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Liebe Mitglieder und Freunde des AKN,

Schon seit vielen Jahren mache ich mir Gedanken, manchmal auch Sorgen, wie es mit unserem Wirtschaftssystem, unserer Gesellschaft und unserer Umwelt auf Dauer weitergehen wird! Unser Wohlstand scheint abhängig zu sein von Wachstum – zumindest wird von Seiten der Politik und der Wirtschaft immer wieder betont, für unser Wohlergehen benötigen wir ein Wirtschaftswachstum.
Man vertraut auf das Allheilmittel Wachstum und bemüht sich das Wachstum anzukurbeln – aktuell durch das „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“.
Allerdings sollte jedem logisch denkenden Menschen klar sein, dass dauerhaftes Wachstum in einem begrenzten Raum mit endlichen Ressourcen nicht funktionieren kann!
Zur Zeit verbrauchen wir, die Industrieländer, die Reserven der Erde, und das auf Kosten der Dritten Welt und der nachfolgenden Generationen.
Ist es nicht möglich, mit dem Wohlstand, den wir erreicht haben, zufrieden zu sein? Sollte es nicht reichen, den status quo beizubehalten?
Es scheint so, als wenn menschliche Eigenschaften, die im Laufe der Evolution durchaus wichtig und positiv waren, sich zu einer Geißel der menschlichen Gesellschaft verkehrt haben. Egoismus, Gier und Verantwortungslosigkeit bestimmen weite Bereiche des Wirtschafts- und Finanzsystems, und das mit verheerenden Folgen auch für Natur und Umwelt.
Wir leben im „Internationalen Jahr der biologischen Vielfalt“ und müssen feststellen, dass die Artenvielfalt in allen Regionen der Erde rapide abnimmt. Ursache ist immer eine Übernutzung der Natur durch den Menschen. Das gilt auch für unsere landwirtschaftlich geprägte Kulturlandschaft, in der eine massive Verarmung an Lebensräumen und Lebensgemeinschaften zu beobachten ist, hervorgerufen durch eine Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung sowie einen Flächenverbrauch für Siedlungen,  Gewerbe und Industrie.
Wir müssen dringend umdenken, müssen gegensteuern.
Es muss die Aufgabe der Politik sein, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen für eine nachhaltige Wirtschaft und entsprechend auch für eine nachhaltig betriebene Landwirtschaft.
Die gegenwärtige Subventionspraxis bewirkt jedoch das Gegenteil. Auch wenn die Nutzung nachwachsender Rohstoffe zu begrüßen ist, so müssen jedoch sinnvolle Bedingungen festgelegt werden, damit sich der ökologische Gedanke nicht als Eigentor erweist: Eine intensiv in Form von Mais-Monokulturen genutzte Agrarlandschaft kann nicht Sinn einer Bioenergie-Erzeugung sein.
Landwirte, die nachhaltig wirtschaften, müssen für ihren Beitrag für die Erhaltung einer vielfältigen Landschaft belohnt werden!
In diesem Heft beschäftigen wir uns in mehreren Beiträge mit der Problematik der Bioenergie!
Ich wünsche viel Freude beim Lesen,
Ihr/ Euer
U.Quante

 

 

 

 

 

 

 

 

[Inhalt]

AKN-Splitter
Wichtiges - kurz berichtet

Amphibienwanderung am Otterberg bei Riepshof
Zwischen dem 20.03. und 31.03.10 war der Höhepunkt der Krötenwanderung dort. Innerhalb dieser Zeitspanne noch einmal schwerpunktmäßig vom 23.03. – 27.03.10 mit rund 580 von insgesamt 817 Tieren. Die kalten Nächte schon vor Ostern und dann weit darüber hinaus sorgten allerdings fast spontan wieder für nur einstellige Zahlen in den Fangeimern oder gar für enttäuschende „Nullnummern“.
Die Gesamtzahl der Arten und Individuen in 2010 und zum Vergleich Zahlen der vergangenen Jahre sind unten in der Tabelle zusammengestellt. Bei der Erdkröte scheint es sich aber um eine zahlenmäßig rückläufige Population zu handeln. Die starken Schwankungen können wir z. Zt. nicht erklären. Die Ursachen können vielfältig sein. Sie können an einem veränderten Fischbesatz des Laichgewässers liegen, an verstärkten Fressfeinden am Laichgewässer, an forstwirtschaftlichen Maßnahmen am Otterberg, also im Bereich der Sommerquartiere. Klimatisch-witterungsbedingte Ursachen können in Kombination mit den vorher genannten und noch weiteren Einflussfaktoren Auswirkungen zeitigen.
Es gibt allerdings einen unbekannten Tierfreund und Helfer, der gelegentlich die Eimer bereits vor Eintreffen der Kontrolleure ausleert. An besonders amphibienfreundlichen Tagen wird den Kröten zwar geholfen (und darauf kommt es letztendlich an!), der Statistik gehen aber wichtige Zahlen verloren. Wir als Einsatzpersonal erleben vor den leeren Eimern dann schon ein gewisses Maß an Enttäuschung bei der aufgewendeten Mühe morgens um 8.00 Uhr oder spät abends um 22 Uhr.
Auch unbekannte Helfer sind natürlich jederzeit herzlich willkommen! Aber bitte zu erkennen geben.

kroeten
Flyer
Seit geraumer Zeit arbeiten wir an der Herausgabe unserer bisherigen Flyer „im neuen Gewand“.
Eine Reihe von aus unserer Sicht wichtigen Themen müssen zu diesem Zweck überarbeitet, z.T. völlig neu gestaltet werden. Dazu gehören Themen wie Moore, Sandmagerrasen, Anlage von Teichen, Trockenmauern und Obstbaumpflanzungen alter Sorten, die Gestaltung naturnaher Gärten und natürlich auch der AKN-Flyer über Ziele und Wirken unseres Vereins; gleichsam unsere komprimierte Visitenkarte.
Stefan Hirsch und Uwe Quante haben sich der Sache angenommen. Die ersten Flyer liegen seit Mitte Mai  vor.
Das ganze „Projekt“ wird uns noch eine Weile beschäftigen. Die Suche nach geeigneten Bildern zu informativen Texten erweist sich als zeitraubend.

Mitgliederversammlung 2010
Die diesjährige Mitgliederversammlung des AKN fand am Freitag, den 16. April, in gewohnter Umgebung im Gasthof Burmester in Heidenau statt. Unter reger Teilnahme vieler Mitglieder standen neben dem Rechenschaftsbericht des Vorstandes zwei weitere wichtige TOP auf dem Programm. Zum einen stand die Wahl des Vorstandes an. Nach dem Ausscheiden des 1. stellvertretenden Vorsitzenden - Karsten Müller ist, wie wir im letzten Mitteilungsblatt bereits berichtet haben, nach Schleswig-Holstein verzogen - musste ein neues Mitglied in den Vorstand berufen werden. Die Versammlung wählte einstimmig Henry Holst aus Heidenau zum 1. stellv. Vorssitzenden. Henry Holst, gelernter Biologe, arbeitet bereits seit einigen Jahren im erweiterten Vorstand des AKN mit und leitet als Nachfolger von Hermann Aldag die Arbeitsgruppe Heidenau. Wir gratulieren Henry zu seiner Wahl.
Als weiterer wichtiger Punkt wurde eine Haftungsregelung für Vereinsmitglieder diskutiert und folgende Satzungsänderung beschlossen:
§ 13 Haftungsregelung für Vereinsmitglieder bei Arbeitseinsätzen
(1) Sofern Vereinsmitglieder bei der Teilnahme an Arbeitseinsätzen durch andere Vereinsmitglieder Personen-, Sach- oder Vermögensschäden erleiden, ist die Haftung der anderen Vereinsmitglieder auf Vorsatz oder grobe Fahrlässigkeit beschränkt.
(2) Der Verein schließt diesbezüglich eine Unfallversicherung in Höhe von 100.000 € Versicherungssumme für Schäden der für den Verein tätigen Personenn ab.
(3) Für Vereinsmitglieder, die an Arbeitseinsätzen teilnehmen und Dritte schädigen, ist zur Absicherung eine  Haftpflichtversicherung mit einer Deckungssumme von 100.000 € für Vermögensschaden und 3 Mio. € für Sach- und Personenschaden abgeschlossen.


Wir trauern
Kurz vor Drucklegung dieses Mitteilungsheftes erreichte uns die Nachricht, dass unser langjähriges Mitglied Rolf Burmester verstorben ist.
Der Gastwirt aus Heidenau war Gründungsmitglied des AKN e.V. und dem Verein seit über 15 Jahren verbunden.
Einen Nachruf werden wir in der nächsten Ausgabe unseres Mitteilungsheftes veröffentlichen.


Unser neu gewählter 1. stellv. Vorsitzender, Henry Holst
 

Drei aktuelle Erfahrungen
Intelligenter, erfolgreicher Naturschutz und sinnlose Zerstörung

Es geht auch anders ..........

Beim Anblick der gnadenlos amputierten Obstbäume an Heidenaus Mühlenstraße kommen dem Betrachter schon bitter-ironische Zeilen in den Sinn, wie die von Bertold Brecht:
Es geht auch anders – aber so geht es auch!
oder auch der nur scheinbar naive, entwaffnend logische Vierzeiler von Heinz Erhard:
Der Baum hat Äste,
das ist das Beste;
denn wär’er kahl,
dann wär’s ein Pfahl.
Ganz so radikal ist die Amputation dann doch nicht ausgefallen. soll man sagen „Gott sei Dank“? Ich reihe einfach einmal einige sach- und fachbezogene Sätze aneinander:

·    Es geht ja wirklich anders – und besser!! Viel besser!
·    Geschähe das, dann wäre es eindeutig zum Wohle der Bäume und der Landschaft am Ortsrand. Es wäre auch eindeutig zum Wohle vieler Menschen vor Ort, die sich an (Obst)-Bäumen an Feldwegen erfreuen.
·    Es wäre schließlich auch eindeutig zum Wohle der für diesen Baumfrevel Verantwortlichen.
·    Die Samtgemeinde Tostedt ist verantwortlich für die der Öffentlichkeit gewidmeten Gemeindeverbindungsstraßen. Sie hat 1993 die Bäume gepflanzt (oder pflanzen lassen) auf dem Eigentum der Allgemeinheit, mit Steuergeldern.
·    Es gibt zahlreiche Bürger in der Samtgemeinde, die sich gut auskennen im sachgerechten Obstbaumschnitt, der Schönheit und Vitalität der Bäume fördert.
·    Auch der AKN hat Fachleute zu diesem Thema in seinen Reihen.
·    Dies ist kein Einzelfall im Umgang mit Obstbäumen an Straßen- und Wegrändern.
·    Zwischen Dohren und Todtglüsingen sieht es (seit Jahren) nicht viel besser aus. Die Kronen werden immer wieder verhunzt. Sind es die Anreiner? Auch der aktuelle Schnitt hier lässt sehr zu wünschen übrig!
·    Auch dies sind von der SG Tostedt gepflanzte Bäume. Mit Steuergeldern bezahlt!
·    Und noch einmal Heidenau: Am Füssel wird ein Obstbaum, gepflanzt von der Gemeinde auf Gemeindeland, vom Bauern beim Gülleausbringen einfach umgefahren!
·    Die „Landnahme“ an Wegrainen gehört auch in diesen Bereich falsch verstandener Duldung und Toleranz vor Ort.

Der in der Tostedter Samtgemeinde lebende Bürger, dem die Schönheit der Landschaft, die Naturfülle und Vielfalt am Herzen liegt, erkennt inzwischen in  solchen Ereignissen sorgenvoll so etwas wie ein Gesetz der Serie.
Er kann daher über solche Ereignisse nicht gleichgültig zur Tagesordnung
übergehen.
Das müssten seine kommunalen (auf Zeit gewählten) Vertreter eigentlich auch nicht wollen.
Er weiß sich allerdings auch keinen Rat mehr. Daher ist er auch traurig (aber das ist schon ein nicht mehr zeitgemäßes Gefühl!) Denn eines weiß er: der nächste sinnlose Trauerfall in Sachen Natur kommt bestimmt!

Wer hilft der Samtgemeinde Tostedt und ihren Gliedgemeinden aus dieser Situation heraus?
Wie gesagt: Es geht auch anders, viel besser;   aber so geht es natürlich auch.

