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Liebe Mitglieder und Freunde des AKN,

Ich denke, Ihnen wird es genauso ergehen wie mir: Jedes Jahr im Frühjahr erfreue ich mich am Erwachen der Natur. Die Tage werden länger, die Temperaturen steigen, die Vögel singen und die Frühjahrsblüher bringen die ersten Farben in die Natur. Dann treiben die Bäume aus, zuerst nur zart mit vorsichtigem Grün, dann immer stärker und mit allen Nuancen von Grüntönen, anfangs gelbliches Grün, auch mit rötlichem Schimmer, das dann übergeht in kräftigeres, dunkleres Grün. Und ehe man sich versieht, sind die Bäume belaubt und das Getreide steht bereits kniehoch.
Neben dem Sprießen des neuen Grüns sind es in erster Linie die Vögel, die uns den Frühling durch ihren Gesang anzeigen. Ihre Stimmen sind allgegenwärtig, auch wenn man viele von ihnen gar nicht zu Gesicht bekommt. Überhaupt sind die Vögel von allen heimischen Tieren am präsentesten. Ihre Gegenwart ist uns selbstverständlich, viele von ihnen kennen wir mit Namen. So ist es kein Wunder, dass die Vogelkunde viele Anhänger hat. Die Existenz bestimmter Arten in bestimmten Lebensräumen ist offensichtlich, ja charakteristisch, und lässt Aussagen über den Zustand eines Lebensraumes zu. Vögel ermögliche somit die Einschätzung der Qualität eines Lebensraumes, eines Landschaftsteils.
Wir bemerken oftmals auch eine Veränderung des Artenspektrums der Vogelfauna: bestimmte Arten werden seltener oder verschwinden ganz aus unserer Landschaft, andere Arten werden häufiger oder tauchen neu auf. Meist sind diese subjektiven Wahrnehmungen durchaus belegbar - teilweise jedoch auch nicht. Um genaue Aussagen über die Häufigkeit der einzelnen Arten machen zu können, müssen diese nach wissenschaftlichen Methoden untersucht werden. Dies geschieht zur Zeit in den einzelnen Bundesländern in Deutschland, so auch in unserer Region unter Beteiligung des AKN. Hierüber berichten wir in diesem Heft. Der „Vogelschwerpunkt" dieses Mitteilungsblattes wird abgerundet durch ein Porträt des Turmfalken, der Vogel des Jahres ist.
Der zweite Schwerpunkt unserer Mitteilungen beschäftigt sich mit den wieder umfangreichen Aktionen des AKN im letzten Winterhalbjahr, an denen viele Helfer beteiligt waren.
Ein weiterer größerer Beitrag schlägt einen Bogen vom örtlichen ehrenamtlichen Naturschutz zu umweltpolitischen Fragen und nimmt kritisch Stellung zu aktuellen Tendenzen, die uns die Arbeit erschweren.
Abgerundet wird dieses prall gefüllte Heft durch weitere Artikel zu den vielfältigen Aspekten unserer Arbeit und der Natur.
Ich wünsche viel Spaß beim Lesen
Ihr
U.Quante

 

 

 

 

 

 

 

 

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AKN-Splitter
Wichtiges - kurz berichtet

Everstorfer Moor: Der Durchbruch !
Es geht bei diesem Dauerthema (seit 1994!) zwar um Dammbauten zur Wieder-vernässung des Moores, um die Kammerung des tiefen und rund einen Kilometer langen Vorfluters, aber im jahrelangen Tauziehen um den rechtlich einwandfreien Weg dahin gab es nun am 28.03.07 endlich einen Durchbruch !
Auf Einladung der Heidenauer Bürgermeisterin, Frau Randt, war eine große Verhandlungsrunde zusammengekommen: Vertreter des Kalber Wasser- und Bodenverbandes, Vertreter der Boden/Luft/Wasser- und Naturschutz-Abteilungen des Landkreises Harburg und Vertreter der Klosterkammer als Eigentümerin der westlich an das Moor anschließenden Grünlandareale. Dazu Vertreter der Gemeinde Heidenau und des AKN.
In dieser Runde wurde nun der Gordische Knoten durchschlagen, den es – nüchtern betrachtet – in der Sache eigentlich gar nicht mehr gab, der sich aber in Form einer rechtlichen Klausel in der Köpfen einiger Akteure fest verheddert hatte.
Herr Schröder von der Klosterkammer war es dann, der durch seine offizielle Zustimmung zum Bau des Fanggrabens auf seinem Gelände den Befreiungsschlag einleitete.
Somit kann der Fanggraben gebaut werden, eine Sicherung vor möglicherweise auftretendem Druckwasser aus dem Moor.
Der Kalber Wasser- und Bodenverband wird diesen Graben bauen und seine Unterhaltung übernehmen, auch die Kosten der Beseitigung ggf. auftretender Schäden. Das war neu ! Plötzlich war das schon immer Naheliegende und Selbstverständliche ganz selbstverständlich!
Nun werden die Maße für den Fanggraben zu Papier gebracht, von den Behörden geprüft. Im September 07 soll der Fanggraben gebaut werden – vom Wasser- und Bodenverband Kalber Bach.
Im Oktober wird dann unter der Leitung der Naturschutzbehörde des Landkreises Harburg die Kammerung des Moorgrabens durchgeführt. Günther Rathjen von der Firma Pankop wird die Arbeiten durchführen – so wie das Moor sie braucht. Wir vom AKN sind glücklich, dass es nun endlich losgehen kann. Herrn Hirt, dem für das Naturschutzgebiet zuständigen Landkreisvertreter, geht es nicht anders. Es wird sicherlich eine gute konzertierte Aktion werden mit weitreichenden hoffnungsvollen Folgen für diesen wertvollen Hochmoor-Rest in unserer Samtgemeinde und im Netz der EU-Vogelschutzgebiete V 22, Moore bei Sittensen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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Der Turmfalke – Vogel des Jahres 2007
Er steht für den Greifvogelschutz insgesamt

Er ist kein seltener Vogel und in weiten Teilen der Bevölkerung ist er wohl bekannt. Neben dem Mäusebussard ist er unser häufigster Greifvogel. Dennoch wurde der Turmfalke vom Nabu zum Vogel des Jahres 2007 gekürt.
Die Vögel des Jahres haben immer einen Symbolcharakter und dies gilt auch für den Turmfalken, dessen Bestandszahlen langsam, aber stetig zurückgehen. Auch wenn er nicht auf der Roten Liste gefährdeter Arten steht und die Bestände in manchen Regionen stabil geblieben sind, hat die Zahl der Turmfalken nach Informationen des Nabu in einigen Teilen Deutschlands in den vergangenen 30 Jahren deutlich abgenommen. So ist in Baden-Württemberg die Zahl der Brutpaare um mehr als die Hälfte zurückgegangen und in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen haben sich die Bestände um mehr als 20 Prozent reduziert.
Die Ursachen hierfür sind vielfältig. In den Städten und Dörfern, in denen der kleine Falke seit alters her zu Hause ist, werden freie Flächen durch Straßen- und Neubauten zunehmend versiegelt.
Nistmöglichkeiten an Gebäuden und Kirchtürmen werden häufig durch Sanierungsmaßnahmen unzugänglich gemacht. Dem Turmfalken fehlt es aber auch in der offenen Landschaft, dort wo er bevorzugt auf Beutejagd geht, zunehmend an geeignetem Lebensraum. Feldgehölze und Schuppen, in denen er brüten könnte, sinken in Zahl und Qualität, es fehlen Hecken, einzelne Bäume und Pfähle, die der Vogel als Ansitz für die Jagd nutzt, und in der ausgeräumten Feldmark ist der Jagderfolg ungewiss.
Wie auch die anderen Greifvögel leidet er zudem unter dem Einsatz von Bioziden in der Landwirtschaft. Der Turmfalke als Vogel des Jahres steht damit auch für den Greifvogelschutz insgesamt. Als Endglieder in der Nahrungskette sind die Greifvögel aufgrund der Anreicherung von Pestiziden und anderen Giftstoffen in den Beutetieren besonders gefährdet. Eine naturverträgliche, nachhaltige Landwirtschaft, in der weitgehend auf Pestizide verzichtet wird, trägt zum Überleben des Turmfalken bei. Die Entwicklung einer gut vernetzten Landschaft mit breiten Saumstrukturen wie Feldrainen und Wegrändern, mit Hecken und Feldgehölzen ist die bedeutendste Schutzmaßnahme für den Turmfalken und die andere Greifvögel.

Der Turmfalke (Falco tinnunculus) ist mit seinen rund 35 Zentimetern Körpergröße und 75 Zentimetern Flügelspannweite einer der kleineren Falken. Das Männchen ist sehr prächtig gefärbt: es besitzt einen grauen Oberkopf, eine rotbraune gefleckte Oberseite und einen blaugrauen Bartstreifen. Das Weibchen ist weniger auffällig und besitzt eine gefleckte Braunfärbung.
Eines der wichtigsten Kennzeichen des Turmfalken im Gelände ist der Rüttelflug (im Volksmund wird er daher auch als Rüttelfalke bezeichnet). Dabei steht er, heftig mit den Flügeln schlagend und mit breit gefächertem Schwanz, in der Luft und sucht den Boden nach seiner Beute ab. Diese besteht vorwiegend aus Mäusen und größeren Insekten, die er nach schnellem Sturzflug geschickt erbeutet.
Der Turmfalke ist über ganz Europa und weite Teile von Afrika und Asien verbreitet. Während die nordeuropäischen Turmfalken Langstreckenzieher sind, bleiben die mitteleuropäischen ausgewachsenen Falken das ganze Jahr im Lande, die Jungvögel streifen im Winter umher.
Turmfalken sind vielseitige Baum-, Felsen- und Gebäudebrüter; die Nester werden sowohl offen als auch in Höhlen und Halbhöhlen angelegt. Baumhorste finden sich in isolierten Bäumen, in kleinen Gehölzen oder am Rand größerer Wälder in größeren Höhlungen sowie frei in alten Nestern von Rabenvögeln, Tauben, Greifvögeln . Felsnester befinden sich auf Simsen oder in Nischen. Innerhalb geschlossener Siedlungen sind Gebäudebruten vor allem an hochragenden Bauten (Kirchtürmen, Hochhäusern, Fabrikanlagen), isoliert an Ruinen und Brücken zu finden. Auch Feldscheunen, dort in Mauerlöchern, Nischen, auf Dachbalken, Dachböden usw., dienen als Brutplatz. Große Nistkästen werden bei Nistplatzmangel gern angenommen; so brütet ein Turmfalke in der Heidenauer Feldmark seit einigen Jahren in einem Schleiereulenkasten in einer Scheune.

Turmfalken sind bereits im 2. Lebensjahr geschlechtsreif und leben in der Regel monogam. Sie legen meist 4–6, seltener 3 oder 7 Eier, deren Grundfarbe gelblichweiß ist, mit brauner Fleckung. Die Eier werden ohne Nistmaterial auf die Unterlage abgelegt; bei mehrere Jahre hintereinander benutzten Nistplätzen kann die Nestmulde aber mit Gewöllen und alten Beuteresten ausgekleidet sein.
Der Legeabstand beträgt 1 bis 2 Tage, Brutbeginn ist ab dem letzten Ei. Die Brutdauer beträgt 27–31 Tage und nach weiteren 28-32 Tagen verlassen die Jungen das Nest.

In Deutschland leben knapp 50.000 Turmfalken-Paare. Europaweit gibt es etwa 350.000 Brutpaare; der Turmfalke ist damit die häufigste Falkenart in Europa.
In der Samtgemeinde Tostedt wurde der Turmfalken-Bestand im Rahmen der Linienkartierung mittelhäufger Vogelarten in den Jahren 2005 und 2006 vom AKN erfasst. Für das Messtischblatt 2724 konnten dabei 10 Reviere entlang der Begehungsstrecken nachgewiesen werden, so dass mit einer Anzahl von 30- 40 Paaren insgesamt gerechnet werden muss. Hinzu kommen die außerhalb des Blattes 2724 gelegenen Teile von Tostedt (Blatt 2623 Quadrant 4 und Blatt 2723 Quadrant 2 mit jeweils ca. 10-15 Paaren). Für die Samtgemeinde Tostedt ergeben sich damit ca. 50-70 Brutpaare.
Es bleibt zu wünschen, dass dieser schöne und interessante Greifvogel, der zudem ein guter Mäusevertilger ist, weiterhin häufig in unserer Feldmark zu beobachten ist.

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Das Weibchen ist braun gefleckt und besitzt einen braunen Bartstreifen

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Im Fluge fallen der lange Schwanz und die spitzen Flügel auf

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Im Flug beobachtet der Turmfalke aufmerksam die Umgebung

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Beim Rüttelflug schlägt der Falke heftig mit den Flügeln und fächert den Schwanz

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Nach steilem Sturzflug erbeutet er Mäuse und Insekten am Boden

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Häufig drängen sich sechs Junge im Nest

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Lob und Dank . . .
. . . den vielen fleißigen Händen!

Immer weiter dehnt sich unsere Herbst- Wintersaison für Biotop-Arbeiten bis in den März und April hinein aus. In der freien Landschaft dürfen aus verständlichen Gründen Arbeiten nur vom 1. Oktober bis 28. Februar durchgeführt werden. Anfang März beginnt die Fortpflanzungszeit der meisten Tiere. Augen- und ohrenfällige „Leittiergruppe" sind dabei die Vögel, von denen manche Arten bereits um den 1. März herum, z. T. schon ab Mitte Februar, mit der Balz, der Revierbesetzung und sogar mit Eiablage und Brut beginnen, wie z.B. Kolkrabe, Waldkauz und Kranich.
Milde Winter, wie der vergangene, und helle Märztage befördern dabei einen frühen Beginn.
Es ist daher eine Selbstverständlichkeit für den praktischen Naturschutz, entsprechend den gesetzlichen Vorschriften, Ende Februar die Pflege- und Entwicklungsarbeiten in der freien Landschaft zum Abschluss zu bringen oder sie bis zum nächsten Herbst zu unterbrechen. Das gilt gleichermaßen innerhalb wie außerhalb von Naturschutzgebieten. Außerhalb von Schutzgebieten gibt es einen Ausnahmebereich: die Pflanzung neuer Hecken und Gebüsche, wegbegleitender Bäume und die Anlage von Streuobstwiesen. Für solche und ähnliche Pflanzungen bieten nun einmal die Monate März und April (je nach Witterungsverlauf) biologisch-meterologisch geeignete Bedingungen, wenn sie aus organisatorischen oder technisch-praktischen Gründen nicht im Oktober/November durchgeführt werden können.

Übrigens ist auch die Forstwirtschaft gehalten, ihre Hauptarbeiten beim Holzeinschlag in den Herbst und Wintermonaten zu tätigen. Dennoch darf sie aus rein wirtschaftlich-organisatorischen Gründen während des ganzen Jahres im Wald tätig sein. Vorausschauende Rücksichtnahme auf die nötigen Ruheräume für Säugetiere und Vogelbruten (etwa Greifvögel, Kolkraben und auch Höhlenbrüter) ist dabei nicht nur Vorschrift, sondern auch praktizierte Selbstverpflichtung.

