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Liebe Mitglieder und Freunde des AKN,

In diesem Jahr wird das 900-jährige Bestehen Tostedts gefeiert -

Wir gratulieren der Gemeinde Tostedt und wir feiern mit!

Aus diesem Anlass haben wir einen Blick zurück geworfen auf die in Jahrhunderten gewachsenen Landschaftstypen, auf die äußerst positive Naturschutzarbeit der letzten Jahrzehnte, aber auch auf die Sünden, die in jüngster Zeit an der Natur verübt wurden.
Ein Schwerpunkt in diesem Heft stellen die Fließgewässer dar, unsere Heidebäche, Perlen in der Landschaft, die jedoch allzu häufig leiden müssen. Wir freuen uns, dass der bekannte Tostedter Gewässerbiologe Dr. Ludwig Tent als kompetenter Autor zu diesem Thema gewonnen werden konnte. Aber auch in unserem Rückblick ist von den Bächen unserer Region die Rede und unter den Splittern wird Bezug genommen auf das Thema Wasser (Heidewasser für Hamburg) und dessen Schutz durch die EU-Wasserrahmenrichtlinie.
Als weiterer „externen" Autor hat Herr Detlef Gumz von der Naturschutzabteilung des Landkreises Harburg in diesem Mitteilungsblatt einen Bericht über den ehrenamtlichen Naturschutz im Allgemeinen und den AKN im Speziellen geschrieben, worauf wir stolz sind, verbunden mit großer Freude.
Es finden sich mehrere Berichte, darunter auch einer von den Tostedter Naturschutz-Zivis, über die aktive Naturschutzarbeit der letzten Zeit, die Arbeitseinsätze des Winterhalbjahres und über den Beginn unseres Projektes zur 900-Jahr-Feier „Die Töster Viehtrift blüht auf".
Nachdem der zweite Teil des Beitrages über die Zwergsträucher unserer Heimat aus Platzgründen im letzten Heft nicht veröffentlicht werden konnte, ist in der vorliegenden Ausgabe den Ginstern und Beerensträuchern ausreichend Platz gewidmet.
Interessant sind sicherlich auch die Kurzbeiträge zur Krötenwanderung in Holm (Wanderpokal nach Handeloh), die kleinen Kostbarkeiten von Frau Ernst und das Vogelmonitoring, an dem sich eine ganze Reihe von Ornithologen unseres Vereins beteiligt und das der Erstellung eines Brutvogelatlasses dient.

Ich wünsche Ihnen ein wundervolles Frühjahr und viel Spaß bei der Lektüre,
Ihr
U.Quante

 

 

 

 

 

 

 

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AKN-Splitter
Wichtiges - kurz berichtet

Noch einmal - wohl zum letzten Mal - soll über den Windpark Heidenau berichtet werden. Seit dem letzten Bericht im Heft 19 ist nun ein ganzes Jahr verstrichen und der Betreiber hat mit dem Bau begonnen.
Somit haben wir den Windpark zwar nicht verhindern können, haben jedoch erreicht, dass die Anzahl der Türme auf drei beschränken werden musste und entsprechende Ausgleichsmaßnahmen festgelegt wurden.
Das Genehmigungsverfahren ist auf allen Ebenen abgeschlossen: Der Landkreis hat im September 2004 als Ergebnis des Raumordnungsverfahrens die Vereinbarkeit des Projekts mit den Belangen der Raumordnung festgestellt und das Regionale Raumordnungsprogramm im Januar 2005 entsprechend geändert. Ebenfalls im Januar erfolgte die Genehmigung vom drei Windkraftanlagen nach dem Bundes Immissionsschutzgesetz.
Die Änderung des Flächennutzungsplans durch die Samtgemeinde Tostedt ist inzwischen ebenfalls erfolgt und der erforderliche Bebauungsplan ist vom Gemeinderat der Gemeinde Heidenau verabschiedet worden. In seinem Beschluss hat die Gemeinde Heidenau zusätzlich festgelegt, dass keine weiteren Anlagen zulässig sind, obwohl der Flächennutzungsplan zwei weitere kleine Anlagen ermöglichte und der Betreiber dies auch wünschte.
Es bleibt nun nur noch zu hoffen, dass die Bauphase ohne allzu große Störungen der erwachenden Natur überstanden wird und die Ausgleichsmaßnahmen im vollen Umfang umgesetzt werden.

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Windkraftanlage bei Wüstenhöfen

Seit nunmehr 31 Jahren fördern die Hamburger Wasserwerke in der Nordheide Trinkwasser. Der im Jahre 1974 geschlossene Vertrag ermöglichte den Hamburgern eine jährliche Höchstfördermenge von 20 Millionen Kubikmetern.
Allerdings kam es in den ersten Jahren der Wasserentnahme zu massiven Schäden in der Pumpregion: Bäche, Teiche und Feuchtgebiete fielen trocken und es traten Risse an Gebäuden auf, so dass die Wasserwerke freiwillig die Fördermenge auf 15 Millionen Kubikmeter reduzierte. Nach 30 Jahren lief im vorigen Jahr der Vertrag ab. Für eine Übergangszeit hat die Bezirksregierung die Förderung von 15,7 Millionen Kubikmeter pro Jahr genehmigt
Die von den Wasserwerken für den anstehenden neuen Vertrag abgestrebte Fördermenge von 20 Millionen Kubikmeter Heidewasser ist bei den Umweltverbänden des Landkreises äußerst umstritten.
Genehmigungsbehörde ist nach Auflösung der Bezirksregierung der Landkreis, der die Erstellung einer Computersimulation zu den Auswirkungen der Wasserentnahme auf die Grundwasserverhältnisse fordert.
Der Landkreis hat den Umweltverbänden eine Beteiligung am Genehmigungsverfahren zugesagt. Zur Zeit werden daher Daten über die Auswirkungen der Heidewasser-Entnahme auf die Umwelt gesammelt. In unserer Region ist zum Beispiel der Oberlauf der Este massiv und sichtbar beeinträchtigt: Die Este führt seit geraumer Zeit im Gegensatz zu früher oberhalb von Cordshagen kein und oberhalb von Welle kaum noch Wasser.
Es ist zu hoffen, dass vor dem Hintergrund der neuen EU-Wasser-Rahmenrichtlinie die Grundwasserentnahme in der Nordheide deutlich eingeschränkt wird. Die EU-Wasser-Rahmenrichtlinie ist in Deutschland geltendes Recht. Sie legt u.a. fest: „Wasser ist keine übliche Handelsware, sondern ererbtes Gut, das geschützt, verteidigt und entsprechend behandelt werden muss." Die Wasser-Rahmenrichtlinie verpflichtet die Mitgliedsstaaten, den „ökologischen Zustand der Gewässer, der die Lebensbedingungen für aquatische Tier- und Pflanzenarten charakterisiert," genau zu bestimmen, und gibt anspruchsvolle Ziele für den Sollzustand vor. Bis 2015 sollen alle europäischen Gewässer in einen „guten ökologischen Zustand" versetzt werden. Auch der besondere Schutz des Grundwassers ist in der WRRL festgeschrieben.
Der AKN wird sich im Rahmen der Verbandsarbeit dafür einsetzen, dass die Wasserentnahme in der Heide ein ökologisch vertretbares Maß nicht übersteigt, d.h. die Fördermengen deutlich reduziert werden. Nur so können unsere Naturschätze, die Heidebäche, erhalten werden bzw. ihren ursprünglichen Zustand wieder erreichen.
In diesem Zusammenhang stimmt es doch sehr nachdenklich, wenn Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander die EU-Vorgaben für einen umfassenden Gewässerschutz als zu eng kritisiert und in Pressemitteilungen verkündet, das Land werde die Europäische Wasserrahmenrichtlinie zwar „eins zu eins" umsetzen, dabei aber „die Flexibilität, die eine solche Richtlinie bietet, voll ausschöpfen". Gerade in einem dicht besiedelten und bebauten Land wie Niedersachsen sei es indes „unrealistisch", ein von den Menschen nahezu unbeeinflusstes Gewässer zum Maßstab zu nehmen. Die EU müsse deshalb ihren Kriterienkatalog ändern.

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900 Jahre Tostedt
Ein Blick zurück in Sachen Natur

Viele Gründe zum Feiern
Es wird viel gefeiert in diesem Jahr in der Gemeinde Tostedt. Ein 900. Geburtstag liefert ja auch Grund genug. Und der Arbeitskreis Naturschutz feiert gerne mit, bringt sich gerne ein mit einem eigenen Projekt (Die Töster Viehtrift blüht auf).
Aber Jubiläumsfeiern, Geburtstage sind – vor allem hohe Geburtstage – auch geeigneter Anlass zum Innehalten, zum Zurückschauen, sie sind eine gute Gelegenheit für eine kritische Bilanz, in unserem Falle – in Sachen Natur in der Gemeinde/Samtgemeinde Tostedt. Was gibt es in Tostedt (denk‘ ich an Tostedt – denk‘ ich sofort auch an die Samtgemeinde!), was gibt es also hier zu feiern – in Sachen Natur?
Einer Feier würdig ist da einiges, z.B.:

Unsere Natur und Landschaft
Bäche, Moore, Wälder, Heiden, Wiesen und Weiden und auch die Feldfluren prägen unsere aktuelle Kulturlandschaft. Dazu gehören natürlich auch die alten gewachsenen Dorfkerne und Ortszentren mit ihren Resten einer ökologischen Infrastruktur, wie alten Baumbeständen, Eichen; Hecken; letzten hofnahen Weideflächen, Obstwiesen und Gärten.
900 Jahre Tostedt bedeuten ja auch 900 Jahre Geschichte der Natur- und Kulturlandschaft um Tostedt herum.
Der uns durch diese Geschichte zugewachsene Reichtum an Landschaftstypen, an Lebensräumen mit ihren Pflanzen und Tieren ist ein wertvoller Schatz. Er ist ein Erbe, das nur schwer vermehrbar (wenn überhaupt nur in langen Zeiträumen) und daher durchaus auf festlicher Feier gehörig zu würdigen ist.

Ein Netz von Schutzgebieten
Der nationale Naturschutz seit mehr als 30 Jahren und seit ca.15 Jahren der europäische Naturschutz haben diesem Reichtum und dieser Vielfalt der vorhandenen Schätze würdig Rechnung getragen. Durch die Ausweisung zahlreicher Naturschutz- und Landschaftsschutzgebiete, durch die Festlegung von FFH- und EU-Vogelschutz-Gebieten ist das Areal der Samtgemeinde mit einem dichten Netz per Gesetz geschützter und gesicherter Landschaftsteile ausgestattet, die alle oben genannten prägenden Landschafts- und Lebensraumtypen umfassen.
Gesicherte Schätze also und wiederum viele Gründe um zu feiern! Aber auch Anlass für alle in Tostedt tätigen Menschen - Einzelpersonen, private Gruppen und politische Gremien - hier aktuell und konkret vor Ort eine Verpflichtung zur Bewahrung der Schätze und damit eine Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen.

Ehrenamtliches Engagement
Tatsächlich wird bereits seit 25 Jahren viel für die positive Entwicklung der Schutzgebiete getan. Sie sind zunehmend „mit Leben erfüllt" worden, im wörtlichen Sinne. Durch kontinuierliche, überaus fruchtbare Zusammenarbeit des AKN mit den zuständigen Naturschutz-Behörden in Winsen und Lüneburg konnten die Lebensraumqualitäten vor allem der wertvollen Moorreste zunächst gesichert, aber seit geraumer Zeit sichtbar gestärkt und optimiert werden. Langer Atem ist nötig bei langwieriger, möglichst dauerhafter Naturschutzarbeit in einer übernutzten Kulturlandschaft.
Der AKN „feiert" hier viele kleine und große innere Erlebnisfeste, wenn seine Mitglieder Jahr für Jahr diese überaus positive Entwicklung mit ihren Arbeiten verstärken und beobachtend verfolgen. Unsere Landschaft lädt alle ein, an diesem sinnenfrohen stillen Feiern teilzunehmen!
Vielleicht sollte einmal ein richtig fröhlicher und denkwürdiger „Tag der Natur" von allen Menschen in der Gemeinde/Samtgemeinde gefeiert werden?!

Grundlagenwissen
Die Gemeinde Tostedt hat seit 1989 eine Biotop- und Nutzungs-Kartierung, durch den AKN erstellt, im wesentlichen für die „großen Zwischenräume" zwischen den Schutzgebieten, für die „Normallandschaft" also. Ihr Zustandekommen wurde bei ihrer Veröffentlichung gefeiert und in den Jahren danach viel gelobt, ein „Grundlagenwerk" für den täglichen Gebrauch in den Verwaltungen der Gemeinden, der Samtgemeinde, eine konkrete Hilfe bei der Beurteilung und Bewertung biologisch-ökologischer Qualitäten jeder einzelnen Fläche in unserer Samtgemeinde.
Das 300 Seiten starke Werk ist inzwischen vergriffen, vielerorts wohl auch vergessen, sicherlich auch in Teilen überholt, denn fast täglich ändern sich kleinere oder größere Landschaftsteile durch menschliches Eingreifen!
Aber die dort niedergeschriebenen Erkenntnisse werden auch heute noch immer wieder genutzt, befragt, nicht nur vom AKN selbst, auch in so mancher Behörde, in den Umwelt-Ausschüssen der Gemeinden, in manchem Planungsbüro, das für die Gemeinden tätig wird.
Sicherlich kein besonderer Grund zum Feiern, aber doch vielleicht ein Grund für einen Moment stiller Genugtuung.

Ein Netz des Vertrauens
Auch das ist ein besonderer Grund zur Freude: seit der AKN ab 1989 in die einzelnen Dörfer der Samtgemeinde ging, um seine Ziele zu erläutern, um Mitstreiter in den Ortschaften zu gewinnen, hat sich viel getan in Sachen Vertrauensbildung.
Landwirte, andere Flächeneigentümer, Jäger, Forstleute und viele, viele andere Bürger aus den Ortschaften arbeiten inzwischen mit uns zusammen in Sachen Natur. Und diese Zusammenarbeit klappt, findet Nachahmer. Es gibt inzwischen mehrere Dutzend solcher Projekte, und so freuen wir uns auf weitere!

Gemeindliches Engagement
Die Feierlaune erhält weitere Nahrung aus vielen großen und kleinen Projekten der letzten 10 bis 15 Jahre, die aus Initiativen der Gemeinden/Samtgemeinde für Mensch, Natur und Landschaft hervorgegangen sind, immer auch in enger Zusammenarbeit mit dem AKN.

