwei junge Adler tot aufgefunden, die Todesursache konnte nicht geklärt werden.
Bereits im Folgejahr wurde dieser Raum allerdings wieder von jungen Seeadlern besiedelt, was die besondere Attraktivität des Moores deutlich macht.

Neben dem Seeadler sind im Tister Moor eine ganze Reihe weiterer z.T. seltener Greifvögel zu beobachten. Natürlich kann man immer wieder Mäusebussarde, Turmfalken, Habichte und Sperber, die auch anderenorts anzutreffen sind, sehen. Außergewöhnlicher und äußerst interessant sind die sommerlichen Jagdflüge des Baumfalken im Moor, der in rasantem Fluge Libellen verfolgt und schlägt. Der Baumfalke ist in etwa so groß wie ein Turnfalke, sieht aber aus wie ein Wanderfalke – nur kleiner. Da im Tister Moor im Sommer unzählige Libellen, die sich mehrere Jahre im Wasser entwickelt haben, ausschlüpfen, bietet dieser Raum dem Baumfalken einen reich gedeckten Tisch.
Auch der große Verwandte des Baumfalken, der Wanderfalke, wurde mehrfach im Tister Moor beobachtet. Besonders die Zugzeiten im Frühjahr und Herbst sind für den eleganten Jäger interessant, halten sich dann nämlich Trupps von Drosseln, Staren und anderen Singvögeln hier auf. Diese jagt und fängt der Wanderfalke im Sturzflug, bei dem er ungeheure Geschwindigkeiten entwickelt.
Ein weiterer Falke, ein „Exot", ist ebenfalls gelegentlich vom Turm im Tister Bauernmoor aus zu sehen. Er macht hier nur während seines Zuges im Herbst und Winter Rast und geht auf Beutefang. Der Merlin brütet in Tundra und Taiga Skandinaviens und Sibiriens und zieht mit seiner Beute, kleineren Singvögeln, in gemäßigtere Regionen. Er ist der kleinste Falke Europas, deutlich kleiner als ein Turmfalke.
Als ich das erste Mal über den Moorgewässern einen Fischadler auftauchen sah, war ich sehr erstaunt. Der Fischadler ist im Gegensatz zum Seeadler, vom dem er sich nicht nur in der geringeren Größe, sondern auch in Flugbild und Färbung unterscheidet, fast ausschließlich Fischjäger. Moorgewässer sind nun aber bekanntlich kein geeigneter Lebensraum für Fische, sie sind zu sauer. Was wollten dann aber die Fischadler - ich konnte teilweise mehrere zur gleichen Zeit beobachten – im Moor? Heiner Busch konnte die Antwort darauf geben: er hat einen Fischadler beim Fischfang in Tister Moor beobachtet. Es scheinen also tatsächlich Fische in den Moorgewässern vorzukommen, die nicht nur den Fischadlern, sondern auch den Kormoranen, die hier ebenfalls regelmäßig anzutreffen sind, als Beute dienen. Zu erklären ist diese Erscheinung mit einer Degeneration des Moores in Laufe vieler Jahre, die zu einer Verringerung des Säuregehalts und zur Möglichkeit der Ansiedlung von Fischen – als Eier oder Larven eingetragen durch Wasservögel – geführt hat. Erst jetzt nach der Wiedervernässung ist wieder mit einem Anstieg des Säuregehalts zu rechnen.

Der Beobachtungsturm im Tister Moor eignet sich hervorragend, die verschiedenen Greifvogel-Gruppen kennen zu lernen. Neben dem Adler, den Falken, den Bussarden und Habichten tauchen auch immer wieder Exemplare einer weiteren Greifvogelfamilie auf, die sich leicht an ihrem Flug erkennen lässt. Die Weihen sind bei uns mit drei Arten vertreten und alle drei kann man im Verlaufe des Jahres vom Turm aus beobachten. Das Auftauchen einer Rohrweihe verursacht bei den kleineren Wasservögeln, den Enten und Watvögeln, immer wieder eine Unruhe und Aufgeregtheit, denn sie gehören zum Nahrungsspektrum der Greife. Die Rohrweihe ist relativ „bunt": das Weibchen hat bei einer dunkelbraunen Grundfarbe eine hellgelbe Färbung des Oberkopfes, der Kehle und der Flügelvorderseiten, das Männchen hat einen braunen Rücken und braune Oberflügel, während die hinteren Flügelhälften ebenso wie der Schwanz grau sind. In ihrem typischen schaukelnden Flug, bei dem sie wie alle Weihen in Gleitphasen die Flügel V-förmig nach oben halten, segeln sie auf der Suche nach Beute niedrig über das Moor dahin.
Die Kornweihe ist besonders eindrucksvoll im Herbst und Winter zu beobachten. Sie ist genau wie die ähnlich gezeichnete Wiesenweihe - die Männchen sind grau mit schwarzen Flügelenden, die Weibchen vorwiegend braun – bei uns sehr selten. Während die Wiesenweihe als Zugvogel im Herbst nach Afrika fliegt, vagabundiert die Kornweihe als „Strichvogel" in Trupps in Mitteleuropa herum. Diese Trupps suchen in ruhigen Gebieten nach Nahrung. Und so ist es kein Wunder, dass man zeitweise im Winter mehrere Kornweihen gleichzeitig im Tister Moor sehen kann. Im November 2003 hatte ich das Glück, sieben dieser stark gefährdeten Greifvögel, die aufgrund der EU-Vogelschutzrichtlinie besonderen Schutz genießen, gleichzeitig vom Turm aus über dem Moor bewundern zu können.

Die Liste der im Tister Bauermoor beobachteten Greifvögel ist damit aber noch nicht vollständig. Beide Milan, der Rotmilan und der sehr seltene Schwarzmilan, wurden dort ebenso gesichtet wie der Wespenbussard und im Winter der aus dem hohen Norden kommende Rauhfussbussard.

Sie sehen, wie vielfältig die Greifvogelwelt im Tister Moor ist. Ein Besuch dort lohnt sich zu jeder Jahreszeit! Allerdings ist es unabdingbar, ein gutes Fernglas dabei zu haben, denn die Vögel halten sich nicht alle in der unmittelbaren Nähe des Beobachtungsturms auf.
Von den vielen anderen ebenso interessanten Vogelarten habe ich noch gar nicht berichtet. Ich werde in den nächsten Mitteilungsheften meine Berichterstattung über das Tister Bauernmoor fortsetzen.


Ein ausgewachsener Seeadler im Wasser, zum Größenvergleich: daneben eine Krähe
(Foto Seeadlerschutz Schleswig Holstein)


Eine bekannte Gestalt: der Turmfalke


Die Rohrweihe in niedrigem Flug



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Vogel des Jahres 2004
Laut, winzig und flink: Der Zaunkönig

Wenn ein Vogel mit drei – für ihn charakteristischen – Kennzeichen beschrieben werden sollte, fallen mir die oben genannten Begriffe ein. Der NABU und der LBV ( Landesverband für Vogelschutz in Bayern e.V. ) wählten diesen einheimischen Vogel, um auch auf andere Garten- und Parkbewohner aufmerksam zu machen.

Hier nun einiges Wissenswertes.
Name: Der wissenschaftliche Name „Troglodytes troglodytes" ist aus dem Griechischen abgeleitet und bedeutet Höhlenbewohner, obwohl er eigentlich selten in Höhlen zu finden ist. In der Literatur werden auch andere Namen angeführt, wie „Mäusekönig", „Zaunschlüpfer", „Tunigel" und „Thomas im Zaune". Aus der Kinderzeit dürfte die Fabel der Gebrüder Grimm noch bekannt sein. Danach hatten die Vögel beschlossen, dass der ihr König sein sollte, der am Höchsten fliegt. Bei diesem Wettfliegen hat sich der kleine Vogel - im Gefieder eines Adlers versteckt in große Höhen tragen lassen, um dann ausgeruht die Flughöhe des Adlers noch zu übertreffen.
Aussehen: Er wird bis 9 cm groß , hat einen runden Körper mit einem sehr kurzen, hoch aufgestellten Schwanz. Die Farbe der Oberseite ist dunkelbraun/ rostbraun mit dunkleren Querstreifen und die Unterseite ( Brust und Bauch ) ist heller graubraun gefärbt. Sein Gewicht wird mit ca. 10 Gramm angegeben. Männchen und Weibchen haben den gleichen Farbton , der eine gute Tarnung im Gebüsch bedeutet. Der Schnabel ist spitz und leicht gebogen; ein typisches Kennzeichen der Insektenfresser. Wegen seiner kurzen Flügel ist er ein schlechter Flieger, der meist nur kurze Strecken zurücklegt, dafür kann er sich aber behende hüpfend im Unterholz fortbewegen.
Gesang:
Das Männchen singt laut schmetternd ( bis zu 90 Dezibel, das entspricht der Lautstärke eines Rasenmähers) und ist bis zu 500 m weit zu hören. Der „königliche Gesang" dauert ca. 5 – 6 Sekunden. Der Lockruf ist ein hartes, schrilles „tick"; bei stärkerer Erregung ( z. B. beim Erscheinen einer Katze ) werden die „ticks" beschleunigt. Sein Warnruf ist ein schnurrendes „zerr". Der Merkvers (nach Janßen, 1991 ) lautet: „ Nichts-verdrrrrießt-die Menschen-sososo-sehrrrr, als-dass-alles-Grrrroße-sososo-einfach ist." Zu hören ist er auch in der kalten Jahreszeit.
Habitat: Dieser Vogelzwerg hält sich gern im Dickicht und Unterholz von Wäldern, Feldgehölzen, Gärten, Friedhöfen, Hecken und Parks auf. Besonders geschätzt werden verwilderte Gärten („Luderecken"). Häufig zu sehen ist er auch in der Nähe von Fließgewässern.
Nahrung: Seine Beute sind Insekten ( wie Spinnen, Motten, Fliegen, Weberknechte ) sowie deren Eier und Larven, die er in Bodennähe sucht. Dank seines kleines, spitzen Schnabels findet er seine Nahrung auch in schmalen Fugen und Ritzen.
Nest, Fortpflanzung: Das Männchen baut mehrere kugelförmige Nester mit einem seitlichen Zugang. Die Nester sind gut versteckt u.a. in Wurzeltellern umgestürzter Bäume, in Holzstapeln, Efeuwänden und Grabenrändern. Sogar in einem tellergroßen Namensschild aus Keramik (dreidimensional mit einer kreisrunden Öffnung ) an einer Haustür habe ich eines gesehen.
Das von dem / den Weibchen ausgesuchte Quartier wird mit Moos, Laub und Federn ausgepolstert. Die 5 – 8 Eier mit wenigen braunen Flecken werden vom Weibchen ab Ende April ( ca. 14 – 18 Tage ) ausgebrütet, die Fütterung der Jung-Vögel übernehmen beide Elternteile. Bei Polygamie füttert das Männchen nacheinander bei den Bruten mit. Die Jungen bleiben 10 bis 15 Tage im Nest. Nach dem Ausfliegen werden sie vom Weibchen noch als Familienverband geführt, gefüttert und betreut. Es bleibt mir ein unvergessliches Erlebnis, wie besorgt und hektisch die Vogelmutter die verteilt sitzenden und laut rufenden Jungvögel versorgte.