 


Verwundet

Heidenau, Ochtmannsbrucher Weg, Landschaftsteil Avenser Wiehe. Dort ein (fast) wegeloser Wald mit faszinierendem Quellhang. Aus der breiten moorig-sumpfigen, wassergesättigten Sickerquellzone sammeln sich kleine Rinnsale, verschwinden wieder zwischen Erlenwurzeln und verstärken sich durch Zusammenfließen – immer wieder, hangabwärts, bis ein kleines Quellbächlein entstanden ist. Ein Stück heile Natur, nahezu unverletzt, jahrhundertelang, wohl viel länger.
Wuchsort vieler selten gewordener Pflanzenarten ganzer Bruchwald- und Quellmoorpflanzengesellschaften.
Gagelstrauch, Moorlilie, Milzkraut, Bachnelkenwurz, Schachtelhalme, Sumpfdotterblume und Moose, wassergesättigt und sattgrün. Fast überflüssig zu sagen, dass das alles nach dem Niedersächsischen Naturschutzgesetz streng geschützt ist. § 28a, neuerdings §30: Geschützte Landschaftsteile.
Und dann ist da plötzlich an verschwiegenster, nahezu unzugänglicher Stelle ein gewaltiger Graben, fast quer zum Quellhang und zugleich mit der Abwärtsneigung zum natürlichen Quellbach gerichtet. Bachnelkenwurz und Milzkraut sind verschwunden unter Bergen von schwerem Aushub.
Tiefe des Grabens:  1 – 1,20m,
Länge: rund 100m.
Hier lässt sich durch Entwässerung keine Wirtschaftlichkeit von Flächen erzeugen.
Der Graben schneidet die Wasserdruckrichtung, trennt einen sogenannten „schwimmenden“, also extrem quelligen Erlenbruch von einer winzigen ehemaligen Grünlandfläche, seit mehr als 20 Jahren aufgegeben, jetzt eine Hochstaudenflur mit quellnassem Rand zum Erlenbruch hin. Der Jäger hat hier seinen stillen Platz, ohne die kleine Fläche als Wildacker zu missbrauchen. Und nun Berge von Aushub dort und eine tödliche, den Quellfluren das Wasser abgrabende Wunde in der bisherigen Unversehrtheit. Ein illegal angelegter Graben, nach dem Naturschutzgesetz nicht genehmigungsfähig.
Heinrich Wilkens aus Heidenau, seit kurzem erst Eigentümer der Fläche, hat den Bagger kommen lassen. Die Gründe für diesen Eingriff werden sich wohl nur ihm erschließen. Der Landkreis ist
informiert worden. Er war vor Ort.
Landwirt Heinrich Wilkens wird den Bagger ein zweites Mal kommen lassen müssen, wie erst 2008, am selben Quellhang in vergleichsweise „harmloser“ Lage. Seinerzeit waren empfindliche Lebensgemeinschaften nicht direkt betroffen, aber der angelegte Graben war ein Grenzgraben, der auch das Grundstück des Nachbarn, des AKN, entwässerte. Daher war er wasserrechtlich nicht genehmigungsfähig, seine Anlage illegal. Herr Wilkens musste den Graben wieder zurückbauen.
Das Verbiestert-Sinnslose solcher Eingriffe macht immer wieder ratlos.


Überstanden

Die Gleisbetterneuerung der Heidebahn zwischen Buchholz und Schneverdingen ist im März und April 2010 durchgeführt worden. Zahlreiche Wuchsorte z. T. sehr seltener und gefährdeter Pflanzenarten waren rechts und links des Bahnkörpers durch die Baumaßnahmen  akut bedroht.
Die Kooperation zwischen der Bahn, deren Planungsbüro sowie der Bauleitung auf der einen Seite und der Naturschutzbehörde des Landkreises, den zuständigen Mitarbeitern des Niedersächsischen Landesamtes für Wasser-, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), sowie dem AKN auf der anderen Seite war hervorragend. Wir können zufrieden feststellen, dass es keine nennenswerten Schäden an den Wuchsorten der Rote-Liste-Arten gibt.
Schon blüht, da ich dies schreibe am 1. Mai, die zierliche Heide-Segge (Carex ericitorum) wieder dort, wo rund einen Monat zuvor in nur 1m Entfernung am Gleisbett Schwerstmaschinen Schotter gereinigt und ergänzt, Schwellen ausgetauscht und neue Schienen verlegt haben.

Es geht – wie man hier sieht – also auch anders!!!


Obstbäume an der Mühlenstraße in Heidenau - durch Baumschnitt und das Pflügen bis an den Stamm heran völlig entstellt und dem Tode geweiht


Kampf den Bäumen - Taktik!? Den Obstbäumen bei Dohren geht es nicht viel besser


Hoppla, jetzt komm‘ ich!
Missachtung von Gemeindeland (Wegrandstreifen) und Bepflanzung (Obstbaum). Nach jedem 3. Obstbaum wird der Freiraum als Ackerzufahrt genutzt!

Der gewaltige illegale Graben - tödlich für die Quellbereiche und ihre Pflanzengesellschaften


So sieht es im Erlenbruch oberhalb des illegalen Grabens aus:  Aus dem Quellsumpf formen sich Quellbachrinnen - eine große Kostbarkeit


Aufstellen von Biotopschutzzäunen am alten Gleisbett

Das neue Gleisbett. Unverletzt daneben die „Flechtenmulde“ mit ihren Wuchsorten von Thymian, Mondraute u.a.
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Die AKN-Kinderseite

Wissen: Steckbrief Libellen

Libellen gehören zur Klasse der Insekten.
Sie werden unterteilt in Großlibellen und Kleinlibellen.
Großlibellen: haben große Augen, die in der Mitte aneinander stoßen, sie breiten die Flügel im Sitzen aus.
Kleinlibellen: sind viel zierlicher, haben einen dünnen Hinterleib und einen Kopf wie eine quer liegende Getränkedose, die Augen sind relativ klein und sitzen deutlich auseinander an den beiden Seiten des Kopfes, sie klappen die Flügel im Sitzen über dem Rücken zusammen.
Größe: drei bis zehn Zentimeter langer Körper, Flügelspannweite von zwei bis 19 Zentimeter.
Lebensraum: in der Nähe von Gewässern, Großlibellen bisweilen aber auch weit davon entfernt.
Artenzahl: Es gibt rund 4700 Arten, etwa 80 davon in Mitteleuropa.
Alter: Libellen leben nur einige Wochen, die Larven hingegen leben mehrere Monate oder sogar Jahre.
Fortpflanzung: Das Weibchen legt nach der Paarung ihre Eier im Wasser ab. Daraus entwickeln sich Larven, die räuberisch im Wasser leben, später an Halmen aus dem Wasser klettern und sich zu Libellen verwandeln
Flug: Libellen sind wahre Flugkünstler: sie können wie ein Hubschrauber in der Luft auf der Stelle stehen und sogar seitwärts und rückwärts fliegen, da sie zwei Paar Flügel haben, die sie unabhängig voneinander bewegen können.
Nahrung: Insekten, die meist im Fluge gefangen werden.
Stammesentwicklung: Die ältesten Fossilfunde (Versteinerungen) von Libellen sind über 300 Millionen Jahre alt. Es gab in dieser Zeit Riesenlibellen mit einer Flügelspannweite von bis zu 70 Zentimetern.
Gefährlichkeit: Libellen sind für den Menschen völlig ungefährlich - sie können nicht stechen!

Einige Informationen über Libellen habe ich im Internet auf der Seite des ZDF-Kinderfernsehens tivi gefunden. Vielleicht möchtest du auch einmal auf der Seite nach Interessantem über Tiere suchen! - Hier die Adresse:
http://www.tivi.de/fernsehen/marvi/lexikon/10590/index.html


Die seltene Späte Adonislibelle - eine Kleinlibelle.
Beachte den Kopf und die Flügel



Kopf der Blaugrünen Mosaikjungfer - die Augen dieser Großlibelle stoßen in der Mitte aneinander

Raten: Wer versteckt sich hier?

Zum Vergrößern kannst du das Rätsek anklicken!
In diesem Quadrat sind 14 Tiere und 7 Pflanzen versteckt. Mach einem Rahmen um jedes gefundene Lebewesen! Welches Tier passt so gar nicht zu den anderen? Warum nicht?

Lösung

 

„Jahrhundert-Bauwerk“
Ein Bericht der Zivis der SG Tostedt zu den Moorarbeiten

Mittwoch, 02.12.2009 - Es war ein klarer, sonniger, aber ziemlich kalter Dezembertag und somit wohl die perfekte Gelegenheit für einen erfolgreichen Mooreinsatz.
Heute stand Dammbauen auf dem Plan und somit wurden noch schnell die nötigen Arbeitsutensilien eingepackt und schon ging es los Richtung „Großes Moor Wistedt“ (yeah :).
Noch schnell beim Bäcker vorbei, Frühstück muss schon sein, dann waren wir auch schon da. Nach einem kurzen Blick auf die Karte und einer kleinen Morgenwandertour durch die winterliche Mooridylle waren wir am vorher besprochen Arbeitsort angelangt.
Nun konnte es losgehen. Zuerst musste der alte, schon ziemlich verwitterte Damm soweit wie nötig abgetragen werden, um ein stabiles Fundament für unser neues geplantes „Jahrhundert-Bauwerk zur Renaturierung des Moores“ zu schaffen.
Kaum 50 Minuten später (mit einigem an der Nase herruntergelaufenem Schnodder) war dies soweit erledigt. Jetzt ging es ans Eingemachte, es musste ein geeigneter Ort zum Abtragen des benötigten Baumaterials gefunden werden, man könnte aber auch sagen, es musste ein Loch gegraben werden .
Stück für Stück und Schippe für Schippe wuchs der Damm, und langsam ließ sich erahnen, wie monumental unser Bauwerk einmal werden sollte. Zwischenzeitlich durfte nicht vergessen werden, den Damm ausreichend zu verfestigen, also hieß es: „einmal kräftig stampfen und festtreten, bitte“.
Bald war auch dies geschafft und nach einer kurzen Pause ging es weiter. Nun mussten noch einige Lücken mit Matsch und Schlamm ausgefüllt werden und der Hauptteil der Arbeit war nach gut 3,5 Stunden getan.
 „Puh, das wäre schon mal geschafft“. Jetzt sollte der Damm noch etwas schützend gegen Wildschweine mit Ästen, Stämmen und Zweigen bedeckt werden. Gesagt, getan! Wahrhaftig schwer fiel dies nicht, denn genügend Totholz und Material war schnell gefunden und so konnte man sich eifrig daran machen, sein Bauwerk zu bewundern und Fotos zu schießen.
Stolz über das vollendete Schaffen machten wir uns nach ca. 5 Stunden als Dammbaumeister auf den Rückweg durch die winterliche Mooridylle zu unserem Auto.
Mit einem Hauch Selbstironie, aber umso mehr Spaß geschrieben von den Zivis, Robert und Johannes.





Arbeits- und Erlebnisort: Großes Moor im Frühwinter

 

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Ein neues Projekt -
Die ehemalige Nato-Depot-Fläche bei Vaerloh

Das 19 ha große Areal an der Heidenauer Aue zwischen den beiden Naturschutzgebieten Großes Moor und Everstorfer Moor (s. Karte S.18) steht seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Beendigung des Kalten Krieges auf unserer Wunschliste für weitere Naturschutzflächen an oberster Stelle. Seit den 80er Jahren waren diese 19 ha im Bundesbesitz. Für uns lag es daher nahe, die seit Ende des Kalten Krieges nunmehr uninteressant gewordene Vorhaltefläche für ein Munitionsdepot der niederländischen Nato-Truppen als Naturschutzfläche festzuschreiben. Das gelang aber – trotz Bemühungen des Landkreises – nicht. Immer wieder hieß es, der Bund wolle das Areal an private Interessenten  verkaufen.
Dann kam 2002 eine Anfrage an den AKN zur Bewertung des Gesamtareals für Ersatzmaßnahmen beim Erweiterungsbau der A1.
Wir machten damals unsere Vorschläge für ökologische Aufwertungsmaßnahmen auf den verschiedenen Teilflächen.
2009 nun – die Arbeiten an der A1 sind inzwischen in vollem Gange – erreichten uns (fast) fertige Maßnahmenpläne eines Planungsbüros zur Beurteilung. Sie waren weitestgehend identisch mit unseren Vorschlägen von 2002.
Das Gesamtareal umfasst unterschiedlichste Biotoptypen. Einen hohen Anteil haben großräumige, aufgelassene Mähwiesen, ebenso Birkenbruchwald auf trockentorfigem Grund mit interessanten Zwergstrauch- und Moosgesellschaften. Fließende Übergänge gibt es vom Moor-Birkenbruch in den trockenen Kiefern-Birkenwald auf höhergelegenem Sandrücken.  Hier existiert auch eine alte, flache, heute verbuschte  Sandentnahmestelle. Ergänzt wird das Mosaik an Lebensräumen durch ein zerzaustes  Kiefernfeldgehölz und kleine aufgelassene ehemalige Weideflächen. Im Norden begrenzt der Lauf der Heidenauer Aue auf längerer Strecke das Gelände.

Inzwischen besteht Kontakt zum Eigentümer und Verwalter der Fläche, dem Bundesamt für Forsten. Der Maßnahmenkatalog ist konkreter geworden und der AKN – das ist jedenfalls der augenblickliche Stand der Dinge – hat die von ihm leistbaren bzw. steuerbaren Maßnahmen benannt. Ein Vertrag zwischen uns und dem Bundesamt soll die Zuständigkeiten festlegen. Die Betreuungsaufgaben für uns sind langfristig zu sehen.  Nach einer aktuellen Begehung mit mehreren Vertretern des Bundesamtes und nach dem dabei grob skizzierten Zeitplan kann und soll es im Spätsommer bzw. Herbst losgehen, auch mit den von uns angebotenen Entkusselungs- und Freistellungsarbeiten.
Das großflächige Grünland - Areal soll zwei bis drei Jahre lang jeweils im Spätsommer gemäht werden. Das Mähgut wird entfernt. An nassen Stellen werden drei bis vier Blänken angelegt. In der Nähe der Aue ist eine Eschenanpflanzung geplant.

Insgesamt bedeutet die Eingliederung dieses hervorragenden, weil ökologisch vielfältigen Areals in die geschützte Naturszene rund um Heidenau ein wirkliches Top-Ereignis für unsere Samtgemeinde!