Einige seien hier exemplarisch genannt:
Ø
die Einrichtung und der Erhalt des Waldlehrpfades im Düvelshöpen, allen Vandalen zum Trotz,
Ø
Kauf und Pacht verschiedener wertvoller Biotopflächen durch die Gemeinde Tostedt in der Vergangenheit (das waren noch Zeiten!),
Ø
die Bereitschaft verschiedener Gliedgemeinden, lokal und durchaus auch überregional, wertvolle Biotope (z.B. kleinere Fließgewässer) gutachterlich erfassen zu lassen, wie in Handeloh und Heidenau, Tostedt und Kakenstorf. Nun liegen fachlich begründete Handlungsanweisungen auf dem Tisch,
Ø
die Bereitschaft einiger Gemeinden, die Biotopqualitäten auf ökologisch wertvollen gemeindeeigenen Flächen zu erhalten und durch den AKN betreuen zu lassen,
Ø
die inzwischen gute Tradition gewordene Einstellung von zwei Zivildienstleistenden in der Gemeinde Tostedt. In der Summe haben diese engagierten jungen Leute in den letzten Jahren (neben ihrer Tätigkeit in der Gemeinde selbst) für den Naturschutz im Samtgemeindebereich Beachtliches geleistet, angeleitet und betreut vom AKN.

Das alles und manches mehr schlägt sehr positiv zu Buche in Sachen Natur. Dafür braucht es aber auch die offenen Ohren in Politik und Verwaltung, bei anderen Funktionsträgern und natürlich bei den Menschen vor Ort in den Dörfern. Wir haben diese Offenheit immer wieder erleben können, verbunden mit echtem Verständnis für die Belange der Natur.

Aber: Defizite und Trauerspiele
So richtig verbreitet ist diese eben beschriebene Haltung noch nicht, weder in der breiten Bevölkerung, noch bei deren Repräsentanten in Politik und Verwaltung. Verbreitet ist leider eher eine Art „Schönwetterbekenntnis" zur Natur, zum Naturschutz, zu dem, was kluges Vorausdenken und was die Gesetzgebung aus guten Gründen verlangen.

Die Beispiele
Natürlich sollen und müssen auch hier Beispiele genannt werden.

Im privaten Bereich sind es besonders folgende Übel für Natur und Landschaft:

Ø Es werden immer noch Gartenabfälle und organische Ernterückstände in großen Mengen allenthalben wild entsorgt. Kaum ein Waldrand mit Wegeführung ist frei davon. Die Schäden an den bodenständigen Pflanzengesellschaften sind beträchtlich.
Ø
Es werden immer noch kleine und große Tümpel verfüllt mit Abfällen aller Art (s.o.), mit Bodenaushub, Baumstubben u.a.. Dies geschieht mit zäher Leidenschaft und offenbar auch mit großer Gleichgültigkeit gegenüber den empfindlichen Lebensgemeinschaften dieser Stillgewässer, die übrigens alle als „Besonders geschützte Biotope" rechtlich gesichert sind (§ 28a).
Ø
An Feld und Wiesenrändern, meist im Zusammenhang mit kleinen Gebüschgruppen oder Feldgehölzen, werden in großer Zahl alte Mietenplanen entsorgt, immer noch und immer wieder.

Alle eben genannten Missstände degradieren Natur und Landschaft zu einem vermeintlich billigen Abfall- und Entsorgungsraum.
Übrigens alle genannten Beispiele sind Ordnungswidrigkeiten; außerdem gibt es genügend öffentliche Entsorgungsmöglichkeiten.

Im Bereich von Politik und Verwaltung gab es in den letzten Jahren auch immer wieder einzelne projektbezogene vermeidbare Fehlentscheidungen zu Lasten der Natur.

Ø Da war der fehlende Mut seinerzeit, die Verlängerung des Himmelsweges für den Kraftfahrzeugverkehr zu sperren und damit die Töste-Aue als beruhigten Naturraum aufzuwerten für Mensch, Pflanze und Tier, für die Naherholung der Bevölkerung.
Ø
Die Entscheidung, die geplante Badeteichanlage in einem ökologisch äußerst sensiblen Randbereich des Ostequellgebietes zu entwickeln. Echte Alternativen wurden nicht erarbeitet.
Ø
Der unakzeptable Umgang mit mehreren unserer kleinen Fließgewässer (z.B. Heisterbek, Heidloh-Bach). Ihr Ausbau in bestimmten Streckenabschnitten widerspricht nicht nur allen fachwissenschaftlichen Erkenntnissen sondern auch der Gesetzeslage.
Ø
Der oft missmutige, unwillige Umgang mit den Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen als Auflagen in den verschiedenen Grünplänen der Gliedgemeinden. Ihre Umsetzung wird nur zu oft auf die lange Bank geschoben, schlicht „ausgesessen". Nachfragen werden als lästig empfunden.
Ø
Die Durchsetzung des Bebauungsplanes 34 in Todtglüsingen. Die damit verbundene totale Zerstörung
einer quellnassen Grünlandzone mit ihrem ganzjährig Wasser führenden Bächlein. Dieses wird nun aufgefangen in einem naturfern gestalteten Rückhaltebecken. Das alles wider besseres Fachwissen, gegen geltendes Recht und gegen alle Vernunft. Das ganze Projekt ist ein Verlust von Lebensqualität für die bisher dort lebenden Menschen und ein Gewaltakt gegen die Natur. Eine nicht gestattete Grundwasserabsenkung über die Dauer der Bebauungsphase ist vorprogrammiert. Die als Auflagen formulierten „Besonders geschützten Biotope"(§ 28a) werden sich kaum entwickeln können.
Auch die verschiedenen Behörden des Landkreises haben im Verlauf des Genehmigungsverfahrens an verschiedenen Stellen fehlerhaft abgewogen und u.E. rechtswidrige Genehmigungen erteilt. Das soll hier nicht verschwiegen werden; aber das entschuldigt die Gemeinde nicht.
Ø
Völlig unverständlich sind allerdings Entscheidungen gegen die Natur, die ohne äußeren Druck getroffen werden, als vorbeugende Maßnahme für eventuelle wirtschaftliche Möglichkeiten. Aktuelles Beispiel ist die Weigerung der Mehrheitsfraktion im Samtgemeinderat, den sogenannten „Schulwald" in Handeloh, ein ökologisch wertvolles Waldstück , das im alten Flächennutzungsplan als Fläche für die Ansiedlung von Beherbergungsgewerbe vorgehalten wurde, als das, was es ist - nämlich Wald - auszuweisen und diesen so zu schützen.

Diese Beispiele zeigen eines:

Wenn es ernst wird, wenn der Natur- und Landschaftsschutz echten Verzicht auf bestimmte Eingriffe in die Landschaft erfordert, wenn mühsame Alternativen gesucht werden müssten, wenn Gewinnaussichten einzelner Flächen-Eigentümer auf dem Spiel stehen, wenn Planungsaufträge und damit Gelder schon vergeben wurden – kurz, wenn die berühmten echten und scheinbaren Sachzwänge eine offenbar nur zu deutliche Sprache sprechen, dann gerät der Schutz von Natur und Landschaft bei anstehenden Entscheidungen nur zu schnell auf die Verliererstraße. Und das geschieht samtgemeindeweit noch viel zu oft.

Bangen und Hoffen

900 Jahre Tostedt sind auch zugleich 900 Jahre mit der Natur, für, aber auch gegen die Natur.
Die oft gehörte Polarisierung, was denn nun wichtiger sei „Mensch oder Natur", ist reine Polemik. Entscheidungen für die Natur in Abwägungsprozessen sind im Normalfall keine Entscheidungen gegen den Menschen. Sie sind kluge Entscheidungen, modern ausgedrückt: sie dienen der Nachhaltigkeit, für uns und kommende Generationen; es sind Investitionen in die Zukunft.
In diesem Sinne ist es erfreulich, dass die Gemeinde Tostedt im Jahre 2002 der Lokalen Agenda 21 beigetreten ist, die unter dem Motto steht: Global denken – lokal handeln - Nachhaltige Entwicklung in der Gemeinde im 21. Jahrhundert.
Ziele sind u.a.:

Ø Eine nachhaltige Nutzung der Umwelt und damit die Erhaltung des natürlichen Kapitals.
Ø
Die Erhaltung der Artenvielfalt, die Sicherung von Luft-, Wasser- und Bodenqualitäten, um das Leben und das Wohlergehen der Menschen sowie das Tier- und Pflanzenleben zu sichern.
Ø
Eine zukunftsbeständige Flächennutzung und eine Senkung des Flächenverbrauchs.

Hehre Ziele – doch leider handelt die Gemeinde Tostedt nicht immer nach diesem Motto.

Entscheidungen für die Natur sind gelegentlich schmerzliche Entscheidungen gegen die meist wirtschaftlich begründeten Interessen Einzelner. Natur und Landschaft hingegen als höhere, inzwischen auch massiv durch EU-Gesetze geschützte Güter dienen dem Gemeinwohl. Bereits im Grundgesetz steht : „Eigentum verpflichtet" (Art. 14.2.), und das ist eindeutig im Hinblick auf das Gemeinwohl gedacht !
Unsere Samtgemeinde und ihre Gliedgemeinden sollten aus diesem Jubiläumsjahr mit gestärktem Ehrgeiz für die Sache der Natur hervorgehen.

Wuchern wir mit unseren Pfunden, mit unseren reichen Naturschätzen, engagiert aber trotzdem sanft. Es sind unsere einzigen, neben Ackerkrume und Grundwasser.

Berechtigte Wünsche also am Ende der Feiern im Jubiläumsjahr und viel, viel Hoffnung.
Gute Voraussetzungen sind hierfür gegeben.

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Die Este - landschaftsprägend in der SG Tostedt (hier bei Bötersheim)

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Anmoorige Weide mit dem seltenen Lungenenzian - hierfür ist eine gezielte Beweidung nötig nach festen Absprachen mit dem Landwirt. In Wistedt mit Erfolg praktiziert.

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Der Waldlehrpfad im Düvelshöpen - ein Beispiel des Engagements der Gemeinde Tostedt in Sachen Natur

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Tod eines Tümpels durch Verfüllung mit Gartenabfällen - Ergebnis von Gleichgültigkeit und Ignoranz

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Der B-Plan 34 - die Degradierung einer ehemals quellnassen Bachaue zu einem naturfernen, eingezwängten Alibibach

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Der Baggersee bei Heidenau - attraktiv für Mensch, Pflanze und Tier: sanfte Nutzung ohne Bebauung sollte das Ziel sein!


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Der AKN – Die Erfolgsgeschichte des ehrenamtlichen Naturschutzes in der Samtgemeinde Tostedt
Die Sichtweise der Naturschutzbehörde im Landkreis Harburg

„Am Anfang war …" die Liebe zur Natur. Die Gründe warum sich ehrenamtliches Engagement für den Naturschutz lohnt.

Zahlen - Daten - Fakten
Lange bevor der AKN vor 10 Jahren gegründet wurde, gab es in der Samtgemeinde Tostedt eine Hand voll Leute, denen die Natur ihres Heimatortes besonders am Herzen lag. Sie waren hier aufgewachsen und hatten sich, weil es ihnen Spaß machte, in ihrer Jugend mit der Tier- und Pflanzenwelt beschäftigt. Einige von ihnen wurden Lehrer und die, die ihr Hobby zum Beruf machten, lehrten Biologie.
Die Entwicklung ihrer Umwelt beschäftigte diese Menschen auch weiterhin. Über Jahre und Jahrzehnte beobachteten sie die Natur und trugen ihre Erkenntnisse in Aufzeichnungen zusammen. Ein Vergleich dieser Aufzeichnungen über die Jahre hinweg zeigte nicht nur Erfreuliches. Beispielsweise gingen der Anteil von Hecken und die Brutpaare der Wiesenvögel zurück. Die Sorge um die Qualität der Umwelt ihres Gemeindegebietes rief die „Jäger und Sammler" auf den Plan aktiv zu werden. Im Vordergrund stand, die noch vorhandenen Naturschätze zu bewahren und Fehlentwicklungen zu beseitigen.
Dies war der Zeitpunkt, an dem die späteren Gründungsmitglieder mit den Naturschutzbehörden Kontakt aufnahmen. Das war in der Mitte der 70er Jahre. Ihr Ziel war, die hoch wertvollen und gleichzeitig empfindlichen Bereiche der Samtgemeinde Tostedt unter Naturschutz zu stellen. Dies war der Beginn einer Erfolgsgeschichte des Naturschutzes.
Innerhalb des Landkreises Harburg gehörte das Gebiet der Samtgemeinde Tostedt zu den wenig erschlossenen Arealen. Bei den Behörden war nicht viel über die Naturausstattung dieses Landstriches bekannt. Das änderte sich mit den Aufzeichnungen der Naturfreunde schlagartig. Die zunächst lose Datensammlung wurde mit der nötigen Struktur versehen. Zielkonzepte wurden erarbeitet, die Grundlage für eine Vielzahl von Schutzgebietsanträgen waren.
Diese Aktivitäten führten u. a. schließlich dazu, dass folgende Gebiete unter Naturschutz gestellt wurden:

Ø Großes Moor bei Wistedt
Ø
Kauers Wittmoor
Ø
Heidemoor bei Ottermoor
Ø
Obere Wümmeniederung
Ø
Everstorfer Moor

Die Sicherung von Naturgebieten durch förmliche Unterschutzstellung allein gewährleistet jedoch nicht das Überleben, den Fortbestand von Arten. Es ist der erste Schritt, um in Kerngebieten Lebensräume zu erhalten. Dies war auch den bis dahin noch einzeln agierenden Naturfreunden klar, die ihre Handlungen jetzt stärker auf die Pflege und Entwicklung dieser Schutzgebiete, aber auch außerhalb dieser Räume ausrichteten.
Die Arbeit einzelner mündete ab 1987 in der Gründung des Arbeitskreises Naturschutz in der Samtgemeinde Tostedt, aus dem dann 1995 der eingetragene gemeinnützige Verein wurde.

Die Bedeutung der Arbeit des AKN heute
Ohne die Arbeit des ehrenamtlichen Naturschutzes in der Samtgemeinde wäre die Unterschutzstellung der oben genannten Gebiete in so kurzer Zeit nicht möglich gewesen. Negative Veränderungen wie der Arten- und Biotopschwund wären weiter vorangeschritten.
Der behördliche Naturschutz profitiert bis heute von den umfangreichen Fach- und Gebietskenntnissen der im AKN tätigen Personen und macht sich diese insbesondere bei der Festlegung von Pflegemaßnahmen in den Naturschutzgebieten zu Nutze. Darüber hinaus wird der AKN aufgrund seiner besonderen Kenntnisse bei Pflegeeinsätzen für die Naturschutzbehörde tätig. Dies garantiert, dass die über Jahrzehnte gewonnenen Erfahrungen direkt in die Umsetzungen einfließen können, was nachweislich zu sehr guten Ergebnissen führt.
Ein Paradebeispiel: Die Entwicklung des NSG „Großes Moor bei Wistedt". Dieses Naturschutzgebiet war der erste Brutplatz des Kranichs im Landkreis Harburg. Durch gezielte Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen, wie der Einstau von Gräben zur Wiedervernässung und das Zurückdrängen von Gehölzen, konnte die Regeneration dieses Moores wieder in Gang gesetzt werden.
Mussten in der Vergangenheit immer wieder Birken und Kiefern abgeholzt werden, um ihre entwässernde Wirkung zu unterbinden, so hat das Moor heute einen Zustand erreicht, wo dies nicht mehr oder nur noch sehr eingeschränkt notwendig ist. Die Torfmoose haben sich erfreulich stark ausgebreitet und die Standortbedingungen soweit positiv verändert, dass die Birken und Kiefern zum Rückzug gezwungen werden. Das, was im „deutschen Wald" in den Schadensberichten beklagt wird, ist für ein Moor überlebenswichtig und hier mittlerweile Wirklichkeit geworden. Im NSG „Großes Moor bei Wistedt" sind die absterbenden Gehölze allgegenwärtig.
Ach ja, inzwischen brüten drei Kranichpaare im Moor. Aus dieser Keimzelle hat sich der Kranich schrittweise weiter in der südwestlichen Region des Landkreises ausgebreitet. So haben im Jahr 2004 sieben Paare dieses schönen Großvogels erfolgreich ihre Jungen aufgezogen.