Wir haben in der vergangenen Herbst-Winter-Saison die nötigen Pflanzungen bereits im November durchgeführt: die Ausgleichspflanzung für das beseitigte Fichtenwäldchen an der Quellener Straße und einige Obstbaum-Ersatzpflanzungen für eingegangene Bäumchen des Jahres 2006 auf dieser Fläche.
Weitere nötige Arbeiten auf beiden Obstbaumflächen an der Tostedter Viehtrift wie Schnitt und Bodenbearbeitung wurden dann im März und April 2007 geleistet, an der Quellener Straße zudem eine „Vernichtungsaktion" gegen den Stumpfblättrigen Ampfer, der die Fläche zu dominieren droht. Auf beiden Flächen erhielten alle Bäume einen eigenen „Kennzeichnungspfahl" aus Eichenholz mit dem Namen der jeweiligen Hochstammsorte, fein eingraviert auf einem Metallschild. Eine tolle Idee von Karsten, dessen Schüler sich hierbei in praktischer Arbeit erfolgreich üben konnten.
In den von uns betreuten Mooren gab es nur wenige kleinere und punktuelle Arbeiten von Hand. Dafür war der Bagger von Günther Rathjen umso fleißiger, um die Vernässungsmaßnahmen voranzubringen. In verschiedenen anderen Berichten in diesem und auch schon im letzten (Weihnachts-)Heft wird und wurde darüber berichtet. Im NSG Everstorfer Moor sorgte die Heidenauer Arbeitsgruppe für die Beseitigung eines Moorbirkenriegels zur Verbindung zweier Pfeifengrasflächen mit Savannencharakter. Bei reichlich vorhandenem Moorbirkenwald kommen den baumfreien Gras- und Moorflächen viele wichtige Funktionen zu für Reptilien, zahlreiche Vogelarten und Insekten. Eine Entkusselungsaktion im Rauhen Moor kam noch hinzu.
Die Heidenauer Gruppe unter Hermann Aldag hat dann als weitere wichtige Maßnahme den nunmehr 15 Jahre alten Heckenzug am Füssel in Abschnitten auf den Stock gesetzt. Dieser Eingriff an der ca. 1,5 km langen vom AKN begründeten Hecke wurde nötig, weil es durch die gute Wüchsigkeit vieler Sträucher dort sowohl auf dem Feldweg als auch auf der Seite des Ackers zu Behinderungen für die Landwirtschaft kam.

Im Raum Heidenau wurde außerdem mit vereinten Kräften eine Grabenräumung per Hand durchgeführt. Es galt einer landwirtschaftlichen Fläche oberhalb der großen Siemers-Stiftungsfläche an der Aue das „Wasser abzunehmen", wie es im Wasserrecht festgelegt ist.
Natürlich kam auf der naturbelassenen Stiftungsfläche, die der AKN betreut, eine Räumung mit einem Bagger nicht in Frage. Das wurde auf einer vorangehenden Begutachtung der Situation mit dem Landwirt als dem Oberlieger, mit Vertretern der Wasser- und Naturschutzbehörde des Landkreises und dem AKN dann auch deutlich festgelegt. Also mussten wir mit Muskelkraft an die Sache herangehen, mental nicht unbedingt einfach für Naturschützer, die – vor allem in unseren Mooren – seit Jahrzehnten darum kämpften, das Wasser in den Schutzgebieten zurückzuhalten !

Vier Arbeitseinsätze gab es allein in der Gemeinde Handeloh. Die dortige Gruppe hatte dabei ihre Arbeitsschwerpunkte auf den sehr unterschiedlichen Teilflächen des Biotopkomplexes unterhalb des Handeloher Friedhofs, auf der Drögen Heide und in einem Kleinmoor bei Inzmühlen. Mit jeweils 8 – 12 Leuten gab es da an vier Samstagen vielfältige Arbeit. So kam auch ein selbstkonstruierter „Traubenkirschenreißer" zum erfolgreichen Einsatz. Konstruiert von Jan Kratzer und Ralf Kolm. Mit der Hydraulik und PS-Kraft eines Schleppers in Szene gesetzt, greift dieses mehrere Meter lange Gerät mit den Zinken einer Egge hinter die Stammbasis einer Traubenkirsche tief in den Boden und entwurzelt den Strauch bzw. den jungen Baum.
Über die Späte Traubenkirsche, diesen sog. Neophyten, Neubürger, aus Nordamerika, der inzwischen in jedem Landschaftsteil zu finden ist, haben wir in unseren Mitteilungen schon oft berichtet. Er ist aus den Wäldern und vor allem Waldrandgebieten und Feldgehölzen praktisch nicht mehr zu vertreiben. Das bedeutet aber auch, dass in diesen Bereichen die für die heimische Vogel- und Insektenwelt so wichtigen angestammten Sträucher und Bäume wie Faulbaum, Eberesche, aber auch Eiche und Birke zunehmend unterdrückt werden. Die Späte Traubenkirsche (Prunus serotina) ist ein schnellwachsender, Schatten vertragender Strauch, dessen Samen durch Vögel verbreitet werden. Bei entsprechenden Bedingungen wächst er aber auch schnell zu einem reichlich Früchte tragenden Baum heran. Abgesägt, schlägt er mit vielen kräftig aufstrebenden Jungtrieben (von oft 2 Meter Länge im ersten Jahr !) wieder aus, vervielfältigt sich gewissermaßen am selben Ort. Sisyphos lässt grüßen.
Dennoch haben wir uns für die Eindämmung dieses Strauches entschieden, hier in Handeloh, streng begrenzt auf unsere Kleinmoore und auf die offenen bis halboffenen Heiden und Sandmagerrasen.
Die Späte Traubenkirsche fasst nämlich in beinahe allen Lebensraumtypen unserer Landschaft Fuß, im Halbschatten und Schatten des Waldes, auf sandig-trockener Heide ebenso wie auf torfigem und z.T. nassem Grund im Moor.
Zwei Arbeitseinsätze gab es dann noch an den von uns gepachteten Dittmer-Teichen im Oste-Quellgebiet.
Zusammen mit der Familie Dittmer und deren Schlepperkraft haben wir mit 10 Leuten vom AKN am Westrand der Teiche im mittleren Abschnitt der Teichkette den Gewässerrandbereich von Bäumen befreit, so dass die Teiche und ihre Lebensgemeinschaften mehr Licht bekommen. Dazu wurde das Gebüsch in der unmittelbaren Uferzone an fast allen Teichen ausgelichtet. Köstlich bei dem ersten dieser Einsätze die kräftige und leckere Erbsensuppe, von Frau Dittmer vor der Fischerhütte dargeboten.

Mit Kleingruppen (2-6 Mann) haben wir im Februar und März dann noch alte Stacheldraht- und Schafweidenzaun-Reste im NSG Obere Wümme im Bereich Todtgraben-Dammgraben beseitigt. Auf den dortigen Weiden einschließlich des Heiderückens, den wir 2005/06 in Teilen freigestellt haben, werden Highlands gehalten. Sie leisten dort wertvolle Biotoppflege im weitesten Sinne. Im Herbst 2007 werden wir diese Restzaunbeseitigung noch fortsetzen müssen, da wir immer neue Stellen entdecken mit diesen für die Tierwelt und auch für die Rinder Gefahr bringenden Hinterlassenschaften einer nicht ordnungsgemäßen Weidepflege vormaliger Eigentümer bzw. Pächter.

Und dann waren da natürlich - wie in jedem Februar/März/April – Aufbau und Betreuung und schließlich der Abbau der Krötenzäune am Knick und im Bereich Riepshof.
Der von uns im Februar/März 2006 vor der Wanderung der Kröten, Molche und Frösche am Knick an der L 141 fest etablierte Zaun südlich der Straße hat seine Bewährungsprobe bestanden. Es musste keine aufwendige Straßensperre durch den Landkreis veranlasst werden, damit auf dieser Seite für die Helfer eine gefahrlose Aufstellung des Zaunes überhaupt möglich wurde.
Der Zaun steht jetzt ganzjährig dort, nur die rund 10 Öffnungen mussten durch ein geschlossenes Bauelement überdeckt werden – bei den 1-Meter-Bauelementen eine Arbeit von 15 Minuten !
Auf der Radwegseite wurde dann der mobile Zaun mit 4 Leuten relativ rasch erstellt, zumal Karsten Müller unserem Balkenmäher einen kleinen einscharigen Pflug verpasst hat, mit dem die 250 m lange Furche für die lückenlose Befestigung des Zaunes im Boden schnell zu schaffen war. Über kleine Missgeschicke auf dem Weg zu diesem Ziel soll hier geschwiegen werden. Danke, Karsten, für diese arbeitserleichternde Tüftelarbeit.
Unser neuer „Minipflug" bewährte sich dann auch am Otterberg/Riepshof.
Mit Unterstützung der beiden diesjährigen Zivildienstleistenden der Gemeinde Tostedt, Philip Peschutter und Paul Tröger, wurde dieser Zaun gerade noch rechtzeitig vor Einsetzen der Wanderung erstellt. Während am Knick durch die beiden Zäune rechts und links der vielbefahrenen Landstraße die laichbereiten Tiere jeweils auf ihren „angestammten" Seiten verbleiben sollen, müssen die Tiere am Otterberg zunächst in den versenkten Eimern am Zaun aufgefangen und dann über die Straße gebracht werden, wo ihr Laichgewässer ist. Dazu ist eine täglich zweimalige Kontrolle der Eimer nötig. Auch bei dieser Arbeit haben die Zivis Karsten kräftig unterstützt. Insgesamt wurden 2150 Tiere über die Straße getragen !
Am Knick ist diese aufwendige Betreuung nicht nötig, da auf beiden Seiten geeignete Laichgewässer sind, die auch angenommen werden.
Die beiden Zivis haben neben diesen Betreuungsarbeiten noch verschiedene andere Arbeiten für den AKN durchgeführt. Dazu gehören mehrere Grabenschließungen im Großen Moor, in Bereichen, die für den Bagger nicht zugänglich sind. Auch haben sie im Moor eine größere Fläche entkusselt.

Im Bereich Wistedt-Süd, nahe der Oste, haben die beiden jungen Leute durch weitere Dammverstärkungen an einem Entwässerungsgraben wesentliche Hilfe geleistet für die Wasserrückhaltung auf einer Sumpfweide, für die der AKN die Betreuung von der Gemeinde Tostedt übernommen hat.
Hier nach altem und gutem Brauch die Namen all‘ derer, die dabei waren in diesem Winterhalbjahr, mindestens einmal, viele bei mehreren Einsätzen, manche bei vielen ! Wieder einmal sind es rund 60 (!) fleißige Helfer gewesen !
Herzlichen Dank sagt der Vorstand, herzlichen Dank sagte auch „die Natur", könnte sie sprechen. Wer allerdings genau hinsieht und –hört, wird diesen Dank wahrnehmen können am Folgegeschehen vor Ort, draußen, wo die Kröten laichen, die Torfmoose quellen, Libellen fliegen und der Kranich brütet und und und.

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Unsere Heidschnucken als Obstwiesen-Pfleger an der Viehtrift

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Pflege der Pflanzscheibe und Düngung tut Not

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Sperrige Arbeit an der Füssel-Hecke in Heidenau

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Grabenräumung: Blätter und Astwerk müssen raus

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Mit vereinten Kräften: das Wasser läuft wieder

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Freistellen der Ufer an den Dittmerteichen

Erfindungsgeist:

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Unser Minipflug im Einsatz beim Aufbau der Krötenzäune

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Der "Traubenkirschen-Reißer" von Handeloh

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Schöpferische Pause vor der Fischerhütte

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Streuner-Katzen
Eine unkontrollierbare Gefahr für unsere Vögel

Seit 12 Jahren bin ich mit der Katzenfalle unterwegs – sporadisch, je nach Meldungen. Früher haben die Bauern die neugeborenen Katzen (wenn sie sie denn fanden!) ertränkt oder erschlagen. Der Tierschutz hat inzwischen (weltweit) erkannt, dass das Eindämmen der Katzenschwemme einzig durch die Kastration möglich und sinnvoll ist.
Anfangs half ich bei der „Haus- und Wildtierhilfe" mit, inzwischen mache ich das bei der „Katzennothilfe e.V.", für die ich auch alle 2 Jahre eine Haussammlung (vom Ordnungsamt genehmigt) durchführe – Haus bei Haus in Handeloh, Wörme, Inzmühlen, Höckel und Welle. Das Kastrieren kostet normalerweise viel Geld: Katze 80 €, Kater etwa die Hälfte. Durch Verhandlungen mit Tierärzten haben wir einige Veterinäre zu Sonderkonditionen überreden können – denn die Streuner gehören ja niemandem, wer also zahlt dafür?

Es ist eine mühsame Sache, ein „Fass ohne Boden". Aber in unserer Gemeinde habe ich die Katzenschwemme doch schon ziemlich im Griff. Manchmal bittet mich sogar das Tierheim Buchholz, eine Fangaktion durchzuführen; so arbeiten wir Hand in Hand. Denn manchmal wissen wir nicht, wohin mit eingefangenen (und kastrierten) Katzen, weil die gelegentlich nicht an den Fangplatz zurück können (sollen vergiftet werden; Leute sind weggezogen, haben ihre Tiere einfach zurückgelassen; eine alte Dame muss ins Heim, kann das bisherige Füttern nicht mehr fortsetzen usw.). Dann suche ich vorübergehend einen leerstehenden Raum, eine Pferdebox, ein kleines Gehege, um die Katzen dann paarweise als Mäusefänger an Reiterhöfe etwa zu vermitteln (immer gegen eine geringe Schutzgebühr, wirklich zum Schutz des Tieres!).

Schließlich sind es keine Wildkatzen, sondern verwilderte Hauskatzen! Sie werden z.B. aus Autos einfach rausgeworfen: „Die finden schon was!" oder wenn zugelaufen – etwa bei Restaurants, Campingplätzen oder privat am Haus – liebevoll gefüttert: Dann vermehren sie sich umso kräftiger! Es werden immer mehr, wenn man nichts tut!