Der kleine Sänger trägt einen außerordentlich lauten Gesang vor


Der Zaunkönig baut sein kugeliges Nest meist versteckt am Boden

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Strauchgewächse unserer Moore und Heiden, Teil1
Von Moosbeere, Preiselbeere und Co.

Folgende „Zwergsträucher" sollen hier beschrieben werden:

  1. Moosbeere
  2. Gränke oder Rosmarinheide
  3. Glocken-, Sumpf- oder Erikaheide
  4. Sumpfporst
  5. Lorbeerrose oder Kalmia
  6. Rauschbeere
  7. Preiselbeere
  8. Blaubeere
  9. Besenheide
  10. Bärentraube
  11. Krähenbeere
  12. Gagelstrauch
  13. Englischer Ginster
  14. Behaarter Ginster
  15. Besenginster

Dabei handelt es sich bei Nr. 1 bis 10 um Heidekrautgewächse, Nr. 13 bis 15 um Schmetterlingsblütler und Nr. 11 u. 12 bilden jeweils eine eigene Familie (Krähenbeerengewächse bzw. Gagelstrauchgewächse).

Einige allgemeine Bemerkungen vorweg:
Der Sammelbegriff Zwergsträucher (vor allem für die Heidekrautgewächse) findet seine vorwiegende Anwendung im Zusammenhang mit der Beschreibung bestimmter Pflanzengesellschaften, der sogn. Zwergstrauchheiden höherer Gebirgszonen und der Norddeutschen Tiefebene, einschließlich der Dünenheiden auf den Ost- und Nordfriesischen Inseln.
Nicht alle in der obigen Übersicht aufgeführten Sträucher sind Zwergsträucher. Porst, Lorbeerrose, Rauschbeere, Besenginster und Gagelstrauch werden generell bis zu 1m hoch, Porst und vor allem Gagel und Besenginster bis 1,5m, letzterer oft deutlich über 2m! Sie sind hier aus zwei Gründen mit aufgeführt.
Erstens weil sie als Sträucher mittlerer Höhe doch ein auffällig begrenztes Längenwachstum zeigen, anders als z.B. Faulbaum, Hasel, Pfaffenhütchen und Weißdorn, die deutlich höher und kräftiger werden, gelegentlich sogar die Gestalt schwachstämmiger Bäumchen, im Falle des Weißdorns sogar Baumform erreichen.
Zweitens weil sie als eben diese „mittleren" Sträucher charakteristische und oft auch prägende Arten unserer Heiden und Moore sind, mit Ausnahme der aus Nordamerika stammenden Lorbeerrose, deren Aufnahme in die obige Liste später noch begründet wird.
Die hier genannten Zwergsträucher unserer Moore und Heiden haben neben der Verholzung ihrer Triebe und damit ihrer vieljährigen Dauerhaftigkeit noch ein weiteres „gemeinsames" Merkmal: ihre Blätter sind im allgemeinen klein, schmal, oft fast nadelförmig, oft von ledriger Beschaffenheit, wenn flächig, dann meistens mit der Fähigkeit ausgestattet, sich (mehr oder weniger) längsseits aufrollen zu können, sich also gewissermaßen „klein, schmal zu machen". Das gilt vor allem für die Vertreter der Heidekrautgewächse.
Ausnahmen sind lediglich die Blaubeere und Rauschbeere, mit relativ flächigen Blättern, zwar derb, aber nicht ledrig. Beide Sträucher haben ihre Vorzugswuchsorte allerdings auch im Halbschatten lockerer Moor- und Kiefernwälder.
Und so schält sich heraus, dass die große Mehrzahl der genannten Zwergsträucher in der Organisation ihrer Blätter einen hohen Verdunstungsschutz aufweist. Das ist für den Wuchsort Heide sofort verständlich, denn hier sind die Pflanzen hoher direkter Sonneneinstrahlung und hohen Temperaturen ausgesetzt bei eher spärlicher Wasserversorgung.
Sie sind also gut angepasst an diese trocken-warmen Standorte durch den Bau ihrer Organe, die eine sehr effiziente Verdungstungsregulierung ermöglichen. Natürlich gedeihen alle diese Sträucher durchaus besser, also üppiger, bei dauerhaft guter Wasserversorgung. Sie sind nur auf kargen Böden mit Extremsituationen im Sommer wie im Winter widerstandsfähiger, „lebenstüchtiger", konkurrenzfähiger als andere Pflanzen und kommen so zur Dominanz. Die meisten von ihnen vertragen den Schattendruck höherer Pflanzen auf nährstoffreichen Böden nicht. Aufkommender (dichter) Wald und schnellwüchsige höhere Gräser verdrängen sie, letztlich auch auf unseren Heiden.
Für trocken-torfige Standorte gilt annähernd das gleiche. Das hochwüchsige Pfeifengras und aufkommende Moorbirken und Kiefern gewinnen schnell in entwässerten Mooren die Oberhand.
Aber auch die vorzugsweise in den wechsel- bis dauerfeuchten und sogar nassen Moorbereichen lebenden Kleinsträucher, wie die Sumpfheide, Gränke und Moosbeere, zeigen diesen auffälligen Verdunstungsschutz in der Organisation ihrer Blätter! Warum? Ist doch die Wasserversorgung in gesunden Mooren (und gerade dort gedeihen diese Pflanzen besonders üppig!) überwiegend optimal!
Offenbar – so haben Untersuchungen gezeigt – sind die gestaltlichen und anatomischen Merkmale vor allem der Blätter zur Vermeidung von zu großen Wasserverlusten wohl eher die Folge dauerhafter Nährstoffarmut, wie sie in Mooren (und auch Heiden) normal ist. Dass diese Eigenschaften bei oft dramatisch ungehinderter Sonneneinstrahlung auf freien Moorflächen dabei auch vorteilhaft sind, die Verdunstung und die drohende Gefahr der Austrocknung auf den Bulten der Moore herabzusetzen, hat diese wenigen Blütenpflanzen (bei Vorherrschaft der Torfmoose) den Extrembiotop Moor dauerhaft erobern lassen.
Und noch eine Eigenschaft dieser Sträucher ist zu nennen: Um dem Mangel an Stickstoff, an Nitraten und Phosphor in den nährstoffarmen Extremlebensräumen Moor und Heide wenigstens etwas auszugleichen, leben alle Heidekrautgewächse in ihrem Wurzelbereich eng mit bestimmten Pilzen zusammen, selbst in den Torfmoospolstern nasser Moore.
Pilzfäden dringen in die Wurzeln ein, gewinnen Traubenzucker aus der Photosynthese in den Blättern der Sträucher und werden – in den Wurzeln alternd – später von den Wurzelzellen verdaut. Mykorrhiza nennt das der Fachmann, eine Wurzel-Symbiose hier zwischen Strauch und Pilz. So erschließt sich die Moosbeere z.B. eine Stickstoffquelle zum Aufbau ihres Zelleiweißes, lebensnotwendig, Mangelgut im Moor.
Der Sonnentau macht es anders: er fängt als zusätzliche Stickstoffquelle Insekten mit seinen klebrigen Blättern, verdaut sie außerhalb in seiner sich krümmenden Blattfläche und transportiert die gewonnenen, dann gelösten Nähstoffe ins Innere des Blattes.

Nun zu den einzelnen Arten, dabei kommen in diesem Heft zunächst die für unsere Moore charakteristischen Arten zur Sprache.