Weite ehemalige Grünlandflächen bestimmen etwa die Hälfte der ehemaligen Depot- Fläche


Vielfältige Gehölzstrukturen bereichern die Lebensraumqualitäten des Areals


Dichter Gehölzaufwuchs hat den ehemaligen „Heiderücken“ erobert und soll stark ausgelichtet werden

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Befremdliche Nachrichten
Jagd auf Rebhühner und Schnepfen

Zum Ende des Winters erschien in der Tageszeitung ein Bericht von der Versammlung des Hegerings Tostedt. Bei dieser Zusammenkunft der Jäger der Region wurde u.a. der Streckenbericht des Jahres 2009 präsentiert. Neben einer Vielzahl von Wildschweinen und Rehen erlegten die Jäger Hasen, Kaninchen, Ringeltauben, Stockenten, Fasanen, Rebhühner, Schnepfen, Graugänse sowie Rabenkrähen, Elstern, Füchse, Dachse, Marderhunde und Steinmarder.
Auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches, alle genannten Arten gehören zum jagdbaren Wild oder sind Raubwild bzw. sogenanntes „Raubzeug“.
Aber war da nicht etwas mit dem Rebhuhn?
Das Rebhuhn gehört zu den Arten des Anhangs II/1 der EU-Vogelschutzrichtlinie, die in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union gejagt werden dürfen.
Nach dem Bundesnaturschutz-Gesetz (BNatschG) gilt das Rebhuhn als besonders geschützte Art, die zudem auf der Roten Liste Deutschlands und auch Niedersachsens in der Kategorie 2 als stark gefährdet geführt wird.
Es unterliegt jedoch auch dem Jagdrecht und gehört nach § 2 Bundesjagdgesetz (BJagdG) zu den jagdbaren Arten: Das Rebhuhn darf hiernach vom 01.09. bis 15.12. gejagt werden.
Naturschutzorganisationen setzen sich bereits seit vielen Jahren dafür ein, dass das Rebhuhn aus dem Jagdrecht entlassen wird.

Seit den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde sowohl von Ornithologen und als auch von den Jägern (die Jagdstrecke ging deutlich zurück) ein massiver Bestandsrückgang bei den Rebhühnern beobachtet. Die Landesjägerschaft Niedersachsen beauftragte daher vor 18 Jahren das Institut für Wildtierforschung an der Tierärztlichen Hochschule Hannover damit, die Entwicklung der Rebhuhn-Populationen in Niedersachsen langfristig zu untersuchen.
Ausgehend von einem massiven Bestandseinbruch, verursacht durch äußerst ungünstige Witterungsverhältnisse der Jahre 1978 bis 1980, erholte sich der Bestand bis heute nicht mehr. Die Jagdstrecke in Niedersachsen fiel von rund 70.000 erlegten Rebhühnern in den 1970er Jahren innerhalb von zwei Jahren auf rund 5.000 Hühner in den 1980er Jahren ab. Seit Mitte der 1990er Jahre schwanken die Jagdstrecken auf niedrigem Niveau bei ca. 4000 erlegten Hühnern. Es wurde für unsere Region ein Bestand von 1-1,5 Rebhuhnpaaren (Brutpaare) pro 100 ha Feld- und Ödlandfläche (2000–2007) festgestellt (Datenquelle: Wildtiererfassung). Untersuchungen des Bundesamtes für Naturschutz und des Dachverbandes der Deutschen Avifaunisten stellen einen Bestandsrückgang beim Rebhuhn seit 1980 um 80% fest.
Auch wenn die Jagd deutschlandweit nachweislich nicht zu den Bestandeszusammenbrüchen des Rebhuhns geführt hat, warnen die Wildtierforscher: „Die Bejagung muss zwingend eingeschränkt werden und darf nur dort erfolgen, wo noch ausreichend hohe Besätze vorkommen und gute Zuwachsraten eine nachhaltige Bejagung erlauben.“
Positiv ist der daraufhin zugesagte freiwillige Verzicht der Jägerschaft auf die Bejagung der Rebhühner zu bewerten, so dass bis auf wenige Ausnahmen die Hühner nicht mehr bejagt wurden. Es soll hier noch einmal betont werden, dass die Jäger nicht den Bestandsrückgang des Rebhuhns zu verantworten haben! Es werden vielfältige Ursachen für die Bestandsverluste, die bei vielen Vögeln der Agrarlandschaft zu beobachten sind, angegeben. Hauptverursacher ist die Landwirtschaft mit ihrer großflächigen Intensivnutzung, die zu ungünstigen Lebensbedingungen für viele Vögel führt. Bodenbrüter leiden unter häufiger Bodenbearbeitung und unter Nahrungsmangel infolge Biozid-Einsatzes. Hecken, Säume und Brachen stehen nur in geringem Umfang zur Verfügung. Der zunehmende Anbau von Energiepflanzen wie Mais, Umbruch und Trockenlegung von Feuchtwiesen und Grünland  führen zur Zerstörung der Lebensräume der Vögel der Agrarlandschaft und so auch des Rebhuhns.

Für die Waldschnepfe gilt ähnliches: die Bestände waren stark zurückgegangen und haben sich inzwischen anscheinend auf niedrigem Niveau stabilisiert. Auch hier wurde die Jägerschaft aufgerufen, Waldschnepfen nicht mehr zu bejagen.
Ich frage mich vor diesem Hintergrund, warum einige Jäger dennoch Rebhühner und Schnepfen schießen. Jäger betonen immer wieder, dass sie in erster Linie Heger sind und sich für die Erhaltung unserer Wildtiere verantwortlich fühlen.
Die Jagd von Arten, deren Bestände stark rückläufig und gefährdet sind, kann beim besten Willen nicht mit Hege begründet werden – hier sind eher der Wunsch nach einem schmackhaften Braten, Jagdtradition und Jagdleidenschaft Antrieb für die Jagd.
Wenn Jäger schießen und gleichzeitig Hege betreiben wollen, so bleibt ihnen dennoch ein umfangreiches Betätigungsfeld: Der Bestand an Reh- und insbesondere Schwarzwild ist immer noch deutlich zu hoch, so dass sowohl die Landwirtschaft, als auch die offene Landschaft und die Wälder hierunter zu leiden haben. Zudem breiten sich einige eingeschleppte fremdländische Beutegreifer wie Waschbär oder Marderhund, die der Jäger als Raubzeug bezeichnet, explosionsartig aus und bedrohen das natürliche biologische Gleichgewicht in den heimischen Lebensräumen.
Ich würde mich sehr über eine Stellungnahme aus der Jägerschaft zu meinen Ausführungen freuen.
Für mich sollten der Jäger in seinem Selbstverständnis als Heger und der Naturschützer an einem Strang ziehen! - Warum ist es so schwer, mit den Jägern in einen Dialog zu kommen?


Das Rebhuhn leidet in unserer Agrarlandschaft - geeignete Lebensräume schwinden infolge der landwirtschaftlichen Intensivnutzung


Rebhuhn-Jagdstrecke incl. Fallwild in tausend Individuen
(Quelle: Niedersächsisches Ministerium für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz)


Die Waldschnepfe ist äußerst gut getarnt und führt ein heimliches Leben


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Biogas-Anlage Heidenau
Zukunftsweisend und zugleich eine ökologische Herausforderung!

An der Straße Heidenau – Vaerloh soll unterhalb Fuchswinkel eine Biogasanlage errichtet werden, ein Gemeinschaftsprojekt mehrerer Landwirte aus Heidenau und Dohren. Unter der Bezeichnung „Bioenergie Fuchswinkel“ läuft zur Zeit der Antrag auf Aufstellung eines Bebauungsplanes (B-Planes) und der Flächennutzungsplanänderung (siehe Karte).
Die Planung dafür hat das Büro Patt aus Lüneburg übernommen, die technischen Detailplanungen liefert das Büro Industrieberatung Umwelt GbR aus Wistedt.
Im Zuge der Antragstellung und für das Genehmigungsverfahren ist bei der geplanten Anlagengröße eine Umweltverträglichkeitsstudie nötig, die - landschafts- und projektbezogen - insbesondere  die dortige Vogelwelt, die Avifauna, zu untersuchen hat. Die weiträumigen Acker-, Wiesen- und Auen-Areale der unmittelbaren und näheren Umgebung beherbergen eine auffällig hohe Zahl an gefährdeten Vogelarten der offenen Agrar- und Wiesenlandschaft, sowie der Auengehölze und Grünlandbrachen.

Da der AKN mit mehreren seiner avifaunistisch geschulten Mitglieder schon seit Jahren den gesamten Landschaftsteil zwischen den Naturschutzgebieten Großes Moor bei Wistedt und Großes Everstorfermoor, westlich von Heidenau, systematisch kartiert hat, lag es nahe, diese so gewonnenen Daten aus den Jahren 2000 ff., mit dem Schwerpunkt 2005 bis 2009, zusammenzustellen, um daraus Gefährdungspotentiale durch die geplante Biogas-Anlage für die Avifauna und folgerichtig notwendige Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen abzuleiten. Das hat der AKN im Januar/ Februar 2010 getan.
Inzwischen wurden unsere aufgearbeiteten Daten von einer Biologin der Niedersächsischen Landgesellschaft (NLG) in Lüneburg in die artenschutzfachliche Bewertung nach Bundesnaturschutzgesetz eingearbeitet und vom Büro Patt in das B-Planverfahren aufgenommen. Unsere Vorschläge für die Eingrünung des Betriebsgeländes, sowie zur Gestaltung des Regenrückhaltebeckens wurden ebenfalls in die Planung eingearbeitet. Auch knapp 6 ha Ausgleichsflächen wurden im März/April vom Landkreis festgelegt, deren Lage ein gutes Angebot an die Wiesenvögel des Gesamtareals bedeutet.

Das Beispiel dieser Biogasanlagenplanung zeigt uns einmal mehr, wie wichtig sorgfältig gesammelte Daten zu Flora und Fauna aus bestimmten hochsensiblen Landschaftsteilen sind. Sie helfen den Planern und Investoren und können die Eingriffe in Natur und Landschaft minimieren durch sinnvolle Kompensationsmaßnahmen im Sinne der lokalen Lebensgemeinschaften und des konkreten Artenschutzes.

Umweltverträglichkeitsprüfungen können und sollen natürlich auch ggf. Eingriffe in bestimmte sensible Bereiche verhindern, wenn der Verlust gesetzlich geschützter Lebensräume und Arten nicht ausgleichbar ist. Das ist hier nach unserer Einschätzung aber nicht der Fall. Viel wichtiger im Zusammenhang mit der Errichtung von Biogasanlagen ist z. Zt., dass kein weiteres Grünland umgebrochen wird und dass ein ausgewogenes Mosaik von Grünland und Ackerland erhalten bleibt. Beim Ackerland selbst muss ein ausgewogenes Verhältnis von Getreide- und Maisanbau gewährleistet werden. Die Missverhältnisse der eben skizzierten Landnutzungsarten und die ständig zunehmende Intensivierung der maschinellen Bearbeitung der landwirtschaftlichen Nutzflächen bringt die Avifauna dieser Räume z. Zt. allenthalben an den Rand des Zusammenbrechens. Die oft nur noch aus wenigen Brut-Paaren bestehenden kleinen Lokalpopulationen bringen keine Jungvögel mehr hoch. Damit fehlen die auf die jeweiligen konkreten Räume geprägten zukünftigen Brutvögel.
Die Vogelarten der Acker- und Wiesenlandschaften sind deutschlandweit mit ihren örtlichen Populationen (fast) alle existentiell bedroht!
Das ist auch in Heidenau grundsätzlich nicht anders. Es bedarf gezielter Maßnahmen „in der Fläche“. Die geplanten Ausgleichsflächen für die Biogasanlage am Fuchswinkel könnten dabei durchaus helfen. Es müssen in anderen Bereichen dort aber weitere Maßnahmen folgen. Der massive Trend zum Grünlandumbruch muss nicht nur gestoppt, sondern umgekehrt werden, verträglich für die Landwirte und verträglich für die Lebensgemeinschaften der Äcker, Wiesen und Weiden.
Hierzu nimmt die Politik bereits die ersten Anläufe, leider mit einer Zeitverzögerung gegenüber der Feststellung der Missstände, die in 2009 für viele Grünflächen das Aus bedeutet hat. Seit Herbst 2009 gilt ein absolutes Grünlandumbruchverbot; bei Zuwiderhandlungen riskiert der Landwirt die Streichung eines erheblichen Teils seiner staatlichen Subvention. Anlass für das Verbot ist eine EU-Bestimmung, die verhindern soll, dass sich das Missverhältnis zwischen Ackerland und Grünland weiter so dramatisch zu ungunsten des Grünlands entwickelt wie bisher.
Grünlandumbruch kann nur noch auf Antrag an die Landwirtschaftskammer erreicht werden. Alle Anträge gehen dann auch über den Schreibtisch der Naturschutzbehörde. Ausnahmen vom generellen Verbot sind nur mit ihrer Zustimmung zu erhalten.
Auch die Weidehaltung von Milchkühen wird wohl ganz verschwinden und damit auch die Notwendigkeit, Weideland in größerem Rahmen vorzuhalten.
Im Bereich der Fruchtfolge, die für den Artenreichtum von Bedeutung ist, wird die Vernunft noch 1-2 Jahre dem wirtschaftlichen Gewinnstreben der Landwirte hinterher laufen. Es ist aber davon auszugehen, dass eine Zwangsrotation des Anbaus verordnet wird, sodass die einseitige Maiskultur zurückgedrängt wird. Möglicherweise wird dieser Entwicklung auch ein Maisschädling (Maiswurzelbohrer) zuvor kommen, der in Italien bereits großflächig zu Anbauverboten von Mais geführt hat, um seine Ausbreitung zu vermeiden. In Baden-Württemberg und Holland ist er bereits angekommen. Daher wird in 5 Jahren unsere Kultur- und „Energie“-landschaft wieder ganz anders aussehen – Sonnenblume, Zuckerrübe und Hirse werden auf den Feldern erscheinen. Ihr Anbau wird allerdings den Acker- und vor allem Wiesenvögeln aus leicht einsehbaren Gründen in ihrer Bedrängnis kaum nützen.

Der Komplex Wiesenvogelschutz bleibt daher ein hochaktuelles und drängendes Thema!!