In dem langen und sehr kalten Winter 2005/06, als der Boden tief durchgefroren auch noch mit Schnee bedeckt war, gab es als Futter keine Mäuse mehr für wildlebende Katzen. Da kamen bei einer Familie in Hanstedt - zu ihren bereits aufgenommenen 12 Katzen – aus den Wäldern hinterm Haus 17 hungrige Tiere dazu! Sie waren aber alle scheu, so dass kein Tierheim sie aufnehmen wollte (unvermittelbar!). Jetzt wird die Familie mit Futterspenden unterstützt, und ab und zu werden Katzen an Reiterhöfe o.ä. vermittelt – wieder mit Hungernlassen und Mühe erneut in die Falle gelockt. Es ist wirklich nicht mehr witzig manchmal.
Einen besonders krassen Fall haben wir in der Gemeinde Welle: Ein Katzenbesitzer will aus lauter Tierliebe nicht kastrieren lassen, hat inzwischen über 20 Katzen! Auf mein Angebot, beim Kastrieren zu helfen, auch finanziell, antwortete er sehr höflich aber bestimmt: „Wir respektieren das Leben unserer Katzen! Es ist erwünscht, dass sie sich vermehren! Sie werden gefüttert, aber sie fressen auch Mäuse und Vögel, und sie werden gefressen: Wir haben hier Marder und Füchse! Aber sie sollen sich ihrer Art gemäß wildlebend fortpflanzen ......."
.......und immer wieder kommen in Welle und Handeloh und Höckel unkastrierte Kater an, die offensichtlich vom Chefkater vertrieben wurden und die jetzt eine Katze und auch Futter suchen!
Unkastrierte Kater versuchen in ihrer Not sogar, bereits kastrierte Katzen-Mädchen zu vergewaltigen, was immer mit oft schweren Bissverletzungen und damit Tierarztkosten für die Besitzer verbunden ist. Unser Katzenbesitzer ist unbelehrbar, selbst das Veterinäramt hat nichts bewirken können: Es ist schließlich nicht strafbar, wenn man seine Katzen nicht kastrieren lässt!
Seit 1995 (als ich von der damaligen Schäferin in Inzmühlen, die jetzt im Ruhestand lebt und dort weiterhin mit der Falle unterwegs ist, angelernt wurde) habe ich rund 375 Katzen und Kater mit der Lebendfalle zum Kastrieren (ganz selten zum Einschläfern) eingefangen. Ich bin immer froh, wenn sie dorthin zurück dürfen, wo sie gefangen wurden. Gerade in Restaurants ist das Füttern kein Problem, weil immer reichlich Fleisch- und Fischabfälle anfallen. Oft melden Spaziergänger, die mit wachen Augen durch die Landschaft ziehen, dass sie Unmengen von Katzen mit immer neuem Nachwuchs beobachtet haben. Ob wir da nicht etwas unternehmen können ...? und schon habe ich wieder irgendwo im näheren oder auch weiteren Umland eine Fangaktion am Hals. Ich war schon in Appel, in Hanstedt, in Welle, in Undeloh, Dohren, Tostedt, in Lüllau, Vaensen, Schierhorn, Wesel, in Marxen, Todtglüsingen, Dibbersen, Wilsede, in Ottermoor, Bendestorf, Wesseloh, Toppenstedt, Thieshope, Moisburg, Reindorf, Wüstenhöfen, Holm-Seppensen, Jesteburg und natürlich in Handeloh.
Es ist auch deshalb so stressig, weil man immer eine Fangaktion gut vorbereiten muss: Ein Futterplatz muss vorhanden sein, aber am Tag davor darf nicht mehr gefüttert werden, denn die Tiere gehen nur aus Hunger in die Fallen. Der Köder muss richtig platziert werden, das Werkzeug (Fallen und Überlaufkästen) muss stimmen, die Behälter müssen alle in mein kleines Auto passen, sonst muss ich erstmal abbrechen, am nächsten Tag weiterfangen. Manchmal die ganze Woche lang. Die kastrierten Tiere werden dann so lange irgendwo „gebunkert", bis ich alle weggefangen habe, damit sie nicht erneut in die Fallen gehen.....Es ist wirklich ein mühsames Geschäft ! Ich weiß, dass der Hamburger Tierschutzverein eine hauptamtlich angestellte Katzenfängerin für den Großraum Hamburg hat. Ich hier mache das alles „mal eben so" als Rentner-Beschäftigung nebenbei, setze oft Geld für Sprit zu. Da ist ein Arbeitseinsatz beim AKN richtige Erholung immer! Aber wenn man nichts tut, vermehren sich die Streuner – die meistens liebevoll gefüttert werden! – explosionsartig immer weiter (siehe südliche Urlaubsländer!). Und Mithelfen ist nicht so einfach, weil man als Berufstätiger nicht die Fangzeiten einhalten könnte: Manchmal früh morgens ab 6.30 Uhr oder abends im Dunkeln bis nach Mitternacht ! Habe schon oft frierend mit Wolldecke um auf das erlösende Knallen der Falltür gelauert. Alles muss abgestimmt sein mit den Tierarztterminen! Also immer nur wochentags! Gesucht sind rüstige Rentner mit Auto und tierschützerischem Engagement!

In Absprache mit Edith Birger möchte ich noch folgende Gedanken anschließen:
Wie gesagt – Streuner sind „herrenlose" Katzen und Kater.
Ihre zunehmende Zahl stellt, vor allem während der Brutzeit der Vögel im Frühjahr, eine unkontrollierbare Gefahr dar; sie jagen um zu fressen. Die liebevoll gefütterten Katzen mit „festem Wohnsitz" mit Bezug zu Haus, Hof und für sie sorgenden Menschen richten in der Vogelwelt jedoch auch starke Schäden an, denn ihr Jagdinstinkt bleibt erhalten – auch bei bester Pflege – und wird bei einem gesunden Tier auch ausgelebt.
Hier haben Katzenhalter eine doppelte Verantwortung: sie sollten ihre Lieblinge ebenfalls kastrieren und die Tiere im Frühjahr zwischen Mitte April und Ende Juni nicht frei herumlaufen lassen.
Auch von diesen „behüteten" Katzen gibt es inzwischen so viele, dass die Vogelwelt der Gärten und Ortsränder schwer messbare, aber aufgrund zahlreicher hochgerechneter Einzelbeobachtungen, erhebliche Verluste hinnehmen muss. Mein Garten z.B. ist Jagdrevier für 3-4 sog. behütete Katzen !

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Edith Birger mit 2 Fang- und Transportkörben

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Streunende Katzen bedrohen die heimische Vogelwelt

Weitere Informationen:
www.katzennothilfe.de

Infos für SG Tostedt:
Edith BIRGER
Tel. 04188-7759

 

Spenden bitte an:
Katzennothilfe e.V:
Sparkasse Harburg-Buxtehude
BLZ 207 50000
Konto-Nr. 302 1987

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Langzeit-Brutvogelmonitoring
– der lange und gleichmäßige Atem bringt‘s

Wir kennen das ja – ständig greift der Mensch in die Natur ein, die Landschaft verändert sich, jetzt auch das Klima, Arten wandern ein, andere verschwinden. Jeder aufmerksame Naturfreund macht seine Beobachtungen und kann berichten – hier gab es damals noch Uferschnepfen – dort kommen jetzt Sittiche vor … Aber welche dieser vielen Beobachtungen sind wissenschaftlich belastbar, weil vergleichbar? Und was wissen wir wirklich davon, wie es z.B. hier bei uns vor 100 Jahren aussah? Da gibt es die alten Vogelkundler, die dann notierten: „Feldlerchen, Grauammern, Rebhühner überall in der Feldmark häufig". Weil es natürlich schwierig ist, gerade das Häufige in seiner Menge zu zählen, greift man gerne zu halbquantitativen Aussagen. Aber gerade auch die ‚normalen’ Tier- und Pflanzenarten unserer Landschaft zeigen an, welchen Einflüssen sie ausgesetzt ist und in welchem Zustand sich die Landschaft befindet.
Im Februar 2002 erhielt ich einen Anruf, in dem ich angefragt wurde, ob ich mich nicht an einem Zählprogramm für häufige Brutvögel beteiligen würde. Es soll nämlich ein bundesweites Monitoring-Programm durchgeführt werden, das genau die oben skizzierte Lücke schließen möchte. Auf Flächen von 1 km
2 Größe, deren Repräsentativität vom Bundesamt für Statistik und Raumordnung ausgewählt wurde, sollen die häufigen Brutvögel mit einem vereinfachten Verfahren bestimmt werden. Vereinfacht insofern, als nicht wirklich flächendeckend gezählt werden soll, sondern entlang einer einmal definierten und dann nicht veränderten Linie. Außerdem soll die Zählung nur an vier Terminen in jeder Saison bei gutem Wetter durchgeführt werden. Der Zeitumfang für eine Fläche erschien mir schaffbar, die Aufgabe spannend, weil in ein großes Team integriert, und die angebotene Fläche – Niedersachsen 272, Südost Otter (s. Karte) – sehr reizvoll, da sie den nördlichen Bereich des Großen Torfmoores in der Wümmeniederung berührt. Es werden noch vier weitere Flächen in unserer Samtgemeinde vom AKN betreut, eine bei Hollinde von Heinrich Busch, eine zwischen Heidenau und Ochtmannsbruch von Uwe Quante (s. Bericht) und zwei Flächen von Reinhard Kempe im Bereich Ottermoor und im Dorf Handeloh. Eine sechste Fläche in unserem weiteren Umfeld – im Bereich des Ekelmoores bei Stemmen – wird ebenfalls von Reinhard Kempe bearbeitet.
Inzwischen liegen die ausgewerteten Ergebnisse von drei Beobachtungsjahren 2004 – 2006 vor, die Kartierung 2007 läuft. Das Gebiet, dessen Zuschnitt mir ja vorgegeben war, ist auf der Karte erkennbar. Von der Straße Otter – Todtshorn aus Nordost in das Gebiet startend, kommt man zunächst durch den für die intensive Grünland- und Ackerwirtschaft kraftvoll hergerichteten Nordbereich der Wümmeniederung. Ein Gehölzstreifen mit alten Eichen, ein verkrauteter Graben und eine kleine Fichtenschonung sind die Highlights. Dann geht es weiter in die Übergangszone zwischen dem Birkenbruchwaldkomplex des Großen Torfmoores und den Wiesen. Diese Zone ist die interessanteste: Weidengebüsche, schmale Streifen von Birkenwald auf Torf mit einzelnen Torfstichen, Hochstaudenfluren wie verbinste Weiden wechseln sich mosaikartig ab. Hier gibt es Refugien für eine Vielzahl von Vogelarten. Der zusammenhängende Bruchwaldkomplex im Süden des Gebiets ist zwar strukturell auch nicht überall einheitlich, es kommen aber ausgedehnte Bestände von gleichaltrigen Birken auf torfmoos-überwachsenem Untergrund vor, so dass die Vielfalt im Vergleich zur Übergangszone wieder abnimmt.

Die Ergebnisse der Vogelzählungen sind in der folgenden Tabelle zusammen gestellt. Aufgeführt ist für jede Art, deren Brut entlang der Linie durch das Gebiet angenommen wird, die Zahl der Brutreviere für die Jahre 2004 – 2006 sowie die sogenannte Abundanz, d. h. der Anteil der Reviere jeder Vogelart an der Gesamtzahl der Reviere in %, ein Maß für die Häufigkeit. Zum Vergleich habe ich auch die Abundanzen aus allen Erhebungen in Niedersachsen aufgeführt.
Was können uns diese Zahlen sagen ?

1. Bisher sind 39 Vogelarten als Brutvögel festgestellt, wobei diese Feststellung sich auf die Brutzeitbeobachtungen stützen, nicht auf Nestfunde. Wahrscheinlich kommen einige Arten mehr vor, die aber mit dem gewählten Verfahren nicht erfasst werden können (z. B. Eulen). Zu berücksichtigen ist auch, dass das Untersuchungsgebiet zwar im Norden aus ausgedehnten Grünländereien besteht, meine Zählroute diese Gebiete aber nur randlich streift, Arten die darin brüten also leicht übersehen und überhört werden können.
2. Die beiden häufigsten Vogelarten sind Fitis und Zilpzalp. Diese beiden Arten unscheinbar grünlich gefärbter Laubsänger, die aber durch ihre Gesangsfreudigkeit leicht auf fallen, stellen über 17 % der Vogelreviere. Ihre hohe Häufigkeit weist auf den Reichtum des Gebietes an Insekten-freundlichen Gebüschen und gut geschützten Brutmöglichkeiten am Boden hin.
3. Die Bedeutung dieser Gebüsche als Lebensraum für Vögel lässt sich auch daran erkennen, dass die Grasmückenarten (Garten-, Mönchs-, u. Dorngrasmücke) hier wesentlich häufiger vorkommen als im Durchschnitt von Niedersachsen.
4. Die häufigsten Arten für das Bundesland Niedersachsen sind Buchfink, Amsel und Kohlmeise. Diese Arten mit ihren unspezifischen Lebensraumansprüchen kommen auch in dem Beobachtungsgebiet vor, aber doch deutlich weniger häufig.
5. Die Besonderheiten des Gebietes lassen sich auch an den selteneren Arten erkennen. Das Vorkommen von Rebhuhn, Bekassine, Rohrammer - um nur drei zu nennen – zeigt, dass hier besondere Lebensräume - Dank des Schutzes als NSG – noch erhalten sind und Arten hier einen Rückzugsraum gefunden haben.

Nach drei Jahren der Kartierung sind diese Zahlen für sich interessant, stellen aber noch keinen wirklichen Fortschritt im Suchen nach neuen Erkenntnissen dar. Erst allmählich und in der Zusammenschau aller Zählungen kann deutlich werden, was sich in unserer Landschaft abspielt und welche Auswirkungen dies auf die Vogelwelt hat. Ein Anfang für ein Monitoring ist gelegt, nun heißt es einen langen Atem behalten und die Zählungen jedes Jahr wiederholen. Später wird man z. B. sagen können, was der Klimawandel für die Vogelwelt bedeutet oder wie die Umstellung auf Energiepflanzen die Landschaft und die darin lebende Tierwelt verändert.

Lage der Probefläche NI 272 südöstlich von Otter

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Lage der Probefläche NI 166 südlich von Ochtmannsbruch

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Das ADEBAR-Projekt
Ein Bericht zum Vogelmonitoring

Die Ornithologen Niedersachsens, ja ganz Deutschlands, haben sich zum Ziel gesetzt, die Vögel unserer Heimat möglichst genau zu erfassen und im sogenannten ADEBAR-Projekt zusammenzutragen.
Auch ich wollte mich nicht ausschließen, und so hatte ich dann auch schnell „meinen Quadratkilometer": Probefläche Niedersachsen 166, gelegen in der Feldmark zwischen Ochtmannsbruch, Dohren-Gehege und Heidenau (s. Karte). Hier sollte ich auf einer vorgeschriebenen Strecke an vier Terminen im Jahr alle sicht- und hörbaren Vögel notieren.
Diese relativ einfach erscheinende Aufgabe erwies sich dann jedoch als wesentlich schwieriger und aufwendiger als gedacht. Zum einen mussten die Begehungstermine eingehalten werden: 1. Termin: 10.3.–31.3., 2. Termin: 1.4.-30.4., 3. Termin: 1.5.-21.5., 4. Termin: 22.5.-20.6., zum anderen sollten die Begehungen „in den frühen Morgenstunden", stattfinden, d.h. um bzw. kurz nach dem Sonnenaufgang beginnen und das bei „geeigneter Witterung" – im Klartext: es durfte weder regnen und noch durfte Wind wehen.
Die ersten Probleme entstanden bereits durch die Osterferien, in denen ich nicht zu Hause war. Als Folge davon blieben für die März- und Aprilbegehungen nur noch wenige Tage übrig, d.h. nur noch wenige Wochenenden, denn die Wochentage fielen ja wegen des Berufes aus. In der Praxis sah das dann so aus:

6.00 Uhr am Samstag Morgen im April, das Aufstehen fällt recht schwer – es ist noch dämmerig. Wie ist das Wetter? Es regnet - keine Besserung in Aussicht! Na ja, am morgigen Sonntag ist es vielleicht ja trocken.