Die Gewöhnliche Moosbeere Oxycoccus palustris)
Ø
Kriechender Zwergstrauch, auch als Halbstrauch bezeichnet wegen der geringen Verholzung.
Ø
Wächst mit seinen jungen Trieben in Torfmoospolstern zunächst senkrecht nach oben und legt sich dann über die Torfmoose. Kann auf diese Weise mit deren Wachstum Schritt halten. Später wurzeln diese Sprosse zwischen den Moosen (Kriechsprosse).
Ø
Kleine lederartige Blätter, oval, am Rande umgebogen, unterseits weiß bereift.
Ø
Blüten einzeln, lang gestielt mit zurückgeschlagenen Blütenblättern, rosa; Bestäuber: Bienen, Hummeln.
Ø
Beeren rot, oft auf den Torfmoospolstern aufliegend (ÞMoosbeere), Verbreitung durch Vögel.Verwendung als Marmelade, besonders haltbar durch bestimmte Inhaltsstoffe.
Ø
Nahrungspflanze für die Raupen verschiedener Schmetterlinge, u.a. des Moosbeeren-Bläulings (Vacciinia optilete), der bei uns vom Aussterben bedroht ist.
Ø
Großflächige Vorkommen der Moosbeere bei uns im NSG Rauhes Moor, im NSG Großes Moor bei Wistedt, in geringeren aber gesunden Beständen im NSG Ottermoor und im Springmoor. Moosbeeren-Rasen gehören zu den gefährdetsten Pflanzengesellschaften in Niedersachsen. Sie sind auch außerhalb von NSGs streng geschützt.
Ø
Eine nahe verwandte Art, aus Nord-Amerika eingeführt und an wenigen Stellen in Deutschland verwildert ist die Großfrüchtige Moosbeere (Vaccinium macrocarpon).
Sie kommt, 1978 von uns entdeckt, in einem kräftigen Bestand im NSG Obere Wümme, im Großen Torfmoor, vor. Sie blüht allerdings (bisher) nicht, trägt daher auch keine Früchte. Ihre Blätter sind deutlich größer, ihre Früchte auch.

Die Rosmarinheide oder Gränke (Andromeda polifolia)
Ø
Zwergstrauch (10-30cm) mit schmalen, ledrigen Blättern, die am Rand umgerollt sind. Die Unterseite ist weiß bis rosa bereift. Wintergrün.
Ø
Durch Ausläuferbildung mit aufrechten verzweigten Trieben entstehen mehr oder weniger große geschlossene Bestände (bis zu mehreren Quadratmetern). Meistens allerdings nur in kleinen Horsten wachsend.
Ø
Auf wechselfeuchten bis nassen Bulten im Moor, an den Rändern von Schlenken und Torfstichen. Dort auch (ohne Überschattung) reichlich blühend, im Schatten meistens ohne Blüten.
Ø
Jeweils wenige Blüten an den Triebspitzen, langgestielt, glockenförmig, meist nickend, hellrosa bis weiß; Bestäuber: Bienen u.a. Insekten, auch Sebstbestäubung; vielsamige Kapsel; Windverbreitung.
Ø
Die Pflanze ist in allen Teilen giftig.
Ø
Die Rosmarinheide ist durch die Seltenheit ihrer Vorzugswuchsorte eine gefährdete Pflanze.
Ø
Kräftige Vorkommen dieses anmutigen Zwergstrauches bei uns im NSG Rauhes Moor, NSG Großes Moor, NSG Ottermoor; kleinere zerstreut liegende Vorkommen auch im NSG Springmoor, im NSG Kauers Wittmoor, im NSG Obere Wümme und bei Inzmühlen im Kehmoor.

Glocken-, Sumpf-, Moor- oder Erikaheide (Erica tetralix)
Ø
Zwergstrauch mit nadelförmigen, immergrünen Blättern.
Ø
Durch wurzelnde Ausläufer bestandsbildend.
Ø
Blütenstand an den Triebspitzen mit 5-8 dichtstehenden kleinen, glockenförmigen Blüten; seitlich gerichtet bis hängend, fleischrosa, gelegentlich weiß. Bestäuber: Bienen, Tagfalter, Hummeln.
Ø
Sehr kleine Samen, die aus einer Kapsel vom Wind verbreitet werden.
Ø
Auch die Glockenheide ist (schwach) giftig. Sie stellt für viele im Moor lebende Schmetterlinge die wichtigste Nektarquelle dar, da sie unter günstigen Bedingungen große Bestände bilden kann.
Ø
Durch die jahrzehntelange Entwässerung unserer Moore und durch die allgemeine Absenkung des Grundwasserspiegels, der besonders die grundwasserabhängigen Heidemoore und ihre Randbereiche trifft, ist diese Pflanze stark zurückgegangen. Flächige Moorheide-Bestände sind geschützt, auch außerhalb von NSGs.
Ø
Großflächige Vorkommen finden sich bei uns nur noch in der Otterheide (NSG Ottermoor), durchaus respektable, aber sehr gestreut liegende Vorkommen in den NSGs Rauhes Moor, Springmoor, Großes Moor, Kauers Wittmoor, im Kehmoor bei Inzmühlen und im NSG Obere Wümme.

Der Sumpf-Porst (Ledum palustre)
Ø
Bis 1,5m hoher, immergrüner Strauch mit am Rande umgerollten Blättern, die auf der Unterseite eine filzige dichte Schicht von rostfarbenen Haaren haben. Mit Rhododendron verwandt.
Ø
Ausläufer bildend; dadurch entstehen dichte Horste von mehreren Quadratmetern.
Ø
Endständige doldenartige Blütenstände, die weithin leuchten (Ende Mai), weiß, stark duftend. Bestäuber: Fliegen/Schwebfliegen; häufiger Schmetterlingsbesuch zu beobachten.
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Sehr kleine, lufthaltige daher flugleichte Samen!
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In allen Teilen giftig durch ätherische Öle, die Rausch, Krämpfe und Lähmungen erzeugen.
Ø
Der Porst kommt an Moorrändern, in Birken- und Kiefernmooren vor. Er hat seine Hauptverbreitung in kDeutschland und in den östlichen Landesteilen und bei uns hier seine westlichsten Vorkommen.
Ø
Ein gesunder Bestand findet sich bei uns im NSG Rauhes Moor, vier zerstreut liegende kleinflächige aber kräftige Wuchsorte im NSG Großes Moor und zwei weitere im NSG Ottermoor. Junge Pflanzen wurden bisher nur im Rauhen Moor gefunden. Dieser (Zwerg)strauch ist in Niedersachen sehr gefährdet.

Der Gagelstrauch (Myrica gale)
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Dieser 1-2m hohe Strauch, der große dichte Bestände in unseren Mooren bilden kann (Gagelgebüsche), wird mundartlich bei uns auch oft Porst (Porststrauch) genannt und daher bei oberflächlicher Namensnennung im Gespräch gelegentlich mit dem ungleich seltenen Porst (sieh oben) verwechselt. Gehört der Porst zu den Heidekrautgewächsen ist der Gagelstrauch nahe mit Hainbuche, Birken und mit der Hasel verwandt. Er ist daher auch ein Kätzenblüher, zweihäusig, also mit männl. und weibl. Pflanzen. Die Kätzchen stehen aufrecht und stäuben vor der neuen Laubbildung im April.
Ø
Der ganze Strauch duftet aromatisch durch Harz- und Öldrüsen, insbesondere die schmalen, spitzenwärts schwach gesägten Blätter.
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Es gibt einige Nachtfalter-Arten, deren Raupen auf die Blätter des Gagelstrauches als Nahrung angewiesen sind und die sich am Fuße der Sträucher verpuppen. Diese Falter sind selten geworden, da sie zudem besondere Ansprüche an die Bodenfeuchte stellen.
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In unseren Mooren finden wir große zusammenhängende „Gebüsche" dieses Strauches in den NSGs Großes Moor, Kauers Wittmoor, Obere Wümmeniederung, kleinere Bestände auch in den NSGs Rauhes Moor, Springmoor, Ottermoor, sowie außerhalb von Naturschutzgebieten in der gesamten Wümme-, Oste-Niederung, dem Estetal, an Graben- und Wegrändern, am Rande mooriger Wälder und in/am Rande von Kleinmooren.
Ø
Geschlossene Bestände ab 10qm sind geschützt!

Die Lorbeerrose (Kalmia angustifolia)
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Der Vollständigkeit halber soll dieser wunderschön blühende „Fremdling" aus dem östlichen Nordamerika hier erwähnt werden.
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Im NSG Obere Wümme gibt es – nur uns seit 1981 bekannt - drei kräftige Sträucher von jeweils mehreren Quadratmetern Ausdehnung, die auch immer wieder blühen. Sie sind dort natürlich irgendwann angepflanzt worden auf moorigem Boden und stehen heute in einem relativ trockenen, lichten Kiefern-, Moorbirkenwald.
Ø
Schon Hermann Löns 1917 bekannt, gibt es im Altwarmbüchener Moor nördlich von Hannover ein großes Vorkommen, das jährlich zur Blüte Ende Juni/Anfang Juli viele Menschen anlockt.
Ø
Auch dieser bis 1m hohe Strauch ist ein Heidekrautgewächs mit dem Habitus eines kleinen Rhododendron.

Die Rauschbeere, Moorbeere, Trunkelbeere (Vaccinium uliginosum)
Ø
Aufrechter, bis 1m hoher Strauch, der seine blaugrünen im Herbst blauroten Blätter zum Winter verliert.
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Moorränder und lockere, lichte Kiefern- und Moorbirkenwälder sind hier in Norddeutschland seine bevorzugten Wuchsorte.
Ø
Die glockenförmigen weißen bis rötlichen Blüten stehen einzeln, zu dritt oder viert überhängend an kurzen Stielen.
Ø
Die bis 10mm großen Beeren sind kugelig, blaubereift. Sie bilden einen farblosen Saft und zahlreiche Samen. Verbreitung durch Vögel.
Ø
Die süßlich schmeckenden Beeren sind nicht giftig, sollen aber Rauschzustände erzeugen, beim Genuss größerer Mengen auch Vergiftungserscheinungen, die aber wohl auf einen Befall der Früchte mit einem Mutterkorn-Pilz zurückzuführen sind.
Ø
Bei uns kommt der Strauch mit mehr als 100 Exemplaren im NSG Großes Everstorfer Moor vor und mit ca. 30 Exemplaren und einem einzelnen Wuchsort von ca. 300qm im NSG Großes Moor. Einzelne Kleinsträucher gibt es an zwei Stellen im NSG Obere Wümme.

Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea)
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Zwergstrauch mit wintergrünen, ledrigen Blättern, deren Ränder umgerollt sind.
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Vorkommen sowohl in unseren Mooren, auf trockeneren Torfsockeln, als auch in sandig-trockenen Heidegebieten unter lockerem Kiefern- bzw. Birkenschirm.
Ø
Ausläufer und daher bei geeigneten Bedingungen auch großflächige Bestände bildend.
Ø
Blüten glockenförmig, weiß bis rosa, zu mehreren an kurzen Stielen hängend, von Mai bis August, (September) oft Blüten und reife Früchte an einem Strauch.
Ø
Beeren rot; in Nordeuropa, aber auch bei uns in der südlichen Lüneburger Heide durch die großflächigen Vorkommen, geerntet und als Marmelade zubereitet und zu Wildbraten als Beilage serviert.
Ø
In der Nordheide nur kleinere Vorkommen. Bei uns sich z.Zt. deutlich ausbreitende kleinere Bestände im NSG Großes Moor (auf den trockeneren Torfsockeln und Dämmen), kleinere Wuchsorte im NSG Ottermoor und im NSG Lüneburger Heide bei Handeloh. Außerhalb von Naturschutzgebieten nur kleinere Vorkommen in größerer Streuung, meistens am Rande lichter Kiefern-Birkenwälder auf trocken-torfiger bzw. sandig-humoser Unterlage, meist zwischen lockerer Moosvegtation. Dichter Grasbewuchs verdrängt die Preiselbeere schnell.

Literatur:
Rolf Müller: Flora des Landkreises Harburg 1991
Schmeil-Fitschen: Flora von Deutschland
Ellenberg: Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen 1996
Düll/Kutzelnigg: Botanisch-ökologisches Exkursionstaschenbuch 1988


Die zarten Blüten der Moosbeere


Die Rosmarinheide besitzt glockenförmige Blüten


Die Glockenheide ist auch unter dem Namen Erikaheide bekannt


Der Sumpfporst ist sehr selten in Niedersachsen


Die Rauschbeere ist eng verwandt mit der Blaubeere



Die leuchtend roten Früchte der Preißelbeere sind sehr schmackhaft

[Inhalt]

 

Arbeitskreis Naturschutz e.V.

An die
Ratsmitglieder des Gemeinderats Tostedt
und an die Verwaltung der Gemeinde Tostedt
Tostedt, 18.03.04

Offener Brief des AKN zum B-Plan 34 „Heidweg/Rosenstraße"
oder
Nachruf auf ein naturnahes Feuchtgebiet, das fahrlässig zerstört wurde

Sehr geehrte Damen und Herren!

Die ursprüngliche grüne Oase am Heidweg ist inzwischen nicht wiederzuerkennen, sie wurde völlig zerstört. Die Erschließungsarbeiten sind in vollem Gange, der kleine Bach wurde bereits in ein neues Bett umgelegt, die Grünfläche wurde völlig umgebrochen und die störenden Gehölze wurden entfernt.
Dieser Anblick macht traurig und zornig zugleich!

Die Gemeinde Tostedt ist juristisch gesehen im Recht, dieses zu tun, denn es besteht ein rechtskräftiger B-Plan. Allerdings gibt es an der Bauausführung einiges zu bemängeln und es muss beklagt werden, dass hierbei gültige Gesetze umgangen und der aktuelle Stand einer guten fachlichen Praxis nicht berücksichtigt wurden.
Ebenso schwer wie der nicht auszugleichende Flurschaden wiegt aus unserer Sicht allerdings der moralisch-(ethische) Schaden, der hier angerichtet wurde durch die Verwaltung und durch die Ratsmitglieder, die diese Art der Planung befürwortet haben. Insbesondere die Zustimmung zu einer völlig parteiischen Abwägung der durch Bürger und Naturschutzgruppen vorgebrachten Einwände ist nicht nachzuvollziehen. Bei einer solchen Abwägung sollen vornehmlich die Interessen der Öffentlichkeit, d.h. die Interessen der Gemeinde -sprich der Gesamtheit der Bürger-, abgewogen werden mit den Interessen der nachteilig betroffenen Bürgern und den schützenswerten Gütern (Natur, Landschaft, Boden, Wasser usw.).
Ist das hier aber geschehen? - Wir können dies nicht erkennen!

Wir sehen fast ausschließlich negative Auswirkungen für die Anlieger und für die Natur.
Zwar wurde -mehr zum Schein- der vorhandene Bach, wenn auch nicht in seinem ursprünglichen Bett, erhalten (-er wird ja auch benötigt zur verstärkten Entwässerung-) und die geschützten Biotope sollen wieder hergestellt werden. Jedoch wurde für die Natur nur das absolute Minimum getan, um den Buchstaben des Baugesetzes zu genügen. Die armseligen Reste Natur im Gebiet des B-Plans sind im Grunde nur Makulatur. Verstärkt wird dieser Eindruck durch die Gewissheit, dass eine Wiederherstellung der geschützten Biotope in der geplanten und inzwischen verwirklichten baulichen Form keinesfalls gelingen kann.
Profitierten dann aber wenigstens die Gemeinde Tostedt, die Allgemeinheit, von diesem Gewaltakt?
Zwar werden Bauplätze geschaffen, die aber nicht zwingend an dieser Stelle ausgewiesen werden müssen, es gibt genügend andere, konfliktfreiere Bauflächen, die im Flächennutzungsplan ausgewiesen sind. Das Gesamtangebot an Bauplätzen in der SG Tostedt erzwingt in keinem Fall die Zerstörung eines wertvollen innerörtlichen Feuchtgebietes, zumal im Bereich des B-Plans 34 südlich des Heidweges eine zweite Bautiefe auf trockenem Acker möglich gewesen wäre.
Im Endeffekt profitieren von dem B-Plan nur einzelne, die hiermit auf Kosten der Allgemeinheit Geld verdienen.
Der AKN hatte bereits zu einem sehr frühen Stadium der Diskussion um den B-Plan Heidweg/Rosenstraße im Jahre 1987 eine Stellungnahme erstellt. Diese enthält ein zeitgemäßes Konzept für die Gestaltung der Fläche im Sinne der Erhaltung eines naturnahen Feuchtgebietes in Verbindung mit der Nutzung als innerörtlicher Erholungs- und Naturerlebnisraum für die Allgemeinheit!

Ende 2003 hatten wir als Naturschutzverband daher die Möglichkeiten einer Verbandsklage gegen den B-Plan bzw. gegen die Naturzerstörung durch eine Umsetzung des B-Plans prüfen lassen. Leider mussten wir feststellen, dass eine Verbandsklage in dieser Angelegenheit nicht möglich ist. Es ist sehr bedauerlich und entwertet das Instrument der Klagemöglichkeit durch Umweltverbände, dass eine Verbandsklage nicht in allen Fällen von Umweltzerstörung einsetzbar ist.
Für die betroffenen Bürger besteht hingegen ein Klagerecht, das von der Bürgerinitiative auch wahrgenommen wird. Es bleibt abzuwarten, ob die Gerichte der Argumentation der Kläger folgen werden.
Die Gemeinde Tostedt ist mit Beschluss vom 11.12.2002 der lokalen Agenda 21 beigetreten. Kernziel der Agenda 21 ist eine nachhaltige Entwicklung in der Gemeinde im 21. Jahrhundert. Als Schwerpunkte im Bereich Ökologie werden unter anderem formuliert:

Ø eine nachhaltige Nutzung der Umwelt und damit die Erhaltung des natürlichen Kapitals,
Ø
die Erhaltung der Artenvielfalt, die Sicherung von Luft-, Wasser- und Bodenqualitäten, um das Leben und das Wohlergehen der Menschen sowie das Tier- und Pflanzenleben zu sichern,
Ø
eine zukunftsbeständige Flächennutzung und eine Senkung des Flächenverbrauchs. Der B-Plan Heidweg/Rosenstraße stimmt nicht nur nicht mit diesen Zielen überein, sondern er steht in völligem Widerspruch hierzu:

o natürliches Kapital wurde zerstört,
o
die Artenvielfalt sowie die Wasser- und Bodenqualität wurden verringert, das Wohlergehen von Menschen sowie Tier- und Pflanzenleben wurden massiv beeinträchtigt,
o
es handelt sich keinesfalls um eine zukunftsbeständige Flächennutzung, da ein Flächenverbrauch in sensiblen Bereichen vorliegt.

Die Gemeinde Tostedt, d.h. sowohl Rat als auch Verwaltung, machen sich durch den B 34 und seine Umsetzung als Mitglieder und öffentliche Vertreter der Agenda 21 völlig unglaubwürdig. Und dabei will Tostedt sich touristisch doch profilieren, hören wir. Wie denn, wenn nicht mit den Naturschätzen und Schönheiten seiner Umgebung und - wo noch vorhanden - in seinen Ortslagen und an seinen Ortsrändern !!
Wir sind der Meinung, die Gemeinde Tostedt kann nicht guten Gewissens weiterhin Mitglied der lokalen Agenda 21 bleiben!