Konzentrierte sich die Arbeit der Gruppe zunächst auf die wertvollen Naturgebiete, so wurden im nächsten Schritt, dem Prinzip folgend, dass alles miteinander vernetzt ist, die übrigen Bereiche „unter die Lupe" genommen. Das bereits vorhandene Datenmaterial wurde für das gesamte Gemeindegebiet gesichtet und zusammengestellt. Zielgerichtet wurden die vorhandenen Lücken geschlossen. Das Ergebnis wurde 1989 als Biotopkartierung der Samtgemeinde Tostedt vorgestellt. Neben der Information über den Zustand von Natur und Landschaft enthält dieses Werk auch Hinweise für eine Pflege und Entwicklung der Lebensräume. Diese Arbeit, die weit über das hinausgeht, was ehrenamtliche Tätigkeit in der Regel zu leisten vermag, konnte als wertvolle Grundlage für den Landschaftsplan und die Kartierung der nach § 28a Niedersächsisches Naturschutzgesetz geschützten Biotope herangezogen werden.
In der gegenwärtigen Zeit, in welcher der Naturschutz nicht mehr den gesellschaftlichen Stellenwert der 70er und 80er Jahre genießt, ist es besonders erfreulich, dass die Arbeit des AKN in der Samtgemeinde Tostedt von allen gesellschaftlichen Gruppen anerkannt wird. Dies führt dazu, dass nicht nur die oben genannte Biotopkartierung in die Konzepte der gemeindlichen Bauleitplanung mit einfließt, sondern dass bei anstehenden gemeindlichen Projekten die naturschutzfachliche Kompetenz des AKN gefragt ist.

Was ist der Grund dafür, dass diese Gruppe in ihrer Heimatgemeinde diese Anerkennung genießt? An vorderster Stelle steht hierbei sicherlich, dass die naturschutzfachliche Kompetenz mit Augenmaß in die vielfältigen Diskussionen eingebracht wird. Dies wird von den Menschen verstanden und anerkannt. Ein weiterer Punkt ist das Streben des AKN, durch zahlreiche Aktionen, über die Natur der Heimat zu informieren und sich auch mit Fragen der Kultur auseinander zu setzen. Das hierdurch geschaffene Vertrauen hat dazu beigetragen, dass der AKN auch einige örtliche Landwirte und Unternehmer zu seinen aktiven Mitgliedern zählt, so dass man ihm einseitiges Naturschutzdenken nur schwer vorhalten kann. Eine gute Grundlage um auf lokaler Ebene die unterschiedlichen Interessen auszugleichen und drohende Konflikte bereits im Vorfeld zu lösen.

Wie es zu einem solchen, heute als Win-Win-Situation bezeichneten Ergebnis kommen kann, bei der alle Interessengruppen gewinnen, soll kurz am Beispiel des Modellflugclubs Condor in Heidenau aufgezeigt werden.
Der Konflikt besteht darin, dass der Modellflugclub Condor in Heidenau seit vielen Jahren einen Modellflugplatz betreibt und im Jahr 2003 eine Aufstiegsgenehmigung für größere Flugmodelle beantragte. Das Fluggelände liegt nördlich des bereits erwähnten NSG „Großes Moor bei Wistedt", in einem Gebiet, das als Wiesenvogellebensraum von Bedeutung ist. Es war also ein Verdrängungseffekt durch den Flugbetrieb und damit ein Verlust seltener Arten zu befürchten.
Als positiv für den Naturschutz wird das Modellfluggelände selbst angesehen, dass einen ehemaligen Maisacker beansprucht und heute als großflächiger Sandmagerrasen einzustufen ist. Die extensive Mahd des Geländes und der Verzicht auf Düngergaben haben zu dieser günstigen Entwicklung geführt.

Um den Konflikt zunächst fachlich bewerten und gegebenenfalls auf lokaler Ebene lösen zu können, hatte die Untere Naturschutzbehörde den Kontakt zwischen den „Condor-Leuten" und dem AKN hergestellt. Im Meinungsaustausch war es möglich, die Bedürfnisse der Modellfliegerei und des Naturschutzes zu konkretisieren. Der AKN hatte aufgrund seiner langjährigen Beobachtungen sehr gute Kenntnisse über das Vorkommen und die Lebensweise der gegenüber der Modellfliegerei empfindlichen Vogelarten. Die Mitglieder des Modellflugclubs Condor konnten genau angeben, was zur Ausübung ihres Hobbys notwendig ist und wie der Flugbetrieb eingeschränkt werden kann um Beeinträchtigungen der Vogelwelt zu reduzieren oder ganz zu vermeiden.
Im Ergebnis wurden aus Sicht des Vogelschutzes verträgliche Flugkorridore und -zeiten festgelegt. Die alle zwei Jahre stattfindende Flugschau wurde auf einen unkritischen Zeitraum verlegt.
Der AKN hat sich bereit erklärt, die Entwicklung der Vogelwelt im Einflussbereich des Modellflugbetriebes zu begutachten. Nebenbei wurde ein Mahdkonzept für eine optimale Vegetationsentwicklung des Flugplatzes vereinbart.
Unter diesen Vorgaben wurde eine befristete Aufstiegsgenehmigung erteilt. Das Verfahren ist somit ergebnisoffen und lässt, falls erforderlich, Änderungen bis hin zu einem Verbot des Modellflugbetriebes zu. Nach Ablauf eines Jahres stimmen die Ergebnisse jedoch positiv, so dass der Betrieb in der bislang festgelegten Weise weiterhin durchgeführt werden kann.
Neben der offensichtlich funktionierenden Kooperation zwischen Modellfliegerei und Naturschutz darf ein wesentlicher positiver Effekt für den Naturschutz nicht unerwähnt bleiben. Die Gruppe der Modellflieger, die bislang dem Naturschutz zum Teil sehr skeptisch gegenüberstand, zeigt seither für diese Materie nicht nur Verständnis sondern setzt sich hiermit aktiv auseinander. Sie strebt sogar eine Patenschaft für Flächen an, die dem Vogelschutz dienen. Wenn das nicht auch etwas mit Fliegerei zu tun hat!

Ein Blick in die Zukunft
Die Geschichte des Arbeitskreises Naturschutz in der Samtgemeinde Tostedt e. V. beschreibt eine Entwicklung, die zukunftsweisend ist. Mit Blick auf die heute allgegenwärtige Situation der leeren Kassen in den öffentlichen Verwaltungen erhält ein derartiges Modell zusätzliche Bedeutung. Freiwillige Leistungen des behördlichen Naturschutzes werden bereits heute kaum noch finanziert und/oder in Zukunft ganz eingestellt. Die ehrenamtliche Tätigkeit wird dann für die Bewältigung vieler Aufgaben unverzichtbar werden. Ein derart umfassendes und fachlich fundiertes Engagement wie es vom AKN geleistet wird, ist und wird auch in Zukunft die Ausnahme bleiben. Man darf allerdings optimistisch sein, dass sich auch andere gesellschaftliche Gruppen für den Naturschutz begeistern lassen.
Hervorragende Erfahrungen hat die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises in letzter Zeit mit der Einbindung von Jugendfeuerwehren in die Naturschutzarbeit gemacht. Dies hat in vieler Hinsicht einen besonderen Charme. In den Jugendfeuerwehren trifft man auf ein gutes Potential hoch motivierter Kinder und Jugendlicher. Wenn es gelingt, diesen jungen Menschen einen Zugang zum Naturschutzgedanken zu verschaffen, werden sie motiviert sein, sich für die Naturgüter ihres Heimatortes einzusetzen. Hinzu kommt, dass die Feuerwehren in den dörflichen Gemeinden eine besonders hohe gesellschaftliche Wertschätzung genießen. Dies erleichtert die Durchsetzung von Naturschutzarbeit und führt aufgrund der vorhandenen Geräte und Logistik zu einer hervorragenden Effizienz. Dies sind Vorteile, die für die Naturschutzarbeit genutzt werden müssen.

Der Gewinn für den Natur- und Umweltschutz auf lokaler Ebene durch das ehrenamtliche Engagement von Bürgern und Vereinen liegt eindeutig auf der Hand:
Die Heimatverbundenheit, Kenntnisse der örtlichen Umweltsituation und die gesellschaftliche Akzeptanz können dazu beitragen, Interessenskonflikte auf gemeindlicher Ebene zu lösen, die Menschen stärker an die Natur heranzuführen und aktiv im Umwelt- und Naturschutz tätig zu werden.

Dieses Plädoyer für den ehrenamtlichen Naturschutz soll nicht den Eindruck erwecken, dass der administrative Naturschutz überflüssig wird. Er wird auch in Zukunft im Verhältnis zur ehrenamtlichen Tätigkeit unverzichtbarer Bestandteil des Naturschutzes bleiben. Der behördliche Naturschutz muss dafür sorgen, dass die ehrenamtlichen Aktivitäten vor Ort in ein übergeordnetes Konzept eingebunden werden.
Der ehrenamtliche Naturschutz ist eine hervorragende Ergänzung, eine tragende Säule, wenn es um die Bewältigung lokaler Naturschutzaufgaben geht.
Zukünftig stellen sich Aufgaben, die diesen bisherigen Betrachtungsraum sprengen und nur gemeinsam bewältigt werden können. Das europäische Schutzgebietssystem von Natura 2000 ist ein Beispiel dafür, dass Naturschutz nicht an Verwaltungsgrenzen halt macht und daher überregionale und auch globale Sichtweisen erfordert.

„… und der Herr sah, dass es gut war" [Die Bibel – Das erste Buch Mose]

Anschrift des Autors:
Detlef Gumz
Landkreis Harburg Abteilung Naturschutz / Landschaftsplanung
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Tel.: 04171 - 693-294

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Im Großen Moor sind absterbenden Gehölze allgegenwärtig, die Torfmoose wachsen wieder!

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Das Gelände des Modellflugvereins Condor in Heidenau

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Die Jugendfeuerwehr Handeloh beim Naturschutz-Einsatz im Büsenbachtal




[Inhalt]

 

Tatendurst und Tatkraft
Ein Rückblick auf das arbeitsreiche Winterhalbjahr

„Mensch", sagte Hermann Aldag Mitte Januar zu mir, „wir Heidenauer schaffen das Entkusseln der westlichen Torfstichkante im Everstorfer Moor noch in diesem Januar bzw. Februar; meine Leute scharren förmlich mit den Hufen, die wollen was tun !"
Abgesprochen war alles, auch mit der Unteren Naturschutzbehörde. Also nichts wie ran !

Im letzten Frühjahrsheft (1/2004) hatte ich unsere praktischen Naturschutzarbeiten des Winterhalbjahres 2003/04 unter der Überschrift Langer Atem zusammengefasst und dabei zugleich die Langzeitperspektiven für unsere Pflege- und Entwicklungarbeiten in den von uns betreuten Naturschutzgebieten umrissen. Der eine Leser oder die andere Leserin wird sich (vielleicht) noch erinnern.
Die eingangs aus dem realen AKN-Leben gegriffene kleine Szene ist schon irgendwie für den AKN und seine Mitglieder charakteristisch und damit motivierend, nicht nur für den Vorstand, sondern auch für jeden oder jede, der oder die sich zu den oft schweißtreibenden Arbeiten hinreißen lässt, ob nun (schon) Mitglied oder nicht. Begeisterung, Tatendrang und Tatkraft wirken dabei verstärkend in alle Richtungen. Sie gehören neben dem „langen Atem" daher auch als weitere tragende Säule unzweifelhaft mit zu unseren Stärken, die wir sorgsam pflegen sollten. All das ist nicht selbstverständlich!
Wenn ich jetzt Anfang März, wieder einmal auf ein wahrlich arbeitsreiches Winterhalbjahr zurückblicke und (ein viel zu nüchternes Wort) bilanziere, was wir erreicht haben in diesen 4 Monaten von Ende Oktober bis Ende Februar, dann kommt bei mir neue Begeisterung auf und sie wirkt natürlich wiederum motivationsverstärkend. Augenzwinkernd muss ich da fragen, wo soll das bloß noch hinführen!?
Der/die Einzelne draußen im Gelände, vor während und nach der Arbeit, muss schließlich innerlich überzeugt sein davon, dass wir mit diesem gemeinschaftlichen Tun etwas Sinnvolles betreiben, dass wir nachweislich und nachhaltig der Natur, besonderen oft seltenen, gefährdeten, bedrängten Lebensräumen unserer Landschaft Hilfe zur Selbsthilfe geben.
Es ist ja weit mehr als nur ein abgegriffener Satz von mir zum Abschluss eines Arbeitseinsatzes: „schaut Euch noch einmal um, die Natur wird sich hier durch (Vielfalt und Eigenart) für diese Arbeit bedanken. Immer einmal wieder herkommen und schauen – und staunen !"(Und vielleicht auch eine Betreuungsaufgabe übernehmen!? Ich glaube inzwischen wissen alle, was damit gemeint ist, sonst bitte nachfragen!)
Fast 50 Tatendurstige und Tatkräftige waren in diesem Winterhalbjahr dabei und ich möchte sie alle hier am Ende beim Namen nennen. Ohne ihren unermüdlichen Einsatz, der nun schon mehr als 15 Jahre auf hohem Niveau für uns alle erlebbar ist, wäre in diesem Winterhalbjahr natürlich „nichts gelaufen", hätte es die Kontinuität in der Umsetzung der auf Langfristigkeit angelegten Pflege- und Entwicklungspläne für unsere jahrzehntelang geschundenen, daher degenerierten und doch so einmaligen, wertvollen Schutzgebiete nicht gegeben.
Natürlich kommen zunehmend auch Arbeiten auf unseren Eigentumsflächen und auf Pachtflächen des AKN dazu. Auch diese Arbeiten folgen jeweils einem groben Plan mit sehr genauen Zielvorstellungen. Die Entwicklungspläne sind im Allgemeinen nur grob formuliert, weil nach jedem Umsetzungsschritt die Wirkungen sorgfältig beobachtet und die Pläne ggf. korrigiert werden müssen.
Es sollen ja in den von uns betreuten Landschaftsteilen/Schutzgebieten die landschaftstypischen Eigenarten wieder gestärkt, die dort angestammten Pflanzen- und Tiergesellschaften gefördert werden.
Das ist ein mühsamer Prozeß in einer rundherum intensiv ge- und z.T. übernutzten Landschaft. Daher sind die aktive Betreuung und kritische Beobachtung aller naturbelassenen Bereiche durch uns für lange Zeit noch unverzichtbar.
Gleichzeitig gilt es, die negativen Einflüsse der „Normallandschaft", wie die Grundwassersenkung, die Zerstörung von Hecken, Feldgehölzen, die wilde Entsorgung und die weitere Zerschneidung durch neue Wege und Straßen zu minimieren, den Trend umzukehren. Denn diese negativen Einflüsse wirken z.T. tief und dauerhaft in die (geschützten) naturnahen Landschaftsbereiche hinein !