Im Mai findet diese Prozedur bereits um 5 Uhr, im Juni um 4,30 Uhr statt. Bei geeignetem Wetter geht es dann in aller Herrgottsfrühe los. Auch wenn das frühe Aufstehen Überwindung kostet, so wird dies schnell aufgewogen durch den Zauber des frühen Frühlingsmorgens: im Licht der aufgehenden Sonne - teilweise liegt noch Dunst über den Wiesen - ertönt das vielstimmige Orchester der morgendlichen Musikanten. Ein eindrucksvolles Erlebnis!
Es bleibt jedoch nur wenig Zeit, dieses Schauspiel zu genießen, geht es doch darum, die einzelnen Instrumente, die in diesem Orchester mitspielen, zu identifizieren, d.h. die einzelnen Vogelarten, ihre Anzahl und ihren Standort herauszufinden. Hierbei helfen dann die häufig vorkommenden Soloauftritte der Sänger und, nach mehrmaliger Begehung, auch die Kenntnis, dass an bestimmten Orten immer wieder die gleichen, ja die selben Vogelmännchen singen. So geht man dann auch schon mit der Erwartung auf seinen Weg, am Waldrand den Baumpieper während seines Balzfluges zu hören, und gleich daneben einen zweiten, an der Wegkreuzung im lichten Buchenwald den Waldlaubsänger und am Feldweg die drei Feldlerchen, eine links und zwei rechts. Ja, man wundert sich sogar, wenn ein Sänger fehlt, und man bleibt stehen in der Erwartung, er werde sicher gleich mit seinem Gesang beginnen.
Alle Beobachtungen werden akribisch in eine Karte eingezeichnet, die Vogelarten mit Abkürzungen, ihr Verhalten mit Symbolen (ob gesehen, im Flug, singend, schimpfend, Männchen oder Weibchen, gleichzeitig mit dem Nachbarn derselben Art, mit Futter, Nistmaterial usw.).
So eine morgendliche Begehung dauert dann auch ihre Zeit, meist drei bis vier Stunden. Aber es gibt einen positiven Nebeneffekt: die Rückfahrt führt beim Bäcker vorbei und so ist man mit frischen Brötchen rechtzeitig zum Frühstück bei der Familie zurück.
Von Begehung zu Begehung vergrößert sich die Zahl der Sänger deutlich, da immer mehr Zugvögel zuück- kommen und ihre Reviere besetzen. So ist es möglich, sich jedes Jahr wieder gut „einzuhören", denn über den Winter verliert man auch immer wieder ein wenig die Übung, die Vögel am Gesang zu erkennen.

Auch wenn die Kartierung noch in diesem und im nächsten Jahr fortgeführt wird, so sind doch bereits erste Ergebnisse erkennbar. Eine Zusammenfassung meiner Vogelzählungen in den Jahren 2005/2006 ist in der folgenden Tabelle dargestellt. Neben der jeweiligen Art ist die Zahl der Brutreviere in meinem Quadratkilometer sowie die Häufigkeit, die sogenannte Abundanz, d. h. der Anteil der Reviere jeder Vogelart an der Gesamtzahl der Reviere in % und zum Vergleich auch die Abundanzen aus ganz Niedersachsen aufgeführt.
Die Zusammensetzung der Biotoptypen in den 100 ha südlich von Ochtmannsbruch ist völlig anders als die von Alexander Gröngröft bei Otter untersuchten. Ein Großteil der Begehungsstrecke führt durch Wald, wobei sowohl Laubwald- als auch reine Nadelwaldanteile vorkommen. Der Laubwald zeigt zudem ein Spektrum vom Buchen- über einen Eichenmisch- bis zum Erlenwald nasser Ausprägung. Daneben gibt es aber auch offene Landschaft mit Äckern und Wiesen, eingestreuten Hecken, Feldgehölzen und Weihnachtsbaumplantagen. So ist es kein Wunder, dass ich mehr Arten, ein deutlich anderes Artenspektrum sowie teilweise deutlich andere Abundanzen festgestellt habe als Alexander.

Die wesentlichen Erkenntnisse meiner Zählungen sind folgende:

1. Es wurden bisher 54 Arten mit 310 Revieren in den Jahren 2005 u. 2006 festgestellt, 44 Arten davon in beiden Jahren. Einige Arten sind sicher noch übersehen worden; so konnte ich z.B. zwei neue Arten bei den ersten Begehungen in diesem Jahr (2007) nachweisen. Hierbei gilt das bereits bei Alexander Gröngröft Gesagte: es handelt sich um Brutzeitfeststellungen, nur in wenigen Fällen erfolgte auch ein Brutnachweis.
2. Einen hohen Anteil machen die typischen Waldbewohner wie Buchfink, Rotkehlchen, Zaunkönig, Zilpzalp, Tannenmeise, die Goldhähnchen, Mönchsgrasmücke, Singdrossel, Waldlaubsänger, Buntspecht, Kleiber, Gartenbaumläufer u.a. aus.
3. Die meisten Reviere wurden gefunden bei Buchfink (31), Amsel (21), Rotkehlchen (21), Zaunkönig (21), Zilpzalp (17), Kohlmeise (13), Tannenmeise (13), Wintergoldhähnchen (13) und Mönchsgrasmücke (12).
4. Daneben wurden aber auch viele Arten der offenen Landschaft nachgewiesen, so z.B. Feldlerche, Goldammer, Baumpieper, Schafstelze.
5. Zu den eher seltenen Arten gehören Hohltaube, Turteltaube, Schwarzspecht, Kernbeißer, Heidelerche, Braunkehlchen.
6. Interessant ist auch die Tatsache, dass von den in Niedersachsen 25 häufigsten Arten 22 gefunden wurden, und zwar mit ebenfalls sehr hoher Häufigkeit. Es fehlen lediglich die Stadtbewohner. Von den 24 im untersuchten Gebiet häufigsten Arten gehören 18 zu den in Niedersachsen häufigsten, lediglich einige typische Waldbewohner haben sich hier nach vorn gedrängt. Buchfink und Amsel nehmen wie in ganz Niedersachsen die beiden Spitzenpositionen ein, gefolgt von Rotkehlchen, Zaunkönig, Zilpzalp und Kohlmeise, die auch in Niedersachsen unter den ersten 7 Arten zu finden sind.
7. Waldbiotope, insbesondere solche mit guter Struktur, bieten aufgrund ihrer vielen ökologischen Nischen vielen Arten einen Lebensraum.

ADEBAR - der ATLAS DEUTSCHER BRUTVOGELARTEN – ist das größte Kartiervorhaben, zu dem jemals in Deutschland zur Mitarbeit aufgerufen wurde. Rund zweitausend Vogelforscher und Hobbyornithologen beteiligen sich inzwischen an der Geländearbeit, darunter auch eine Reihe von AKN-Mitgliedern.
Das Projekt wurde im Jahre 2004 als Gemeinschaftsarbeit beschlossen: vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA), dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) und den zugehörigen Landesverbänden bzw. –behörden mit Unterstützung des Statistischen Bundesamts und verschiedener Sponsoren.

Es wird dabei nach einem „Drei-Säulen-Modell" vorgegangen:

1. Säule: Die Erfassung allgemein verbreiteter und häufiger Brutvögel, wobei auf repräsentativen Flächen alle Arten quantitativ erfasst werden,
2. Säule: Die Erfassung seltener Arten und vieler Koloniebrüter, wobei diese Arten vollständig gezählt werden,
3. Säule: Die Erfassung mittelhäufiger Arten, von Arten mit großen Revieren bzw. mit konzentriertem Vorkommen, wobei auf der Basis einer Linienkartierung der Bestand einer Art flächendeckend für ein Messtischblatt geschätzt wird.

Die Kartierarbeit für den Atlas soll bis 2008 abgeschlossen werden, die Ergebnisse aller drei Monitoring-Projekte sollen anschließend ausgewertet werden und der Brutvogelatlas bis 2010 erscheinen.
Berichte von der Arbeit zur Erfassung der häufigen Arten finden sich in diesem Heft sowie im Heft 20/2004. Über die Erfassung der seltenen Arten wurde im Heft 20/2004 berichtet. Die Erfassung der mittelhäufigen Arten wurde in den Heften 21/2005 u. 23/2006 vorgestellt, genauere Ergebnisse aus unserer Region sollen im nächsten Mitteilungsblatt zusammengefasst werden.

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Die Bekassine, ein Charaktervogel nasser Wiesen, ist inzwischen selten geworden

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Der unscheinbare Zilpzalp kommt in einer reich strukturierten Landschaft häufig vor

Tabelle: Arten, Reviere und Häufigkeiten (Abundanzen) der bei Otter (NI 272) nachgewiesenen Arten
Art NI 272 (04-06) Nds.
Reviere Anteil % Anteil %
Zilpzalp 11 9,48 5,65
Fitis 9 7,76 3,69
Kohlmeise 7 6,03 6,70
Rotkehlchen 7 6,03 4,70
Zaunkönig 7 6,03 6,00
Buchfink 6 5,17 11,94
Gartengrasmücke 6 5,17 1,31
Mönchsgrasmücke 6 5,17 4,40
Amsel 5 4,31 9,42
Singdrossel 5 4,31 2,68
Baumpieper 4 3,45 1,69
Dorngrasmücke 4 3,45 1,97
Goldammer 4 3,45 3,53
Ringeltaube 4 3,45 6,19
Buntspecht 3 2,59 1,69
Eichelhäher 2 1,72
Feldlerche 2 1,72 4,34
Stockente 2 1,72
Sumpfmeise 2 1,72
Aaskrähe 1 0,86
Bekassine 1 0,86
Blaumeise 1 0,86 3,71
Fasan 1 0,86 1,57
Feldschwirl 1 0,86
Gartenbaumläufer 1 0,86
Gr. Brachvogel 1 0,86
Heckenbraunelle 1 0,86 1,79
Kiebitz 1 0,86
Kuckuck 1 0,86
Mäusebussard 1 0,86
Misteldrossel 1 0,86
Pirol 1 0,86
Rebhuhn 1 0,86
Rohrammer 1 0,86
Schwanzmeise 1 0,86
Schwarzspecht 1 0,86
Star 1 0,86 3,36
Sumpfrohrsänger 1 0,86
Wiesenpieper 1 0,86

Weitere Infos zum Vogelmonitoring:
Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) e.V.

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Noch erfreut uns die Feldlerche in Feld und Wiesen mit ihrem Balzflug

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Der Buchfink ist die häufigste Vogelart in Niedersachsen

Tabelle: Arten, Reviere und Häufigkeiten (Abundanzen) der bei Ochtmannsbruch (NI 166) nachgewiesenen Arten
Art NI 166 (05-06) Nds.
Reviere Anteil % Anteil %
Buchfink 31 10,00 11,94
Amsel 21 6,77 9,42
Rotkehlchen 21 6,77 4,70
Zaunkönig 21 6,77 6,00
Zilpzalp 17 5,48 5,65
Kohlmeise 13 4,19 6,70
Tannenmeise 13 4,19 1,65
Wintergoldhähnchen 13 4,19
Mönchsgrasmücke 12 3,87 4,40
Rauchschwalbe 10 3,23
Ringeltaube 9 2,90 6,19
Singdrossel 9 2,90 2,68
Sommergoldhähnchen 9 2,90
Fitis 8 2,58 3,69
Waldlaubsänger 8 2,58
Baumpieper 7 2,26 1,69
Blaumeise 7 2,26 3,71
Buntspecht 6 1,94 1,69
Feldlerche 6 1,94 4,34
Sumpfmeise 6 1,94
Goldammer 5 1,61 3,53
Heckenbraunelle 5 1,61 1,79
Kleiber 5 1,61
Grünfink 4 1,29 3,04
Aaskrähe 3 0,97
Eichelhäher 3 0,97
Gartenbaumläufer 3 0,97
Grünspecht 3 0,97
Mehlschwalbe 3 0,97
Schwanzmeise 3 0,97
Grauschnäpper 2 0,65
Misteldrossel 2 0,65
Bachstelze 1 0,32 1,35
Bluthänfling 1 0,32
Braunkehlchen 1 0,32
Dorngrasmücke 1 0,32 1,97
Elster 1 0,32
Gartengrasmücke 1 0,32 1,31
Gimpel 1 0,32
Girlitz 1 0,32
Haubenmeise 1 0,32
Heidelerche 1 0,32
Hohltaube 1 0,32
Kernbeißer 1 0,32
Kuckuck 1 0,32
Mäusebussard 1 0,32
Schafstelze 1 0,32
Schwarzspecht 1 0,32
Star 1 0,32 3,36
Steinschmätzer 1 0,32
Trauerschnäpper 1 0,32
Turmfalke 1 0,32
Turteltaube 1 0,32
Waldbaumläufer 1 0,32
[Inhalt]

 

Hinter eines Baumes Rinde . . .
Eine „Made“ auf dem Holzweg

Eigentlich sollte sie groß und mächtig werden, majestätisch die Zufahrt zu meinem Grundstück beherrschen.
Bis hinunter auf den Kiesweg und den Gartenteich sollten sich die langen zarten Zweige erstrecken. Der Wind sollte durch sie hindurch streichen und sie sacht bewegen.
Spötter meinten: Wie im „Vom Winde verweht". Aber warum eigentlich nicht – jedem sein Idyll !
Ein starker Wind dann oder richtiger der letzte Frühjahrssturm in diesem Jahr namens Kyrill machte meinem Traum ein abruptes Ende. Salix alba „Tristis" – meine Trauerweide wurde vom Sturm einfach umgeweht. Über Jahre hatte sie vielen Invasionen von Blattläusen getrotzt. Und nun das ! Was war der Grund ?
Untersuchungen am freigestellten Wurzelstock ergaben, dass bis auf eine alle Wurzeln abgefault waren. Etwas oberhalb des Wurzelansatzes waren große Teile der Rinde eingetrocknet und konnten leicht abgeblättert werden. Darunter kamen einige ovale Löcher zum Vorschein. Woher könnten die wohl stammen ? Bereits ein Jahr zuvor hatte ich am Stammfuß Holzmull entdeckt. Das werden Ameisen gewesen sein – so damals meine Einschätzung. Löcher hatte ich nicht bemerkt. Und nun – was sollte ich mit dem Baum anstellen ? Aufgrund des erheblichen Wurzelschadens war an eine Wiederaufrichtung meiner Trauerweide nicht zu denken. Das frühe Ende war besiegelt. Die Gartenkunst musste neue Wege finden ! Selbst in Trauer gab es diesbezüglich nur einen Weg: Motorsäge Marsch !
Durch das Aufsägen des Stammes wurde deutlich, dass die ovalen Löcher das Ende von ebenfalls ovalen Gängen im Holz waren, die sich bis zu einem Meter in den Stamm hinauf erstreckten.
Es handelte sich zweifelsfrei um Fraßgänge eines Insekts, wie sie mir vom Hausbock im Gebälk meines Schuppens bekannt waren – nur um einiges größer. Der Fund einer bleistiftstarken, ca. 3 cm langen Insektenlarve bestätigten meine Annahme.
Das musste eine Larve des Weidenbohrers sein. Reinhard Kempe hat dann mit fachlich uneingeschränkter Sicherheit meine Vermutung bestätigt und mich auch korrigiert: Larven vom Weidenbohrer sind keine Maden sondern Raupen!
Der Mörder meiner geschätzten Trauerweide war in diesem Fall nicht der Gärtner, sondern ein nächtlicher Gesell namens Cossus cossus, unser größter heimischer Nachtfalter. Dieser dickleibige träge Schmetterling erreicht über die Flügelspitzen gemessen bis zu 10 cm.
Während ich noch damit beschäftigt war, weitere Informationen über diesen Falter zu erhalten, brachte Reinhard Neuigkeiten vorbei: Der Weidenbohrer hatte wieder zugeschlagen!
In diesem Fall betraf es Claus Bohling in Wistedt. Hier hatte sich Cossus cossus einen Hauptast einer alten Weide als Kinderstube ausgesucht. Durch geschicktes Aufspalten der gesägten Stammabschnitte konnten unter findiger Mithilfe von Günther Knabe viele Fraßgänge vom Weidenbohrer sichtbar gemacht werden. Die Bilder vom herbeigeeilten Reinhard dokumentieren diese eindrucksvoll.
Zur Freude der beteiligten Fachkompetenz fielen aus dem Spaltholz mehrere fast ausgewachsene Raupen heraus. Nahezu kleinfingerdick und mit einer Länge von ungefähr 5 cm sind sie das eindrucksvollste unter den holzbewohnenden Larven. Zwei davon haben wir in einem mit Sägespäne gefüllten Gefäß aufbewahrt und hoffen nun auf die Verpuppung.