Der Brachvogel, einst Charaktervogel unserer Wiesenlandschaft, verschwindet zusammen mit den Wiesen


Kartenausschnitt der Region südlich Heidenau zwischen NSG Everstorfer Moor / NSG Großes Moor bei Wistedt / Vaerloh


Junge Kiebitze haben wenig Überlebenschancen auf intensiv bewirtschafteten Ackerflächen

Noch jagt das Rohrweihen- Männchen in der reich struktierten Aue-Niederung südlich von Heidenau


Zunehmender Geländeumbruch gefährdet die letzten Wiesenvogel-Brutplätze auch in Heidenau und Umgebung

Für Sie gelesen
Die Vögel der Agrarlandschaft - ein Situationsbericht

Der folgende Beitrag ist ein stark gekürzter, veränderter Auszug aus Sudfeldt, C., R. Dröschmeister, M. Flade, C. Grüneberg, A. Mitschke, J. Schwarz & J. Wahl (2009): Vögel in Deutschland – 2009 (siehe auch anschl. Buchbesprechung)
Die Bestandssituation der Vogelarten der Agrarlandschaft ist sehr kritisch. Die meisten Vogelarten, die auf Äckern, Wiesen und Weiden brüten, gehen wegen der hohen Intensität der landwirtschaftlichen Nutzung weiter im Bestand zurück. Hinzu kommt, dass wegen des Wegfalls der EU-Pflichtstilllegungen, des deutlich gesteigerten Energiepflanzen-Anbaus (vor allem Mais) und des verstärkten Grünlandumbruchs in naher Zukunft eher eine Verschlechterung als eine Verbesserung der Situation zu erwarten ist.
Nach einem starken Abfall in den 1970er und 1980er Jahren stagnierte der Bestand der Vögel des Agrarlandes zwischen 1998 und 2007 und liegt weiter deutlich unter dem festgelegten Zielwert. Die nach wie vor angespannte Lage bei den Vögeln steht stellvertretend für die ungünstige Situation bei  vielen anderen Artengruppen.
Bei den vorwiegend in Feuchtwiesen am Boden brütenden Arten wie Kiebitz und Uferschnepfe setzten sich die Bestandsverluste – seit 1980 über 50 % – mit ungebrochenem Trend fort. Abnehmende Langzeittrends mit über 20 % sind zudem für Rotmilan, Feldlerche und Braunkehlchen festzustellen.
Die Gründe für Bestandsverluste sind vielfältig. Die großflächige landwirtschaftliche Intensivnutzung führt zu ungünstigen Lebensbedingungen: Bodenbrüter leiden unter häufiger Bodenbearbeitung und landwirtschaftlichen Arbeitsgängen, unter Nahrungsmangel infolge Biozideinsatzes und unter zu dichten, undurchdringlichen Kulturpflanzenbeständen. Wichtige Nahrungsorganismen wie Bodentiere und Insekten sind Mangelware, weil sie auf den ausgeräumten, von Ackerbegleitflora weitgehend gesäuberten Nutzflächen kaum überleben können. Hecken, Säume und Brachen stehen nur in geringem Umfang zur Verfügung, weil selbst solche oftmals wenig ertragreichen Landschaftselemente regelmäßig in die Nutzung einbezogen werden.
Einen erheblichen Einfluss haben der Wegfall der Stilllegungspflicht ab 2008 und die zunehmende Nutzung dieser Flächen für den finanziell lukrativen Anbau von Energiepflanzen.
In Deutschland ging der Anteil der Brachen allein von 2007 auf 2008 um 52 % zurück. Dadurch wurden nicht nur Lebensräume für Brutvögel vernichtet, sondern Körnerfressern wie Lerchen, Finken und Ammern reichhaltige winterliche Nahrungsreserven genommen. Bewirtschaftet werden die zusätzlichen Ackerflächen überwiegend mit Wintergetreide, Raps und Mais. Aufgrund der anhaltenden Umnutzung von Brachen ist mit einer weiteren Beschleunigung der Bestandsverluste von Feldvogelarten zu rechnen.
Die für den Anbau von Mais genutzte Landwirtschaftsfläche hat deutlich zugenommen, von 2006 bis 2008 wurde die Anbaufläche um 19 % erweitert. Verantwortlich dafür sind hohe Körner
maispreise, knappe Futtermittelvorräte und die zunehmende Nutzung von Mais als Biogassubstrat. Maisflächen sind für eine Reihe von Agrarvögeln kaum besiedelbar und bieten, wenn die Pflanzen hoch gewachsen sind, so gut wie keine Jagdmöglichkeiten für Greifvögel. Sie verringern damit den Lebensraum vieler Vogelarten.
Die Wiesenvögel zählen zu den am stärksten bedrohten Brutvogelgruppen in Deutschland. Die Bestände von Kiebitz, Bekassine, Uferschnepfe und Großem Brachvogel sind in den letzen zwei Jahrzehnten zum Teil drastisch zurückgegangen. Für einige der genannten Arten beherbergt Deutschland hohe Anteile der Weltbestände und trägt deshalb eine besondere Verantwortung für den Fortbestand der Arten. Uferschnepfe und Großer Brachvogel stehen mittlerweile auf der weltweiten Vorwarnliste der Weltnaturschutzunion IUCN. Die Ursachen der Bestandsrückgänge sind vor allem in den zu geringen Reproduktionsraten zu suchen. Hier ist als wichtigster Faktor die Intensität der Landwirtschaft zu nennen, die mit großflächigen Trockenlegungen und Grünlandumbrüchen zu einer Zerstörung des Lebensraumes führte. Hohe Düngeraten und enge Bearbeitungsintervalle machen viele der verbleibenden Grünlandgebiete für brütende Wiesenvögel unbewohnbar.
Für den Bestandserhalt der Brutvögel der Feuchtwiesen ist es notwendig, die Zerstörung ihrer Lebensräume durch Entwässerung und Nutzungsänderungen wirksam zu stoppen. Die Verkleinerung der Milchviehbestände und die Förderung des Biomasseanbaus stellen jedoch neue Bedrohungen für das Grünland dar. Die Grünlandfläche hat sich deutschlandweit deutlich verringert. Nach dem Umbruch wird häufig Mais auf den Flächen angebaut, wobei auch Flächen in Schutzgebieten und Auen betroffen sind. Und nicht zuletzt wird das Verdrängen der blütenreichen Wiesen und Weiden durch Ackerflächen als Verarmung des Landschaftsbildes und Verlust regionaler Identität empfunden.
 
Trotz verschiedenster Maßnahmen (Einrichtung von Wiesenvogelreservaten, Vertragsnaturschutz, Schutzprogramme) ist es bisher nicht gelungen, den Rückgang der Wiesenvögel zu stoppen. Dies liegt unter anderem daran, dass die Existenz des Grünlandes gefährdet ist. Die Situation wird noch dadurch verschlechtert, dass durch den über das Erneuerbare-Energien-Gesetz mittelbar finanziell stark geförderten Maisanbau  die Konkurrenz um landwirtschaftliche Fläche zu Lasten des Grünlands erheblich verschärft worden ist.
Für den Schutz artenreichen, extensiv genutzten Grünlandes sind grundlegende Verbesserungen notwendig: Extensive Nutzungsformen müssen eine wirtschaftliche Perspektive gegenüber der Intensivnutzung bekommen. In vielen Bereichen sind Vermarktungskonzepte zu entwickeln, die über die bisherigen Maßnahmen hinausgehen. Dies betrifft insbesondere wertvolle Standorte wie Feuchtwiesen und Niedermoorgrünland. Erforderlich ist u. a. eine Kopplung von Subventionen an Beiträge zum Schutz von Natur und Umwelt und eine konsequente Reduzierung des Grünlandumbruchs einschließlich eines Umbruchverbotes in Schutzgebieten.


Rotmilan,


Kiebitz,

Feldlerche und


  Braunkehlchen gehören zu den Verlierern in einer intensiv genutzten Agrarlandschaft

 

 

 

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Ein Muss für Vogelfreunde
Vögel in Deutschland 2009

Bereits zum dritten Mal präsentiert „Vögel in Deutschland“ eine Zusammenfassung aktueller Entwicklungen in der heimischen Vogelwelt. Thema des 68-seitigen Berichts ist die 1979 und damit vor 31 Jahren verabschiedete EG-Vogelschutzrichtlinie und ihre Umsetzung in Deutschland.
Der Bericht ist reich und sehr ansprechend bebildert und liefert Informationen zu zentralen Aspekten dieses aus Sicht der Vogelwelt wichtigsten Regelwerks. Herausgegeben wird „Vögel in Deutschland“ vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA), dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten. Ihm liegen mehrere Millionen Datensätze zugrunde, zu deren Erhebung über 5.000, meist ehrenamtliche Mitarbeiter beitrugen.
Eine Frage steht im Mittelpunkt des Berichts: Wie steht es 30 Jahre nach Inkrafttreten der Richtlinie um den Zustand der Vogelwelt in Deutschland? Die Antwort fällt zwiespältig aus: Die Situation hat sich bei den häufigen Brutvogelarten gegenüber dem Vorjahr weiter verschlechtert, vor allem bei den Vögeln der Agrarlandschaft und den Bodenbrütern. Bei den besonders geschützten Arten des Anhangs I sind EU-weit eher positive Bestandsentwicklungen zu erkennen, für Deutschland sieht es jedoch weniger erfreulich aus: knapp 50 % der Anhang I-Arten stehen auf der Roten Liste, dazu gehören z.B. Wiesenweihe, Ziegenmelker, Sumpfohreule und Weißstorch.
Wie in den Vorgängerausgaben wird ein Indikator für die Artenvielfalt dargestellt. Ebenso wie die Teilindikatoren (Agrarland, Wälder, Siedlungen, Binnengewässer, Küsten und Meere, Alpen) ist er mit Stand 2007 noch weit von den Zielvorgaben entfernt. Das verdeutlicht eindringlich, dass die Nutzung der Landschaft in Deutschland insgesamt naturverträglicher und nachhaltiger werden muss.



Sudfeldt, C., R. Dröschmeister, M. Flade, C. Grüneberg, A. Mitschke, J. Schwarz & J. Wahl (2009): Vögel in Deutschland – 2009. Dachverband Deutscher Avifaunisten, Bundesamt für Naturschutz und Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten, Münster. 68 Seiten. ISBN 978-3-9811698-5-0
Bezug: DDA-Schriftenversand, z. H. Thomas Thissen, Piusallee 46, 48147 Münster, E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!. Schutzgebühr: 7,00 EUR zzgl. Versandkosten.
Eine digitale Fassung des Berichts ist als PDF von der Internetseite des DDA www.dda-web.de/publikationen abrufbar.

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Es ist nicht alles Gold, was glänzt
Bioenergie und nachwachsende Rohstoffe