Und da stehen wir nach diesem Winterhalbjahr:

Ø In der Otterheide und in einem wunderschönen von uns betreuten Nachbar-Areal haben wir unsere Arbeiten mit zwei Arbeitseinsätzen (jeweils mit Vorarbeiten unter der Woche) in diesem Winterhalbjahr (jeweils mit 10 Leuten) zunächst abgeschlossen. Da es sich hier um alte Dünenheidenkuppen und kleine feuchte Senken handelt, werden hier in 3-5jährigen Abständen kleine Entkusselungsarbeiten immer wieder nötig sein.
Das gleiche gilt für die feuchten Übergangsbereiche im NSG Ottermoor.

Ø
Auch im NSG Großes Everstorfer Moor gab es zwei Termine (jeweils mit Vorarbeiten unter der Woche). Im November 04 und im Januar 05 wurden dort die sog. „Savanne" entkusselt (mit 21 Leuten!) und die westliche Torfstichkante vom Birkenaufwuchs befreit (durch die Heidenauer Gruppe allein). Diese trocken-torfigen Pfeifengrasflächen werden in größeren Zeitabständen immer einmal wieder freigestellt werden müssen: Kranich, Sumpfohreule, Raubwürger, Kreuzotter, Schlingnatter und zahlreiche Insekten (z.B. Heuschrecken und Libellen) profitieren dauerhaft davon.
Das NSG Everstorfer Moor ist schließlich EU-Vogelschutzgebiet !

Ø
Zweimal waren wir auch im Kauers Wittmoor bei Wistedt. Am letzten Oktober-Samstag mit 13 und im Dezember mit 16 Leuten, auch hier mit intensiven Vorarbeiten („Vorsägen") unter der Woche.
Hier haben wir nach 15 Jahren erst einmal wieder „Grund hineingebracht" in die feuchten, z.T. nassen Zentralbereiche und im Bereich des trocken-heidigen Sandrückens.
In den empfindlichen Moorlilien-Arealen haben die beiden diesjährigen Zivildienstleistenden der Samtgemeinde Tostedt, Martin Kröger aus Wörme und Christian Harms aus Iddensen, wertvolle ergänzende Arbeit geleistet.
Auch im Kauers Wittmoor muss es das Ziel sein, durch regelmäßige Beobachtung dem aufkommenden Jungwuchs von Kiefer, Moor- und Sandbirke mit geringem Aufwand dann rechtzeitig „zu Leibe zu rücken".

Ø
In der Gemeinde Handeloh gab es dann noch 6 kleinere Samstag-Einsätze:

m einen mit der Handeloher Jugendfeuerwehr und ihren Betreuern im oberen Büsenbachtal. Dort wurde der stark verschattete Bachlauf vom Jungfichtendunkel befreit, eine Maßnahme, die in den Folgejahren fortgesetzt werden soll, um dem natürlichen Erlenbewuchs, den faszinierenden Torfmoosgesellschaften, den Fließgewässerlibellen u.a. wieder Chancen zur Entwicklung zu geben. Die 10 Jugendlichen waren mit großem Eifer dabei. „Man sieht was man getan hat und weiß auch warum", sagte einer.
Die Jugendfeuerwehr hat, nach Abstimmung mit der Forstwirtschaft (Herr Gamradt) und der Naturschutzbehörde (Herr Gumz) eine Patenschaft für dieses Gebiet übernommen – betreut durch den AKN.
m fünf weitere Arbeits-Samstage mit der Handeloher Gruppe des AKN, mit jeweils 8-11 Leuten. Am oberen Wörmer Weg und an der Bahnlinie Handeloh; auf der breiten Trift des Timmerloher Weges und auf der Drögen Heide.
Bei diesen Einsätzen wurden offene bis halboffene Heiden, Triften und Kleinmoore entkusselt, um den zahlreichen auf diesen Flächen seit Jahrzehnten heimischen Pflanzen- und Tierarten diese überaus seltenen Lebensräume zu erhalten. Das hier heimische vielfältige Artenspektrum reicht von der Kornweihe (Nahrungssuche), über Raubwürger, Neuntöter, Schwarzkehlchen, Heidelerche (alles Brutvögel) über Kreuzotter, Schlingnatter, Zauneidechse bis hinzu zahlreichen seltenen Schmetterlings- u. Heuschreckenarten, dem Ölkäfer und mehr als 20 gefährdete Blütenpflanzenarten.
Für einige dieser Flächen ist die abgestimmte, enge Zusammenarbeit mit dem Verein Naturschutzpark und mit der Revierförsterei nötig.
m
Schließlich gab es noch einen Arbeitstermin zum Nachlegen der Buschwälle an den von uns 2003 begründeten Benjes-Hecken am Handeloher Friedhof – auf unserer AKN-eigenen und auf der vom Nabu Buchholz gekauften Fläche.

Ø Auch die Heidenauer Arbeitsgruppe war neben ihrer Arbeit im NSG Everstorfer Moor noch an anderer Stelle tätig, und zwar auf der AKN-eigenen Fläche auf der Avenser Wiehe. Hier wurden nach vorbereitenden Säge-Arbeiten durch Yannick Lehmann und Hermann Aldag die empfindlichen Randzonen des Quellbaches vom Fichtengeäst freigeräumt.
Schon Mitte März – nach viel Schnee und Frost mit plötzlich einsetzender sehr milder Witterung – erfolgte dann noch die Aufstellung des Krötenzaunes im Bereich der Mergelgruben beim Ortsteil Knick an der L 141. 10 Tatkräftige sorgten dafür, dass die beidseitig zu erstellenden Zäune auf jeweils 200 m in 3 Stunden fest verankert waren. In guter Zusammenarbeit mit der Naturschutzbehörde des Landkreises (Herr Gumz) sorgte das Winsener Straßenbau- u. Verkehrsamt für die halbseitige Sperrung der vielbefahrenen Straße.
In einer Pflanzaktion im April werden im Bereich der von uns betreuten Flächen der Siemers-Stiftung an der Heidernauer Aue weitere Jungerlen gesetzt (Fortsetzung von Pflanzungen der vergangenen Jahre).
Ø
Schließlich sollen und müssen an dieser Stelle die verschiedenen Arbeiten der beiden schon genannten Zivis gewürdigt werden.
Neben den Arbeiten im Kauers Wittmoor haben die beiden engagierten jungen Männer mehrere Grabenschlüsse im Großen Moor gebaut, ältere ausgebessert und auch auf zwei Torfsockeln Entkusselungsarbeiten geleistet; letzteres auch auf der Drögen Heide bei Handeloh. Sie waren beim Aufstellen des Krötenzaunes am Knick dabei und haben selbständig den Krötenzaun bei Riepshof errichtet. Auch an der Trelder Moorkoppel haben sie bei der Regulierung des Wasserhaushaltes mit zugepackt !

Und das hier sind die Tatendurstigen, Tatkräftigen (wir hoffen, dass wir keine(n) vergessen haben):
Andrea Aldag, Günther Aldag, Hermann Aldag, Kalli Aldag, Stefan Amelung, Edith Birger, Werner Block, Peter Büsing, Hein Busch, Helmut Duden, Horst-Dieter Fehling, Ralf Gerlach, Harald Günther, Annette Gutenschwager, Adolf Henning, Henry Holst, Tina Hostmann, Charles v. Jurtzenka, Jutta und Reinhard Kempe, Jutta und Günther Knabe, Volker Knopf, Joachim Knüppel, Ralf Kolm, Rolf Kolm, Udo Kolm, Manfred Koslowski, Hans-Heinrich Lehmann, Yannick Lehmann, Hans-Jürgen Marquardt, Eckhard Miersch, Udo Moltzahn, Karsten Müller, Günther Neubauer, Mia Nyhuis, Torsten Peters, Bernd Risse, Peter Roocks, Hansmartin Steffens, Kai Tibke, Jens Tödter, Fritz Visarius.

Imponierend. Danke.

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Eine schlagkräftige Truppe war in der Otterheide im Einsatz

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Im NSG Everstorfer Moor wurden große Teile von unerwünschtem Birkenaufwuchs befreit

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Nach dem Arbeitseinsatz: Weite Durchblicke im Kauers Wittmoor

[Inhalt]

 

Die Kröten in Holm
Der Wanderpokal geht nach Handeloh !

In diesem Jahr war alles anders. Die Wanderungssaison am Krötenzaun an den Holmer Teichen begann ungewöhnlich spät. Während in den vergangenen Jahren bereits Ende Januar / Anfang Februar der Zaun gestellt war, mussten wir in diesem Jahr bis zum 13. März warten, um die Eimer eingraben und den Zaun fängig stellen zu können.

Aber dann ging alles gewaltig schnell: in der Nacht vom 14. auf den 15. März kam bei 1,5oC ein einziges Teichmolch-Männchen am Zaun an, in der nächsten Nacht bei etwa 5oC immerhin schon 125 Tiere und dann, in der Nacht vom 16. auf den 17. und bei ca. 12oC, 1808 (in Worten: eintausendachthundertundacht !!) Exemplare, wie gesagt, in einer einzigen Nacht. Die 1450 bzw. 560 Lurche aus den folgenden Nächten sollen nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden ...
Wahnsinn !! In drei Nächten, und das praktisch nur 48 Stunden nach Wanderungsbeginn, über 3800 Amphibien auf dem Weg in die Fortpflanzungsgewässer.

Man muss jetzt gespannt sein, wie lange die Wanderung noch anhält. In den derzeit kalten Nächten (Stand: 5.4.) passiert kaum noch etwas, aber wenn es wieder wärmer wird und regnet ...

Und noch etwas: der Wanderpokal, viele Jahre bei den Lehmann’s in Inzmühlen, geht in diesem Jahr nach Handeloh. Charles von Jutrzenka hat am Donnerstag-Morgen (17.3.) 1329 Tiere gezählt, mit tatkräftiger Unterstützung von seiner Frau und von Frau Birger. Das war drei Stunden Knochenarbeit ! Herzlichen Dank und herzlichen Glückwunsch !!

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Im Blickpunkt – unsere Heidebäche
Es liegt viel im Argen

Geballtes Fachwissen, allgemeinverständlich formuliert, handlungsorientiert aufbereitet, liegt für alle vier größeren Fließgewässer vor, die unsere Samtgemeinde durchziehen, bzw. in ihrem Zuständigkeitsbereich entspringen. Gemeint sind unsere Heidebäche Seeve, Este, Oste und Wümme, die im Bereich der SG Tostedt mit ihren Oberläufen so dicht beieinander liegen, dass ihnen „von Natur aus" eine hohe Vernetzungsfunktion zwischen den Flusssystemen Elbe und Weser zukommt – und damit der Samtgemeinde Tostedt mit ihren Gliedgemeinden eine besondere Verantwortung!

Erst im Sommer 2004 wurde in Tostedt der Gewässerentwicklungsplan Obere Oste vorgestellt. Für die Wümme (1999) und die Este (1999) liegen solche Pläne schon seit geraumer Zeit vor. Für die Seeve und fast alle wichtigen kleineren Zuflüsse zu unseren Heidebächen sind inzwischen ebenfalls Diplomarbeiten, Kleingutachten oder Bestandsaufnahmen erarbeitet worden.

So für

Ø den Hollenbeck als Zufluss zur Seeve in der Gemeinde Handeloh,
Ø
für den Kamperlienbach, den Todtglüsinger Beek als Zuflüsse zur Este in den Gemeinden Welle/Kampen bzw. Tostedt/Todtglüsingen,
Ø
für den Sprötzer und Trelder Bach, Este-Nebenbäche in der Stadt Buchholz und der Gemeinde Kakenstorf,
Ø
für den Heidloh-Bach, die Töste bzw. den Dohrener Mühlenbach (auch Zuflüsse zur Este) in den Gemeinden Tostedt und Dohren,
Ø
für den Jilsbach und den Todtgraben als Zuflüsse zur Wümme in der Gemeinde Otter, ausgearbeitet im Zuge der Erstellung des Gewässerentwicklungsplans Obere Wümme,
Ø
für die Heidenauer Aue und den Stremel als sich vereinigende Zuflüsse zur Oste in der Gemeinde Heidenau.

Alle diese aktuellen, aussagekräftigen und konkret maßnahmenorientierten Grundlagen sind den jeweiligen Gemeinden bekannt, natürlich auch den Behörden des Landkreises Harburg und den jeweils zuständigen Unterhaltungsverbänden.

Erst am 23. Februar diesen Jahres stellte in Winsen auf Einladung des Landkreises die Diplombiologin Kerstin Grabowski ihre Untersuchungsergebnisse über die Heidenauer Aue vor. Anwesend waren Vertreter aller zuständigen Behörden (Boden, Wasser, Naturschutz), Vertreter der Gemeinde Heidenau, des Oste-Verbandes, der Landwirtschaft und der örtlichen Naturschutzverbände.
Einhellige Einsichten: es liegt viel im Argen in und an der Heidenauer Aue, es gibt daher viel zu tun. Die nötigen Maßnahmen sind konkret formuliert, ihre Zahl ist überschaubar. Jetzt müssen sich alle Betroffenen „eigentlich nur noch" gemeinsam und konzentriert auf den Weg begeben, die vorgeschlagenen und fachlich anerkannten Maßnahmen schrittweise umzusetzen. Die Betonung liegt dabei auf „schrittweise", was heißen soll, das Problemlose und bereits Mögliche zuerst, wie z.B. die Umsetzung bestehender Rechtsvorschriften, und eine durchaus mögliche schrittweise Veränderung der Gewässerunterhaltung – dies
und alles Weitere selbstverständlich im Dialog mit den Eigentümern der anliegenden Flächen.
Die Oste und alle anderen Bäche sollen (und müssen!) gesunden, die EU-Wasser-Rahmenrichtlinie verlangt es unmissverständlich (Gott sei Dank!) von uns. Sie gilt seit dem Jahr 2000 und ist in nationales Recht umgesetzt. An der Oste gibt es also auch viel zu tun. Aber unsere kleinen Flüsse können nur genesen, wenn auch ihre Nebenbäche wieder intakt sind. Die Sandfracht z.B. der Oste kann nicht wesentlich gemindert werden, wenn nicht die Sandfracht ihres gesamten Einzugsgebietes verringert wird: Also auch die der Heidenauer Aue!
Hier schließt sich der Gedankenkreis, es ist eben alles miteinander vernetzt!

In Winsen wurde am 23.2.2005 (nach einigem Zögern und mit reichlich Bedenken) dann tatsächlich (verhalten) beschlossen, sich „auf den Weg zu begeben". Ein Anfang, dem nun Taten folgen müssen. Da der AKN mit eingebunden ist, werden wir den sicherlich langjährigen Prozess der Umsetzung konstruktiv und kritisch begleiten.