Neben den dargestellten moralischen Verfehlungen gibt es allerdings auch Fakten in der Bauausführung, die gegen geltendes Recht verstoßen. So wurden die Erschließungsarbeiten bereits begonnen, bevor der B-Plan rechtsgültig war. Leider erbrachten juristische Schritte hiergegen wegen der Trägheit der Gerichte keinen Erfolg.
Ein weiterer Punkt, der gegen die heute gültige, gute fachliche Praxis verstößt, ist die Tatsache, dass das neu geschaffene Regenrückhaltebecken vom Bach durchflossen wird und nicht in den Nebenschluss gebaut wurde. Aus den uns vorliegenden Plänen war dies nicht ersichtlich, es wurde erst jetzt während der Fertigstellung erkennbar. An dieser Stelle sind wir auch nicht mit der Entscheidung des Landkreises einverstanden, der die wasserrechtliche Genehmigung erteilt hat.

Wir sind der Meinung, dass sich ein Fall wie der B-Plan 34, insbesondere das Zustandekommen, in Tostedt nicht wiederholen darf. Wie appellieren daher an Sie als Ratsmitglieder und Mitarbeiter der Verwaltung,, verantwortungsbewusst Ihre Aufgaben zum Wohle der Allgemeinheit -auch die Natur dient der Allgemeinheit- zu erfüllen. Nur so kann die Politik ihre Glaubwürdigkeit erhalten bzw. wieder erlangen!

Hochachtungsvoll

Für den AKN
gez. R.Kempe H.-E.Miersch U.Quante




[Inhalt]

 

Unsere Drosseln - Die Misteldrossel
Ein sonderbarer Geselle

In diesem Jahr sang die erste, heimgekehrte Misteldrossel bei uns am Haus schon am 29. Januar. Seitdem (fast) täglich. Vor allem in den Morgenstunden (zwischen 7.oo und 9.00 Uhr) ertönt ihr kurzstrophiger flötender, etwas leiernd-monotoner Gesang aus den hohen Eichen hinterm Haus. Und zur Mitte des Februar hin sang eine zweite von der Dorfseite her.
Der Gesang dieser stattlichen Drossel ertönt generell vor dem der Schwarzdrossel oder Amsel, wird aber vom Laien wohl häufig als Amselgesang angesprochen.
Wie diese war die Misteldrossel ehemals ein streng an Waldungen gebundener Vogel. In den Mittelgebirgen und in den Alpen ist sie das weitgehend noch heute, wobei Waldrandgebiete naturgemäß bevorzugt werden, da diese Drossel – wie auch Schwarz- und Singdrossel – ihre Nahrung in offenen Landschaftsteilen auf dem Boden sucht, auf Wiesen, Weiden und Feldern.
Hier bei uns in der norddeutschen Tiefebene lebt diese Drossel zur Brutzeit aber auch an den Dorf- und Ortsrändern, z.T. sogar innerhalb von Ortschaften, wenn
parkartige, mit hochstämmigen Bäumen ausgestattete Gehölze vorhanden sind.
Nicht allzu weit entfernt braucht sie dann allerdings Wiesen und Weiden. Kleinräumige Rasenflächen in lockeren Wohngebieten reichen ihr im allgemeinen nicht zur Nahrungssuche. Hier finden wir Amsel und Singdrossel auf der Suche nach Regenwürmern, Insekten und Schnecken (Singdrossel).
Deutlich größer, kräftiger als diese beiden häufigsten Drosseln bei uns, ähnelt die Misteldrossel grob in der Färbung der Singdrossel. Kopf und Oberseite sind aber nicht zimtbraun bis braun wie bei der Singdrossel, sondern grau, graubraun bis bleigrau. Die Unterseite beider Drosseln ist weißlich bis rahmfarben mit dunkelbraunen Tropfenflecken, breiter und kräftiger die Flecken bei der Misteldrossel.
Hat die Misteldrossel im ausgehenden Winter (bis Mitte März) ihr Revier bezogen, hört man bei Beunruhigung durch Eichhörnchen etwa oder Rabenkrähen und Eichelhäher den unverwechselbaren Warn- und Angstruf, ein hartes Schnarren oder Schnärren. Etwas weicher und weniger erregt ertönt dieser Ruf auch beim Abflug vom Nest, in einiger Entfernung davon.
Ist schon ein Nest mit Eiern vorhanden oder etwas später im Frühjahr die junge Brut, dann geht diese wehrhafte Drossel auch heftig auf den räuberischen Eindringling los, attackiert ihn im Sturz- und Verfolgungsflug, von heftigen Schnarr-Lauten begleitet.

Das Nest wird nicht – wie bei Amsel und Singdrossel gewöhnlich – versteckt im Gebüsch angelegt, sondern (fast) stets in einer kräftigen Astgabel direkt am Stamm eines älteren Baumes, oft in beträchtlicher Höhe.
In der Birke vor unserem Haus stand das Nest vor zwei Jahren in 8 m Höhe. Eine Bevorzugung bestimmter Baumarten gibt es nicht. Ich fand Nester bisher auf Birken Bergahorn, Ebereschen, Eichen, Obstbäumen, Erlen, Kiefern; auf Fichten noch nicht, doch sind Fichte, Tanne und Lärche in Gebirgswäldern offenbar die bevorzugten Baumarten.
So ist das Nest – ein fester Napf aus dünnen Zweigen, viel Gras und gelegentlich mit eingebauter feuchter Erde – solide in einer kräftigen Astgabel verankert und da in beträchtlicher Höhe angelegt – schwer zu entdecken.

Schon am 12. März saß das Weibchen 2002 fest auf den Eiern, hoch in der Birke vor dem Haus. In der Regel fällt der Beginn der Brut bei uns – witterungsabhängig – in die zweite März- bzw. erste Aprilhälfte. Meistens sind es vier Eier, selten fünf oder gar sechs, bei der zweiten Brut im April/Mai (Juni) oft nur drei. Brutdauer 13-15 Tage, Nestlingszeit – je nach Witterung und Fütterungsintensität – ebenso lange.
Unsere Misteldrosseln am Haus suchen ihre Nahrung für die Brut regelmäßig auf den Weiden an der B 3 zwischen Höckel und Welle, ähnlich wie die Stare von unserem Grundstück. Das ist eine Entfernung vom Nest von ca. 300 – 500 m. Solche weiten Nahrungsflüge machen Amsel und Singdrossel im allgemeinen nicht.
Regenwürmer sind die Hauptnahrung für die Jungvögel, später im Jahr haben neben Insekten und Spinnen aller Art Beeren einen erheblichen Anteil an der Nahrung (Eibe, Ilex, Weißdorn, Efeu u.a.). Dort wo vorhanden auch die der Mistel, doch gibt es keine Abhängigkeit in der Verbreitung des Vogels von dieser beerentragenden Halb-Schmarotzerpflanze, der er seinen Namen verdankt.
So besorgen Misteldrosseln wie auch ihre nahen Verwandten nebenbei die Verbreitung unserer heimischen Beerensträucher, leider auch die der aus Amerika eingeführten Späten Traubenkirsche. Die Samen mehrerer der hier genannten Beeren tragenden Sträucher und Bäume keimen übrigens erst nach erfolgter Passage durch einen Vogeldarm (sogn. Verdauungsverbreitung).

Schauen und hören Sie sich einmal um nach der Misteldrossel, nach diesem interessanten, kräftigen Vogel, der hier bei uns eigentlich überall vorkommt, wo es Waldränder, Feldgehölze, alte Dorfgehölze gibt. Die Reviere der Misteldrossel zur Brutzeit sind deutlich größer als die von Amsel und Singdrossel, ihre Vorkommensdichte daher wesentlich geringer (1: 5 bis 1 : 8). Wo ist dieser Vogel im Winter, vor allem in den Monaten Dezember und Januar?
Der Vogelkenner bezeichnet die Misteldrossel als einen Teilzieher, d.h. für uns hier, daß wohl ein Großteil der Vögel nach Südwesten vor dem Winter zurückweicht, bis nach Frankreich, auch bis ans Mittelmeer. Viele aber bleiben (zunehmend in den letzten Jahrzehnten) auch hier. Kleine Trupps sieht man gelegentlich auch im Dezember und Januar auf unseren Wiesen, Weiden, in den Vogelbeerbäumen, meistens unter sich, selten zusammen mit Wacholderdrosseln, Rotdrosseln u.a.. Zuzügler aus nördlichen Breiten, aus Skandinavien und Osteuropa „ersetzen" dann unsere heimischen Teilzieher.
Wenn „unsere" Misteldrossel am Haus schon am 29.Januar 2004 sang, dann kann sie nicht weit gezogen sein, vielleicht war sie gar nicht fort, sie war nur stumm und auf beständiger Nahrungssuche in der weiteren Umgebung.

Über die Wacholderdrossel soll in einem der nächsten Hefte berichtet werden.