Es ist nicht zu übersehen. Die Anzahl der Biogasanlagen in Deutschland wächst unaufhaltsam, so auch im Landkreis Harburg und in der SG Tostedt. In unserer Region steht eine große Anlage auf dem Trelder Berg, kleinere Fermenter findet man in Heidenau, Vaerloh und Wümmegrund, und für Heidenau und Wümmegrund gibt es konkrete Ausbaupläne für eine großtechnische Bioenergie-Erzeugung.
Der Anbau von nachwachsenden Rohstoffen stellt inzwischen eine echte Einkommensalternative für Landwirte dar, mit der sie aufgrund der staatlichen Subventionen höhere Gewinne erzielen können als mit dem Anbau von Nahrungsmitteln oder Futtermitteln für die Fleisch- bzw. Milchproduktion.I
n den Bioenergieanlagen werden organische Stoffe (Biomasse) mit Hilfe spezieller Mikroorganismen in großen Behältern (Fermentern) vergoren, wobei in erster Linie Methan entsteht. Das Methan, das auch Hauptbestandteil des Erdgases ist, wird dann z.B. in einem Blockheizkraftwerk verbrannt, sodass über Turbinen Strom erzeugt werden kann. Zur Erhöhung der Effizienz wird die entstehende Abwärme für Heizungszwecke verwendet. So können die Anlagen selbst beheizt werden oder in der Nähe befindliche Wirtschaftsbetriebe, Wohnungen, Treibhäuser, Schwimmbäder u.a. Anlagen.
Grundsätzlich ist die Bioenergie-Erzeugung aus nachwachsenden Rohstoffen zu begrüßen, da hierdurch die Reserven an fossilen Energieträgern (Kohle, Erdgas, Erdöl) geschont werden und die Produktion von Treibhaus-gasen und damit die Auswirkungen auf den Klimawandel relativ gering sind. Zudem kann auf die problematische Kernenergie verzichtet werden.Allerdings müssen die Bakterien in den Fermentern ununterbrochen gefüttert werden. Dies geschieht mit dem Gärsubstrat, kleingehäckselten Feldfrüchten, in erster Linie Mais. Außerdem werden verschiedene Getreidesorten, aber auch Sonnenblumen, Rüben, Hirse und starkwüchsige Gräser verwendet. Und hier nun liegen die Probleme und Nachteile, die mit der Bioenergie-Erzeugung verbunden sind.
Die Produktion der Biomasse erfordert erhebliche landwirtschaftliche Flächen, die allerdings in Deutschland begrenzt sind. Zudem fallen diese Flächen für die Produktion herkömmlicher landwirtschaftlicher Produkte, Lebens- und Futtermittel, aus. Die Folgen hiervon sind ein Steigen der Bodenpreise, eine Intensivierung des Anbaus, Grünlandumbruch sowie die Inanspruchnahme von ehemaligen Brachflächen.Um diese Auswirkungen ein wenig zu mildern, ist daher die (Mit-)Verwendung von Reststoffen aus der Landwirtschaft (z.B. Gülle, Stroh), der Landschaftspflege (z.B. Mähgut) und der Agrarindustrie als Gärsubstrat äußerst sinnvoll und unbedingt zu berücksichtigen.
Die aktuelle Förderungspraxis führt jedoch zu immer stärkerem konventionellen Maisanbau ohne Fruchtwechsel und mit hohem Pestizid- und Düngereinsatz. Hierdurch wird die Gesamtbilanz der Bioenergie-Produktion insbesondere im Hinblick auf den Klimaeffekt, die Artenvielfalt und das Landschaftsbild erheblich verschlechtert.
Für den AKN stellt sich die Art und Weise des Anbaus der nachwachsenden Rohstoffe als entscheidendes Problem dar. Als Gärsubstrat wird in unserer Region vorwiegend Mais angebaut und die Auswirkungen des konventionellen Maisanbaus auf Natur und Landschaft sind seit langem bekannt und nicht zu übersehen. Es entstehen Agrarwüsten, große intensiv betriebene Monokulturen, die mit chemischen Mitteln (Pestiziden, Herbiziden, Mineraldüngern) und organischen Stoffen (Gülle) so bearbeitet werden, dass zwar der Mais gut wächst, die Flächen aber als Lebensraum für Wildpflanzen und Tiere verloren sind. Zudem werden Boden und Gewässer in immer stärkerem Maße durch Umweltgifte belastet.
Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass die landwirtschaftliche Intensivnutzung die Hauptursache für die Gefährdung und schließlich Zerstörung vieler Biotope und damit der dort lebenden Pflanzen und Tiere darstellt. Hiervon sind nicht nur seltene Biotoptypen und Arten betroffen, sondern auch solche, die häufig waren und den Charakter unserer Natur und Landschaft prägten. Man denke nur an Feuchtwiesen und Buckelweiden, Ackerrandstreifen mit vielen Wildkräutern und an die Vögel der Agrarlandschaft, denen es zunehmend schlecht geht.
Die Ausweitung der Intensivnutzung durch den Anbau von Energiepflanzen wird dieses Problem massiv verstärken. So ist bereits jetzt zu beobachten, dass immer mehr Brachflächen und extensiv bewirtschaftete Grünflächen - wertvolle Biotope und Rückzugsräume für die Pflanzen und Tiere der Agrarlandschaft- in die Intensivnutzung übergehen, ja sogar weiteres Grünland in Ackerland umgewandelt wird. Ein Grünlandumbruch ist zwar seit Oktober 2009 durch die EU grundsätzlich untersagt, jedoch haben viele Landwirte vor diesem Termin noch schnell neues Ackerland geschaffen, ja wir haben sogar den Eindruck, dass auch danach noch Grünland umgebrochen wurde.
Die aktuellen Entwicklungen sind mit der so oft geforderten Nachhaltigkeit nicht zu vereinbaren - Biodiversität und Artenvielfalt sind massiv gefährdet, obwohl sie politisches Ziel der EU und des Bundes sind.
Die folgenden Forderungen des AKN stammen nicht nur von verbohrten, realitätsfremden Naturschützern; sie finden sich in ähnlicher Form in EU-Richtlinien und in Verlautbarungen der Bundesregierung!
1. Oberstes Gebot muss es sein, Energie zu sparen, und das sowohl beim Wohnen als auch beim Verkehr,
2. Die Entwicklung der Bioenergienutzung und der damit verbundene Anbau von Energiepflanzen muss mit Augenmaß gelenkt werden – hier sind die staatlichen Stellen auf der Ebene der Kreise, Länder und des Bundes in der Verantwortung – Wildwuchs wäre verhängnisvoll!
3. Die Standortwahl für Biogasanlagen und der damit verbundenen Anbauflächen muss mit äußerster Sorgfalt und unter Schonung ökologisch wertvoller Flächen bzw. bedeutender Naturräume erfolgen.
4. Es darf keinen weiteren Grünlandumbruch geben – Zuwiderhandlungen müssen sanktioniert werden.
5. Es muss ein Fruchtwechsel auf den Anbauflächen festgelegt werden, wobei Brachephasen einzubeziehen sind.
6. Es dürfen keine neuen fremdländischen Nutzpflanzen angebaut werden, da dies zu einer weiteren Zerstörung heimischer Biozönosen führen würde.
7. Die Mitnutzung von landwirtschaftlichen Reststoffen für die Biogaserzeugung (Stroh, alte Heuballen, Mähgut aus der Landschaftspflege u.a.) ist zwingend festzulegen.
8. Die Genehmigungsbehörden müssen auf eine ausreichende Kompensation der erfolgenden Intensivierung achten, z.B. durch Extensivierungsmaßnahmen auf ausreichend großen Flächen.
9. Es müssen intensivere Anstrengungen unternommen werden, ökologisch wertvolle Flächen und Räume zu erhalten. Hierzu ist ein Flächenmanagement durch staatliche Stellen ebenso erforderlich wie ein Vertragsnaturschutz. Verträge mit und Zahlungen an Landwirte dienen zur Erhaltung einer strukturierten, extensiv bewirtschafteten Agrarlandschaft, in der Pflanzen und Tiere einen ausreichenden Lebensraum finden und Menschen Natur erleben können.
10. Die politischen Entscheidungsträger müssen endlich wirksame Maßnahmen zur Erhaltung der Biodiversität und Artenvielfalt ergreifen, so wie es von der EU gefordert wird. Lippenbekenntnisse reichen nicht!


Zur Biogasanlage gehören große Siloplatten als Lagerflächen für das Gärsubstrat


Artenvielfalt ausgeschlossen: hoch aufgewachsene Maispflanzen bzw. 

Sonnenblumen - der Boden frei von Kräutern und Bodentieren
Maisanbaufläche in Deutschland


Bestandstrends ausgewählter Arten der Agrarlandschaft

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Wasser für Hamburg
Trinkwassergewinnung in der Nordheide

Ein kurzer Rückblick:
1971: Antragstellung der Hamburger Wasserwerke (HWW) auf Bewilligung von 37 Mill. cbm bei der Bezirksregierung Lüneburg.
1974: Wasserrechtliche Bewilligung zur Grundwasserförderung von 25 Mill. cbm/Jahr für eine Dauer von 30 Jahren.
Schon von 1967 an bis weit in die 80er Jahre finden vielfältige Untersuchungen statt: Zur Hydrogeologie, zu den Pflanzengesellschaften der empfindlichen, grundwasserabhängigen Feuchtgebiete und der Heidebäche.
Darunter sind viele warnende Stimmen vor Dauerschäden an Natur und Landschaft und an Gebäuden.
Beweissicherungsflächen werden eingerichtet.
1982 wird mit der Förderung begonnen. Das Großwasserwerk Nordheide bei Garlstorf nimmt die Förderung aus den Ost- und Westbrunnen auf. Die Westbrunnenkette befindet sich nördlich und südlich von Handeloh, betrifft also auch die Samtgemeinde Tostedt.
1983 findet ein Großpumpversuch mit Ausschöpfung der 25 Mill. cbm/Jahr statt. Er wird begleitet von heftigen Protesten der Naturschutzverbände und der eigens zum Schutz der Heide gegründete Interessengemeinschaft Nordheide (IGN). Sie alle können sich auf seriöse Untersuchungen der Wissenschaft, vor allem von Hydrogeologen und Pflanzensoziologen berufen.
Der Landkreis Harburg verordnet den Hamburger Wasserwerken Beweissicherungsauflagen. Die Fördermenge wird auf 15,7 Mill. cbm begrenzt. Schäden an Gebäuden, Fischteichen, Bachläufen und Kleinmooren in der Region sind aktenkundig. Die HWW relativieren, bagatellisieren.
2002 – 2004: Die  Naturschutzverbände der Region und die IGN beginnen sich „warmzulaufen“  hinsichtlich ihrer Hauptforderungen für einen neuen Bewilligungvertrag zwischen den HWW und der Bezirksregierung bzw. heute dem Landkreis Harburg. Sie fordern die  Reduzierung von Fördermenge und Laufzeit auf ein naturverträgliches Maß und aktuelle Untersuchungen zur Umweltverträglichkeit durch unabhängige Gutachter.
2004 läuft der Vertrag mit den HWW aus.
Die damals noch existierende Bezirksregierung Lüneburg als zuständige Behörde stellt den HWW eine wasserrechtliche Erlaubnis aus zur Fortsetzung der Förderung von knapp 16 Mill. cbm/Jahr, ohne dass eine inzwischen vorgeschriebene Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt wird. Die Erlaubnis ist befristet bis zum Abschluss eines neuen Vertrages.
Man ging seinerzeit von einem Zeitraum von 4 Jahren aus für Antragstellung, Genehmigungsverfahren und Vertragsabschluss. Erst im Sommer 2009 liegt der 15 Ordner starke Antrag auf Bewilligung zur Förderung von Grundwasser in unserer Region dem Landkreis und dann auch den Verbänden vollständig vor.
Die vertragslose „Zwischenzeit“ dauert also an. Die ausufernde Zeitspanne bis heute wird seit langem  kritisch gesehen.
Herbst 2009 – April 2010: Schon im Vorfeld der Antragstellung und verstärkt nach Kenntnisnahme der Antragsinhalte durch die verschiedenen Institutionen und Interessenverbände hat sich eine breite und gut fundierte kritische Phalanx entwickelt. Sie wendet sich mit starker Stimme gegen die in der Sache völlig unzureichende Antragstellung der HWW auf Förderung von Grundwasser aus der Nordheide.
Die kritischen Stellungnahmen gegen die Bewilligung einer Fördermenge von rund 19 Mill. cbm/Jahr auf 30 Jahre kommen von den Waldbesitzern und Fischzüchtern, von den Samtgemeinden Salzhausen, Hanstedt, Tostedt (hier sind es die einzelnen Gliedgemeinden) und der Stadt Schneverdingen, von der Interessengemeinschaft Grundwasserschutz Nordheide (IGN), von den politischen Parteien im Kreis Harburg und nicht zuletzt von den Umwelt- und Naturschutzverbänden der Region. Adressat ist immer die Bewilligungsbehörde, der Landkreis Harburg.
Im Auftrag der genannten Gemeinden hat Claus Bohling (Industrieberatung Umwelt GbR) zusammen mit der Kanzlei Domberg, Potsdam, eine differenzierte Expertise zu den zahlreichen Verfahrensfehlern der Antragstellung erarbeitet. Auch sie liegt dem Landkreis vor.

Mit den Verbänden BUND, Nabu und der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald hat auch der AKN seine Kritik an den unzureichenden Antragsunterlagen der HWW zum Ausdruck gebracht und klare Forderungen für eine prüfwürdige neue Antragsstellung erhoben bzw. umfangreiche Nachbesserungen verlangt.
Themenschwerpunkt unserer Stellungnahme zu den Antragsunterlagen war und ist das empfindliche grundwasserabhängige Naturschutz- und FFH-Gebiet Ottermoor/Otterheide südlich von Welle, also im Einflussbereich der Westbrunnenkette der HWW auf der Drögen Heide zwischen Handeloh und Wintermoor.
Dieses extrem wertvolle Moor- und Feuchtheidenareal kommt in den Umweltverträglichkeitsuntersuchungen der HWW bisher nicht vor.
Der AKN hat im März 2010 dann auch eine Gruppe von Landtagsabgeordneten der CDU mit Heiner Schönecke an das trocken gefallene Bachbett der Este südlich von Welle und in die Otterheide geführt. Das Ziel waren sachliche Informationen vor Ort über die bedrohten Naturschätze des Landkreises durch Grundwasserabsenkungen als Folge der bisherigen 30jährigen Förderung in diesem Bereich. An der oberen Este sind die aktuellen tatsächlichen Dauerschäden seit mehr als einem Jahrzehnt zu besichtigen.
In den Schutzgebieten der östlichen Wümmeniederung kündigen sie sich seit geraumer Zeit möglicherweise an. Eine gründliche Umweltverträglichkeitsprüfung wird daher von uns gefordert.

Zum aktuellen Stand des Bewilligungsverfahrens drucken wir hier mit dem Einverständnis des Autors den Rundbrief von Herrn Schierhorn, dem Pressesprecher der IGN, ab:
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Wasserinteressierte,
Der Umweltausschuss des niedersächsischen Landtages hat heute in nichtöffentlicher Sitzung eine Anhörung zum Thema Wasserentnahme in der Nordheide durchgeführt. Darüber hinaus wurden die Anträge der SPD und der Grünen (siehe Anlage) zur Notwendigkeit eines Staatsvertrages zwischen Hamburg und Niedersachsen und zu den Auswirkungen des Klimawandels auf den Grundwasserhaushalt diskutiert.
Die Interessengemeinschaft Grundwasserschutz Nordheide (IGN) - vertreten durch den 1. Vorsitzenden Karl-Hermann Ott und den Pressesprecher Gerhard Schierhorn - hat die Gelegenheit wahrgenommen, die geplante Wasserentnahme durch die Hamburger Wasserwerke in der Nordheide und einige übergeordnete Aspekte zu kommentieren. Die ausführlichen Stellungnahmen sind ebenfalls beigelegt.
Im Kern begrüßt und unterstützt die IGN den Abschluss eines Staatsvertrages zwischen Hamburg und Niedersachsen. Gegenstand eines solchen Vertrages sollte die nachhaltige, länderübergreifende Planung und Bewirtschaftung der Trinkwasserresourcen sein. Die IGN legt dabei Wert auf den Vorrang einer ortsnahen Wasserversorgung. Wasserlieferungen aus der Heide nach Hamburg sind nur denkbar, wenn sich Hamburg nicht selbst versorgen kann.
Auch den Antrag der Grünen nach stärkerer Berücksichtigung der Klimaveränderungen unterstützt die IGN. In diesem Themenfeld sind lokal verwertbare Erkenntnisse noch viel zu wenig vorhanden. Hier gilt es zunächst, die Einflüsse des Klimawandels auf das Grundwasser in der Nordheide weiter zu untersuchen und den vielen Unsicherheiten dadurch Rechnung zu tragen, dass Grundwasserentnahmemengen niedrig gehalten werden.
Die IGN hat zum laufenden Wasserantrag der HWW noch einmal deutlich gemacht, dass die zur Zeit laufende Förderung von rund 16 Mio m3/jahr auf der Basis einer Erlaubnis der Bezirksregierung Lüneburg von 2004 rechtswidrig sei, da seinerzeit keine Beteiligung der Öffentlichkeit erfolgte und die Vorgaben des Umweltverträglichkeitsgesetzes nicht beachtet wurden. Dieser Themenkomplex wird jetzt juristisch seitens der IGN weiter untersucht.
Zum laufenden Antragsverfahren fordert die IGN den Landkreis Harburg auf, das wasserrechtliche Verfahren mit den mangelhaften Antragsunterlagen nicht weiterzuführen, sondern stattdessen die Hamburger Wasserwerke zu beauftragen, prüffähige Unterlagen zu erstellen und erneut öffentlich auszulegen. Dazu gehört eine aktuelle und vollständige Umweltverträglichkeitsprüfung mit Berücksichtigung der naturschutzrechtlichen und wasserrechtlichen Anforderungen (Alternativenbetrachtung - zB Nutzung Oberflächenwasser und ortsnahe Grundwasservorkommen, Untersuchung der FFH-Gebiete, optimierte Förderkonzepte statt Fortschreibung der jetzigen Brunennreihen, usw.)
Karl-Hermann Ott und Gerhard Schierhorn äußerten sich sehr zufrieden mit dem Verlauf der Anhörung. Die von den Abgeordneten gestellten Fragen konnten umfassend und klar beantwortet werden.
Für ev. Nachfragen stehen Ihnen Karl-Hermann Ott (04184-543) und Gerhard Schierhorn (0171-5614003) gern zur Verfügung. Aufgrund des nichtöffentlichen Charakters der Anhörung kann allerdings auf die Inhalte der Ausschussitzung nicht tiefer eingegangen werden.
Aktuelle Informationen auch immer im Internet unter www.ign-hanstedt.de
MfG Gerhard Schierhorn
Pressesprecher