An vielen Strecken unserer Heidebäche ist in den letzten 10 Jahren bereits Wichtiges zu ihrer Verbesserung geschehen. Beispielhaft soll über die Maßnahmen an der Este im Folgenden ausführlicher berichtet werden:

1. Vorab
In den vergangenen Jahrzehnten ist dank verbesserter Abwasserreinigung das Wasser vieler Bäche und Flüsse wesentlich sauberer geworden. Die Artenzahl und die Besiedlungsdichte von Wirbellosen und Fischen zeigen aber, dass der „Gewinn" nicht der Höhe des Einsatzes entspricht: Die mögliche Lebensvielfalt wird nicht annähernd erreicht. Das heißt, viele Fließgewässer leiden nach wie vor unter einer zu harten Gewässerunterhaltung. Ihre Qualität als Lebensraum ist erbärmlich. Die meisten unserer Fließgewässer haben heute eine Form, die durch den ursprünglichen Ausbau gar nicht hergestellt wurde – sie sind zu breit und oft auch zu tief geworden. Insbesondere fehlt ein naturnaher Gewässergrund mit Hartmaterialien – Steinen, Totholz, Wurzeln – weitgehend. Zusätzliche Probleme entstehen aus der heute vielfach überhöhten Erosion, deren Sandmassen Lebensräume begraben und bei Hochwässern wie ein Sandstrahlgebläse wirken.
Oft können aber die physischen Verhältnisse in den Gewässern bereits mit geringem Einsatz so verbessert werden, dass gute Lebensraumverhältnisse für Fische und Kleintiere entstehen. Nach dem Realisieren solcher Maßnahmen zeigt sich dann, dass die hohen Geldbeträge für die Abwasserreinigung wirklich sinnvoll ausgegeben wurden.

2. Der gute Gewässerzustand
2.1 Beispiel: Die Forelle – ein Indikator für gute Bäche
Unsere Fließgewässer werden nach ihrer Besiedlung mit Fischen von der Quelle bis zur Mündung ins Meer in so genannte Fischregionen gegliedert. Einer quellnahen, fischfreien Strecke („Salamander-Region") folgt die in die Forellen- und Äschen-Region geteilte Salmonidenregion. Daran schließt sich die Cyprinidenregion (Barben- und Brassen-Region) an. Der Brackwasserbereich wird als Kaulbarsch-Flunder-Region bezeichnet.
Da einerseits die Bäche und kleinen Flüsse den Hauptteil unserer Fließstrecken ausmachen (Bild 2) und andererseits in den oberen Bach- und Flussregionen viele Fischarten auch darunter folgender Regionen ihre Eier ablegen, wird die Forelle im Folgenden als ein Indikator für lebendige Fließgewässer genutzt. Gut ausgebildete, altersgestaffelte Populationen stehen für hohe Lebensraumvielfalt im Längs- und Querprofil des Gewässers: Windungen, Rauschen, Kolke, eine Vielzahl von Verstecken.
Die Bachforelle bewohnt unsere Bäche und die oberen Flussstrecken, die sogenannten sommerkühlen Fließgewässer. In kleinste Quellbäche steigt sie auf und legt ihre Eier dort. Hier wachsen – ungefährdet durch größere Artgenossen – die Jungfische heran. Auch im Sommer gelegentlich trocken fallende Bachstrecken können produktive Kinderstuben sein (Madsen & Tent 2000). Wird den Fischen ihr Lebensraum zu klein, ziehen sie in abwärts gelegene Strecken. Soweit die Forelle nicht in ihrem Geburtsgewässer bleiben möchte, wandert sie in ein abwärts gelegenes großes Stillgewässer oder ins Meer und wird See- bzw. Meerforelle genannt. Sie kehrt als Erwachsene zurück, um sich in ihrem Geburtsbach fortzupflanzen. Auf Grund dieser Lebensweise kann sie wie der Langdistanzwanderer Lachs hervorragend als Indikator für den großräumigen Zustand des Gewässersystems genutzt werden.

3. Verbesserungen an der Este
Im Folgenden wird über den Geestbereich der Este berichtet, einen der unzähligen sommerkühlen Bäche Nordniedersachsens, deren Potential als Salmonidengewässer und Leitbild mit Schwerpunkt Kies-geprägtes Fließgewässer vielen Menschen so lange verborgen blieb . . .
Verhandlungen mit dem Unterhaltungsverband und der Unteren Wasserbehörde ermöglichten das schrittweise Restaurieren dieses Bereichs.
3.1 Erste Schritte
Ausgehend von einer zerstörten Strecke im Bereich Welle konnten in mühsamen Einzelverhandlungen nach und nach kleine Verbesserungen erreicht werden. Auf der Grundlage bekannter Techniken, die seit langem erfolgreich in den USA, Kanada und z.B. Skandinavien angewandt wurden, lag der Schwerpunkt dieser von Volkshochschulgruppen, Mitgliedern aus Angler-, Heimat- und Naturschutzvereinen getragenen Maßnahmen im Anlegen von Rauschen aus Geröll und Kies (Bild 3) und dem Anpflanzen des standorttypischen Erlensaums. Das Steinmaterial stellen Landwirte aus der Nachbarschaft zur Verfügung – den Steinreichtum der Landschaft kann man jeden Herbst auf den Äckern erkennen: „Die Steine wachsen aus dem Boden".
Diese kleinen, beispielhaft wirkenden Arbeiten fanden ihre Würdigung in Veröffentlichungen des Landes Niedersachsen (Gaumert 1986, Rasper et al. 1991). In den damals durchweg wegen harter Gewässerunterhaltung zu tief und zu breit geratenen, wie Sand- und Schlammwüsten aussehenden Bachoberläufen bewirkten sie wahre Wunder. In den Folgejahren zeigte sich, dass bereits durch konsequentes Anlegen solcher für Kieslaicher geeigneten Laichbetten insbesondere das Bachneunauge stark gefördert wurde. Waren vorher jahrzehntelang laichende Tiere nur ausnahmsweise zu beobachten, sind inzwischen etwa Mitte April Dutzende bis Hunderte Bachneunaugen auf den Kiesbänken anzutreffen. Die zahlreich die Geröllstrukturen besiedelnden Wirbellosen und die nun vor dem „Sandstrahlgebläse" winterlicher Hochwässer dort geschützten Wurzeln der Wasserpflanzen bewirken eine Belebung des Gesamtsystems.
3.2 Der Gewässerentwicklungsplan – systematische Grundlage für eine gute Zukunft
Einen wesentlichen Entwicklungsschritt hin zur Betrachtung des Este-Systems einschließlich der umgebenden Nutzungen brachte der Gewässerentwicklungsplan Este (Tent 1999). Der hierin enthaltene Maßnahmenkatalog (Planula 1999) wird seitdem schrittweise umgesetzt. Ganz wesentlich für die kooperative Erarbeitung der Inhalte war das gemeinsame Kennenlernen der Probleme, ihrer Ursachen und oft leicht umsetzbarer Verbesserungsmöglichkeiten. Die Teilnehmer lernten, die sie umgebende Landschaft, neu zu sehen (Bild 4/5).

4. Beispiele für Maßnahmen 1 – Veränderungen in der Unterhaltungspraxis
Die folgenden Beispiele stammen im Wesentlichen aus dänischer Unterhaltungspraxis und sind dort seit langem in der Fortbildung von Gewässerunterhaltern bewährt. Sie zeigen an praktisch erprobten Maßnahmen, wie Bäche und kleine Flüsse bis ca. 10 m Breite so verbessert werden können, dass eine gute Lebensraumqualität für standorttypische Fische und Kleinlebewesen erreicht wird (Madsen & Tent 2000, Tent 2001, 2002).
4.1 Verstecke, Unterlassen von Zerstörungen
Ohne den Wasserabfluss zu verschlechtern, kann man eine Vielzahl von Verstecken ermöglichen. Je mehr es im Gewässer gibt, desto mehr Tiere können dort leben, da jedes sein „privates" Territorium benötigt. Vor allem müssen die natürlich entstehenden Verstecke im Bach erhalten bleiben. Sie dürfen nicht bei Unterhaltungsarbeiten zerstört werden. Hier kann die schonende Pflanzenmahd wesentlich helfen, s.u. Überhängende Uferpflanzen sind mindestens an einer Uferseite zu erhalten. Oft genug ist das Mähen der Uferböschungen völlig überflüssig und verursacht neben Schäden nur Kosten.
Baumwurzeln am und im Wasser, überhängende Uferpartien und größere Steine sind weitere, wichtige Verstecke, die erhalten und gefördert werden müssen. Zumindest für die „Kinderstuben" gilt für das Einbringen sogenannter Störsteine: 2-4 Steine = 1 Forelle. Für Jungfische ist es darüber hinaus wichtig, dass Uferpartien mit flachem Wasser vorhanden sind.
Sehr viel erreicht man also bereits bei der Umstellung auf schonende Gewässerunterhaltung.
4.2 Schonende Mahd von Wasser- und Uferpflanzen
4.2.1 Pflanzen und ihre Bedeutung für den Lebensraum
Massenwachstum und damit störende Auswirkungen entstehen meist dann, wenn das Licht ungehindert bis auf den Gewässergrund vordringen kann. Dies ist der Fall, wenn der standorttypische Erlensaum bzw. der Erlenbruchwald fehlt. Angepasst an die Pflanzenarten muss die Gewässerunterhaltung zweckmäßig einsetzen, um Teufelskreise mit weiterer, übermäßiger Vermehrung und daraus folgenden Problemen zu vermeiden. Wasser- und Uferpflanzen können – bei angepasster, minimierter Gewässerunterhaltung – dabei mitwirken, einen guten Gewässerzustand zu erreichen. Viele Arten sind wahre Wasserbaumeister.
Durch Ausbildung von Pflanzenpolstern schaffen die Unterwasserpflanzen einen vielfältigeren Lebensraum. Ihre Polster und Inseln zwingen das Wasser in Stromrinnen und so strudelt hier der feste Gewässergrund frei. Diese durch Steine und Kies gekennzeichneten Rinnen sind hervorragende Nahrungs- und Laichräume für Bachorganismen. In den Pflanzenpolstern selbst herrschen unterschiedliche Strömungsbedingungen bis hin zu totaler Strömungsruhe (Bild 6). Durch die verschiedenen Verhältnisse können besonders viele Arten ihren jeweiligen Kleinlebensraum finden.
Uferrandpflanzen
wachsen im Übergangsbereich zwischen dem Gewässer und dem trockenen Ufer. Viele dieser Arten haben eine große Bedeutung für das Fließgewässer. Die hohen Gräser und Röhrichte bilden ein dichtes Wurzelnetzwerk aus, das einen guten Uferschutz bewirkt. Übermäßige Seitenerosion, deren abgetragener Boden abwärts gebaggert werden müsste, können sie effektiv verhindern. Zum Sommer hin bewirken die Pflanzen des Gewässerrandes eine Beschattung des Wasserlaufes und verringern so übermäßiges Wachstum der Wasserpflanzen. Insbesondere für Insekten und Vögel spielen die Randpflanzen eine bedeutende Rolle.
4.2.2 Schonende Mahd
Damit ein guter und abwechslungsreicher Lebensraum entsteht, mäht man die Pflanzen zweckmäßigerweise so, dass sich eine gewundene Stromrinne ausbildet, die nicht breiter als 2/3 der Gewässerbreite am Boden ist. Einzelne zusätzliche Pflanzenpolster können gern mittig stehen bleiben. Die Pflanzenmahd soll nicht den Wurzelbereich stören. Arten wie Hahnenfuß und Wasserstern sind gut für den Lebensraum Bach und sollen möglichst nicht angetastet werden. Wasserpest und Igelkolben sollen so geschnitten werden, dass die Stromrinne das Wasser konzentriert. Durch die entstehende turbulente Strömung wird abgelagertes Feinmaterial zur Seite gestrudelt und vorhandene Kiese und Steine werden freigelegt. Diese sind wichtige Bestandteile lebendiger Bäche und dürfen nicht entfernt werden. Eine schonende Pflanzenmahd erfolgt am besten per Hand mit einer Sense oder Motorsense.
Bei hohen Abflussmengen fließt das Wasser frei über die Vegetation hinweg. Mittlere und geringe Wassermengen, wie sie in der meisten Zeit des Jahres normal sind, konzentrieren sich in der Stromrinne (Bild 7 und 8). Dadurch wird sowohl eine turbulente Strömung im Bach, die eine gute Sauerstoffversorgung sicherstellt, als auch eine günstige Beschaffenheit des Bodens erzielt. In einem solchen Bach besteht sowohl in wie hinter den Pflanzen Strömungsschatten, der sowohl für Fische wie Kleinlebewesen hervorragende Aufenthaltsmöglichkeiten schafft.
Besonders günstig wirkt sich die Förderung eines bachbegleitenden Erlensaums aus, der übermäßiges Wachstum von Wasser- und Uferpflanzen behindert. Die Ufermahd kann auf das absolute Minimum beschränkt werden – so sie überhaupt notwendig ist. Schatten spendende Büsche und Bäume sollen gar nicht angetastet werden. Wenn die Mahd wirklich erforderlich sein sollte, bleiben die unteren 20-40 cm über der Wasserlinie ungemäht. Andere zu bewahrende Verstecke sind im Wasser flutende Baumwurzeln (meist Erlenwurzeln, s. Kap. 2), unterspülte Uferpartien und große Steine.
4.3 Für Organismen aufwärts wie abwärts passierbare Sandfänge
Noch wird durch nicht ordnungsgemäße Landwirtschaft ein Vielfaches der natürlichen Erosionsmenge in Gewässer eingetragen. Dies ist dringend beim Verursacher zu stoppen, da hierdurch wichtige Lebensraumstrukturen im Gewässer durch Sand und Schlamm verstopft und überdeckt werden. Zudem muss der Steuer- oder sonstige Beitragszahler die völlig unnötig entstehenden Kosten für die Baggerung dieser Bodenmassen an anderer Stelle tragen. Da Boden das Kapital der Landwirtschaft ist, sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, den heutigen Verlust schnellstens zu minimieren. – Für eine Übergangszeit, oberhalb besonders empfindlicher Strecken vielleicht dauerhaft, müssen Sandfänge angelegt werden, um die Schäden nicht über die gesamte Gewässerstrecke wirksam werden zu lassen (Bild 9). Bloße Aufweitungen, an denen gelegentlich gebaggert wird, sind allerdings keine Lösung: wandernde und verdriftende Organismen verlieren die Orientierung oder sogar ihren Wanderkorridor, soweit sie den Porenraum kiesiger und steiniger Sohlen benötigen. Die Lösung ist einfach und muss nicht allzu teuer sein: Neben den Sandfang wird ein rauer Bachlauf für Niedrig- und Mittelwasser angelegt. Der eigentliche Sandfang wird bei höheren Wasserführungen überströmt, die die Hauptmenge des Erosionsmaterials transportieren (Bild 10).
Wichtig ist, den Sandfang frühzeitig zu räumen, bevor er gefüllt ist. Ansonsten würden die gesammelten Sedimente schlagartig ins Unterwasser frei gesetzt. Auch muss die Funktion im Hinblick auf die Durchwanderbarkeit kontrolliert werden.