Doch der Reihe nach im Leben des Weidenbohrers. Nicht im Wonnemonat Mai beginnen bei dieser Art die Hormone zu strömen, sondern jedes Jahr im Juni und Juli. Wie bereits erwähnt, ist der Weidenbohrer ein Nachtfalter und „schwärmt" demzufolge nachts. War die Partnersuche erfolgreich, legt das Weibchen, das wesentlich größer ist als das Männchen, seine Eier häufchenweise in den Rindenritzen am Wurzelstock älterer Laubbäume ab. Vorzugsweise werden stärkere, einzeln stehende Weiden (!) gewählt. Aber auch Pappeln, Obstbäume und viele andere Laubbaumarten dienen als Wirtspflanze.
Recht wählerisch ist diese Art also nicht. Die kurz nach der Eiablage schlüpfenden Raupen sind mit kräftigen Kiefern ausgestattet und fressen zunächst gemeinsam direkt unter der Rinde. Sie sondern ein Sekret ab, das z.B. auf Ameisen bei Berührung schädigend wirkt. Es ist für den Menschen als Holz-essig-Geruch wahrzunehmen. Mit Übergang in den holzigen Teil des Stammes vereinzeln sie sich. Sie schaffen – wie auf der Abbildung gut erkennbar – unregelmäßige, meist aufsteigende, große flache, oft sehr breite, zuletzt fingerdicke Gänge.

Das sog. „Genagsel", die unverdauten Holzexkrete, werden oftmals aus den unteren Gängen des befallenen Baumes, zwecks Schaffung von Unterschlupf durch Käfer, Kellerasseln usw. herausgeschafft. Holzbewohnende Ameisen sind daran – wie von mir vermutet – allerdings nicht beteiligt. Während der kalten Jahreszeit sind die Raupen inaktiv, größere überwintern manchmal in einem Gespinst dicht unter der Erdoberfläche.
Die Verpuppung der Raupen erfolgt oftmals zeitgleich nach zweimaliger Überwinterung im Mai des 3. Kalenderjahres – meist dicht unter der Rinde des Fraßbaumes in einer mit Holzspänen ausgekleideten „Puppenwiege".
Es kommt aber auch vor, dass die Raupen den Stamm verlassen und einen Kokon unter der Bodendecke in der Nähe des Baumes bilden. Bevor der Falter im Juni/Juli 3-4 Wochen nach der Verpuppung schlüpft, schiebt sich die Puppe halb aus dem Kokon oder dem Stamm hervor. Eine neue Generation ist bereit, sich neue Weiden und Obstbäume als Lebensraum zu suchen. Oftmals wird allerdings derselbe Baum ausgewählt. Er ist schon geschwächt und daher leichter zu verarbeiten.
So geschieht es gelegentlich, dass innerhalb eines Baumes mehrere Generationen des Weidenbohrers vorkommen.
Cossus cossus ist momentan in Deutschland als nicht gefährdet eingestuft. Das häufige Vorkommen in unserer Samtgemeinde ist diesbezüglich sicherlich als Beleg anzusehen.

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Gerade noch einmal gut gegangen!

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Weide mit vielen Fraßgängen

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Spaltholz mit vertikalen Fraßgängen

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Raupe und Falter des Weidenbohrers

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Die Raupe hat kräftige Kiefer und Atemöffnungen an den Seiten

[Inhalt]

 

Ohn‘ Water geit dat nich !
Auch nicht im Ottermoor

Wohl wahr ! Hier in der Lüneburger Heide, in den Quellbereichen unserer Heidebäche nicht und natürlich auch nicht in Hamburg, das sich seit 25 Jahren jährlich 12 Mill. cbm aus zahlreichen Tiefbrunnen der Heide holt.
Der Abpumpungsvertrag muss in diesen Jahren verlängert werden. Die Hamburger Wasserwerke (HWW) müssen dazu einen Antrag stellen. Hamburg will mehr Wasser fördern dürfen. Will auch unsere Kreisverwaltung als Bewilligungsbehörde, mit gleichem Nachdruck weniger Förderung zulassen? Die Prüfung der von den HWW vorzulegenden Umweltverträglichskeitsstudie durch die Fachabteilung des Landkreises soll die Bewertungsdaten liefern für einen nachhaltigen naturverträglichen Bewilligungsbescheid durch den Landkreis. Das ist die Kernaussage von Herrn Peter, dem Leiter der Fachabteilung Boden/Luft/Wasser des Landkreises. Er versicherte, dass von Verhandlungen nicht die Rede sein kann, politischer (Kuh-)handel sei eine böswillige, absurde Legende. Das wäre genau das, was die Naturschutz-Verbände (und nicht nur die !) zu diesem Thema wünschen. Warum dennoch – je nach der Güte der Erfahrungen aus der Vergangenheit – bei den verschiedenen Verbandsvertretern ein sehr unterschiedlich massiver Rest an Besorgnis bleibt, ist eine andere Geschichte, auf die ich hier nicht eingehen will.
Das NSG Ottermoor/Otterheide liegt im Randbereich des Absenkungstrichters der Westbrunnen der Hamburger Wasserwerke.
In den Jahren 2004 - 2006 wurden dort von uns signifikant niedrigere Höchstwasserstände (Winterhalbjahr) und Niedrigwasserstände (Sommer) festgestellt. Das über einen einzigen gut kontrollierbaren Abfluss am Westrand in den Fuhlbach abfließenden Wasser re-krutiert sich aus oberflächennahem Grundwasser und aus dem überschüssigen Stauwasser vor einem dort angelegten Damm, der den Wasserabfluss aus dem Moor in Hochzeiten verringert, in Niedrigzeiten nahezu verhindert. Diese Verhältnisse waren in den genannten Jahren stabil. Es wurden in dieser Zeit sogar moorwärts noch zwei zusätzliche Kammerungen in einem Graben angelegt, um weiteres Wasser im Moor zurückzuhalten.
Der AKN hat in Übereinstimmung mit dem behördlichen Pflege- und Entwicklungsplan in einer Sofortmaßnahme „mit kleinen Hindernissen" (der große Bagger war zu schwer!) Ende Februar 07 die Kammerung des Grabens im Abflussbereich des Moorwassers verstärkt, soweit es die Geländebedingungen hergeben.

An dieser „Beobachtungsstelle" konnte - so in Verbindung mit den kräftigen Niederschlägen im Jan. und Febr. 2007 - der winterliche Höchstwasserstand jetzt erreicht und sogar übertroffen werden. An den anderen beiden Messstellen herrschte dagegen noch immer ein Defizit von rund 10 cm (Ende März 07) !

Es hat am 18.04.07 eine Besichtigung der „Messstellen" im Ottermoor mit den leitenden Vertretern der Boden/Luft/Wasser-Abteilung des Landkreises gegeben (die Herren Gunnar Peter, Jürgen Meyer und Herr Peters). Anlass zu dieser Begehung war unser Schreiben an die Behörde über die auch in diesem Text dargestellten kritischen Wasserstände in den wertvollen Moorsenken.
Die Einrichtung von Dauermessstellen wurde als notwendig erachtet.
Am 8.05.07 soll im Rahmen eines umfassenden Gesprächs des Landkreises mit den HWW in Winsen u.a. auch über die Situation im NSG/FFH-Gebiet Ottermoor gesprochen werden.

Der AKN wird die Wasserverhältnisse im Ottermoor in den nächsten Jahren weiterhin kritisch im Auge behalten !
Die guten Regenmengen des Winters 06/07 und die anhaltende Trockenheit im darauffolgenden April bieten dafür eine sehr geeignete Szenerie der Extreme. Es sind gerade auch die Extreme, die in die Überlegungen für einen nachhaltigen Schutz dieser Heidemoore Eingang finden müssen.

Zwei Nachträge aus gegebenem Anlass:

1. Geradezu erschreckend einseitig sind in diesem Zusammenhang die Äußerungen der forst- und landwirtschaftlichen Vertreter zu bewerten, wie sie am 28.04.07 dem Wochenblatt zu entnehmen waren.
Die Este sei zwar im Oberlauf weitgehend trocken gefallen, aber die Äcker in ihrer Nähe dadurch besser zu bewirtschaften. Seine Erträge konnte Landwirt und Bürgermeister Nelke aus Welle daher steigern
.
Und die Heide gedeihe besonders gut durch die Grundwasserentnahme. So Andreas Koopmann vom Verein Naturschutzpark.
Da reibt sich der Leser doch verdutzt die Augen !
Was wäre die Nordheide ohne die Heidewasserförderung der letzten 25 Jahre ? Nicht auszudenken – diese Katastrophe! Doch die Sache ist zu ernst. Die Fragen müssen natürlich anders lauten.
Welchen Stellenwert haben bei dem oben zitierten Schmalspurdenken oder wohl auch Gefälligkeitsdenken die Heidebäche und ihre empfindlichen Auen, die wenigen (!) intakten Quellgebiete, die hoch sensiblen Klein- und Dünenmoore und die Feuchtheiden?!! Wahrlich! Eine Good-will-Veranstaltung für ein hartes Geschäft. So der Kommentar in der Zeitung.
Leider offenbar keine Good-will-Veranstaltung für das Gesamt-Ökosystem Heide.
Der aufmerksame Leser und der mit den komplexen Vorgängen in der Natur einigermaßen Vertraute wendet sich ob solcher Verlautbarungen mit Öffentlichkeitswirkung mit Grausen.
Überdeutlich wird hier:
Das von Egoismen dominierte Spannungsfeld Heidewasserförderung kann und darf nicht ihren an Geldströmen interessierten Protagonisten überlassen bleiben. Umso mehr sind die fachlichen Beurteilungen der Bewilligungsbehörden beim Landkreis gefragt!
Es geht um den komplexen Schutz von Wasser, Boden, Natur und Landschaft. Auch – und zwar langfristig - zum Wohle des Menschen!

2. Auszug aus der Stellungnahme der Interessengemeinschaft Grundwasserschutz Nordheide e.V. zum selben Artikel im Wochenblatt. Sie wurde unserem Mitglied Günther Knabe übermittelt:
„Es erstaunt allerdings sehr, dass jetzt plötzlich die Wasserentnahme für die Heide gut sein soll. Wir (und mit uns alle Fachleute) wissen seit Jahrzehnten, dass die trockene Besenheide völlig unabhängig vom Grundwasser ihre Standorte sucht und findet. Im Übrigen sind sich Kommunalvertreter, Naturschützer, Landschaftspfleger und Touristen in einem einig: Die Schönheit und Attraktivität der Nordheide zeigt sich in der Vielfalt der Landschaftsformen. Heideflächen wechseln sich ab mit Wäldern und feuchten Bachtälern. Wer einzelne Bestandteile dieses Lebensraumes zerstört (z.B. die Feuchtgebiete trockenlegt), der zerstört nicht nur die unter Natur- und Landschaftsschutz stehenden Lebensräume mit den darin vorkommenden Pflanzen und Tieren, sondern zerstört die Einzigartigkeit der Nordheide."

Dennoch fiel der Wasserstand vor dem Stau in den letzten Jahren im Frühjahr auffallend schnell, so dass dort schon im Mai kaum noch Wasser stand – völlig abweichend von den Verhältnissen vor 2004.
Auch an zwei weiteren „Beobachtungsstellen" im Schutzgebiet lagen die Wasserstände zu den genannten Zeiten deutlich unter den langjährigen Werten.
Wenn man nach den Ursachen dieser Befunde fragt, geraten im Wesentliche drei Möglichkeiten in den Focus:

1. Anhaltend geringe Niederschläge in den Jahren 2004 – 2006
2. Massiver Wasserentzug aus oberflächennahen Grundwasserhorizonten durch großflächige und langanhaltende Beregnung auf landwirtschaftlichen Flächen in der Nähe des Moores.
3. (Verstärkte ?) Grundwasserentnahme durch die Hamburger Wasserwerke im Bereich der Westbrunnen im Gebiet der Drögen Heide.

Zu 1 : Die offiziellen Angaben über Niederschlagsmengen von 2004, 2005 und 2006 geben das nicht her.
2002, das „Flutjahr", brachte auch für den hier in Frage stehenden Raum große Wassermengen, die den Kleinmooren und der breiten Quellfurche des Schutzgebietes in Richtung Fuhlbach Höchstwasserstände bescherten. Von der „Flutung" zehrte das Moor noch bis weit in das Jahr 2003 hinein, auch wenn dieses Jahr schon ab Ende Mai eines der trockensten werden sollte. Noch zum Ausgang des Winters 03/04 konnten wir an unseren Beobachtungsstellen normale Höchstwasserstände feststellen mit Überlauf in den Anfang des Fuhlbaches. Die Niederschlagsmengen 2004/2005/2006 waren dann wieder mehr oder weniger durchschnittlich.

Zu 2 : Es findet zwar im Raum Kamperheide, also östlich des Schutzgebietes, durchaus Beregnung landwirtschaftlicher Flächen mit sehr armen Böden statt, dies allerdings auch schon vor 2002, 2003, ohne dass auffällige Schwankungen im Moor beobachtet werden konnten.

Zu 3 : Die Vermutungen konzentrieren sich daher verstärkt auf die Trinkwassergewinnung der HWW, auf die Nutzung der Westbrunnen-Kette.

Es muss also Klarheit geschaffen werden darüber, wann und in welchen Mengen aus diesen Brunnen in den Jahren 1995 – 2006 gefördert worden ist.