 
Extrem abhängig vom Grundwasserstand: moorige Senken im FFH-Gebiet Ottermoor/Otterheide


Schon 5–10cm durchschnittliche Absenkung des Grundwassers können das Aus für die gefährdeten Pflanzengesellschaften in den Schlenken bedeuten


Die engen räumlichen Beziehungen von Brunnenkette, oberer Este und dem EU Schutzgebiet FFH-Gebiet 38 „Obere Wümmeniederung mit Ottermoor/Otterheide“ sind gegeben. Die Este ist oberhalb von Cordshagen seit langem trockengefallen

[Inhalt]

 

Ausgebremst
Schnee und Eis forderten ihren Tribut

Bis Weihnachten lief ja noch alles planmäßig. Allein die Tatsache, dass wir aus verschiedenen zwingenden Gründen erst in der zweiten Novemberhälfte mit unseren Arbeitseinsätzen starten konnten, erwies sich im Rückblick Ende Februar als nachteilig, denn im Januar und Februar lief nichts mehr im Gelände. Und wir hatten doch noch so viel vor!
Der Winter hatte mit hohen und lang anhaltenden Schneelagen die Landschaft zu fest im Griff. Voller Hoffnung wurden zwar immer wieder (mit 14-tägigem Abstand) Samstagstermine festgesetzt und Planer wie Helfer in „Habacht-Stellung“ versetzt, aber immer wieder mussten wir die Verabredungen absagen. Leider. So stehen einige Arbeiten schon heute für einen in jedem Falle früheren Start im kommenden Herbst fest.
Trotzdem war dieses Winterhalbjahr (natürlich!) keine Nullstrecke! In zwei großen Einsätzen vor Weihnachten konnten wir unsere Arbeiten der Vorjahre auf dem Vorwerk-Stiftungs-Gelände in Todtglüsingen fortsetzen und im Bereich des Quellbächleins und des Kleinmoores “Todtschlatt“ auch abschließen. Mit 2x jeweils 25 Teilnehmern war das vorgesägte Ast- und Stammholz der das kostbare Moor bedrängenden Kiefern in kurzer Zeit aus der Senke herausgeschleppt.
Dank an Tina Hostmann, die an beiden Samstagen das herzhafte Frühstück für die Pause besorgte. Da mischten sich Brötchen- und Kaffeeduft mit dem Duft von Harz und Kiefernnadeln.
Auch die Handeloher Gruppe war tätig. Zusammen mit Mitgliedern der Astronomischen Vereinigung Hamburg konnte eine umfangreiche Fläche auf der Drögen Heide von einem Birkenstangenwäldchen befreit werden,  das als künftiger Samenstreuer für die Heidefläche eine rasante Verbuschungsgefahr darstellte.
Hinnerk Lehmann hat dann noch mit seinem Trecker und Anhänger Feldsteine für unsere neuen Mulden auf den Brachäckern am Friedhof herangeschafft (siehe Artikel:   in diesem Heft).
In zwei weiteren Samstagseinsätzen hat eine kleine Handeloher Gruppe mit Ralf und Udo Kolm, Hinnerk Lehmann und Ralf Reinkober mit Sohn Till und Reinhard Kempe versucht, den gesamten Biotopkomplex unterhalb des Handeloher Friedhofes traubenkirschenfrei zu machen. Mit Treckerkraft. Nach akribischer Arbeit kann sich das Ergebnis wohl sehen lassen. Einzelne Jungpflanzen mögen noch übersehen worden sein. Das Gebiet ist überschaubar und gut zugänglich für Trecker und Kirschenreißer. Nur auf solchen überschaubaren, offenen bis halboffenen Trockenbiotopen; ähnlich wie auf der Drögen Heide – kann diesem vitalen Wucherer Paroli geboten werden. Wir werden weiterhin kontrollieren.

Unsere Obstbaumpflanzungen in der Gemeinde Wistedt an der Quellner Straße und am Kauers Wittmoor brauchten  wieder einmal einen sorgfältigen Pflegeschnitt. Auch der Fraßschutz musste z. T. erneuert und ergänzt werden. Das gleiche galt es am Füssel südlich von Heidenau zu leisten. Hier war der Pflegeschnitt noch dringlicher und der Fraßschutz musste verbessert und erneuert werden.
An insgesamt drei Terminen waren insgesamt 15 AKN-Mitglieder unter der Anleitung von Walter Müller dabei, in Heidenau organisiert von Henry Holst, in Wistedt von Eckhard Miersch und Manfred Koslowski. 
Auch die beiden Zivildienstleistenden der Saison 2009/10 in der Samtgemeinde Tostedt haben sich mit Engagement in unseren Arbeitskanon eingebracht, zweimal auch auf unserer Obstbaumfläche an der Quellener Straße.

Robert Cordes und Johannes Gäding, beide auch wohnhaft in unserer Samtgemeinde, haben des weiteren im Großen Moor einen 15 Jahre alten, strategisch wichtigen Damm zur Wasserzurückhaltung z. T. erneuert und verstärkt und im Ottermoor den Rand einer Moorsenke entkusselt. Letzteres bei hoher Schneelage! Das stimmt mich dann doch ein wenig nachdenklich hinsichtlich unserer Rückzieher im Januar/Februar!
Und natürlich war auch die Rentner-Band nicht untätig bis Weihnachten. Zweimal Vorsägen im Todtschlatt – schweißtreibend, bei entspanntem Wetter.
Die sehr langsam wegtauenden Schneereste sorgten dann auch im März noch wieder für (unnötige) Spannung des Abwartens vor dem Aufbau der Krötenzäune am Knick und am Otterberg (Riepshof). Mit vereinten Kräften ging die Arbeit dann aber am 16.03.10 flott von der Hand nach Torstens Vorarbeit mit seinem so zweckmäßigen Selbstfahrerpflug zur Schaffung der Furche für den Zaun. Fleißige Hände machten dann beim Abbau im April der Arbeit wiederum ein schnelles Ende.
Unsere Aktiven im Gelände, zwischen Oktober 09 und März/April 2010:
Jens Bade, Hans Stöver Benecke, Edith Birger, Achim Birke, Claus Bohling, Heinrich Busch, Reinhard Dampmann, Helmut Duden, Horst Dieter Fehling, Horst Gerlach, Stefan u. Kerstin Hirsch, Henry Holst, Tina Horstmann, Wolf-Rüdiger Ibelings, Jutta u. Reinhard Kempe, Dieter Kessler, Günther Klenota, Jutta u. Günther Knabe, Joachim Knüppel, Jürgen Meyer, Ralf u. Udo Kolm, Manfred Koslowski, Christel Kühne, Thomas Kurps, Hinnerk Lehmann, Walter Löll, Eckhard Miersch, Walter Müller, Ludwig Narewski, Günther Neubauer, Maria Nyhius, Torsten Peters, Rocio Picard, Konstantin Poschinger und 10 Mitglieder der Astronomischen Vereinigung Hamburg, Ralf Rainkober und Sohn Till, Anneliese Reinsch, Bernd Risse, Bernd Schütz, Klaus Sülbrandt, Fritz Visarius, Matthias Voigtländer/Birgit Rademacher mit Finn, Bjarne u. Jördis, Karl Heinz Vollmer, Finn Walter, Michael Köhler u. Tochter Tabaea, die Zivildienstleistenden Robert Cordes und Johannes Gäding.
Es wirkt wie eine Routinangelegenheit, es ist mir aber eine Herzenssache: Die Abstattung des Danks an all‘ die Helferinnen und Helfer dieses „Winterhalbjahres“ zwischen November 09 und April 10.
Es würde unsere vielfältige Projektarbeit ohne eure – oft auch ganz spontane – Mitarbeit und Begeisterung, ohne eure gute Laune und Muskelkraft, ohne euer Mitdenken und Engagement ganz einfach nicht geben!
Und wir vom Vorstand könnten neue Projekte weder entwickeln noch uns angetragene für unsere Region wertvolle Projekte annehmen, wenn wir uns nicht immer wieder von eurer man- und womanpower getragen, gestärkt und ermutigt fühlten!
Das, was der AKN hier vor Ort für Natur und Landschaft bewirkt, ist eine fantastische Gemeinschaftsleistung! Dazu gehört selbstverständlich auch die finanzielle und moralische Unterstützung durch unsere vielen nicht aktiv eingreifenden Mitglieder durch ihr Dazugehören und damit durch ihre Förderung unserer Arbeit. Ein großes Dankeschön an alle also hier an dieser Stelle. Und, rund zwei Monate nach unserer diesjährigen Hauptversammlung im Gasthaus Burmester in Heidenau, zugleich ein Gruß an alle, die nicht dabei sein konnten.


Arbeitspause im Todtschlatt; im Hintergrund ein Teil der freigeräumten moorigen Senke


Mit vereinten Kräften; mehr Licht und Wasser für Torfmoose, Moorlilie, Rosmarinheide u.v.a.


Auf der Drögen Heide: Abtransport des nutzbaren Stammholzes; das Buschholz verrottet an geeigneten Stellen vor Ort

 
Keine Chance für die Späte Traubenkirsche auf den Biotopflächen am Handeloher Friedhof


Unterstützung durch die beiden Zivis (Vordergrund) beim Aufbau des Krötenzaunes am Otterberg

[Inhalt]

 

Verunregelmäßigungen
Sandmagerrasen als Entwicklungsziel

Eben wie ein Fußballfeld waren die beiden Eigentumsflächen des Naturschutzes vom Nabu und AKN am Handeloher Friedhof. Bis November 2009. Zur Erinnerung: Bereits seit 2002 sind wir dort zusammen mit dem Nabu Buchholz Eigentümer. In den ersten Jahren kam uns die durch den vorherigen Pächter maschinengerecht gepflegte  Oberfläche entgegen. Beide Ackerflächen, die bis 2003 in einem Grünbrachenprogramm steckten, wurden von uns weiterhin einmal im Jahr (meistens im August oder September) maschinell gemäht, um die ohnehin mageren Sandböden noch weiter auszuhagern. Das Mähgut wurde daher von der Fläche entfernt, in Pressballen u.a. an interessierte Pferdebesitzer verschenkt.
Das Entwicklungsziel stand von vornherein fest: Beide Flächen sollen sich zu nährstoffarmen Sandmagerrasen entwickeln. Dieser Aushagerungsprozess kam in den Folgejahren (2003-2008) gut voran: der Grasaufwuchs wurde immer dünner und die Zahl der für Sandmagerrasen charakteristischen Pflanzenarten nahm an Zahl und Individuendichte langsam aber stetig zu.
Die Akttraktivität beider Flächen, vor allem auch für die Vogel- und Insektenwelt unserer Agrarlandschaft, leitet sich vor allem aus dem Zusammenwirken der Biotopvielfalt mit den angrenzenden Flächen ab.
Dazu gehören ein ehemaliges altes Sandgrubenareal mit kleiner Uferschwalbenkolonie, lockeres Buschland, ein lockerer kleiner Feldgehölzstreifen, ein Feuchtbiotop in Form eines Wassergrabens und zwei in Zusammenarbeit mit dem Nabu Buchholz vom AKN (1992 und 2003) angelegte, inzwischen prächtig gediehene Benjes-Heckenzüge unterschiedlicher Länge. Zusammen genommen hat sich hier  in der Feldmark ein hoch attraktiver Biotopkomplex entwickelt.
Wertgebende Vogelarten sind u.a.: Feldlerche, Baumpieper, Goldammer, Neuntöter, Uferschwalbe, mehrere Grasmückenarten, Wachtel und Rebhuhn.
Wertgebende Amphibien – und Reptilienarten sind Grasfrosch, Erdkröte, Knoblauchkröte und Zauneidechse.
Der Strukturvielfalt des Gesamtareals stand bisher die Relieflosigkeit der beiden ehemaligen Ackerflächen „auf dem Weg zum Sandmagerrasen“ gegenüber. Und das haben wir im November 09 geändert.
Bereits drei Jahre zuvor hatten wir mit Günter Rathjen von der Firma Pankop auf diesen trockenen Böden mit dem leichteren Radbagger an 10 –12 Stellen jeweils etwa 3 – 5qm der dünnen Grasnarbe abgezogen. Ein Angebot an konkurrenzschwache Blütenpflanzen für eine ungehinderte Keimung. Das Angebot wurde gut angenommen, u. a. vom Sandglöckchen.
Nun galt es doch, etwas tiefere unregelmäßige Mulden zu schaffen, z. T. bis in den „gelben Sand“, den mineralischen Unterboden. Mit dem am Rande der Mulden aufgebrachten Aushub sind nun Rohbodenareale mit kleinen Hangformationen entstanden, mit fließenden Übergängen in die geschaffenen Mulden. Mit einem Wort: Strukturvielfalt und damit ein um ein Vielfaches erhöhtes Angebot für an trocken-warme, sandige Kleinbiotope angepaßte Pflanzen- und Tierarten, vor allem Insekten. Aber auch Vögel finden hier nun geeignete Plätze u.a. zum Sandbaden, wichtig für die Gefiederhygiene.
Rund 10 solcher länglicher geschwungener Mulden mit Ausrichtung ihrer Längsseite nach Süden haben wir angelegt. Kleine Feldsteinhaufen wurden an verschiedenen Stellen zusätzlich eingebracht, auch etwas Totholz hier und da.