5. Beispiele für Maßnahmen 2 – Restrukturieren von Bächen
Parallel zu veränderten Praktiken in der Gewässerunterhaltung müssen aktiv Schritte zur Lebensraumverbesserung greifen. Grundlage ist dabei die Beobachtung, dass sich ein natürliches Gewässer in einer bestimmten Abhängigkeit von seiner Breite winden möchte. Alles Arbeiten gegen diese Dynamik wird außer Kosten und ggf. Folgeschäden wenig bewirken.
Stichworte für solche Maßnahmen sind: wechselseitiges Einengen überbreiter Bäche (Bild 11/12), Anlegen von Laichbänken (Bild 13), Anlegen von Gewässerrandstreifen, ggf. mit Anpflanzen von Bäumen, Anlegen erosionssicherer Viehtränken, Umbau von Abstürzen, Verbessern von verrohrten Überfahrten, Durchgängigkeit an Brücken (Bild 14) herstellen, verrohrte Strecken öffnen, Drän-Einleitungen verbessern, die Gewässer-Verockerung verringern.
Die dargestellten Maßnahmen können bei Interesse jederzeit an der Este besichtigt werden.

Auch an Seeve und Wümme, an der Töste, dem Dohrener Mühlenbach haben erste Maßnahmen gegriffen. Am Todtglüsinger Beek wird seit 2004 zusammen mit der Firma Vorwerk saniert, am Todtgraben demnächst als Ausgleichsmaßnahmen zur Otterer Flurbereinigung.
Auch auf einer kurzen Strecke an der oben bereits erwähnten Heidenauer Aue im Bereich der Flächen der Edmund Siemers-Stiftung können die Strukturverbesserungen und die Belebung des Baches besichtigt werden. Durch Umstellung auf Handräumung und durch erste Erlenpflanzungen am Gewässerrand hat sich die Strukturgüte = der Lebensraum innerhalb weniger Jahre um 2 Klassen fast auf die Zielmarke „gut" entwickelt. Die erzielten positiven Ergebnisse ermuntern zur Fortsetzung dieser Maßnahmen.

Kein Anlieger an unseren Bächen und erst recht kein Offizieller aus Verwaltung und Politik kann sich heute noch mit Unwissenheit herausreden. Schäden, wie sie erst vor kurzem beim Ausbau des Heisterbeks in Todtglüsingen billigend in Kauf genommen wurden und Zerstörungen gewachsener Uferstrukturen wie sie jüngst (in und an der oberen Este bei Cordshagen, allen besseren Erkenntnissen zum Trotz, zu besichtigen waren, sind nicht mehr entschuldbar.

Fazit noch einmal: wir kennen die Langzeit-Schäden, wir kennen ihre Ursachen, wir haben das notwendige Wissen, handlungsorientiert aufbereitet, um die Schäden und Defizite an und in unseren Fließgewässern zu verringern und schrittweise zu beseitigen.
Wir haben – besonders durch die seit mehr als 10 Jahren an und in der Este durchgeführten Maßnahmen mittlerweile viele wertvolle Erfahrungen sammeln können, wir sehen die positiven Folgen für die komplexe Bach-Lebensgemeinschaft. Neue rabiate Eingriffe kann die Gesellschaft nicht mehr akzeptieren. Nutzen wir also in unserer Samtgemeinde das vorhandene Wissen, die vielfältigen Kompetenzen in den Wasser-Verbänden, Gemeinden, im ehrenamtlichen Naturschutz und fordern wir dabei die Unterstützung von Politik und Verwaltung auf allen Ebenen ein!
Der Titelsatz der uns allen seit Jahren bekannten kleinen Broschüre hat nach wir vor aktuelle Gültigkeit: Unsere Heidebäche brauchen (weiterhin unsere) Hilfe!

1aue.jpg (99625 Byte)Bild 1: Die Heidenauer Aue wartet auf unsere Hilfe, damit sie sich wieder selbst helfen kann

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Bild 2: Die Bäche und kleinen Flüsse stellen die längsten Strecken unsere Fließgewässersysteme. Was in ihrem Einzugsgebiet geschieht, hat oft Konsequenzen bis ins Meer.

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Bild 3: Meerforellenlaichbett in neu angelegter Rausche aus Geröll – Sauerstoffmessung im Porenlückenraum

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Bild 4: Erosion durch nicht angepasste Landwirtschaft, oft bereits im obersten Einzugsbereich beginnend, stellt eins der Hauptprobleme unserer Gewässer dar

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Bild 5: Positives und Negatives erkennen – hier verhindern zwei scheinbar kleine Abrisse die Durchgängigkeit vollständig. Der seit längerer Zeit im Bach liegende Baum, inzwischen mit allerlei Pflanzen „getarnt", verbessert durch die Einengung die Bachstruktur.

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Bild 6: Auch der Hahnenfuß ist eine charakteristische Pflanze, die von der Gewässerunterhaltung geschont werden muss. Nach der Blüte bildet er sich zurück und behindert den Abfluss nicht.

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Bild 7: Stromrinnenmahd, schematisch, nach Gewässerentwicklungsplan Este (1999)

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Bild 8: Die sommerliche Stromrinnenmahd in dichtem Wasserpest-Bestand hat eine dauerhafte Konzentration des Niedrig- und Mittelwassers bewirkt. Die Pflanzenwurzeln schützen nun auch im Winter das Ufer vor Erosion, wo früher der Gesamtquerschnitt in Bewegung war.

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Bild 9: Streckenhafte Sandbaggerung zerstört unnötig Gewässerlebensräume

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Bild 10: Der für wandernde Organismen passierbare Sandfang

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Bild 11: Einzuengende Gewässerstrecke – die früheren Fischunterstände unter den Erlenwurzeln sind sandüberdeckt

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Bild 12: Vom Sandkanal zum Paradies – Obwohl dynamischer und turbulenter ist der strukturierte Bach sehr viel stabiler als sein lebensfeindlicher vorheriger Zustand

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Bils 13: Eine gerade von Bachneunaugen genutzte Laichbank

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Bild 14: Die Weller Estebrücke (B3) nach dem Umbau: „Laufstege"(Bermen) an den Ufern und ein standorttypischer Gewässergrund ermöglichen die Durchwanderbarkeit für alle Organismen

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Bild 15: Der Heisterbek, potentieller Laich- und Aufwuchsbach für Bachneunaugen und -forellen im Este-System – hin- statt hergerichtet

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Bild 16: Die Goldbek – optimal restrukturierter Laichbach im Este-System

[Inhalt]

 

„Die Töster Viehtrift blüht auf“
Das AKN-Projekt zur 900-Jahr-Feier der Gemeinde Tostedt

Unser Info-Flyer zu diesem Projekt ist allen Mitgliedern bereits mit dem letzten Mitteilungsheft im Dezember 04 zugegangen. Zwei weitere Flyer wurden entwickelt: einer mit genaueren Informationen zur ökologischen Bedeutung von Obstwiesen, Obstbäumen und zur Pflanztechnik, dazu Angaben zu einzelnen für unsere Region geeigneten Hochstamm-Sorten.
Ein zweiter als Aufruf an interessierte Bürger, sich als „Pflegepaten" für einzelne Bäume zu engagieren. In diesem Falle gehört dann auch eine Patenschafts-Urkunde dazu.
Alle drei Flyer liegen im Rathaus in Tostedt aus und können auch direkt bei uns angefordert werden. Die Konkretisierungsphase des Projektes brachte in den Wintermonaten noch allerhand Arbeit mit sich, mit einem durchaus erfreulichen Kernergebnis: Die Kosten für die ca. 50 von uns auf zwei Flächen zu pflanzenden Bäume werden durch eine Ausgleichsmaßnahme gedeckt, die der Betreiber eines Funkmastes im Raum Tostedt zu leisten hat.
Hier gab es eine sehr konstruktive Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde Tostedt (Frau Bolz), der Samtgemeinde, der Unteren Naturschutzbehörde in Winsen (die Herren Böttcher und Brackelmann), dem Betreiber und dem AKN.
Für die Fichtenplantage auf der kleine Fläche an der Quellener Straße mussten wir allerdings einen Antrag auf Waldumwandlung stellen . Das braucht natürlich Zeit. Daher werden wir dort erst im Herbst die vorgesehenen 25-30 Obstbäume setzen können.
Vielen Dank auch an dieser Stelle an Sven Juulsgard aus Wistedt, der uns diese Fläche kostenlos und langfristig verpachtet hat !
Geklärt waren seit langem die Verhältnisse an der Trift im Bereich des Naturschutzgebietes „Kauers Wittmoor". Mit dem Eigentümer der Fläche, Herrn Heiner Maack aus Wistedt, wurde ein langfristiger Flächenentwicklungsvertrag abgeschlossen. Der AKN hatte für diese ca. 80x40 m große Fläche erhebliche Vorleistungen erbracht bei der Beseitigung der dort neben Mietenresten gelagerten alten Autoreifen.

Auf eben dieser von uns „gesäuberten" ehemaligen Mieten-Fläche am Nordrand des kleinen Schutzgebietes haben wir nun am 9.April die vorgesehenen 25 Obstbäume gepflanzt, zweireihig entlang der Trift (des Weges).
Und das war mal wieder so ein rechter, schöner AKN-Einsatz mit 22 hochmotivierten Leuten.
Nach sorgfältiger Planung und umsichtiger Vorbereitung, vor allem durch Karsten Müller, wurden an diesem kühlen aber trockenen Samstagmorgen 25 Jungbäume gepflanzt, zwischen zwei Pfählen sorgfältig und fachgerecht angebunden, am Stamm mit Verbissschutz versehen und gut gewässert. Learning by doing für die meisten von uns, aber streng gemäß den Regeln des Faches !
Mit Hilfe von zwei Traktoren wurden die Pflanzlöcher grob vorbereitet, alte landwirtschaftliche Planen aus dem Boden ans Licht gezogen und entsorgt, sowie eine Gras-Wild-Blumenmischung auf der Fläche ausgebracht. Dank in diesem Zusammenhang auch an den ortsansässigen Jagdberechtigten, Hajo Willmann, für seinen Einsatz ! Nach gut drei Stunden war alles geschafft. Nun hoffen alle auf ein erfolgreiches Anwachsen und Gedeihen der Bäume, betreut von ihren individuellen Paten und allen, die weiterhin für die nötige Wässerung und Pflege sorgen werden.
Claus Bohling konnte parallel zu all‘ den eben genannten Bemühungen auch die Wistedter Gemeinde für dieses Projekt gewinnen. Es entstand gleichsam ein kleines eigenständiges Wistedter Projekt daraus für die 2-3 Pflanzorte zwischen den beiden von uns betreuten an der Quellener Straße und am Rand von Kauers Wittmoor, nahe der B 75.
Die Freiwillige Feuerwehr Wistedt wird unter Leitung von Claus Bohling dort entsprechende Obstbaumpflanzungen vornehmen und auch eine Bank aufstellen. Ein Anfang wurde von den Wistedtern bereits am 2. April gemacht.
Als Werbung für unser Projekt wurden von uns zwei farbige Poster entwickelt, die auch im DIN A4-Format vorliegen und auf der Hauptversammlung verteilt wurden. Sie können bei uns auch angefordert werden. Das Motto auf einem der Poster:

Obstbäume –

Blütenträume –

Lebensräume

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Mit vereinten Kräften wurden die ersten Obstbäume an der Töster Viehtrift gepflanzt



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Mit Spaten und Säge fürs Vaterland
Zwei Zivis berichten von ihrer Naturschutzarbeit

Wir, Martin Kröger und Christian Harms, leisten zur Zeit unseren Zivildienst in der Samtgemeinde Tostedt ab. Den Dienst als Staatsdiener traten wir am 2 August, direkt nach dem Erlangen des Abiturs, an.

Für den Bereich Umwelt und Naturschutz haben wir uns entschieden, da wir beide die Arbeit in der Natur und an der frischen Luft genießen und schätzen.

Als Grundlage für den Spaß an der Arbeit muss ein gewisses Grundinteresse an der heimischen Fauna und Flora vorhanden sein, das brachten wir mit. Die Tätigkeit in den Mooren (Kauers Wittmoor, Großes Moor und Ottermoor) bestand hauptsächlich in dem Bau von Dämmen, um der Entwässerung entgegen zu wirken, sowie im Entkusseln.

Für den Dammbau mussten zwei Reihen Birkenpflöcke in den Entwässerungsgraben getrieben werden. Der Zwischenraum wurde dann mit Grasssoden und einer mittig verlaufenden Teichfolie versiegelt. Da keiner von uns einen Motorsägenschein besitzt, mussten wir mit Bügelsäge und Beil zum Anspitzen ans Werk gehen. Die Pflöcke wurden dann mit einem „Lehmann" in den manchmal erstaunlich festen Moorboden getrieben.

Im Ottermoor entstanden derart zwei Dämme, im Großen Moor zwei Dämme und drei alte wurden erneuert bzw. verstärkt. Außerdem haben wir noch mehrere Teilflächen im Kauers Wittmoor und im Großen Moor entkusselt und bei dem Aufstellen von den Krötenzäunen mitgewirkt.

Der Sinn und Zweck unserer Arbeit wurde uns dann häufig direkt von der Natur gezeigt. Als Hauptperson wäre hier der Kranich zu nennen, der uns immer wieder mit seinen Rufen und seiner Erscheinung viel Freude bereitet hat. Zu erwähnen wäre noch, dass wir fünf Sumpfohreulen versehentlich hochgeschreckt haben, die das Große Moor wahrscheinlich als Winterquartier nutzten. Die Waldschnepfe, der mysteriöse Ruf des Schwarzspechtes, die Kornweihe, der Singschwan sowie der Raubwürger sind uns zu Gesicht bzw. zu Gehör gekommen.

Im Sommer vergangenen Jahres verbreiterten wir einen Abschnitt der Töste, der stark zugewuchert war. Bei dieser Gelegenheit haben wir auch die natürliche Schlängelung des Baches heraus gearbeitet. Durch Rauschen und durch die genannte Schlängelung haben wir die Dynamik des Baches verbessert, um so einer Versandung entgegen zu wirken und vielseitigen Lebensraum für Kleinstlebewesen zu schaffen.

Ferner haben wir während unserer Dienstzeit noch den Naturlehrpfad im Düvelshöpen instand gesetzt. Die Informationstafeln waren ein häufiges Opfer des Vandalismus. Doch nach der Reparatur hatte die Zerstörungswut der Vandalen glücklicherweise ein Ende.

Abschließend können wir ehrlich sagen, dass die Arbeit mit dem AKN und besonders mit Herrn Kempe Spaß gemacht hat und gezeigt hat, dass die Maßnahmen wirklich nützlich sind.

Wir bedanken uns für die Möglichkeit mitgewirkt haben zu können.