Hinweise über besondere Pumpversuche im Vorfeld der Vertragsverlängerung mit dem Landkreis in 2006/07 machen vor Ort die Runde. Die HWW sind gefragt. Nur dementieren genügt hier als Antwort nicht. Belastbare Zahlen müssen auf den Tisch. Unabhängige Gutachter werden gebraucht. Der Landkreis Harburg als Bewilligungsbehörde hat hier eine Fürsorgepflicht, darf ohne solche neuen beweissichernden Untersuchungsergebnisse sein Plazet zur weiteren Wasserentnahme nicht geben.
Die Fördermengen müssen in jedem Falle heruntergefahren werden. Die Schäden sind flächendeckend seit Jahren im gesamten Förderraum bekannt und dokumentiert. Natürlich werden sie von den HWW relativiert, verniedlicht, z.T. geleugnet. Wen wundert’s!
Das ganz am Rande des westlichsten Absenkungstrichters liegende Ottermoor ist in diesem Rahmen beinahe nur eine Randerscheinung. Aber dieses hochsensible, grundwasserabhängige nationale Schutzgebiet ist seit 2000 mit Recht Teil des Großraum-FFH-Gebietes Obere Wümmeniederung. Für dieses fordert die Rechtslage Unversehrtheit im Sinne eines Verschlechterungsverbotes.
Dafür zu sorgen ist der Landkreis Harburg als Aufsichtsbehörde in der Pflicht.
Die Karte des Absenkungstrichters gibt für das Gebiet eine Grundwasserabsenkung von 10 – 30 cm an. Das ist nicht hinzunehmen, denn es bedeutet im Klartext für grundwasserabhängige Kleinmoore wie dieses langfristig den Garaus!
Neben den FFH-Geboten gibt die EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRR) den Bewilligungsbehörden ein zusätzliches handfestes Instrumentarium an die Hand, eine naturverträgliche Bewilligungsgrundlage zu erzielen, ohne den berechtigten Wunsch nach ausreichender und qualitativ guter Trinkwasserversorgung zu vernachlässigen.
Die EU-WRR fordert von ihren Mitglieds-Staaten, und damit auch von Deutschland, mit klugem Weitblick die naturnahe Entwicklung ihrer Fluss-, Bach- und damit auch Quell-Systeme bis 2015.
Ein nicht streng auf diese Forderung ausgerichtetes und daher mit den Zielen der WRR nicht zu vereinbarendes Genehmigungsergebnis über die zukünftigen Fördermengen darf es daher im Grunde gar nicht geben. Ein Notstand in Sachen Trinkwasser liegt für Hamburg nicht vor !
Der Landkreis Harburg und das Land Niedersachsen haben eine Vorsorgepflicht für die nach EU-Recht geschützten Landschaftsteile ihres Hoheitsgebietes. Aus dieser Vorsorgepflicht können sie andere, in diesem Falle rein wirtschaftliche Interessenskonflikte nicht entlassen.

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Wertvolle Kleinmoore sind von Wassermangel bedroht

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Am Birkenstamm abzulesen: Wasserstand 45 cm unter Winterhöhe (27.4.07)

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Anfahrt zum Dammbau: Zu schwer für den weichen Moorboden

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Können wir das so machen? Abstimmung mit Günther Rathjen

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Der Damm ist fertig - auch zur Überfahrt mit dem Minibagger

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Wie gewünscht: Schnell staut sich das Wasser in die anliegende Weide hinein

[Inhalt]

 

Vorstandswahlen am 16.03.07
Es gab keinerlei Veränderungen

Die diesjährige Hauptversammlung des AKN fand zum zweiten Mal in der Gaststätte Burmester in Heidenau statt.
Der Seniorchef des Hauses, Rolf Burmester, ist Mitglied im AKN und so ist es kein Wunder, dass wir uns dort „wie zu Hause fühlen". Auch die jährlichen Herbsttreffen der Heidenauer Arbeitsgruppe haben dort von Anbeginn an (seit 1989) ihren Stammplatz.
Die Versammlung war mit 36 stimmberechtigten Teilnehmern gut besucht.
Der alte Vorstand stellte sich für die nächsten 3 Jahre geschlossen zur Wiederwahl. Es gab keinerlei Veränderungen.
Neben dem Tätigkeitsbericht über das Jahr 2006 gab es u.a. einen wichtigen Tagesordnungspunkt, der ausführlich angesprochen wurde vom Vorstand:
Die Komplexität und Vielfältigkeit der vom Vorstand zu leistenden Arbeit. Das abgedruckte Schema versucht, die Fülle der Aufgaben in eine überschaubare Übersicht zu bringen.
Die Vorstellung der Arbeits- und Handlungsfelder durch den Vorstand war verbunden mit dem dringlichen Appell an alle Mitglieder, bei sich selbst nach Möglichkeiten zu forschen, in welcher Weise und auf welchem Feld/welchen Feldern unterstützende Hilfe für den Vorstand geleistet werden kann. Daher auch der Abdruck dieses Aufrufes in diesem Heft – gedacht für alle Mitglieder!
Wenn unser Verein seine erfolgreiche Arbeit auf mittlere und lange Sicht – was wir ja alle wollen – auf dem derzeitigen Niveau und in der sich steigernden Vielfältigkeit fortsetzen und durchhalten soll, dann brauchen wir verstärktes und verlässliches Engagement von Mitgliedern für Teilaufgaben.
Es macht den Vorstand zuversichtlich, dass wir in den letzten Wochen und Monaten bereits zwei „in vollem Saft stehende" Mitglieder für den Kreis des erweiterten Vorstandes gewinnen konnten !
Wir freuen uns auf viele Nachfragen und Angebote in dieser für die Natur so wichtigen Sache.

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Der wiedergewählte Vorstand (von links): Claus Bohling (1. stellv. Vors.), Reinhard Kempe (1. Vors.), Karsten Müller (2. stellv. Vors.), Uwe Quante (Schriftführer), Torsten Peters (Kassenwart)

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Aufgaben des AKN
(bitte anklicken)

[Inhalt]

 

Bilanzen
Umweltpolitik und ehrenamtlicher Naturschutz

Seit mehr als 30 Jahren gibt es ehrenamtliche Naturschutzarbeit in der Samtgemeinde Tostedt.
Das geschah zunächst durch eine kleine Vorläufergruppe des AKN.
Seit genau 20 Jahren bündelt nun der AKN die ehrenamtlichen Kräfte, seit 12 Jahren als eingetragener Verein!
Immer wieder trafen sich hier im Raum Tostedt Menschen mit den gleichen Interessen, Leidenschaften, Lieben, Hobbys – Menschen mit den gleichen Intentionen in engem Bezug zu Natur und Landschaft und in der Sorge um ihren Erhalt. Die Reihe der Namen ist lang, sie entspricht heute der Zahl der Mitglieder unseres Vereins.

Das kam in all den Jahren dabei heraus:

l 7 Naturschutzgebiete einschließlich 7 Pflege- und Entwicklungspläne,
l
eine inzwischen weit mehr als 30jährige konstruktive und überaus fruchtbare Zusammenarbeit mit den Naturschutzbehörden auf allen Ebenen, insbesondere mit denen des Landkreises
l
eine 300 Seiten starke flächendeckende Biotopkartierung für die SG Tostedt in vorbildlicher Zusammenarbeit mit der SG Tostedt (Herrn Nissen, dem damaligen Direktor, sei Dank für diese im kommunalen Bereich seltene Weitsicht! Ebenso dem damaligen SG-Rat.)
l
die Auszeichnung mit dem Umweltpreis des Landkreises Harburg dafür. Und diese Arbeit wurde kein Papiertiger in irgendwelchen Schubladen ! Mit ihr wurde und wird gearbeitet.
l
eine 25-jährige arbeitsintensive Moorpflege- und Entwicklungsarbeit mit kurz vor dem Abschluß stehenden Vernässungsmaßnahmen in den letzten Jahren,
und, und, und . . .

Themenwechsel: Der Klimawandel.
Fast über Nacht (gemessen an der Langfristigkeit der Prozesse im Grunde eine lächerliche Situation !) treten für die meisten Menschen Erkenntnisse vor die Augen über den Zustand unseres Planeten und seine eher düsteren Zukunftsaussichten, die in ähnlicher Deutlichkeit schon vom Club of Rome vor 25 Jahren und seitdem immer wieder öffentlich gemacht worden sind!
Wer heute vom „Schock" spricht – und das sind viele – macht sich schlicht lächerlich. Stumme beschämte Einkehr ist gefordert über das eigene Verdrängen von Wahrheiten, mindestens aber von ernst zu nehmenden Wahrschein-lichkeiten, die sich bei realistischer Betrachtung der Zustände auf unserem Raumschiff schon dem gesunden Menschenverstand erschließen mussten – seit mehr als 20 Jahren !
Interessant ist dabei, dass die Spinner, Träumer, Warner, die Öko-Idealisten oder auch Pessimisten und Spielverderber von vor 20 – 30 Jahren rückblickend als die eigentlichen Realisten angesehen werden müssen, in trauriger Weise rehabilitiert gewissermaßen.
Die streng ökonomisch orientierten Wachstumsrealisten von damals und heute jedoch stehen da als die wahren Ideologen, die falschen Propheten. Und sie argumentieren auch jetzt schon wieder, besser immer noch, in ihrer linearen Denkweise erstarrt, fixiert auf Gewinne, Spaß und absolute persönliche Freiheit in verhängnisvoller Weise: die verfeinerte intelligente Technik wird’s schon richten, ob im Auto, Flugzeug oder am Bau. Nein, den Spaß am Leben (welchen eigentlich?) lassen wir uns nicht nehmen.
Fakt ist : Die gewaltig gewachsenen wissenschaftlichen und technischen Erkenntnisse der letzten 25 Jahre sind nicht konstruktiv zusammengedacht und damit genutzt worden im Sinne einer natur-, erd- und menschenverträglichen Gestaltung des Lebens. Die Politik folgte nur zu oft dem Druck der Lobbyisten.
Vernetztes Denken war und ist gefragt. Anstelle von linearem Denken . Das ist eine Binsenweisheit seit den 70er Jahren, den Jahren ökologischen Erwachens in unserer Gesellschaft.
Doch erfordert vernetztes Denken größere, komplexere Kraftanstrengungen mit oft (unbeliebten) komplexen Antworten und damit auch Handlungsrichtlinien. Es gibt die einfachen Lösungen nicht !
Zwei aktuelle Beispiele aus demselben hoch brisanten komplexen Themenkreis Energie mögen das illustrieren. Sie spielen sich auch hier mitten unter uns ab:

1. Da ist die fast schlagartig 2005 einsetzende flächendeckende Jagdleidenschaft nach Brennholz für den heimischen Ofen zur Senkung der Energiekosten des persönlichen Haushalts. Die Sammelleidenschaft hat sich inzwischen bei vielen zur Beschaffungsgier bis hin zum hemmungslosen Klau entwickelt.
Zwar CO2-neutral bedeutet die millionenfache Wiederbelebung des Hausbrandes jedoch eine katastrophale Verstärkung der Luftverschmutzung mit Staubpartikeln.
Schon sind Gegenmaßnahmen im Sinne strengerer Vorschriften für Öfen und ihre Kontrollen gefragt.
Es ist ja immer die große Zahl, die die Party verdirbt. Eine Notwendigkeit tut sich auf – eine naheliegende Lösung bietet sich an – und schon erschöpft sich die Resource unter millionenfachem Ansturm. Eben noch Holzflaute – jetzt Holzmangel ! Eben noch stilles Bergdorf – jetzt schon massentouristisch überformte Betonwüste.
2. Der Biogas-Anlagen-Boom mit Fördergeldern ist im Kern eine begrüßenswerte Entwicklung zur Nutzung erneuerbarer Energie bei dezentraler Strategie. Doch wie so oft sind Planung und Umsetzung überhastet, ohne ausreichende Recherchen und Hochrechungen über die Folgen auf oft ganz anderen Feldern. Kurzatmige Förderungsbedingungen tun das Ihrige dazu.
So werden aus prächtigen Ideen, Plänen und realen Umsetzungschancen zur klimaschonenden Energiegewinnung aus erneuerbaren Rohstoffen plötzlich neue Belastungen für Boden, Wasser, Landschaft und damit auch für den Menschen.
Wirtschaftliche Zwänge zur Unterlassung des geforderten Fruchtwechsels, Grünlandumbruch und ungeeignete, meist zu nasse Standorte für den Maisanbau führen schnell zu großflächigen Maisanbauwüsten. Sie belasten Boden und Grundwasser, die kleinen wie die größeren Fließgewässer.
Der allen bekannte Palmölskandal im Zusammenhang mit der Biogas-anlage am Trelder Berg ist warnendes Beispiel und zeigt Dimensionen der Auswirkungen unseres Handelns bei ungenügendem Recherchieren in alle Richtungen.
Die gewollte und dringend nötige positive Energiebilanz solcher im Grunde innovativen Biogas-Anlagen wird durch die eben aufgezeigten negativen Folgeerscheinungen aufgezehrt.
Es treten z.T. neue Schäden auf ganz anderen Feldern in ganz unerwarteten Ecken der Welt auf, unbeabsichtigt, nicht bedachte Bumerangeffekte unseres Handelns.

Es ist mit dem Ökosystem Erde wie mit unserem Organismus: alles hängt mit allem zusammen.
Wir spüren wohl erst jetzt, dass die Verantwortung des Menschen für die Erde unteilbar ist. Unsere Bilanz in dieser Hinsicht sieht katastrophal aus.

Themenwechsel: Der Gesetzes-Rahmen
Wir haben eine EU-Naturschutzgesetzgebung mit hohem Anspruch. Natura 2000 steht u.a. für diese gute Gesetzeslage und ihre zwingende Kraft zur nationalen Umsetzung.
Wir haben eine EU-Wasser-Rahmenrichtlinie für die nachhaltige Verbesserung unserer Fließgewässer bis 2015.
Wir haben ein Bundesumwelt- und Bundesnaturschutzgesetz; wir haben ausgefeilte Naturschutzgesetze der Länder.
Wir haben Landschaftsschutzgebiete, den § 28a des Nieders. Naturschutzgesetzes für die Sicherung einzelner schützenswerter Biotope aller Größen.
Wir haben EU-Vogelschutzgebiete und FFH-Gebiete zum Schutz von Flora, Fauna und Habitaten (=Lebensräumen).
Wir haben Biosphären-Reservate, Naturparks und neuerdings Regionalparks.
Alle diese Einrichtungen haben mehr oder weniger umfassend Natur und Landschaft, Pflanzen- und Tierarten im Focus. Sie stellen ein Instrumentarium der Hoffnung dar, Es sind positive zukunftsgerichtete, auch und gerade menschenfreundliche Einrichtungen und Errungenschaften.
Die Gesetzeslage ist also überwiegend gut. Das Schutzgebietsnetz relativ eng geknüpft. Die Bilanz auf diesem Feld: positiv.

Themenwechsel oder die gefährlichen Gegenkräfte
Es gibt Landes-Umweltminister, die in der Elbtalaue eigenhändig Weiden abholzen.
Es gibt Elbvertiefungspläne mit gefährlichen Konsequenzen für die Ökologie der Fluss- und Bachsysteme und für die Menschen hinter den Deichen. Wieder ist hier dieses lineare Denken am Werk : größere Containerschiffe ð tieferes Flussbett ! So einfach ist das. Störendes Laub im Herbst auf dem Rasen ðBeseitigung eines lebensvollen Baumes! So einfach!
Wir haben Wasserverbände, die von ökologisch angepasster Pflege unserer Fließgewässer nichts wissen und wahrnehmen wollen. Dabei ist eine solche ökologische Betreuung zudem noch äußerst ökonomisch, weil billiger !