Die Misteldrossel erkennt man an den groben Flecken auf Brust und Unterseite


Meistens legt die Misteldrossel 4 Eier


Die Jungen schlüpfen

[Inhalt]

 

Vom Zauber kleinster Welten
Wuchern und Wachsen am Baumstumpf

Welch‘ eine Fülle auf engstem Raum ! Welch‘ zauberhafte Welt der Moose, Pilze und Flechten an diesem Baumstumpf ! Was ist da in fünf Jahren aus der kargen Schnittfläche der alten Birke geworden!
Moose wuchern auf der einen Hälfte, krause, bunte Pilzkonsolen bedecken die andere Hälfte, quellen in Etagen an den Seiten hervor. Graue, krustig-mehlige Flechten auch an der Seite und wieder andere Moose zwischen den Pilzen.
Kaum ist noch das Holz des Stumpfes in letzten kleinen (nackten?) Flächen auszumachen. Nackt? Nein, bei genauem Hinsehen sind sie bedeckt mit einem blaugrünen Schleim. Algen sind es in schleimabsondernden Kolonien. Und dabei bleibt das meiste dem betrachtenden Auge noch verborgen!
Wuchern und wachsen doch im Innern des Holzes endlos viele Pilzfäden, mikroskopisch klein, und zersetzen das Holz. Unsichtbar auch das Millionenheer der Bakterien, die in oft hochspezialisierter Abhängigkeit voneinander den Baumstumpf „verdauen", aufbereiten für das weitere Vordringen wieder anderer Pilze. Und Tiere?
Da sitzt eine Schnecke unter dem Hut des Pilzes, ein Laufkäfer auf Beutefang hastet über das Moos und auch Asseln sitzen eng ans Holz gedrückt hinter einem alten Rindenstück. Ihre Tätigkeit beginnt erst in der feuchten Dämmerung. Noch ist der relativ feste „Holzrest" dieses Stubbens nicht „reif" für das Eindringen der Regenwürmer. Sie sind gleichsam die letzten, die Zugang zum Innern finden, dann nämlich, wenn durch die Tätigkeit der Pilze und Bakterien das festere Holz zu Mulm geworden ist. Fruchtbarer Humus entsteht schließlich, von den Regenwürmern durchmischt mit dem Boden des Waldes.
Und wer öffnet den Pilzen und Bakterien das harte Holz, hilft beim Eindringen ins Innere?
Das sind die Spechte, allen voran Bunt- und Schwarzspecht, die mit ihren meißelartigen Schnäbeln Kerben und Löcher ins Holz schlagen, und vor ihnen noch Holzwespen und Käfer – Bockkäfer und andere bohrlochfähige Arten – deren Larven im Stubben heranwachsen und dem Specht als Nahrung dienen.
Und die Moose? Sie benutzen den Stumpf als lichtgünstigen, (zunächst) konkurrenzfreien Wuchsort. Das Feuchtigkeit speichernde Holz bietet ihren winzigen Sporen gute Keimungsbedingungen und das heranwachsende Moos wiederum – selbst ein guter Wasserspeicher – schafft dauerfeuchte Klein-Räume zwischen Holz und Moosauflage, zwischen Holz und Borke. Und das wiederum mögen die Pilze, deren Sporen überall auf solche Möglichkeiten zum Keimen nur warten.
Und welche und wie viele Arten wachsen und leben da nun? Die Fülle ist groß, überwältigend groß, wenn man es genau wissen wollte. Groß ist die Zahl der Insekten (vor allem deren Larven), der Milben, Asseln, Springschwänze und Würmer.
Hierzu kommt vor allem bei den Pilzen eine große Zahl von Spezialisten. Die einen wachsen auf Buchenstümpfen, die anderen nur auf Eichen, wieder andere nur auf Fichten, Lärchen oder Kiefern usw.
Und natürlich stellen sich in dieser vielfältigen pflanzenfressenden Kleintierwelt dann auch die Räuber ein, die Laufkäfer, Spinnen, Hundertfüßler und als Kurzzeitbesucher auch wieder die Vögel, etwa Amsel, Zaunkönig, Baumläufer und Meisen.
Welch‘ eine Fülle auf engstem Raum! Welch‘ eine faszinierende Welt meist unbeachtet bleibender, kaum wahrgenommener Fülle von Abhängigkeiten, Nahrungsbeziehungen, Fortpflanzungswelten. Hinschauen – vielleicht mit ein bisschen Geduld. Man wird immer belohnt. Man muss die Tiere und Pflanzen nicht (alle) kennen. Man kann sie gar nicht alle kennen. Da reicht – bei gründlicher Arbeit – ein Freizeit- Leben kaum aus. Einfach nur staunen, sich freuen.
Aber es wird mehr in Gang gesetzt in uns. Man ahnt etwas von der Komplexität von Lebensgemeinschaften, von ihrer Dynamik; begreift vielleicht ein wenig gründlicher, was verloren geht bei der Beseitigung einer ganzen Hecke, eines Waldstücks, einer Wiese.
Basisahnen. Basiswissen. Naturschutzrelevant! Durchaus.

Dieser Aufsatz soll der Beginn einer kleinen Reihe von Darstellungen sein zum Thema Kleinstlebewelten; sie erscheinen in loser Folge.
Einige Namen sollen zum Abschluss doch genannt werden, schon weil sie so kurios sind, oder besser so anschaulich, wenn man sie wörtlich nimmt. Und so sind die Namen überwiegend gemeint. Und für diejenigen, die in schlauen Büchern mehr darüber wissen wollen, sollen auch die wissenschaftlichen Namen in Klammern hinzugefügt werden.

Moose

· Krückenförmiges Kurzbüchsenmoos (Brachythecium rutabulum)
·
Kriechendes Stumpfdeckelmoos (Amblystegium serpens)
·
Zypressen-Schlafmoos (Hypnum cupressiforme)
·
(und mehr als 20 weitere Arten!)

Flechten

· Fingerförmige Becherflechte (Cladonia digitata)
·
Feingliedrige Becherflechte (Cladonia fimbriata)
·
Schuppige Becherflechte (Cladonia squamosa)

Pilze

· Schmetterlingsporling (Trametes serialis)
·
Stockschwämmchen (Pholiota mutabilis)
·
Geweihförmige Holzkeule (Xylaria hypoxylon)
·
(und viele weitere Arten)

Insekten

· Holzwespen-Arten (Sirex-Arten)
·
Bockkäfer-Arten (z.B. Rhagium-Arten)
·
Splintkäfer-Arten (z.B. Eccoptogaster-Arten)
·
Borkenkäfer-Arten (z.B. Ips-Arten)


Fichtenstumpf, völlig „gedeckelt" mit Kurzbüchsenmoos


Die Geweihförmige Holzkeule (ein Pilz) zwischen Kurzbüchsenmoos auf Laubbaumstumpf


Baumstumpf mit Schmetterlingsporling und Stumpfdeckelmoos


Buchenstumpf mit Stockschwämmchen und Moos

[Inhalt]

 

Schicksal und Hoffnung
Der Gelbstern

Es ist in jedem Jahr das Gleiche: nach einem – wie man meint – endlos langen Winter ersehnt man den Frühling mit milden Temperaturen und auch das beginnende Wachstum der heimischen Flora.
Auf dem Weg durch Tostedt beobachten wir als erstes, hinter dichten Hecken verborgen, üppige Teppiche blühender Winterlinge mit ihrem frischen Gelb. Und hinter einem Zaun entdeckten wir unter alten Obstbäumen einen großen Hamamelis-Busch, auch Zaubernuß genannt. Bei den allerersten Sonnenstrahlen oder einem warmen Windhauch entfaltet er seine zarten goldgelben Fädchenblüten.
Doch in diesem Jahr gilt unser besonderes Augenmerk dem Schicksal des „Scheiden-Gelbsterns", der – mitten im Verkehrsgeschehen – unter den hohen alten Eichen auf dem Grundstück der Kreissparkasse wächst.
Seit März 1989 beobachten wir, meine Frau und ich, dieses Vorkommen. Damals zählten wir etwa 200 blühende Exemplare dieser Pflanze. In den Folgejahren mit zunächst ähnlichem Ergebnis. Heute, im Jahr 2004, fanden wir gerade noch acht Exemplare im Aufwuchs, noch nicht blühend.
Das Gelbsterngewächs Gagea spathacea aus der Familie der Liliengewächse blüht im April bis Mai. Jetzt im März findet man kleine Büschel fadenförmiger, zarter Blätter, welche auch für Gras oder Binsen gehalten werden könnten.
Im Boden liegen, von einer gemeinsamen Hülle umgeben, zwei Zwiebeln, an denen mehrere Kleinzwiebeln sitzen. Daraus entwickeln sich zwei Grundblätter, welche sich untereinander, sowie auch zum Blütenstand deutlich entfernt halten. Sie sind hohl, haben halbrundes Profil, ca. 0,8 – 1,5 mm Durchmesser und wachsen etwa 12-20 cm empor.
Der Blütenstiel erhebt sich zwischen den Grundblättern. Am Ende sitzt eine Scheindolde mit 1-5 Blüten auf kahlem Stiel. Die Perigon-Blätter sind stumpf, innen gelb, außen grün.
Etwa 2-3 cm unterhalb der Blüten öffnet sich das Stielblatt und schließt mit einem Zipfel ab.
Außer dem Vorkommen bei der Kreissparkasse ist uns noch ein weiteres im Osterbruch bekannt. Der Gelbstern, in manchen Werken auch als Goldstern bezeichnet, im „Sturm" von 1906 sogar als Gilbstern, wächst in feuchten Wäldern und Gebüschen.
Es wäre wünschenswert, den Standort in Tostedt zu erhalten. Vielleicht kann ja bei der „Geländepflege" ein wenig Rücksicht auf diese zarte, seltene und wunderbare Pflanze genommen werden.

Dann sprechen wir möglicherweise von „Gagea SPARthacea" in Zukunft.


Der Scheiden-Gelbstern besitzt zwei lange, rundliche Blätter


Den seltenen Gelbstern findet man vorzugsweise in feuchten Laubwäldern

[Inhalt]

 

Langer Atem
Jährlicher Bericht über unsere Moorschutzarbeiten

Vielleicht langweilt es den einen oder die andere inzwischen, aber diejenigen, die wieder einmal oder auch zum ersten Mal mit dabei waren und auch diejenigen, die seit mehr als 20 Jahren alle Pläne und Aktivitäten mit entwickelt, gegen Widerstände vielfältiger Art vorangetrieben und umgesetzt haben – sie alle, glaube ich, verdienen die jährlichen Berichte über den Fortgang unserer Arbeiten in den wunderschönen, vielgestaltigen Moorschutzgebieten in der SG Tostedt und darüber hinaus. Das Winterhalbjahr 2003/2004 war schließlich vollgepackt mit Arbeiten im Gelände.