Jetzt – ab 2010 – werden wir gezielt weiterhin beobachten und dokumentieren, was auf den Flächen geschieht, mit besonderem Augenmerk auf die neuen Muldenareale. Nach einer ausreichenden Beobachtungszeit könnten durchaus weitere vorsichtige Maßnahmen folgen.
Beide Flächen sollen offen bleiben, sonnenbeschienen und trocken-warm mit möglichst geringer Humusneubildung. Gehölzanflug soll sich möglichst nur an den Rändern entwickeln dürfen. Die ausgesprochen mageren Sandböden der Zentralareale begünstigen eine solche Entwicklung.
Nicht nur der Kauf dieser beiden ökologisch wertvollen Flächen war das Ergebnis einer unkomplizierten zielorientierten Zusammenarbeit zwischen dem Nabu Buchholz und dem AKN.
Auch bei Anlage zweier Benjes-Heckenzüge 2003 und ihrer 2-3jährigen Folgepflege wirkten Vertreter beider Naturschutzvereinigungen prima zusammen. Da die Arbeitsgruppe Handeloh des AKN direkt vor Ort hier ihren Aktionskreis hat, wurde ihr sinnvoller Weise nach Absprache mit dem Nabu die aktuelle Betreuung übertragen.
Auch dieseZwischen Acker (links hinter der Hecke) und Sandmagerrasen (rechts): die prächtige 7 Jahre alte Benjes-Hecke
 Verunregelmäßigungsaktion war vorher mit Ulli Boner, dem Nabu-Vorsitzenden der Gruppe Buchholz, abgesprochen worden. Die Kosten für den Baggereinsatz haben wir uns geteilt.


In „Tateinheit“ mit dieser Maßnahme am Handeloher Friedhof wurde dann auch gleich eine Maßnahme ähnlicher Art auf dem „Hillenbarg“ in der Gemeinde Kakenstorf durchgeführt. Auch hier ging es um ein Aufbrechen der grasbewachsenen Monotonie auf einem mehr als 10 Jahre alten trockensandigen Brachacker, der sich – und das oben benutzte Wort Monotonie ist daher in gewisser Hinsicht missverständlich – bisher durchaus zu einer attraktiven Ödlandfläche inmitten intensiver Landwirtschaft entwickelt hat. Auch hier hat sich bei genauerem Hinsehen ein vielfältiges, biotoptypisches Arteninventar eingestellt vom Sandglöckchen bis zum Kleinen Habichtskraut, von jungen Weißdornsträuchern bis zum Eichen- und Birkenanflug und von zahlreichen Heuschreckenarten bis zu Feldlerche, Neuntöter und Rebhuhn.
Auch diese Fläche soll offen bleiben, daher werden die Anfluggehölze gezielt, aber selektiv zurückgedrängt.
Das Aufbrechen der in bestimmten Bereichen sehr dichten und verfilzten Grasflur bis auf den mineralischen Unterboden schafft „Luft“ für Pionierarten unter den Pflanzen mit den positiven Folgen für ihre dann weitere Ausbreitung auf der Fläche und für Tierarten der Sandäcker. An zwei Stellen wurden daher jeweils rund einhundert Quadratmeter in sehr unregelmäßiger Weise freigelegt.
Auch hier klappten Zusammenarbeit und Abstimmung zwischen AKN und Nabu Buchholz prächtig, schon deshalb, weil es inzwischen vielfältige wechselseitige Beziehungen zwischen einzelnen Vertretern beider Gruppen gibt.
Nabu- und AKN-Mitglied Gaby Krebs aus Holm-Seppensen ist als autodidaktisch arbeitende engagierte Botanikerin zugleich auch Betreuerin dieser Hillenbarg-Fläche des Nabu gemeinsam mit Reinhard Wietz. Mit ihr fand die Feinabstimmung statt.

Zum Schluss darf einmal mehr der Dank an Günter Rathjen nicht vergessen werden. Er brachte auch hier „auf dem Trockenen“ (und nicht wie sonst beim Tümpelbau und im Moor) in das von uns Vorgedachte mit Geduld und Einfühlung s e i n e  eigene „Schaufelmarke“ gekonnt ein. Beide Maßnahmen, am Hillenbarg wie am Handeloher Friedhof, haben schließlich auch experimentellen Charakter. Weitere Maßnahmen dieser Art werden von der zu dokumentierenden Wirksamkeit dieser Verunregelmäßigungen/Strukturmaßnahmen abhängen.


Zwischen Acker (links hinter der Hecke) und Sandmagerrasen (rechts): die prächtige 7 Jahre alte Benjes-Hecke



Noch fehlt selbst die kleinste Bodenwelle, aber die erste Veränderung hat gerade begonnen




Neue Angebote an Pflanzen und Tiere durch Bodenabtrag und Reliefentwicklung im Kleinen

 

[Inhalt]

 

Schleimpilze
Weder Tier noch Pflanze

Es war im Oktober letzten Jahres. Im Garten, auf einem alten Baumstumpf, stand meine blaue Blumenschale. Eines Tages sah ich, wie sich vom Baumstumpf hoch ein weißes Gebilde an der Blumenschale hocharbeitete. Es sah ausgesprochen hübsch aus und erinnerte an kleine Korallen. Ich fasste es an und es war weich und schleimig. Aha, dachte ich, ein Schleimpilz. Die Existenz von Schleimpilzen war mir bekannt, da ich vor zwei Jahren in der Nähe des Tister Bauernmoores auf geschreddertem Holz eine andren Art, und zwar die Gelbe Lohblüte, entdeckte.
Nun war es gar nicht so einfach, meinen neuen Fund zu identifizieren, denn in meinen Büchern konnte ich ihn nicht entdecken. Also begab ich mich ins Internet und dachte nach längerem Suchen auch fündig zu sein. Doch hielten die gefundenen Abbildungen dem Vergleich mit meinem Fund nicht stand. So müssen wir zunächst mit Reinhards Vorschlag leben. Wir nennen ihn „Plasmodium anonymus“ und fragen zugleich: Wer kann uns weiterhelfen?
Nach einer gewissen Zeit hörte „Anonymus“ dann auf zu wachsen und verfärbte sich zuerst grau und schließlich  dunkelbraun. Die Staubwolke beim Berühren zeigte die nun herangereiften Millionen von Sporen.

Nun zu der Gelben Lohe (Fuligo septica), auch bekannt als Hexenbutter oder in England als Rührei. Sie gehört zu den häufigsten Schleimpilzen und fällt durch ihre Größe und Färbung auf. Sie kann einen Durchmesser von 15 cm und eine Höhe von 2cm erreichen und besiedelt ebenfalls Holzabfall und Totholz, und da in unseren Wäldern davon inzwischen wieder reichlich vorhanden ist, tritt sie auch wieder häufiger auf. Sie verfärbt sich mit zunehmendem Alter von goldgelb zu bräunlichen Tönen.
 
Schleimpilze sind eine ganz besondere Art von Lebewesen. Sie sind weder Tier noch Pflanze, noch echte Pilze. Es gibt sie in vielen Formen und Farben. Sie können winzig klein sein aber auch eine große wabernde Masse bilden. Sie können sich fließend, strömend fortbewegen. Dabei umfließen sie kleine tote organische Nahrungsteilchen und auch Bakterien oder andere winzigen Organismen, nehmen sie auf und verdauen sie im Zellplasma.
Füßchenförmige, längliche dünne Zellfortsätze, die ausgestülpt und wieder eingezogen werden können, ermöglichen diese Fortbewegung. Sie können sich mit einer Geschwindigkeit von 1cm in der Stunde fortbewegen und dabei sogar Hindernisse überwinden.
Schleimpilze bestehen aus einem einzigen großen Plasmakörper, dem Plasmodium, in dem sich in der Wachstumsphase durch Teilung Millionen Zellkerne bilden. Eines Tages hört das Plasmodium auf zu fressen und bildet Fruchtkörper, und jede der vielen Zellkerne wird zu einer Spore, die je nach Art sehr unterschiedlich aussehen kann. Die Sporen dienen der Verbreitung.
Forschungen haben sogar gezeigt, dass Schleimpilze zu einer „ primitiven Intelligenz“ fähig sind, da sie aus einem Labyrinth den kürzesten Weg gefunden haben, wenn ein Anreiz in Form von Nahrung bestand.
Maria Nyhuis

Quellennachweis:
www-planet wissen.de
www.heise.de
www.messiah.edu
Kosmos; Der neue Pflanzenführer


„Plasmodium anonymus“  - (wer hilft bei der Bestimmung der Art?)



Gelbe Lohe oder Lohblüte
 .

[Inhalt]

 

Eine Fortsetzungsgeschichte
Der Fransen-Erdstern nun doch in der Samtgemeinde Tostedt

1 Die Fundgeschichte
Erdsterne werden in populärer Literatur und unter Pilz- und auch Pflanzenfreunden gerne als „Pilzblumen“ bezeichnet. Das rührt gewiss daher, dass sie den Betrachter bei der ersten Begegnung mit ihnen in Erstaunen versetzen, ob ihrer eigentümlichen Fruchtkörper-Gestalt, die sicher zu den außergewöhnlichsten in der Organismengruppe der „Pilze“ zählt. Erdsterne zu finden ist aber auch für langjährige Pilzkundler immer wieder eine besondere Freude. Und so verhält es sich auch bei den nun mehr zwei Arten auf dem Gebiet unserer Samtgemeinde.
In Heft 26 (2/2007) stellte Reinhard Kempe eine bemerkenswerte Kollektion von Erdsternen aus Höckel vor, zunächst unter dem vorläufigen Namen „Fransen-Erdstern“ oder auch „Bewimperter Erdstern“ (G. fimbriatum = G. sessile). Trotz der treffenden Beschreibung kamen dem Autor dieser Zeilen aufgrund der Photos Zweifel an der exakten Benennung der Kollektion. Im Folgejahr stellten sich die erneut wachsenden Pilze anlässlich einer gemeinsamen Begehung des Fundortes mit Herrn Kempe dann eindeutig als die vermuteten Halskrausen-Erdsterne (G. triplex) heraus (siehe auch Heft 27, 1/2008). Hierbei handelt es sich um die wohl häufigste Erdstern-Art des nordwestdeutschen Tieflandes, die an geeigneten, meist vom Menschen beeinflussten und eher stickstoffreichen Standorten, z. B. Gartenränder, Holzschnitzel-Fluren, durchaus nicht selten ist. Auf den ostfriesischen Inseln etwa ist der Halskrausen-Erdstern eine Charakterart der nährstoffreichen Sanddorn-Holundergebüsche in den Küstendünen. Auf dem Gebiet der Samtgemeinde war es allerdings für mich auch erst die zweite Begegnung mit dieser Art.
Der wahre „Fransen-Erdstern“ fehlte nach meinen Beobachtungen bislang nun also immer noch und ist auch in verschiedener Literatur (z. B. Wöldecke 1998, Krieglsteiner 1991) nicht für das Gebiet nachgewiesen. Die Art kommt im Tiefland nicht häufig vor, während sie in Wäldern des südniedersächsischen Hügellandes durchaus weit verbreitet ist. Er ist dabei auch nicht an einen bestimmten Waldtyp gebunden, lediglich ein gewisser Basenreichtum des Bodens muss gegeben sein.    
Während eines Sonntagsspaziergangs mit meinen Kindern durch den Düvelshöpen in Tostedt fiel mir dann am 18. November 2009 eine Erdstern-Gruppe auf, von der mir schon am Standort sofort klar war, dass es sich nur um den Fransen-Erdstern handeln kann. Die Pilze wuchsen am Rande eines feuchten Erlen-Eschenwaldes im Übergang zum Wegrand, ein Fleck, den wir schon unzählige Male vorher und viele Jahre lang begangen haben. Die insgesamt vier Fruchtkörper waren aufgrund der fortgeschrittenen Jahreszeit bereits etwas älter und nicht mehr photogen, doch durch ihre makroskopischen Merkmale hielten sie dem späteren sorgfältigen Abgleich mit verschiedener Literatur stand (Dörfelt 1989, Pegler & al. 1995, Hansen & Knudsen 1997, Laux 2001). Damit ist nun auch der Fransen-Erdstern endgültig für die Samtgemeinde nachgewiesen, nachdem er von mir wenige Wochen zuvor auch schon bei Kuhmühlen im benachbarten Landkreis Rotenburg/Wümme gefunden werden konnte. Der jetzige Fund des Fransen-Erdsterns im Düvelshöpen zeigt zudem wieder eindrücklich, dass zur kompletten Erfassung der Pilzflora eines Gebiets meist viele Jahre und Jahrzehnte notwendig sind.