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Dammbau zur Wasserregulierung im Moor

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Die Naturschutz-Zivis Christian und Martin an der Trelder Moorkoppel: Regulierung des Wasserstandes im Kleinmoor



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Kleine Kostbarkeiten
Die Goldnessel

In loser Folge möchten wir gerne einige der kleinen Gedichte von Gisela Ernst in unserem Heft ausdrucken und damit wenigstens einem kleinen naturverbundenem Publikum zur Kenntnis bringen. Ich meine, diese auf feiner, differenzierter Naturbeobachtung geborenen Miniaturen haben dies verdient.
Gisela Ernst starb bereits 2001 im Alter von 73 Jahren. Sie war Lehrerin für Mathematik und Biologie an einem Hamburger Gymnasium und hatte einen kleinen Sommersitz in Höckel. Im Laufe ihrer zweiten Lebenshälfte und vor allem nach ihrer Pensionierung erarbeitete sie sich mit Akribie und Ausdauer das schwierige Reich der Flechten. Sie erwarb sich auf diesem Gebiet deutschlandweite Anerkennung.
1997 brachte der Botanische Verein zu Hamburg ihre Flechtenflora des Landkreises Harburg heraus.
Diese wichtige Arbeit wie auch ihr gesamtes Wirken weist Gisela Ernst als eine engagierte Naturschützerin aus.
Gisela Ernst hat vielen ihrer Freunde und Bekannten einen reichen Schatz an „Grußkarten aus der Natur" hinterlassen, denn neben ihrer anerkannten wissenschaftlichen Arbeit zur Biologie und Verbreitung der Flechten hat sie auch wunderbar filigran gezeichnet, gemalt und Gedichte geschrieben. Eine solche Grußkarte aus den Alpen oder aus der Heide war im typischen Falle dreiteilig: ein gezeichnetes oder gemaltes Pflanzenporträt, oft auch mehrere Arten dicht gedrängt, wenn sie so draußen in der Natur anzutreffen waren; ein kleines Gedicht dazu und schließlich eine kurze wissenschaftliche Charakterisierung der künstlerisch dargestellten Pflanze(n).
Leider lassen sich die gemalten Pflanzenminiaturen im Schwarz-Weiß-Druck unserer Hefte oft nicht adäquat wiedergeben, so dass wir eigene Fotos oder Schwarz-Weiß-Abbildungen der „bedichteten" Pflanze(n) einfügen werden.

Die Goldnessel

Goldnessel = Lamium galeobdolon Crantz
Die Blütensprosse sind sommergrün, die Ausläufer überwinternd grün. Die Spreite besonders der überwinternden Blätter sind oft weiß gefleckt und unterseits rot überlaufen. Die Rotfärbung soll die Wärmestrahlung des Erdbodens für die Pflanze nutzbar machen. Die "Silberflecke" entstehen durch Abheben der Oberhaut von den darunter liegenden Palisadenzellen, was ev. einen Schutz gegen Wärmeverlust durch Strahlung bedeuten kann. Nach Standort und Jahreszeit variiert das Aussehen der Pflanzen stark.
Die Blüten sitzen in 6-10-blütigen Scheinquirlen in mehreren Stockwerken übereinander. Die Blütenkronenröhre ist innen mit einem Haarring versehen, der den Eingang zum nektarabsondernden Blütengrund für kleine Insekten versperrt, so daß nur Hummeln mit ihren langen und kräftigen Rüsseln hindurchdringen können.

Þ
Hummelniettel, Hummelsauch.

Zähl, ob ein Hochhaus der Goldnesselstadt
hundert erleuchtete Fenster hat.
Postbotin trägt im braunpelzigen Rock
Pollen vom ersten bis siebten Stock.
Hastig an sperriger Klingel gezogen,
schlüpft sie schon unter den goldenen Bogen.

Rötliche Streifen lenken ihr Tun,
Nektarduft läßt sie nicht rasten noch ruhn,
zwängt ihren Rüssel zur Küche vor,
brummte der Nessel ins taube Ohr:
„Herzlichen Dank für die köstliche Speise,
bring sie den Kindern mit heim von der Reise“.

Vier feste Pfeiler heben das Haus
hoch über blättrige Grundmauern raus,
runzlig vom Alter und silbern gefleckt,
tiefroter Sammet ist drunter versteckt.
Schutz geben scharfe, borstige Haare.
So wächst die Stadt nun schon viele Jahre.

Gisela Ernst

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Vogelmonitoring in unserer Samtgemeinde
Der AKN beteiligt sich an zwei deutschlandweiten und niedersächsischen Programmen

1. Wie schon im letzten Heft beschrieben, wird die Bestandserfassung häufiger Brutvögel fortgesetzt; ab 2005 um zwei Untersuchungsflächen an den Rändern unserer Samtgemeinde erweitert.
Neben der Fläche östl. von Otter (Bearbeiter: Alexander Gröngröft) kommt eine Fläche nördl. von Dohren-Gehege (Uwe Quante) und eine südl. von Ottermoor (R. Kempe) hinzu. Daneben wird der Verfasser seine Untersuchungen vom letzten Jahr im Ekelmoor fortsetzen. Mehrjährige Untersuchungen in einem Gebiet auf immer denselben Routen zu vergleichbaren Jahres- und Tageszeiten sind dabei wichtige Voraussetzungen für aussagekräftige Ergebnisse.

2. Diese Spielregeln gelten im Grundsatz auch für die Linien-(Routen)-Kartierung für den um 2010 erscheinenden Brutvogelatlas ADEBAR. Bei diesem deutschlandweiten Programm geht es vornehmlich um die Bestandserfassung mittelhäufiger Brutvögel, also nicht der häufigen und auch nicht der seltenen. Letztere werden (fast) flächendeckend ohnehin durch Sonderprogramme der jeweiligen Bundesländer abgedeckt.
Natürlich werden sie bei Beobachtung mit kartiert, das Schwergewicht liegt aber auf den mittelhäufigen Arten wie Sperber, Habicht, Hohltaube, Eisvogel, unsere Eulen und Käuze, Kolkrabe, Misteldrossel, Schwarz- u. Braunkehlchen u.a.
Diese Kartierung wird jeweils ein ganzes Meßtischblatt (Karte 1: 25 000) umfassen, wobei eine Aufteilung der 4 Quadranten einer Karte auf mehrere Beobachter möglich ist.
Die Beobachtungsintensitäten, die Vorgehensweise auf den festzulegenden Routen je Quadrant müssen aber vergleichbar sein. Hier sind genaue Absprachen und gemeinsame „Übungsläufe" notwendig.
An diesem ADEBAR-Programm nehmen bisher Peter Büsing, Hein Busch, Manfred Koslowski, Eckhard Miersch, Karsten Müller, Uwe Quante, Eberhard Parra und Reinhard Kempe teil.
Natürlich steht das Tostedter Meßtischblatt 2724 im Mittelpunkt unserer Untersuchungen, dazu je ein Quadrant aus 2623 (Heidenau) und 2723 (Sittensen), das sind die Räume um das Große Everstorfer Moor und das Große Moor, westl. von Wistedt.
Wir werden über unsere Befunde an dieser Stelle berichten.

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Routen für die Linienkartierung in und um Heidenau

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Strauchgewächse unserer Moore und Heiden, Teil 2
Von Besenheide, Ginster und Co.

Führte uns unser Streifzug im vorletzten Heft auf der Suche nach Zwergsträuchern durch die verschiedenen Moore in unserer Samtgemeinde, so wollen wir in diesem zweiten Teil die trocken-sandigen Heiden, Sandmagerrasen und die angrenzenden Kiefern-Birkenwälder durchstreifen. Lagen die Moore im wesentlichen im Westen und Süden des Tostedter Raumes, in der Wümme-, Oste- und Aue-Niederung, so finden wir die trockenen, sandigen Bereiche als Grund- und Endmoränen mit kleinräumigen Heideflächen an den „Hängen" der Este und Seeve und in größeren Flächen im Raume Handeloh – Inzmühlen, sowie in dem flach auslaufenden Übergangsbereich zwischen Hoher Heide und Wümmeniederung, im Schutzgebiet der Otterheide südlich des Ortsteils Ottermoor.

Es sei an dieser Stelle verwiesen auf Heft 19, vom Mai 2004: Dort findet sich eine Übersicht aller in Teil 1 und 2 behandelten Sträucher und ein einleitender Abschnitt über Verwandtschaft, Organisation und Anpassung dieser Pflanzengruppe an ihre oft sehr extremen Wuchsorte (für das Verständnis des Folgenden vielleicht noch einmal lesen, oder ?).
In diesem Heft werden behandelt: Besenheide, Heidelbeere, Bärentraube, Krähenbeere, Englischer und Behaarter Ginster und der Besenginster.

Die Besenheide (Calluna vulgaris)
Ø
Wohl bekanntester Zwergstrauch neben der Blaubeere, landschaftsprägend (Lüneburger Heide).
Ø
Lichthungriger, immergrüner Strauch, mit seinen ledrigen Roll-Blättern Spezialist für nährstoffarme, saure Böden, auch Pionierpflanze auf nackten Sandböden.
Ø
Die glockenförmigen kleinen Blüten stehen dicht in Trauben. Ihre eigentlichen Blütenblätter sind unauffällig, die Farben werden von Kelchblättern präsentiert.
Ø
Die Blüten mit viel Nektar, der zudem leicht zugänglich ist, so auch für die Bienen, für viele Schmetterlinge (Bläulinge, Feuerfalter u.a.), Nahrungspflanze auch für Raupen von zahlreichen Schmetterlingsarten (vor allem Nachtfalter). Vielen sind sicherlich die großen, dunklen, langhaarigen Raupen des Brombeerspinners bekannt, die bis spät in den Herbst im Heidekraut auffallen.
Ø
Reiche Samenproduktion in kleinen Kapseln; Samen sehr klein und leicht, streuen erst im Frühjahr des nächsten Jahres und brauchen Licht zum Keimen.
Ø
Besenheidepflanzen werden durchschnittlich 20-30 Jahre alt, verholzen stark und erreichen durchaus eine stabile Höhe von 50-70 cm.
Ø
Groß– wie kleinflächig entsteht in solchen Zeiträumen eine beachtliche Rohhumusschicht, die zunehmend anderen Pflanzen wie der Rasenschmiele, Sandbirke und Waldkiefer günstige Keimungs- und Wachstumsbedingungen schafft, die die eigenen Verjüngung durch Samen aber in gleichem Maße reduziert.
Ø
Großflächige Heidegesellschaften mit ihren meist konkurrenzschwachen, lichthungrigen Pflanzenarten (wie Flechten, bestimmte Moosen, verschiedenen Bärlappen, der Quendelseide, Schwarzwurzel und Bärentraube (s.unten) und anderen) müssen daher, soll der Wald diese Flächen nicht zurückerobern, „gepflegt" werden durch Beweidung mit Heidschnucken, durch Entkusselung, durch Abbrennen und Abplacken der Rohhumusschicht, auch durch Mahd noch nicht überalterter Bestände.
Ø
Im Samtgemeindebereich in größeren (pflegeintensiven!) Flächen im Raume Handeloh-Inzmühlen (Dröge Heide und Inzmühlener Heide), in kleineren Flächen in der Otterheide, zerstreut mit Kleinstbeständen in allen geeigneten Biotopen, an lichten Weg- und Waldrändern, auch auf trocken-torfigen Kleinflächen in allen unseren Mooren.

Die Heidel- oder Blaubeere (Vaccinium myrtillus)
Ø
Ihre nächsten Verwandten, die Moos- und Rauschbeere, haben wir als typische Bewohner unserer Moore schon kennen gelernt, auch die Preiselbeere, die in trockenen lichten Kiefern- und Birkenwäldern in unseren „klassischen" Heidegebieten z.T. große Bestände bildet.
Ø
Die Heidelbeere, Blau- oder lokal auch Bickbeere genannt, ist ebenfalls ein durchaus (wohl fast) jedem bekannter Zwergstrauch.
Ø
Er wirft seine Blätter im Herbst ab, betreibt aber (bei geeigneten Temperaturen) selbst in blattlosem Zustand Photosynthese mit seinen grünen, mehrfach längs gerillten Trieben (Vergrößerung der Oberfläche!)
Ø
Die Pflanzen sind sehr winterfest mit ihrem tiefgehenden Wurzelwerk; allerdings empfindlich gegen Spätfröste in den oberirdischen Teilen; findet sich im Gebirge in Schneegebieten (Schutz!) bis über 2000 m. Großflächige Bestände vorwiegend in lichten Kiefern- und Birkenwäldern, aber auch in Moor- und Bergheiden. Braucht nährstoffarme, saure Rohhumusböden.
Ø
Untersuchungen haben gezeigt, dass eine einzige Pflanze durch Wurzelausläufer schließlich mehr als einen Hektar erobern und dabei ein Alter von 1000 Jahren erreichen kann.
Ø
Grüne glockenförmige, nektarreiche Blüten, die mit dem Laubaustrieb erscheinen. Wichtige erste Hummelnahrung.
Ø
Die Samen in den durch Wachsüberzug blaubereiften Beeren werden durch Vögel und auch den Fuchs verbreitet.
Ø
Bei uns überall verbreitet in den geeigneten Lebensräumen, in kleinen Beständen auch auf den trockeneren Torfsockeln in unseren Mooren.

Die Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi)
Ø
Sehr seltener kriechender Zwergstrauch, immergrün mit ledrigen, eher ovalen Blättern, die auf der Oberseite dunkler sind und glänzen.
Ø
Unter günstigen Wuchsbedingungen bilden die Kriechsprosse dichte Matten von mehreren Quadratmetern. Damit hält sich der sonst konkurrenzschwache Kriechstrauch z.T. schneller- und höherwüchsige Konkurrenten „vom Leib".
Ø
Blüten weiß bis grünlich, auch rötlich, glockenförmig, in kurz gestielten wenigblütigen Trauben am Ende der Triebe.
Ø
Die Frucht ist eine rote mehlige Beere mit meistens weniger als 10 Samen. Verbreitung durch Vögel.
Ø
Bei uns auf Sand- und Moorboden, in lichten Kiefern- und Birkenwäldern, an lückigen Waldrändern in schwach vergrasten Heiden.
Ø
In der SG Tostedt ist z.Zt. nur ein Wuchsort von ca. 2qm im Raum Handeloh bekannt. Ein weiterer am Rande des NSG Ottermoor ist erloschen. Auch im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide sind von den ehemals zahlreichen Vorkommen zwischen Schneverdingen und Hanstedter Töps nur ganz wenige übriggeblieben. Rote Liste 2 in Niedersachsen, d.h. stark gefährdet!