NSG Großes Moor
Mit zwei großen und mehreren kleineren Arbeitseinsätzen sind die Arbeiten zur Förderung der Regeneration des NSG Großes Moor im Dreieck Wistedt – Vaerloh – Heidenau nach ziemlich genau 20 Jahren – langer Atem.... im wesentlichen abgeschlossen.

· Im Südwestzipfel des Moores wurde ein größeres Tümpel- und Torfstichareal freigestellt. Zu dicht waren die Birken in den trockenen Jahrzehnten hier aufgewachsen. Der jetzt –durch immer enger vorgenommene Grabenschließungen erreichte – sehr gute durchschnittliche Wasserstand im Moor wird erneutes Aufkommen von Birken und Kiefern hier wie in den ausgedehnten zentralen Bereichen weitgehend verhindern. Hektarweise sterben inzwischen in den nassen Zonen bei gleichzeitig üppigem Torfmooswachstum die Kiefern und Birken ab, langsam zwar, aber unübersehbar ! Das Moor „wächst", hat die Regie selbst übernommen!
· Im Nordostbereich des Moores wurden mehrere kleinere Flächen offen gehalten. Dazu gehörte auch die Erweiterung einer Moorheidefläche, die bereits vor knapp acht Jahren in sehr wirkungsvoller Zusammenarbeit mit den Jugendfeuerwehren der SG Tostedt vom Baumbewuchs befreit wurde.

Auch dieses Mal war die Jugendfeuerwehr mit rund 100 Kindern und Jugendlichen dabei. Ihre Mannschaftsführer – soweit sie auch vor acht Jahren schon dabei waren – konnten sich davon überzeugen, wie hier – dank der Maßnahmen – Torfmoose und Sumpfheide wieder die Regie übernommen haben.
Dank an dieser Stelle an die Jugendfeuerwehren und ihre Verantwortlichen für die gute Zusammenarbeit.
Dank aber auch an alle AKN-Aktiven bei den Einsätzen im Großen Moor, allen voran Hermann Aldag und seiner „powergang" !

· Auch mehrere Dämme wurden im vergangenen Winterhalbjahr gebaut, vom AKN selbst, auch von der Firma Geißler und von den beiden Zivildienstleistenden der SG Tostedt. Seit Jahren trägt die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen dem AKN und der SG Tostedt in diesem Bereich gute Früchte. Vielen Dank an dieser Stelle nicht nur den beiden Zivis, Sascha und Christian, sondern auch an Frau Bolz im Tostedter Rathaus, der die Zivis unterstellt sind.
Þ Zukünftig werden in diesem sich sehr vital entwickelnden Moor nur noch kleinere Maßnahmen nötig sein:
1. Weitere Grabenschließungen zur engeren Kammerung und damit Verbesserung der Wasserrückhaltekraft des Moores.
2. Kleinere Entkusselungsmaßnahmen in mehrjährigen Abständen auf einigen trockenen Torfsockeln zum Erhalt der trocken-warmen Biotopeigenschaften dieser Bereiche für bestimmte Insekten und Reptilien.
3. Ggf. sind im Ostteil noch einige Randbereiche zu sehr nassen Teilflächen freizustellen. Genaue Beobachtung wird zeigen, ob hier weitere Maßnahmen sinnvoll sind.

NSG Obere Wümmeniederung
Auch in dem Groß-Schutzgebiet Obere Wümmeniederung sind die Entkusselungsarbeiten (vorläufig) abgeschlossen.

· Mit der Freistellung des Moorheide- und Gagelstrauch-Areals „Beekwiesen", südlich von Otter, konnte eine ganz ausgesprochen wertvolle Reptilienfläche langfristig als solche gesichert werden. Auch Sumpfheide (Erica tetralix), Haarsimse (Trichophorum cespitosum) und der Gagelstrauch (Myrica gale) werden davon profitieren. Schon vor 15 Jahren waren hier Maßnahmen von uns vorgeschlagen worden, doch gab es vom Eigentümer keine Einwilligung. Jetzt hatte sich die Situation plötzlich geändert, just als die Naturschutzbehörden eine Duldungsverfügung aussprechen wollten.- Langer Atem.........auch hier.
An zwei Samstagen haben wir auf dieser Fläche mit zusammen rund 50 Leuten kräftig zugepackt, nachdem jeweils vorher mit vier bzw. zwei Leuten gesägt wurde.

Dank an alle Aktiven; schön, dass auch einige Kinder mit ihren Eltern mitgemacht haben !

Þ Die Schwerpunkte zukünftiger Arbeiten zur Verbesserung der Biotopqualitäten im NSG Obere Wümmeniederung liegen in der Wiedervernässung einiger Teilbereiche und in der Verbesserung der Fließgewässerstrukturen von Wümme, Todtgraben, Jilsbach und Dammgraben (gemäß Gewässerentwicklungsplan Obere Wümme und EU-Wasserrahmen-Richtlinie).
Hier sind die Wasser- und Naturschutzbehörden, das Amt für Agrarstruktur und die Wasserverbände gefordert. Planungen zum Todtgraben und zum Großen Torfmoor sind bereits weit fortgeschritten.

NSG Rauhes Moor
Auch im Rauhen Moor bei Hollinde, vom AKN in 2002/2003 „bearbeitet", sind die Arbeiten abgeschlossen.

Þ Kleinere Entkusselungsarbeiten werden aber gerade in diesen grundwasserabhängigen Kleinmooren, vor allem in den trockeneren Randbereichen, in 3-8jährigen Abständen nötig sein, abhängig auch von den jeweiligen jährlichen Niederschlägen.

Ähnlich sieht es auch im nahe dem Rauhen Moor gelegenen NSG Springmoor aus.

· Die dringend fällige Moorheidenpflege hat in diesem Winter Hermann Aldag geleistet, unterstützt von den Schülern der Klassen 3 und 4 der Grundschule Heidenau mit ihren Lehrkräften und einigen Eltern.. Herzlichen Dank auch an diese vielen fleißigen Helfer.

NSG Kauers Wittmoor

· In diesem wunderschönen Hangquellmoor haben die beiden Zivis aus Tostedt, Sascha Zemva und Christian Mußlick, in Dezember 03 und Februar 04 wichtige, zentrale Moorlilienareale vom Birkenanflug befreit, eine Arbeit, die so alle fünf bis acht Jahre nötig ist, mal mehr, mal weniger, je nach der Nässe im Moor.
Vielen Dank auch noch einmal an dieser Stelle an Sascha und Christian für ihre Arbeiten nicht nur im Kauers Wittmoor, sondern auch für den Bau von drei Schleiereulenkästen.

Þ
Hier in diesem kleinen, kostbaren Durchströmungsmoor, das zu unserer Freude in der 3. Tranche der FFH-Meldungen des Landes Niedersachsen gerade jetzt noch Aufnahme gefunden hat, wird noch eine etwas größere Maßnahme in den nächsten Jahren nötig sein. Sie ist für 2004/2005 in Abstimmung mit der Unteren und Oberen Naturschutzbehörde vorgesehen. Der AKN wird sie durchführen.

NSG Ottermoor/Otterheide
Hier hat die Forstbetriebsgemeinschaft Jesteburg unter Herrn Gamradt wichtige Freistellungsarbeiten an einem attraktiven Moorweiher und an einem arg verschlammten Tümpel in Randlage durchgeführt.

Þ Die Entschlammungsarbeiten sollen in Übereinstimmung mit der Unteren und Oberen Naturschutzbehörde im Herbst 2004 erfolgen.
Sowohl im Ottermoor als auch in der Otterheide sind noch jeweils eine größere Maßnahme für die Offenhaltung verschiedener empfindlicher Biotoptypen nötig. Sie sind für 2004/2005 vorgesehen. Dabei wird sich der AKN mit seiner Arbeitskraft einbringen.
Langfristig gelten für diese Areale die Bedingungen wie im Rauhen Moor.

NSG Großes Everstorfer Moor
In diesem wichtigen Natur- und EU-Vogelschutzgebiet warten wir alle seit Jahren auf die rechtlich unanfechtbare Schließung des sogn. „Diagonalgrabens". Immer wieder führen neue Hindernisse zu Verzögerungen, trotz redlicher Bemühungen der Naturschutzbehörden.
Hier ist unser sprichwörtlich „langer Atem" ganz besonders gefordert.
Seit drei Jahren kontrolliert und protokolliert Hein Busch (im letzten Jahr unterstützt von Eckhard Miersch) die vier vom AKN gesetzten Rammpegel am Westrand des Moores in 14tägigem Abstand! Die Daten über die Wasserstandsbewegungen im Laufe eines Jahres sind als Vergleichsgrößen von großer Bedeutung für die Situation nach Schließung des Grabens. Der dann höhere Wasserstand im Moorkörper darf das westlich anschließende Grünland nicht vernässen.
Das Domänenamt (Eigentümer des Grünlands) besteht zudem auf dem Bau eines Fanggrabens entlang der Westgrenze außerhalb des NSGs. So brauchen wir auch hier die von Hein Busch eingebrachten Wasserstandsmessungen als Beweisdaten. Herzlichen Dank, Heiner (und auch Eckhard), für Ausdauer und Einsatz und die Bereitschaft weiterzumachen.