Wir haben Bürgermeister und Ortsräte, (natürlich auch Stadträte, Senate etc.) denen jede ökologische Verbesserungsmaßnahme abgetrotzt werden muss, wenn es denn überhaupt gelingt. Die Nutzung von Schleichwegen, das Aushebeln von Gesetzesvorlagen zum Schutz der natürlichen Resourcen gilt hier immer noch als fortschrittlich !
Wir haben unter uns immer noch zu viele Menschen, die in ihren Urlaubsgebieten hohe Ansprüche an eine intakte und schöne Natur stellen, wieder daheim aber rücksichtslos (oder nur gedankenlos ?) ihre Gartenabfälle und ihren Wohlstandsmüll irgendwo um die Ecke oder im Wald entsorgen.
Wir haben Bürgermeister und Ortsräte und natürlich viel zu viele Bürger im Lande, die die Natur- und Landschaftsschutz-gesetze als Bremsklötze, Störenfriede, lästige Hindernisse ansehen, zugleich aber in ihren Ortschaften den Urlaub auf dem Bauernhof fördern, den Sanften Tourismus als Wirtschaftsfaktor entwickeln möchten oder auch ihr Dorf z. B. als „Tor zur Heide" propagieren.
Hier fehlen (fast durchweg) gesamtheitlich entwickelte Leitbilder !
Wir haben genug davon, im doppelten Sinne. Es heißt immer so schön (und der Satz bleibt sicherlich auch richtig): Naturschutz geht nur mit den Bürgern, den Landwirten und nicht gegen sie ! Diese Forderung darf und muss – glaube ich – aber auch einmal ganz deutlich mit umgekehrter Blickrichtung formuliert werden: Fortschrittliches Denken und Handeln des Einzelnen und der Verantwortlichen in Institutionen aller Art geht ausschließlich nur noch mit gebührender Beachtung des Naturschutzes im weitesten Sinne – und zwar auf allen Handlungsfeldern !
Die Bilanzen sind auf diesem Feld eher desillusionierend negativ.

Themenwechsel: der AKN
Wie fügt sich das Wirken des AKN ein in diese Welt der widersprüchlichen Bilanzen, der Anachronismen, aber auch der vielversprechenden Gesetzeshilfen und positiven Weichenstellungen?
Wo stehen wir mit unseren Zielen und Aktionen hier vor Ort, im Kleinen ?
Unser Verein kann nicht nur auf einen gesunden, langsamen und kontinuierlichen Anstieg seiner Mitgliederzahl verweisen.
Er kann auch auf ein weitverzweigtes Netz von Freunden, Stützern, positiven Verstärkern unserer Arbeit im Raum der Samtgemeinde zählen und darüber hinaus. Auch dieses Netz wächst stetig. Wir finden bei konkreten Vorhaben, Projekten auch immer wieder hilfreiche Unterstützung in der Verwaltung der Samtgemeinde, gelegentlich auch bei einzelnen Gemeinden, doch ist hier die „Zurückhaltung" nach wie vor auffällig, von offensivem Vertreten des Naturschutzes ganz zu schweigen (Ausnahmen bestätigen die Regel!).
Unser fachliches, sachorientiertes Urteil bei Stellungnahmen zu Bebauungsplänen und Flächennutzungsplan-Änderungen ist anerkannt.
Unsere 20jährige Arbeit zur Sicherung und Entwicklung von wertvollen Lebensräumen innerhalb und außerhalb der Naturschutzgebiete unserer Samtgemeinde hat zu einem reichen Fleckenteppich geführt, der sicherlich auch immer noch ein Flickenteppich ist, doch durchaus wichtige Qualitäten für eine Biotop-vernetzungs- und Trittstein-Konzeption, sowie für den konkreten Artenschutz erbracht hat.

Die seit mehr als 20 Jahren Schritt für Schritt vorangebrachte Wieder-vernässung der für die Größe unserer Samtgemeinde durchaus respektablen Moorreste zeigt hervorragende Wirkungen. Moor-Renaturierung bedeutet langfristig Moor-Wachstum. Dies macht ein Moor zu einem wertvollen CO2– und Wasser-Speicher. In dem wassergesättigten, torfmoosbeherrschten, sauren Milieu wird der durch die Pflanzen gespeicherte Kohlenstoff im wachsenden Torf abgelagert und damit der Atmosphäre dauerhaft entzogen.
Das wirkt dem derzeit weltweit noch viel zu mächtigen Torfabbau entgegen. Torf gehört ins Moor – das war schon ein Slogan der Bilanz-Ökologen der 80er Jahre. Er wurde gehört, aber kaum beherzigt. Immer noch fordert der Gartenbau, der gewerbliche wie der private, überreichlichen Tribut von den verbliebenen Mooren – heute überwiegend in den osteuropäischen Ländern, denn unsere Moore sind weitgehend erschöpft im umfassenden Sinne.
Aber Moorwachstum heißt auch Wasserspeicherung für die Grundwasserreserven der Umgebung, heißt auch Puffer für Hochwassersituationen und Trockenperioden (aktuell April 07 !). Und natürlich stellen unsere Restmoore und ihre Randbereiche wertvolle Lebensräume dar für Pflanzen und Tiere aus allen Artengruppen, Refugien auch für viele anpassungsfähige Arten, die außerhalb der Moore immer weniger Lebensraum finden.
Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit des AKN ist der Erhalt kleinräumiger, gewachsener Vielfalt an Landschaft und Lebensraumtypen, flächendeckend, und damit auch die Förderung der Artenvielfalt in unserem Raum.
Das ist zunächst ganz zweckfrei aus menschlicher Sicht, es ist Verantwortungsübernahme im besten Sinne für die vom Menschen rundum bedrängte Natur.
Aber es ist zugleich ein schwer messbarer und doch unzweifelhafter Beitrag zur Sicherung und Steigerung der Lebensqualität der Menschen vor Ort, ein Potenzial für Naherholung, sanften Tourismus, für die Einrichtung von Regionalparks u.a..
Naturnahe Landschaft ist schon immer ein wichtiger Wohlfühlfaktor für den Menschen gewesen. Vielfalt und Schönheit einer Landschaft sind daher anerkannte Wirtschaftsfaktoren für viele Regionen!

Diese Aspekte zusammen sind ein nicht unbedeutender Posten in der positiven Gesamtbilanz der Arbeit des AKN in der Samtgemeinde Tostedt.
Wir werden weiter daran arbeiten.

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Wiedervernässtes Moor bei Wistedt = positive Bilanz des Naturschutzes

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Zerstörtes Feuchtgebiet in Todtglüsingen = Bilanz politischer Entscheidungen

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Lungenenzian auf langfristig vom AKN gepachteter Weide

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Schrottentsorgung im FFH-Gebiet Osterbruch

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Gartenabfall entsorgt? Auf dem Rückweg

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Wilde Gartenabfall-Deponie im Frühlingsblüher-Wald Glüsinger Bruch


Wer löffelt am Ende all die Suppen aus, die Umweltminister Sander dem Naturschutz einbrockt?

[Inhalt]

 

Zu neuen Ufern
Renaturierungsmaßnahmen im Schmokbachtal

Wo, bitte, liegt das Schmokbachtal ?
Eine wohl berechtigte Frage für viele, für vielleicht alle, die nicht in seiner unmittelbaren Umgebung leben.
Der Schmokbach ist ein Bächlein, das im Raume Neddernhof (südlich von Sprötze und der Bahnlinie HH – HB) von Osten zur Este hin sein Wasser abgibt.
Seit 2005 gehört das überwiegende Areal des Schmokbaches der Edmund-Siemers-Stiftung. Mit dem Kauf einer letzten „Schlüsselfläche" mit Fischteich, auf halber Länge der schmalen Bachaue war der Weg frei zur Umgestaltung auch dieses Auenabschnitts.
Schon seit Mitte der 90er Jahre wurden in Zusammenarbeit mit dem AKN und vor allem mit Herrn Dr. Tent Verbesserungen initiiert, die die Quell-, Bach- u. Teichzonen auf dem Gestütsgelände der Familie Siemers betrafen, gleichsam den Mittel- und Unterlauf des Schmokbaches betreffend. Auch die Weide-, Wald- und vor allem Bruchwaldareale wurden mit einbezogen. Ziel war und ist es, eine größtmögliche naturnahe Entwicklung der verschiedenen Bereiche zu erreichen, zugleich aber auch eine extensive Nutzung der Weideflächen durch das Ponygestüt von Anna Siemers in das Biotopmanagement einzubeziehen.

Der Landschaftspark
Unter dem Titel Landschaftspark Schmokbachtal wurde dann – im Jahre 2000 – das der Familie Siemers gehörende Areal der Edmund-Siemers-Stiftung übertragen. Ziel: Entwicklung eines Landschaftsparks, der die eben skizzierten Biotopentwicklungen zur Basis hat. Neben der Natur soll im Landschaftspark Schmokbachtal auch die Kunst erlebbar gemacht werden, eine Kunst in Auseinandersetzung mit der Natur, mit ihren unerschöpflichen Anregungen durch Formen, Farben und jahreszeitliche Prozesse. Zahlreiche Künstler haben seitdem einzeln oder in studentischen Gruppen künstlerische Projekte mit den natürlichen vor Ort gegebenen Materialien in die Landschaft dort hineingearbeitet. Diese Werke sind z.T.- oft gewollt und naturgegeben - kurzlebig aufgrund der verwendeten Materialien (Holz, Blätter, Gräser) unter häufiger Einbeziehung der vielfältigen Still- und der kleinen Fließgewässer des Geländes.
Die künstlerischen Zielsetzungen sind aber z.T. mittel- bis langfristig angelegt wie z.B. der Weidendom, oder auch auf Dauer angelegt, wie die durch Sichtachsen über große Distanzen miteinander verbundenen Findlingssetzungen an markanten Punkten in der Landschaft.
Mit dem Erwerb des völlig naturfern gestalteten Fischteiches in der Mitte des kleinen Bachlaufes konnte nun endlich ein zentraler Bereich zwischen oberem und unterem Schmokbachtal zu mehr Naturnähe geführt werden.

Der Schmokbach - gestern und heute
Der Schmokbach entsprang ursprünglich in den Lohbergen. Nacheiszeitliche Schmelzwasser haben ihren Weg Richtung Este durch z.T. tiefe Eingrabungen an den sanften Hängen der Lohberge markiert. Doch sorgten die durchlässigen tieferen Bodenschichten schon bald dafür, dass sich die Lohberge nicht zu einem dauerhaften Quellgebiet entwickelten. Der Schmokbach verlor einen wichtigen Teil seines Einzugsgebietes. Spätestens mit dem massiven Unterbau der heutigen B 3 kam eine mächtige Barriere hinzu. Dennoch wurde aus Sicherheitsgründen in die dammartige Er-höhung der B 3 in diesem Abschnitt und in Fortsetzung des von den Lohbergen her kommenden z.T. tief eingefurchten Trockentales ein mächtiger Durchlass eingebaut, den der Mensch bequem in gebückter Haltung passieren kann.
So beginnt der feuchte bis nasse, aber regelmäßig sommertrockene Oberlauf des Schmokbaches heute mit einem kleinen Tümpel unmittelbar westlich der B 3.
Auf den ersten 200 Metern durchzieht das Bachbett eine schmale eingefurchte Geländefalte. Der Sickerquellbereich ist von Weidengebüsch, Zitterpappeln und weiter westwärts von Erlen begleitet.
Bei normalen Niederschlagsmengen im Herbst-Winterhalbjahr und nicht zu trockenen vorangegangenen Sommern weist das Bächlein hier durchaus ein schmales, verstecktes, aber zügiges und kontinuierliches Gerinne auf.
Dieser Abschnitt bis zu einem Waldweg, der die Aue auf einem Querdamm mit Rohrdurchlass kreuzt, ist naturbelassen erhalten und bedurfte keiner Korrekturen.
Der nun folgende Abschnitt des Oberlaufes verlief ursprünglich – den natürlichen Gegebenheiten des Geländes entsprechend - in der tiefsten Mittellinie der nur schmalen und ca. 200 m langen Aue. Hier beherrschte in früheren Zeiten sicherlich ein sumpfiger Erlenbruch das Bild.
Die Auenbereiche ab dem Querdamm, also bachabwärts, sind daher immer noch westwärts zunehmend quellig, so dass – wollte man eine erquickliche Nutzung des Bereiches als Weide sicherstellen – massive Entwässerung nötig war.
Diese wurde erreicht durch die gewaltsame Verlegung des Bachbettes direkt an den nördlichen Rand der Weide, durch das Einziehen von Dränagesträngen und durch Einebnung/Verfüllung der ursprünglichen Bachrinne. Durch diese Maßnahmen erhielt man eine unzerschnittene, einheitliche, wenn auch nur kleine Wirtschaftsfläche.

Das Projekt Rückbau
Diese Vergewaltigung der kleinen Aue mit ihrem Bächlein wurde nun im November 2006 rückgängig gemacht. Der Schmokbach erhielt einen zunächst provisorischen doppelten Rohrdurchlass im Bereich des Querdammes an der tiefsten Stelle des Auenquerschnitts. Hier ist später eine Furt mit Steg geplant. Das randständige Bachbett wurde an mehreren Stellen verfüllt, das neue Bachbett windungsreich wieder in der Mittellinie der Weide mit dem Bagger eingefurcht. Wir stießen bei diesen Baggerarbeiten auf tiefliegende alte Erlenwurzeln und auch auf einen schmalen Stein- und Grobkieshorizont, der wohl das alte ursprüngliche Bachbett aufzeigte.
Am Ende der Weide musste der wichtige Übergang in den dortigen Fischteich hergestellt werden. Dieser schon eingangs erwähnte fast quadratische Teich war das zweite Projektglied im Renaturierungskonzept. Tief in den Quellhorizont der Aue eingegraben, mit starrer, senkrechter Bongossi-Einfassung (tropisches Hartholz) versehen, mit tief gesetztem Durchlass über einen Mönch in den nachfolgenden Bachabschnitt entwässernd, war dieser Teich ein markanter Fremdkörper im gesamten Schmokbachtal.
Es musste – erzwungen durch die Tiefe der Teichsohle – ein erhebliches Gefälle vom Querdamm oberhalb der Weide bis zum Übergang des Teiches in den Folgeabschnitt des Baches überwunden werden : rund 3 m.
Bei der Umwandlung des Fischteiches in einen sich mit flachen Ufern in die vorhandene Geländeformation harmonisch einfügenden Teich bestätigte sich, dass dieser Teich selbst ein großer, ganzjährig kräftig Wasser produzierender großer „Quelltopf" ist. Spätestens ab der neuen Weiheranlage ist der Schmokbach also ganzjährig wasserführend.
Das Alter der im Unterlauf vom Bach durchflossenen Teiche, ihr harmonisches „Hineingewachsensein" in die Landschaft, ihre Zahl und Größe, vor allem aber die geringe Breite der eigentlichen Aue im Mittel- und Oberlauf, lassen eine Verwirklichung der Durchgängigkeit des Bachlaufes nicht zu.
Das Schmokbachtal ist daher durch eine seit langer Zeit vom Menschen geprägte versteckte Teichlandschaft charakterisiert, deren verbindendes Element der Schmokbach darstellt.
Ihm gesellen sich im Unterlauf mehrere wasserreiche kleine Quellstränge zu, die den z.T. noch ursprünglichen Erlenbruchwäldchen entspringen und die - ohne Teichdurchfluss – ihr Wasser in die Este abgeben.
Das Projekt „Schmokbachverlegung" und „Fischteichumgestaltung" wurde vom 20.11.- 29.11.2006 durchgeführt.
Die Planungen wurden von Matthias Kempe in engster Abstimmung mit Herrn Edmund Siemers von der Siermers-Stiftung und dem AKN erstellt. Abgestimmt wurden die Pläne mit der Naturschutzabteilung und mit der Abteilung Boden/Luft/Wasser des Landkreises. Dabei wurden hinsichtlich der Fischteich-Umgestaltung mehrere Versionen erörtert und bewertet.
Da die Wasserproduktion des Teiches erheblich ist, erschien es unsinnig und auch unnötig kostspielig, große Teile des Teiches mit neutralem Sand/Kies zu verfüllen (>1000 cbm !), um schließlich eine quellige Sumpfzone zu erhalten, die auch das Wasser des Oberlaufes zunächst einmal aufnimmt. Der Vielfalt förderlich schien es dagegen, ein respektables Stillgewässer zu entwickeln mit unregelmäßiger Uferlinie und mit ausgedehnten wechselflachen Ufern, auf denen in breiten Bereichen quellige Sumpfzonen sukzessive entstehen werden.
In die vorbereitenden Überlegungen wurden auch die Firmen Pankop und Rosenbrock (beide aus Tostedt) mit einbezogen. Die Firma Pankop bekam schließlich den Zuschlag. Die Durchführung der Maßnahmen erwies sich – vor allem bei der Umgestaltung des Fischteiches – als ein Lehrbeispiel für das Prinzip „learning by doing". Mit bewundernswerter Flexibilität und Geduld hat Günther Rathjen von der Firma Pankop sich, seinen mächtigen Ketten-Bagger und damit das Projekt im wahrsten Sinne des Wortes „zu neuen Ufern" gebracht. Es waren 10 Tage prächtiger Zusammenarbeit. An dieser Stelle nochmals ein kräftiges Dankeschön an Dich, Günther, von mir, auch im Namen der Edmund-Siemers-Stiftung und von Matthias.