2 Fransen- und Halskrausen-Erdstern – ein Vergleich
Die exakte Bestimmung unserer Erdstern-Arten ist nur unter genauer Beachtung des Fruchtkörper-Aufbaus möglich. Der Fransen-Erdstern unterscheidet sich vom Halskrausen-Erdstern zunächst einmal vor allem durch seine in der Regel etwas geringere Größe und das Fehlen der meist typischen „Halskrause“, welche die kugelartige Sporenhülle (Endoperidie) von G. triplex kragenartig umgibt. Fehlt G. triplex diese „Halskrause“, was nicht selten vorkommt und auch am Höckeler Standort zu beobachten war, so müssen weitere, etwas diffizilere Merkmale herangezogen werden. Die am Scheitel der Kugel befindliche Austrittsöffnung der Sporen, das sogenannte Peristom, ist bei den Erdsternen ein wichtiges Bestimmungskriterium. Es ist beim Fransen-Erdstern sogar namensgebend: fimbriatum = bewimpert. Unglücklicherweise hilft es aber bei unseren beiden Arten nicht weiter, da die Öffnung vom Halskrausen-Erdstern ziemlich ähnlich aussieht. Und bei beiden Arten ruht die „Kugel“ meist völlig stiellos auf den äußeren sternförmigen „Lappen“ (Exoperidie) – das bringt also auch keinen weiteren Erkenntnisgewinn. Ein schönes Merkmal dagegen lässt sich an den Unterseiten dieser „Sternenlappen“ ausmachen. Sie sind beim Fransen-Erdstern fast immer mit Sand- und Humusresten „beschmutzt“, während sie beim Halskrausen-Erdstern absolut „sauber“ daherkommen. Dieses lässt sich durch eine unterschiedliche Fruchtkörperentwicklung im jugendlichen Zustand erklären. Und zu guter letzt differieren auch die ökologischen Ansprüche ein wenig: Der Fransen-Erdstern ist eine Waldart, während der Halkrausen-Erdstern eher vom Menschen beeinflusste Standorte bevorzugt, doch ist auch dieses nicht immer scharf zu trennen. Die bei vielen Pilzgruppen meist sehr wichtigen mikroskopischen Merkmale, wie z. B. Sporen oder die Struktur der Pilzfäden, sind in der gesamten Gattung Geastrum derart ähnlich, dass sie für eine Bestimmung oft nur wenig weiterhelfen. Schöne Abbildungen beider und noch weiterer Erdstern-Arten finden sich beispielsweise bei Berndt (2010), Pegler & al. (1995), Laux (2001).

3 Viele weitere Erdsterne in Deutschland
In Deutschland sind derzeit etwa 17 Erdstern-Arten bekannt, die allermeisten von ihnen sind selten bis sehr selten – nur „unsere“ beiden Arten sind nicht in der Roten Liste Niedersachsens geführt – und kommen in zumeist basenreicheren Trocken- und Magerrasen, Graudünen und anderen Offenländern vor. Die stete Bedrohung dieser Biotoptypen erklärt die Seltenheit der Arten. Mitunter findet man in diesen spezifischen Trockenbiotopen verschiedene Arten nebeneinander. Ausgesprochene Waldarten sind in der Gattung Geastrum in der Minderheit. Außer dem Fransen-Erdstern gehören noch der Rötende Erdstern (G. rufescens) und der Kamm-Erdstern (G. pectinatum) in diese Gruppe; die beiden letzteren kommen ebenfalls sporadisch im nordwestdeutschen Raum vor. Auf dem Gebiet der Samtgemeinde Tostedt habe ich bislang keine weiteren als die beiden oben erwähnten Arten festgestellt. In Niedersachsen haben die meisten Erdsterne ihren Schwerpunkt wiederum auf den Ostfriesichen Inseln und hören beispielsweise auf die Namen Zwerg-Erdsten (G. minimum), Kleinster oder Heide-Erdstern (G. nanum), Kamm-Erdstern (G. pectinatum), Streifen- oder Kragen-Erdstern (G. striatum), Napf-Erdstern (Geastrum badium) oder Feld-Erdstern (G. campestre). Ihnen gemein ist die große Ähnlichkeit untereinander, die bei jedem Fund eine sorgfältige Untersuchung der relevanten, oben dargestellten Merkmale notwendig macht.
Sehr ähnlich den Erdsternen kann auch der Wetterstern (Astraeus hygrometricus) sein. Seine äußeren Sternenlappen sind viel fleischiger als bei den Erdsternen. Folglich ist er auch überhaupt nicht näher mit den Echten Erdsternen verwandt. Der Name des Wettersterns leitet sich von seiner Fähigkeit ab, völlig kugelig einzutrocknen und bei Regen wieder sternartig aufzuleben – eine Anpassung an seine bevorzugten warm-trockenen Standorte. Den eigentlichen Erdsternen der Gattung Geastrum fehlt diese „hygrometrische“ Eigenschaft. Der Wetterstern ist bei uns noch nicht gefunden worden und in Niedersachsen nur von wenigen Standorten bekannt (Wöldecke 1998).

4 Dank
Mein Dank gilt Herrn Bernt Grauwinkel (Berne) für die Bereitstellung der Dias von Geastrum fimbriatum sowie Reinhard Kempe für die Führung zum Standort des Halskrausen-Erdsterns in Höckel.

5 „Erdstern“-Literatur
Berndt, S. (2010): Bemerkenswerte Pilzfunde im Paderborner Land. 3. Teil. „Pilzblumen“ in den Wäldern um Paderborn. Tintling 62: 36-41.
Dörfelt, H. (1989): Die Erdsterne. Geastraceae und Asteraceae. – Leipzig.
Hansen, L. & H. Knudsen (1997): Nordic Macromycetes Vol. 3 – Heterobasidioid, Aphyllophoroid and Gasteromycetoid Basidiomycetes. – Nordsvamp, Copenhagen. 445 S. 
Kempe, R. (2007): Der Fransen-Erdstern, eine seltene Entdeckung in Höckel. – Mitteilungsblatt des AKN 26.
Kempe, R. (2008): Verfranst beim Fransen-Erdstern.  – Mitteilungsblatt des AKN 27.
Krieglsteiner, G. J. (1991): Verbreitungsatlas der Großpilze Deutschlands, Band 1: Ständerpilze, Teil A: Nichtblätterpilze. – Eugen Ulmer, Stuttgart. 416 S.
Laux, H. E. (2001): Der große Kosmos-Pilzführer. – Kosmos, Stuttgart. 718 S.
Pegler, D. N., T. Læssøe & B. M. Spooner (1995): British Puffballs, Earthstars and Stinkhorns. –Royal Botanic Gardens, Kew. 155 S.
Wöldecke, Kn. und Mitarb. (1995): Rote Liste der in Niedersachsen und Bremen gefährdeten Großpilze. – Informationsdienst Naturschutz Niedersachsen 5/95: 102-132, Hannover.
Wöldecke, Kn. (1998): Die Großpilze Niedersachsens und Bremens. – Naturschutz und Landschaftspflege in Niedersachsen 39: 1-536. Hannover.

Sonstige Quellen
www.synopwin.de>Pilzkartierung Niedersachsen


Fruchtkörper des Fransen-Erdsterns


Der Fransen-Erdstern.........


.... und zum Vergleich der Halskrausen-Erdstern

[Inhalt]

 

Aktivitäten des AKN im Winterhalbjahr 2009/10
Begehungen, Bereisungen, Treffen, Sitzungen, Arbeits- und Pflegeeinsätze
Sa. 14.11.09: Arbeitseinsatz in Handeloh („Kirschenreißer“),


Vilmut Brock (r.) mit Horst Gerlach und den Zivis Robert und Johannes nach dem Setzen der Fangeimer an der Amphibienleitanlage bei den Holmer Teichen

 

Di. 17.11.09: Pflegeschnitt der Obstbäume a.d. Quellener Straße,
Mi. 18.11.09: Vorsägearbeiten im Todtschlatt (Todtgl.) I,
Sa. 21.11.09: Großer Arbeitseinsatz im Todtschlatt I,
Mi. 25.11.09: Einweisung der diesj. Zivis in bestimmte Arbeitsfelder im Großen Moor u.a.,
Do. 26.11.09: Treffen der Verbände in Buchholz zum Thema Heidewasserförderung durch die Hamburger Wasserwerke,
Fr. 27.11.09: Herbst-Kaffeetrinken der Mitglieder der Donnerstags-Exkursionen,
Mi.02.12.09: Vorsägearbeiten im Todtschlatt II,
Do.03.12.09:  Vororttreffen auf der Drögen Heide zur Planung der winterlichen Arbeiten,
Fr. 04.12.09: Teilnahme an der Hauptversammlung des Vereins Krötenrettung Holmer Teiche,
Sa. 05.12.09: Großer Arbeitseinsatz Todtschlatt II,


Manfred Koslowski beim Pflegeschnitt unserer Obstbäume

 

Mi. 09.12.09: Vorsägearbeiten auf der Drögen Heide,
Do.10.12.09: Einbringen von Feldsteinen und Totholz in die Bodenmulden auf der AKN- u. Nabu-Fläche am Handeloher Friedhof,
Sa. 12.12.09:  Pflege der Obstbäume am Füssel in Heidenau,
Sa. 12.12.09:  Arbeitseinsatz auf der Drögen Heide,
Di. 05.01.10: Anbringen von Fraßschutzspiralen an den Obstbäumen am Kauers Wittmoor,
Do. 14.01.10:    Verbandspressetermin zum Thema Heidewasserföderung im Naturkunde-Museum „Alte Schmiede“ in Handeloh,
Do. 28.01.10:    Teilnahme an der Umweltausschuss-Sitzung der SG Tostedt,
Mo. 01.02.10:    Besprechung zur Gestaltung von Flyern,
Fr. 05.02.10:     Begehung von Gagelbeständen am Ottermoor u. im Kauers Wittmoor mit Herrn Hirt (Naturschutzbehörde des Landkreises): Pflegemaßnahmen und Nutzung als Blumenschmuck,
Mi. 10.02.10:    Teilnahme an der Umweltausschuss-Sitzung der Gem. Tostedt,
Mo.15.02.10:    Erörterung verschiedener Stellungnahmen zum Antrag der HWW zur Heidewasserförderung (innerhalb des AKN),
Do.18.02.10:    Abschluss der avifaunistischen Bewertung der Heidenauer Region „Fuchswinkel“ als Beitrag zur Festlegung der Ausgleichsmaßnahmen für den Bau der dort geplanten Biogasanlage,
Mi.03.03.10:    Gezielte Pflege des Equinox im Schmokbachtal (Edmund-Siemers-Stiftung),

 

Mi.03.03.10:    Start-Treffen der AKN-Mitglieder zum „Heidenauer Wiesenvogel-Monitoring“,
Do.04.03.10:    Auszäunung der gefährdeten Pflanzenwuchsorte an der Bahnlinie Handeloh – Wintermoor mit der Planungsbüro-Mitarbeiterin und dem dort zuständigen Bauingenieur im Zuge der Gleisbetterneuerung,
Do. 04.03.10:    Teilnahme am Treffen der Umweltverbände mit dem Landkreis,
Mo.08.03.10:    Obstbaumschnitt am Stockenweg, Wistedt,
Mo.15.03.10:    Obstbaumschnitt an der Quellener Straße, Wistedt,
So.14.03.10:    Abschließende Kontrolle der Auszäunungen an der Bahnlinie vor Einsetzen der Arbeiten
Mo.15.03.10:    Vorarbeiten und
Di.16.03.10:    Aufbau der Krötenzäune am Knick und Otterberg (Riepshof),
Mi.17.03.10:    Kleiner Arbeitseinsatz zum Eingraben der Fangeimer am Kontroll-Krötenzaun an den Holmer Teichen,
Di.23.03.10:    Treffen mit Vertretern der Bundesforstverwaltung auf dem ehem. Nato-Depot-Gelände zwischen Heidenau und Vaerloh: Übernahme von Betreuungsaufgaben durch den AKN.
Do.25.03.10:    Begehung und Vorplanung zur Entwicklung des Grünlandareals „Griesen Bült“ in der Wümmeniederung,
Mi.31.03.10:    Führung von CDU-Landtagsabgeordneten, Herrn Bordt vom Landkreis u.a. an den Trockenlauf der oberen Este bei Cordshagen und in die Gebiete Ottermoor/Otterheide: Gefährdung von Quellgebieten durch die Grundwasserförderung durch die HWW,
Do.01.04.10:    Steuerung der Herrichtung der Uferschwalbenwand am Handeloher Friedhof durch die Firma Pankop,
Sa.03.04.10:    Abbau des Riepshofer Krötenzaunes,
Di.13.04.10:    Kontroll-Begehung der Bahnlinienstrecke südlich von Handeloh nach Abschluss der Streckenerneuerung,
Mi.14.04.10:    Begehung und Bewertung verschiedener Projektflächen des AKN mit G. Knabe: Vaerloh, Todtglüsinger Deponie und AKN-Pachtflächen an der Oste,
Do.15.04.10:    Abbau von Altzaunstacheldraht auf unseren Pachtwiesen an der Oste,
Do. 15.04.10:    Teilnahme an der Umweltausschuss-Sitzung der Gem. Tostedt,
Fr. 16.04.10:    Mitgliederversammlung des AKN,
Di.20.04.10:    Zweites Treffen der Teilnehmer am „Heidenauer Wiesenvogel-Monitoring“,
Do.22.04.10:    Abbau des Krötenzaunes am Knick,
Do.22.04.10:    Erste Donnerstag-Exkursion (Düvelshöpen),
Mi. 28.04.10:    Teilnahme an der Umweltausschuss-Sitzung der SG Tostedt.
Hinzu kommt eine Vielzahl von Begehungen im Rahmen des Vogelmonitoring durch mehrere AKN-Mitglieder!
Lösungen von der Kinderseite:

Buche, Birke, Tulpe, Himbeere, Heide, Laerche, Walnuss,
Hase, Kellerassel, Fuchs, Marienkaefer, Marder, Biene, Wolf, Regenwurm, Kolkrabe, Dachs, Erdkroete, Wal, Loewe, Rentier

[Inhalt]

 

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