Þ Die Schließung des „Diagonalgrabens" wird kommen!
Für den Winter 2004/2005 sind nach vier Jahren Pause „nacharbeitende" Entkusselungsmaßnahmen geplant für Teilbereiche nördlich und südlich des Diagonalgrabens. Hier wird sich der AKN wieder einbringen.

Soweit zu den vom AKN betreuten Naturschutzgebieten in unserem Raum.

Und was wurde außerhalb der NSGs durch den AKN vorangebracht?

· In Handeloh wurde jeweils eine Fläche am Wörmer Weg und auf der Drögen Heide entkusselt, Buschholz für die Benjes-Hecke am Handeloher Friedhof gefahren und die Benjes-Hecke ausgebessert und nachgepflanzt. Insgesamt vier Einsätze. Dank an alle Helfer !
· An unseren Pachtteichen im Oste-Quellgebiet wurden in mehreren Arbeitseinsätzen Freiräume um die Teiche zwei bis vier geschaffen, damit der Bagger im Herbst die Entschlammungen vornehmen kann. Weitere Aufräumungsarbeiten sind nötig.
Außerdem wurden Reparaturarbeiten an den Mönchen und an der Fischerhütte auf den Weg gebracht, die im Laufe des Frühjahrs und Sommers abgeschlossen werden sollen.

Dank auch hier an alle Organisatoren und Helfer !

· In dem hochragenden Schuppen auf einer unserer Pachtflächen am Dössel bei Kakenstorf wurde ein Schleiereulenkasten angebracht, von den Zivis in Tostedt gebaut und fixiert.
· Außerdem mußten Zäune kontrolliert und repariert werden auf unseren Wistedter Pachtflächen und eine neue Pforte wurde nötig für unsere AKN-eigene Weidefläche nördlich des Großen Moores (ehem. Dallmann-Weide), damit sie beweidet werden kann, extensiv, versteht sich und zeitlich den Bedürfnissen der Wiesenvögel angepasst.

Auch diese Arbeiten – langfristig formulierten Zielen folgend – erfordern wie die in den Naturschutzgebieten den buchstäblich „langen Atem", brauchen Kontinuität im Beobachten, Bedenken und Handeln resp. Nicht-Handeln, also im Wachsen- und Sich-Entfalten-Lassen. Natur braucht Zeit, folgt anderen Rhythmen und Gesetzmäßigkeiten als unsere Kulturwelten. In Zeiten hektischen Reagierens, kurzatmiger Planungen und einer Fastfood-Mentalität auf allen Ebenen sind die im Umgang mit der Natur geforderten Tugenden nicht immer einfach durchzuhalten, werden sie doch oft auch als Schwäche, als Mangel an Präsenz ausgelegt. Trotzdem: erhalten wir uns – alle zusammen – für unsere Arbeit die Kraft des geduldigen Beobachtens, des sorgfältigen Bedenkens – die Kraft des langen Atems!


Gemeinsam gehts am besten - viele Hände helfen im Großen Moor


Auch die Jugendfeuerwehr half mit beim Entkusseln


In den Beekwiesen kam wieder eine schlagkräfte Truppe zusammen


Die Arbeit macht Spaß: Kinder mit ihren Eltern dabei in den Beekwiesen


Mit Heidenauer Grundschulklassen im NSG Springmoor


[Inhalt]


Aktivitäten des AKN im Winterhalbjahr 2003/2004
Begehungen, Bereisungen, Treffen, Sitzungen, Arbeits- und Pflegeeinsätze
Mi. 26.11.03:

Begehung des Todtgl. Beek zusammen mit Ludwig Tent zwecks Maßnahmen-Katalog zur Verbesserung der Gewässerstrukturen,


Do. 27.11.03: Steuerung von Baggerarbeiten am großen Teich auf dem Neddernhof/Siemers-Stiftung u.a. zur Verunregelmäßigung des Ufers,
Sa. 06.12.03:

1. Arbeitseinsatz in den „Beekwiesen" (NSG Obere Wümme)

Mi. 10.12.03: Ortstermin mit der Firma Geißler im Großen Moor: Absprache der zu leistenden Grabenschließungen,
Mi. 10.12.03: Teilnahme an der Jahreshauptversammlung des Museumsvereins Alte Schmiede in Handeloh (Dr. Hamann),
Do. 11.12.03: Teilnahme an der Jahreshauptversammlung des Vereins AKH (Aktion Kröten-Rettung Holmer Teiche),
Mi. 17.12.03: Begehung und Abnahme der Entkusselungsarbeiten der Tostedter Zivis im NSG Kauers Wittmoor,
Fr. 09.01.04: Vorbereitende Arbeiten im Großen Moor für den geplanten Arbeitseinsatz der Jugendfeuerwehren am 24.01.04,
Sa. 10.01.04: Arbeitseinsatz der Gruppe Handeloh auf der Drögen Heide,
Mo.12.01.04: Planungsgespräch für die zukünftige Arbeit der Siemers-Stiftung im Este-Oste-Wümmeprojekt mit E. Siemers und L. Tent,
Sa. 17.01.04: Vorbereitender Ortstermin mit dem Leiter der Jugendfeuerwehren, Herrn Spiekermann, im Großen Moor für den Arbeitseinsatz der Jugendlichen am 24.01.04,
Sa. 24.01.04:

Großer Arbeitseinsatz mit den Jugendfeuerwehren der SG Tostedt im NSG Großes Moor,

Mi. 04.02.04: Besprechung eines Konzeptes für das NSG Tister Bauernmoor beim LKr. Rotenburg mit der Unteren und OberenNaturschutzbehörde und Vertretern verschiedener Naturschutzverbände,: Abstimmung von Maßnahmen zur Besucherlenkung und zur Öffentlichkeitsarbeit;
Do.05.02.04: Ortsbegehung und Abnahme der Arbeiten der beiden Zivis im Großen Moor und Einweisung in weitere Arbeiten,
Sa. 07.02.04:

Arbeitseinsatz des AKN im Großen Moor an zwei Stellen im NO-Teil,

Do. 12.02.04: Teilnahme an der Sitzung des Wege-, Bau- und Planungsausschusses der Gem. Heidenau,
Sa. 14.02.04: 2. Arbeitseinsatz in den Beekwiesen (NSG Obere Wümme),
Do.19.02.04:

Planungsgespräch über zukünftige Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen in den NSGs unserer SG mit der Unteren (Herrn Gumz) und der Oberen Naturschutzbehörde (Herrn Hirt),

Fr. 20.02.04: Aufbau des Krötenzauns am Knick (Vormittag/Fahrbahnseite), mit den Zivis der SG und mit maßgeblicher Hilfe des Landkreises (Gumz/Niehaus); am Nachmittag Radwegseite allein durch den AKN,
Fr. 20.02.04: Begehung des Todtgl. Beek mit den Herrn Tödter (Vorwerkstiftung), Gumz und Meyer (Landkreis Harburg), L. Tent (Maßnahmenerläuterung); Brenning (Este-Verband) und Netzel (Forst),
Sa.21.02.04: Buschholzfahren für die Benjes-Hecke am Hdl-Friedhof durch die Arbeitsgruppe Handeloh,
Mo.23.02.04: Kleiner Arbeitseinsatz im NSG Ottermoor; kleinere Entkusselungsarbeiten,
Mi. 25.02.04: Wiederaufnahme der Planungsarbeiten der „Gruppe Grün" in der Gem. Handeloh nach 1jähriger Pause zum Erhalt/zur Entwicklung der wertvollen Naturpotentiale in der Gemeinde.
Sa. 28.02.04: Säge- und Räumarbeiten an den Dittmer-Pachtteichen mit kleiner Arbeits-Gruppe,
Mo. 01.03.04: Teilnahme an der Sitzung des Wege-, Bau- und Planungsausschusses der Gem. Heidenau,


Mi. 03.03.04: Teilnahme an der Sitzung des Umwelt-, Bau- und Planungsausschusses der SG Tostedt,
Sa. 06.03.04: Entkusselungsarbeiten unter Leitung v. Hermann Aldag im Springmoor mit zwei Schulklassen der Heidenauer Grundschule,
So. 07.03.04: Teilnahme am Info-Tag in Heidenau,
Mo.08.03.04: Begehung des Estewanderweges zwischen Bötersheim + Hollenstedt zwecks Prüfung natur- und landeskundlicher Inhalte für ein offizielles Wanderführer-Informationssystem (Zusammen mit den Herren Hauschild und Cordt vom Hollenstedter Wander- und Verkehrsverein),
Mi.10.03.04: Anbringung eines Schleiereulenkastens in unserem Pachtschuppen am Dössel/Kakenstorf, zusammen mit den Zivis der SG Tostedt (Bau des Kastens) und G. Knabe,
Sa.13.03.04: Kleiner Arbeitseinsatz an den Dittmer-Pachtteichen,
Sa.20.03.04: Arbeitseinsatz der Gruppe Handeloh und der Nabu Gruppe Buchholz auf unseren Eigentumsflächen am Handeloher Friedhof: Nachlegen der Benjes-Hecke,
Di. 23.03.04: Begehung im Tister Bauernmoor wg. Maßnahmen zur Besucherlenkung und -Information mit Vertretern des Moorbahnvereins, der SG Sittensen u. dem Naturschutzwart Herrn Nottorf,
Di. 23.03.04: Teilnahme an der Sitzung des Wege-, Bau- und Planungsausschusses der Gem. Heidenau,
Do. 25.0304: Jährliche Mitgliederversammlung des AKN in Kakenstorf,
[Inhalt]
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