Nach dem Umbau
Das Wasser läuft, rinnt eilig in sanften Schwingungen über das mit Kieseln angehobene Bachbett unterhalb des umgestalteten Teiches. Der Mönch ist weg, offen läuft der Quellteich in die vorgegebene Rinne über. Drüben am östlichen Ufer, dort, wo der neugestaltete Oberlauf in den Quellteich mündet, erreicht nur ein ganz schwacher „Wasserfaden" den Teich. Ab Mitte der Weide bachaufwärts ist das neugeschaffene Bachbett noch trocken im Januar 07, oberhalb des Querdammes desgleichen. Schicht- und Grundwasserdefizite der gesamten Region werden einmal mehr deutlich! Doch nach den starken Regenfällen im Januar begann das Bächlein „plötzlich" in ganzer Länge zu laufen. Und das blieb auch noch so, als im April über mehr als 4 Wochen kein Regen fiel und z.T. sommerwarme Temperaturen herrschten.
Die „Umbaustelle" erwartet jetzt sehnsüchtig die Wiederbesiedlung durch die Pflanzen, zartes Grün zeigt sich schon an vielen Stellen, jetzt Ende April, da ich dies schreibe. Alles, was hier neue Angebote vorfindet, ist in der näheren Umgebung vorhanden. Es wird nicht lange dauern. Frösche, Kröten, Molche und Wasserkäfer sind schon da. Während der Umbauarbeiten wurde u.a. auch ein jugendlicher Kammolch gefunden, eine neue Entdeckung für das obere Estetal.

Ein Jahr mindestens sollen nun die Entwicklungen an Bach und Teich beobachtet werden. Weniger am Teich als möglicherweise am neugeschaffenen Bachbett werden Nacharbeiten für den Herbst 2007 resp. 2008 von uns erwartet.
Der Umbau war eine spannende Arbeit, die Entwicklungen der nächsten Jahre auf den umgestalteten Flächen werden sicherlich noch ungleich spannender.

Wer Interesse an einer Führung durch das Gelände hat, melde sich bitte beim AKN.

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Der Teich: vorher -

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und nachher

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Das neu geschaffene Bachbett

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Von der steilen Bongossi-Uferkante zur flachen Uferlinie

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Meter für Meter entsteht das neue Bachbett

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Vorher: Abfluss über tief liegendes Rohr u. Graben

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Nachher: Freier Abfluss über ein Kieselbett

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Wissen und Poesie
Das Buschwindröschen in Wort und Bild

Buschwindröschen
= Anemone nemorosa L.
(Hahnenfußgewächs)

Wohl kaum eine andere Blume erweckt so sehr den Eindruck des Schlafens wie das Buschwindröschen, wenn sich am Abend die zahllosen Blüten schließen, sich abwärts neigen und auf die Blätter legen. Erst spät am Tage „stehen sie auf", an grauen Tagen gar nicht. Die Blüten nehmen eine Schutzhaltung ein, wenn Bienen und Hummeln nicht fliegen. Die Blätter aber nutzen auch an trüben Tagen das Licht, zumal sie als Schattenblätter schon bei geringer Lichtintensität maximale Photosynthese betreiben können. Ihre „Hauptarbeitszeit" liegt im Frühling, bevor die Sträucher und Bäume grün werden und ihnen das Licht nehmen. Sternenübersäte Teppiche zieren dann unsere lichten Wälder. Wenn die Blüten älter werden und des Schutzes nicht mehr bedürfen, verlieren sie allmählich ihre Reaktionsfähigkeit.
Gisela Ernst

Von den Sternen fällt der Tau;
still! die Buschwindröschen schlafen.
Gleich dem bleichen Wellenschaum
ruhen sie auf schwarzen Wogen,
atmen in den nächtlich weiten Raum,

Köpfe sanft herabgebogen.
An den Gräsern blinkt der Tau;
doch - die Buschwindröschen schlafen.
Blitzt so rot, so gelb, so blank,
Röschen öffnen nicht die Augen,
hören nicht der Lerchen Jubelsang,
müssen Wärme in sich saugen.

Steigt die Sonne hoch ins Blau,
hei! wie Buschwindröschen lachen!
Strahlend hell in reinem Weiß
leuchten, blenden ihre Blütensterne,
winken werbend um der Bienen Fleiß,
locken sie aus weiter Ferne.

Wird der Tag nur nebelgrau,
ach! die Buschwindröschen schlafen.
Polster haben sie gewebt,
Perlen gleichend drauf die Blüten liegen.
Ganz vereinzelt sich ein Köpfchen hebt,
fester sich noch einzuschmiegen.

Luft streicht drüber, feucht und rauh;
still! die Buschwindröschen schlafen.

Gisela Ernst

Das Buschwindröschen ist bei uns in der Samtgemeinde Tostedt noch recht häufig und weit verbreitet. Insbesondere in lichten Laubwäldern, die nicht zu trocken sind, prägt es im Frühjahr zusammen mit Scharbockskraut und Hainveilchen deren Charakter kurz vor dem Laubaustrieb.

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Zeichnung: G.Ernst

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Aktivitäten des AKN im Winterhalbjahr 2006/07
Begehungen, Bereisungen, Treffen, Sitzungen, Arbeits- und Pflegeeinsätze
Mo.20.11.-
Di. 28.11.06:
Betreuung der Umgestaltungsarbeiten der Firma Pankop am Schmokbach/Neddernhof, zusammen mit Matthias Kempe,

Do. 30.11.06: a) Einführung der Zivis Philip Peschuttos u. Paul Tröger in ihre Arbeitsbereiche im Großen Moor,
b) Besuch der Veranstaltung des Landkreises in Winsen zum Thema Fließgewässerschutz und Gewässer-Unterhaltung,
Sa. 02.12.06: Handräumung eines Grabens auf der E.-Siemers-Stiftungsfläche an der Heidenauer Aue,
Di. 05.12.06: Bereisung von Büsenbach (Quellgeb.), Bahnlinien-Biotope mit Herrn Gumz, Abtl. Naturschutz, Landkreis Harburg,
Mi.06.12.06: Zaunreparaturen auf unseren Pachtflächen am Dössel, Kakenstorf,
Do.07.12.06: Vorsägen zum Heckenpflege-Einsatz am Samstag, Heidenau,
Sa. 09.12.06: a) Handeloher Arbeitsgruppe: Entkusseln am Wörmer Weg,
b) Heidenauer Arbeitsgruppe: Heckenpflege am Füssel,
Mi. 13.12.06: Beseitigung alter Stacheldrahtzaun- und Schafszaunreste am Heiderücken (NSG Obere Wümme) (1)
Sa. 06.01.07: Test des „Kirschenreißer-Gerätes" mit Trecker auf der Drögen Heide,
Mi. 10.01. +
Do. 11.01.07:
Zusammentragen der Vogeldaten mit den einzelnen Kartierern für den Vogelatlas ADEBAR,
Fr. 12.01.07: Begehung versch. Landschaftsteile in der Oberen Wümmeniederung mit Herrn Hirt, Abt. Naturschutz/Landkreis Harburg und Begehung des Rauhen Moores/ Springmoores und des Everstorfer Moores,


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"Die Bäume wird der Traktor gleich rausziehen!"

Sa. 13.01.07: Arbeitseinsatz an den Dittmer-Teichen, zusammen mit der Fam. Dittmer,
So. 14.01.07: Setzen von Pfählen und E-Zaun für eine Beweidung des Heiderückens im NSG Obere Wümme, zusammen mit unserem Mitglied Klaus Hamper,
Mo. 15.01.07: Begehung des Südteils des Großen Moores mit Herrn Wacker von den Pfadfindern Tostedt. Ziel: mögliche Pflege-Patenschaft der Pfadfinder,
Fr. 19.01.07: Bereisung von wilden Ablagerungen/Müllkippen in der Landschaft zwecks Dokumentation und Beseitigung,
Sa. 27.01.07: Entkusselung im Everstorfer Moor durch die Heidenauer Arbeitsgruppe,
Mo.29.01.07: Mit Günther Rathjen (Firma Pankop) am Grenzgraben, unterhalb des Hdl. Friedhofs: Entschlammung und sanfte Ausweitung,
Sa. 03.02.07: a) Handeloher Arbeitsgruppe: Beseitigung der Späten Traubenkirsche auf der Drögen Heide,
b) Aufbau des Krötenzaunes am Knick,
c) Heidenauer Arbeitsgruppe: Entkusselung im Rauhen Moor,
Mi. 07.02.07: Aufbau des Krötenzaunes am Otterberg/Riepshof,
Mo.12.02.07: Besichtigung der Pachtflächen auf den Siemers-Flächen mit dem Pächter Herrn Wilhelm Erhorn; Schaffung einer Durchfahrt in einem Nassbereich,
Mi.14.02.07: Treffen mit den Zivis an der ehemaligen Bohling-Fläche: Besprechung der Arbeiten zur Wasserrückhaltung,
Fr. 16.02.07: Grabenschließungsarbeiten mit Günther Rathjen (Firma Pankop) am Westrand des NSG Ottermoor/Otterheide,
Sa. 17.02.07: Handeloher Gruppe: Arbeitseinsatz auf den Flächen unterhalb des Handeloher Friedhofs,
Do. 22.2.07: Teilnahme an der Umwelt-, Bau- und Planungsausschuss-Sitzung der SG Tostedt,

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Begehung des Geländes der Vorwerk-Stiftung

Sa. 24.02.07: Zweiter Arbeitseinsatz an den Dittmer-Teichen,
Mo. 26.02.07: Einbringen der Sammeleimer am Krötenzaun Riepshof,
Mo. 05.03.07: Begehung des Geländes der Vorwerk-Stiftung mit Frau Vorwerk, Herrn Weiß, einem Vertreter des Planungsbüros, Frau Nicola Matthies (Forst) und dem AKN zwecks Abstimmung der Maßnahmen in den verschiedenen Landschaftsteilen, Projekt: Ökokonto
Do. 08.03.07: Abgehen der Weide- und Feldgehölzgrenzen rund um den Heiderücken zur Feststellung der noch abzubauenden Zaunreste,
Sa. 10.03.07: a) Abbau von Zaunresten im NSG Obere Wümme (2),
b) Gespräch mit Herrn Siemers über die weitere Begleitung der Schmokbach-Umgestaltung,
So. 11.03.07: Grünlandbereisung des AKN-Vorstands im Raum Wistedt (Pacht- + Eigentumsflächen),
Mi. 14.03.07: Hauptversammlung des Vereins Aktion Krötenrettung Holmer Teiche e.V. in Buchholz,
Fr. 16.03.07: Hauptversammlung des AKN im Gasthaus Burmester, Heidenau,
Fr. 23.03.07: Teilnahme an der Gründungsversammlung für den Regionalpark Estetal, Rosengarten, Harburger Berge in Hollenstedt,
Sa. 24.03.07: Führung im Bereich der Schmokbach-Umgestaltung in Neddernhof,
Mi. 28.03.07: Treffen in Heidenau zur Lösung der Wiedervernässungsprobleme im Everstorfer Moor auf Einladung der Bürgermeisterin, Frau Randt; Teilnehmer: Lkr. Harburg, Klosterkammer, Boden- u. Wasserverband Kalber Bach, AKN,
Fr. 30.03.07: Setzen von 10 kräftigen Weidentrieben zur Entwicklung von Kopfweiden auf der ehem. Maak-Fläche,
Sa. 31.03.07: a) Pflegeeinsatz auf den Obstbaumflächen an der Viehtrift (1),
b) Obstbaumpflanzung der Gruppe Heidenau am Füsselweg,

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Beim Ampfer-Stechen an der Viehtrift

Mo. 02.04.07: Herrichtung der Schwalbenwand in der alten Sandgrube am Hdl. Friedhof,
Mi. 04.04.07: Abbau des Krötenzaunes am Knick, Begehung des AKN-Grundstücks Avenser Wiehe und Versetzen der Zaunpfähle dort in die Mitte des „Grenzgrabens",
Di. 17.04.07: Besuch der BUND/Greenpeace-Veranstaltung zum Thema Erneuerbare Energien/Biogas in Trelde,
Mi. 18.04.07: Kontrolle der Wasserstände im NSG Ottermoor an den Beobachtungsstellen K1, K2, K3, mit den Vertretern der Abt. Boden/Luft/Wasser des Landkreises, (Herr Peter, Leiter der Abteilung, Jürgen Meyer, Herr Peters),
Do. 19.04.07: a) Treffen zwischen dem AKN und der Verwaltung der Gem. Handeloh mit Teilnahme des Bürgermeisters, Herrn Schröder. Thema: Übernahme von Wanderwegpflege durch den AKN ?,
b) Erste Do.-Exkursion,
Fr. 20.04.07: E-Zaun-Einrichtung auf der Lungenenzian-Weide/Wistedt für eine Frühjahrsbeweidung,
Mo. 23.04.07: Besuch eines Vortrags über Wildbienen. Veranstalter: der Tostedter Imkerverein mit unseren Mitgliedern Günther Klenota und Horst-Dieter Fehling,
Mi. 25.04.07: Einführung von Frau Riedel, Buchholz, in die Geländearbeit im Zuge der Vogel-Atlas-Kartierung im Messtischblatt 2623/2,
Sa. 28.04.07: Pflegearbeiten auf unseren Obstbaumflächen an der Viehtrift (2).

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