Die Krähenbeere (Empetrum nigrum)
Ø
Niederliegender, mit Sprossen wie mit Wurzeln kriechender Zwergstrauch, der auf diese Weise große Areale erobern und bedecken kann. Die Pflanzenteppiche sind von braun-rot-grüner Färbung.
Ø
Bevorzugte Wuchsorte sind lichte, aber eher kühl feuchte Kiefern- und auch Moorheiden. An den Küsten in den Dünentälchen oft bestandsbildend; liebt nährstoffarme, saure Böden.
Ø
Die wintergrünen kleinen, nadelartigen Blättchen sind am Rande umgerollt, die Blüten unscheinbar, aber nektarreich; männliche und weibliche Blüten stehen oft auf verschiedenen Pflanzen Ende Mai/Anfang Juni. Es gibt aber auch zwittrige Blüten mit Staubgefäßen und Samenanlagen.
Ø
Die schwarzen beerenartigen Steinfrüchte sind für Menschen weniger attraktiv als für Vögel und so werden die in ihnen heranreifenden Samen u.a. auch von Krähen (Name!) verbreitet.
Ø
An der Basis von Bäumen (Kiefern, Birken) können die Kriechtriebe bis zu 70 cm und mehr in die Höhe klettern, auch über Grasbulten und Baumstümpfe legen und verhaken sich die „spreizklimmenden" Triebe mit ihre Verzweigungen, so dass eine Krähenbeere-Heide oft durch ein interessantes bultig-hügeliges Kleinrelief auffällt.
Ø
Bei uns kommt dieser „nordische" Zwergstrauch zerstreut in kleineren, aber durchaus auffälligen, oft mehrere Quadratmeter bedeckenden Beständen vor allem im Raum Welle-Handeloh-Inzmühlen vor, im NSG Ottermoor/Otterheide auch in prächtigen Großflächen zusammen mit der Glocken- und Besenheide.

Es folgen nun die drei „Ginster-Arten", der Englische Ginster, der Behaarte Ginster und der allen bekannte hochwüchsige zur Blütezeit weit leuchtende Besenginster, alle drei mit gelben „Schmetterlingsblüten", deren charakteristischen Aufbau sie mit so bekannten Pflanzenarten wie Erbse, Bohne, Lupine, Klee und Robinie gemeinsam haben, um nur einige und diese auch sehr pauschal zu nennen.
Bei den Schmetterlingsblütlern gibt es auf Grund des besonderen Blütenbaues und seiner vielfältigen Varianten zahlreiche „raffinierte" Mechanismen, die die Bestäubung durch Hummeln und Bienen sichern, dass der Blütenstaub einer Blüte möglichst auf die Narbe einer anderen Blüte möglichst auf einer anderen Pflanze der gleichen Art gelangt.
Dass die Samen der Ginster-Arten daher in einer Hülse (der Frucht) heranreifen, wird auch dem botanischen Laien daher einleuchten. Für die Kulturpflanzen der Schmetterlingsblütler wird daher auch oft der Name Hülsenfrüchtler gebraucht.

Der Englische Ginster ( Genista anglica)
Ø
Meist sehr niedriger 10-30 cm hoher spitz-dorniger Zwergstrauch, der seine kleinen Blätter im Winter verliert.
Der einzelne Strauch ist sehr sparrig verzweigt, oft auch eng an den Boden anliegend und fällt außerhalb der Blühzeit im allgemeinen nur dem Fachmann auf.

Ø
Bevorzugte Wuchsorte sind Sandheiden, sonnige, niedrig-grasige Wald- und Wegränder auf sandig-humosem Boden; auch gelegentlich auf trocken-torfigen Moorbänken und in den trockeneren Übergangsbereichen von Moorheiden.
Ø
Die knapp 1 cm großen goldgelben Schmetterlingsblüten stehen endständig in einer kurzen, eher wenigblütigen Traube. Blühzeit ist Mai bis in den Juni.
Ø
In unserer Samtgemeinde gibt es diesen unauffälligen Strauch nur an wenigen, z.T. sehr entfernt liegenden Stellen und dort meistens auch nur sehr zerstreut, selten in kleinen Beständen, wie z.B. im südlichen Raume Handeloh an der Bahnlinie und in den angrenzenden Heideflächen und in den Heidearealen bei Inzmühlen.
Weitere kleine zerstreute Vorkommen in der Weller Heide, im und um das NSG Ottermoor /Otterheide herum, im Gebiet des südlichen Otterberges und im Raume Hollinde (Munsmoor und Stellheide). In der Roten Liste der gefährdeten Blütenpflanzen in Niedersachsen findet sich dieser Zwergstrauch in der Kategorie 3: gefährdet.

Der Behaarte Ginster (Genista pilosa)
Ø
Ein auf den ersten, etwas entfernten Blick dem Englischen Ginster sehr ähnlicher Zwergstrauch. Auch stimmen die Wuchsorte weitgehend überein, so dass man gelegentlich beide Arten dicht beieinander findet: in Heiden, an kurzrasigen Weg- und Waldrändern, in Sandmagerrasen.
Ø
Beim „Hineinfassen" in den Strauch entdeckt, besser erfühlt man schnell die charakteristischen Unterschiede zum nahen Verwandten, dem Englischen Ginster: Der Behaarte Ginster hat keine Dornen und fühlt sich im Bereich seiner Jungtriebe weich, seidenhaarig an (Name!)
Ø
Auch der Blütenkelch, die Blütenkrone sind außen weich behaart, ebenso die Blätter auf der Unterseite und die spätere Frucht.
Ø
Die goldgelben Blüten stehen zu wenigen in den Blattachseln an den Triebspitzen.
Ø
Unter günstigen Bedingungen kann ein einzelner Strauch durch seine sich flach ausbreitenden Triebe auch schon einmal einen halben Quadratmeter bedecken. Rote Liste Niedersachsen: 3.
Ø
In unserer Samtgemeinde findet man den zierlichen Strauch zerstreut in kleinen Beständen in annähernd den gleichen Lenensräumen wie den Englischen Ginster.

Der Besenginster, auch Brambusch (Sarothamnus/Cytisus scoparius)
Ø
Kein Zwergstrauch, aber doch ein Strauch mit deutlich begrenztem Höhenwachstum. Bei uns 1-2 m hoch werdend.
Ø
Der Besenginster entwickelt lange, rutenartige, grüne und gefurchte Triebe mit kleinen 3-zählig gefiederten Blättchen, die zum Winter hin abfallen, oft auch in Sommer-Trockenperioden abgeworfen werden. Dann nutzt der Strauch die Lichtenergie über seine grünen Rutentriebe.
Ø
Mit seinen langen, tiefgehenden Wurzeln kann der Besenginster daher auch auf sehr trockenen Böden gedeihen.
Ø
Es sind auch die stark verzweigten tiefreichenden Wurzeln, die der Pflanze mit ihren für Schmetterlingsblütlern charakteristischen Wurzelknöllchen einen weiteren Vorteil verschaffen. Die in den Knöllchen sitzenden Bakterien vermögen den sonst für Pflanzen und Tiere nicht verwertbaren Luftstickstoff zum Aufbau organischer (Eiweiß-) Verbindungen zu nutzen.
Ø
„Der Brambusch leuchtet wie Gold", dichtete Hermann Löns, und in der Tat fallen blühende Besenginsterbüsche im Mai/Juni schon von weitem auf. Ihre großen hellgelben Schmetterlingsblüten mit Fahne, Flügel und Schiffchen (mit darin unter Spannung zurückgehaltenen Staublättern und Griffel) sind den meisten sicherlich bekannt. Sie sind es jedenfalls wert, einmal aus der Nähe betrachtet zu werden.
Ø
Der Besenginster ist anfällig gegen Kahl- und Spätfröste, schlägt dann aber häufig an der Basis wieder aus.
Ø
Die durch reichliches Festigungsgewebe zähen Ruten wurden früher vielfach zur Herstellung von Besen verwendet. Heute wird die Pflanze oft zur Befestigung an Straßenböschungen eingesetzt.
Ø
Bei uns ist dieser lichthungrige Strauch auf Heiden, Sand, Magerrasen, an Eisenbahndämmen und Straßenböschungen überall verbreitet.

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Schöne Bestände von Krähenbeere und Besenheide findet man in der Otterheide

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An Übergängen von nass zu trocken oft beieinander: Gockenheide und Besenheide

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Blühende Heidelbeere


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Die Bärentraube hat auch glockenförmige Blüten

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Die Krähenbeere trägt schwarze Früchte


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Der dornige Englische Ginster



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Die gelben Blüten des Besenginsters offenbaren die Zugehörigkeit zu den Schmetterlingsblütlern

[Inhalt]


Aktivitäten des AKN im Winterhalbjahr 2004/2005
Begehungen, Bereisungen, Treffen, Sitzungen, Arbeits- und Pflegeeinsätze
Mi. 24.11.04: Vorsägen für Arbeitseinsatz im KauersWittmoor.

kwm3.jpg (127706 Byte)Mit der Motorsense im Kauers Wittmoor

Do. 02.12.04: Teilnahme an der Sitzung des UBPl-Ausschusses der Samtgemeinde Tostedt.
Sa. 04.12.04: Arbeitseinsatz im Kauers Wittmoor.
Mo.06.12.04: Abstimmungsgespräch mit der Oberen (Herr Hirt) und der Unteren (Herr Gumz) Naturschutzbehörde hinsichtlich der weiteren Entwicklung der Natur schutzgebiete in der SG Tostedt.
Sa. 11.12.04: Arbeitseinsatz der Handeloher Gruppe auf der Drögen Heide.
Mi. 15.12.04: Teilnahme an der Sitzung des WBPU-Ausschusses der Gemeinde Heidenau.
Do. 16.12.04: Besuch/Besichtigung versch. Arbeitsfelder in den versch. NSGs mit den beiden Zivis der SG Tostedt.
Mi. 22.12.04: Besichtigung der Juulsgard-Fichtenkultur an der Töster Viehtrift (Bewertung/Beratung zum Antrag auf Waldumwandlung).
Mi. 12.01.05: Vorsägearbeiten in der Otterheide.
Sa. 15.01.05:

Arbeitseinsatz in der Otterheide.

Mo. 17.01.05
+Di 18.01.05:
Betreuung der Entschlammungsarbeiten an den Dittmer-Teichen, ausgeführt durch die Firma Pankop.

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Entschlammung der Dittmer-Teiche

Mi. 19.01.05: Ortstermin mit dem neuen Pächter, Herrn Erhorn, auf den Pachtflächen am Füssel (Heidenauer Aue).
Mi. 19.01.05: Teilnahme an der Sitzung des WBPU-Ausschusses der Gemeinde Heidenau
Do. 20.01.05: Vorsägen auf unserem AKN-eigenen Grundstück Avenser Wiehe.
Sa. 22.01.05: Arbeitseinsatz der Handeloher Gruppe auf dem Timmerloher Weg (Trift) und in einem Kleinmoor a.d. Bahnlinie Handeloh-Wintermoor.
Mo. 24.01.05: Gesprächsrunde der Naturschutzverbände mit der Landkreisverwaltung unter Leitung von Herrn Bordt im Kreishaus.
Do. 27.01.05: Vorsägen für den Arbeitseinsatz im Everstorfer Moor.
Fr. 28.01.05: Hauptversammlung des Vereins Krötenrettung Holmer Teiche e.V.
Sa. 29.01.05: Arbeitseinsatz mit der Handeloher Jugendfeuerwehr am oberen Büsenbach.
Sa. 29.01.05: Arbeitseinsatz der Heidenauer Gruppe im Everstorfer Moor.
Mo. 07.02.05: Gespräch der Naturschutzverbände mit Kreisvertretern der CDU, auf Ein ladung der Partei.
Mi. 09.02.05: Vorsägearbeiten auf dem AKN-Grundstück in der Avenser Wiehe.
Mi. 09.02.05: Vorsägearbeiten i.d. Otterheide und auf der „Behrensfläche".
Do. 10.02.05: Gespräch mit der Verwaltungsspitze der Gem. Handeloh (Herr Maaß; Herr Dr. Schröder) über zahlreiche naturschutzrelevante Themen der Gemeinde.


Do. 10.02.05: Teilnahme an der Sitzung des UBPl-Ausschusses der Samtgemeinde Tostedt.
Sa. 12.02.05:

Arbeitseinsatz in der Avenser Wiehe.

Do.17.02.05: Gespräch der Naturschutzverbände mit dem Landrat, Herrn Gedaschko.
Fr. 18.02.05: Räumarbeiten am Quellbach auf unserem Grundstück auf der Avenser Wiehe durch die Heidenauer Gruppe.
Sa. 19.02.05: Arbeitseinsatz in der Otterheide und auf der „Behrensfläche".
Sa. 19.02.05: Buschholzfahren für die Benjes-Hecke unterhalb des Handeloher Friedhofs.
Mo. 21.02.05: Klärungsgespräch über Art und Umfang von Ausgleichsmaßnahmen im NSG Obere Wümme im Zuge der Erweiterten Flurbereinigung Otter (Herr Hirt; Herr Schönfelder, Amt für Agrarstruktur, Verden).
Mi. 23.02.05: Buschholzfahren für die Handeloher Benjes-Hecke unterhalb des Friedhofs.
Mi. 23.02.05: Besuch des Vortrags von Dipl.Biologin Kerstin Grabowski über die Heidenauer Aue, im Kreishaus Winsen.
Sa. 26.02.05: Besuch der ganztägigen Tagung über Vogelmonitoring in Deutschland in der NNA/Reinsehlen.
Mo. 28.02.05:

Abnahme der Arbeitsergebnisse der beiden Zivis im Kauers Wittmoor, im Großen Moor, Ottermoor und auf der Drögen Heide.

Fr. 11.03.05: AKN-Hauptversammlung in Kakenstorf.
Mo. 14.03.05: Teilnahme an der Sitzung des WBPU-Ausschusses der Gemeinde Heidenau.
Mi. 16.03.05:

Arbeitstreffen der AKN-Ornithologen zwecks Aufteilung von Flächen und Routen für die Vogelatlas-Kartierung in unserem Bereich.

Do. 17.03.05: Aufbau des Krötenzauns am Knick.
Sa. 19.03.05: Nachlegen an der Benjes-Hecke unterhalb des Handeloher Friedhofs (AKN- u. Nabu-Fläche) mit Mitgliedern der Nabu-Gruppe Buchholz.
Mo. 21.03.05: Abdichtungsarbeiten an der Trelder Moorkoppel zur Steuerung des dortigen Wasserhaushalts, zusammen mit den Tostedter Zivis.

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Viele Helfer bei der Obstbaumpflanzung an der Töster Viehtrift

Sa. 26.03.05: Herrichtung der Uferschwalbenwand in der alten Sandgrube am Handeloher Friedhof mit der Firma Pankop.
Sa. 26.03.05: Reinigung und Reorganisation eines Schleiereulenkastens auf einem Privat- Grundstück in Inzmühlen.
Mi. 06.04.05: Teilnahme an der Sitzung des UBPl-Ausschusses der Samtgemeinde Tostedt.
Sa. 09.04.05: Eichenpflanzung (40 Stück) für die Gemeinde Heidenau.
Sa. 09.04.05: Pflanzung von 25 Obstbäumen an der Töster Viehtrift im Rahmen des Projekts „Die Töster Viehtrift blüht auf".
Fr. 15.04.05: Herausziehen von 350 Erlen an den Dittmerteichen.
Sa. 16.04.05: Pflanzung der 350 Erlen auf dem Gründstück der Edmund-Siemers-Stiftung an der Aue.
[Inhalt]
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